Walther Langenegger: Unterschied zwischen den Versionen

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Von 1877 bis 1880 wirkte er als [[Lehrer]] an der Klosterschule für verschiedene Fächer, dann nur noch als Lehrer für Französisch. Der spätere P. [[Franz Huber]] erinnerte sich als junger Schüler (1877) an ihn: "P. Walther war wirklich ein Professor, der seine Klasse für Griechisch und Latein eigentlich zu begeistern wusste, und besonders auch in der deutschen Sprache grossen Einfluss auf die Entwicklung seiner Schüler ausübte. Wie wusste er durch prächtige Themata die Schaffensfreude anzuregen und poetisches Talent zu wecken."<ref>…"Eine Episode aus dem Anfang jenes Jahres ist zu köstlich, als das ich sie unerwähnt lassen könnte. Freund Robert (der spätere Bischof Dr. Robert Bürkler) hatte seine Zeit reichlich mit Freifächern belegt und da will es das Unglück, dass einmal ein Süpflestück statt des gewohnten 'Sine' sieben Fehler aufweist. Da kommt P. Walther in der nächsten Stunde, pflanzt sich vor dem nichtsahnenden Sünder auf, präsentiert ihm das ominöse Corpus delicti und hält ihm folgende Standrede: 'Ja, man spricht Französisch, man spricht Italienisch, man spielt Klavier, man flötet, man trompetet, und dann macht man sieben Fehler im Süpfle.'" Vgl. Erinnerungen an Bischof Dr. Robertus Bürkler sel., in: Titlisgrüsse 16, September 1930, S. 71, 8. April 1877.</ref>
 
Von 1877 bis 1880 wirkte er als [[Lehrer]] an der Klosterschule für verschiedene Fächer, dann nur noch als Lehrer für Französisch. Der spätere P. [[Franz Huber]] erinnerte sich als junger Schüler (1877) an ihn: "P. Walther war wirklich ein Professor, der seine Klasse für Griechisch und Latein eigentlich zu begeistern wusste, und besonders auch in der deutschen Sprache grossen Einfluss auf die Entwicklung seiner Schüler ausübte. Wie wusste er durch prächtige Themata die Schaffensfreude anzuregen und poetisches Talent zu wecken."<ref>…"Eine Episode aus dem Anfang jenes Jahres ist zu köstlich, als das ich sie unerwähnt lassen könnte. Freund Robert (der spätere Bischof Dr. Robert Bürkler) hatte seine Zeit reichlich mit Freifächern belegt und da will es das Unglück, dass einmal ein Süpflestück statt des gewohnten 'Sine' sieben Fehler aufweist. Da kommt P. Walther in der nächsten Stunde, pflanzt sich vor dem nichtsahnenden Sünder auf, präsentiert ihm das ominöse Corpus delicti und hält ihm folgende Standrede: 'Ja, man spricht Französisch, man spricht Italienisch, man spielt Klavier, man flötet, man trompetet, und dann macht man sieben Fehler im Süpfle.'" Vgl. Erinnerungen an Bischof Dr. Robertus Bürkler sel., in: Titlisgrüsse 16, September 1930, S. 71, 8. April 1877.</ref>
  
Kurz darauf wirkte er auch als zweiter Unterpfarrer in [[Engelberg]]. "Da er anfing, kränklich zu werden, hielt man eine andere Beschäftigung als vorteilhafter für ihn."<ref>Obwaldner Volksfreund.</ref> So wurde er 1880 [[Grosskellner]], ein Amt, das er 24 Jahre lang mit kluger Umsicht und grosser Energie bis 1904 ausübte. Er verstand es, eine Interessenkollision zu vermeiden, auch wenn es nicht immer ohne Spannungen abging. In dieser Funktion versuchte er, sein Wissen durch das Studium von Fachliteratur weiter zu bereichern. So war er u. a. "ein treuer Abonnent der 'Schweiz. Landwirtschaftlichen Zeitschrift' und ein fleissiger Besucher der landwirtschaftlichen Ausstellungen, so dass er auf diesem Gebiete vollständig beschlagen war. … Sein Augenmerk war besonders auf die Verbesserung und Ertragssteigerung der Alpweiden gerichtet, indem er u. a. Jauchetröge und geordnete Miststätten errichtete und für genügend Wasser sorgte. In dieser Beziehung schuf er vorbildliches. Zu diesem Zwecke verband er sich auch mit dem Schweiz.- Alpwirtschaftlichen Verein, mit dessen Vorstandsmitgliedern er speziell befreundet war. Er hatte dann auch die Freude, eine der grössern Alpweiden, die sogen. 'Herrenrüti', diplomiert zu sehen. Aber auch den Waldungen zollte er alle Aufmerksamkeit und kannte sich gut in diesem Zweige der Landwirtschaft aus. Oft beging er behufs Revision der Marchungen und Bestände der Waldungen persönlich."<ref>Z. N.</ref> Ein besonderes Anliegen war ihm die Instandhaltung der Klosterbauten. In der Klosterkirche sorgte er dafür, dass neue Kirchenbänke beschafft und eingebaut wurden. "Für die Arbeit der Feuervergoldung des Turmkreuzes gewann er den in dieser Kunst einen Namen führenden Herrn Goldschmied und nunmehrigen Zahnarzt Schell in Zug." Die Wiederaufrichtung des schweren Metallkreuzes, "welche nicht ohne unvorhergesehene Schwierigkeiten von statten ging, war für die Talleute und Klosterbewohner ein Ereignis sondergleichen."
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Kurz darauf wirkte er auch als zweiter Unterpfarrer in [[Engelberg]]. "Da er anfing, kränklich zu werden, hielt man eine andere Beschäftigung als vorteilhafter für ihn."<ref>Obwaldner Volksfreund.</ref> So wurde er 1880 [[Grosskellner]], ein Amt, das er 24 Jahre lang mit kluger Umsicht und grosser Energie bis 1904 ausübte. Er verstand es, eine Interessenkollision zu vermeiden, auch wenn es nicht immer ohne Spannungen abging. In dieser Funktion versuchte er, sein Wissen durch das Studium von Fachliteratur weiter zu bereichern. So war er u. a. "ein treuer Abonnent der 'Schweiz. Landwirtschaftlichen Zeitschrift' und ein fleissiger Besucher der landwirtschaftlichen Ausstellungen, so dass er auf diesem Gebiete vollständig beschlagen war. … Sein Augenmerk war besonders auf die Verbesserung und Ertragssteigerung der Alpweiden gerichtet, indem er u. a. Jauchetröge und geordnete Miststätten errichtete und für genügend Wasser sorgte. In dieser Beziehung schuf er vorbildliches. Zu diesem Zwecke verband er sich auch mit dem Schweiz.- Alpwirtschaftlichen Verein, mit dessen Vorstandsmitgliedern er speziell befreundet war. Er hatte dann auch die Freude, eine der grössern Alpweiden, die sogen. 'Herrenrüti', diplomiert zu sehen. Aber auch den Waldungen zollte er alle Aufmerksamkeit und kannte sich gut in diesem Zweige der Landwirtschaft aus. Oft beging er behufs Revision der Marchungen und Bestände der Waldungen persönlich."<ref>Z.N.</ref> Ein besonderes Anliegen war ihm die Instandhaltung der Klosterbauten. In der Klosterkirche sorgte er dafür, dass neue Kirchenbänke beschafft und eingebaut wurden. "Für die Arbeit der Feuervergoldung des Turmkreuzes gewann er den in dieser Kunst einen Namen führenden Herrn Goldschmied und nunmehrigen Zahnarzt Schell in Zug." Die Wiederaufrichtung des schweren Metallkreuzes, "welche nicht ohne unvorhergesehene Schwierigkeiten von statten ging, war für die Talleute und Klosterbewohner ein Ereignis sondergleichen."
  
Um das Kloster nach Möglichkeit vor Feuersgefahr zu schützen und gleichzeitig mit genügend Quellwasser zu versorgen, erkannte er auch, dass dafür eine Wasserversorgung mit Hochdruckleitung und die Organisation einer selbsteigenen, geschulten Feuerwehr von grosser Wichtigkeit war.<ref>Z.N.</ref> „In den Neunziger Jahren ergriff der umsichtige Grosskellner P. Walther Langenegger bei Erstellung der Hochdruckleitung die Initiative zur Bildung einer Kloster-Feuerwehr. Diese wurde von ihm mit einem Hydrantenwagen ausgerüstet und hielt unter dem strammen Kommando von P. Magnus Siegwart eifrig Übungen ab."<ref>Titlisgr. 1915.</ref> Weiter sorgte er dafür, dass in das Kloster eine elektrische Beleuchtung – Abt [[Anselm Villiger]] war darüber erst abgeneigt - und eine Zentralheizung eingebaut wurde.   
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Um das Kloster nach Möglichkeit vor Feuersgefahr zu schützen und gleichzeitig mit genügend Quellwasser zu versorgen, erkannte er auch, dass dafür eine Wasserversorgung mit Hochdruckleitung und die Organisation einer selbsteigenen, geschulten Feuerwehr von grosser Wichtigkeit war.<ref>Z.N.</ref> "In den Neunziger Jahren ergriff der umsichtige Grosskellner P. Walther Langenegger bei Erstellung der Hochdruckleitung die Initiative zur Bildung einer Kloster-Feuerwehr. Diese wurde von ihm mit einem Hydrantenwagen ausgerüstet und hielt unter dem strammen Kommando von P. Magnus Siegwart eifrig Übungen ab."<ref>Titlisgrüsse1915.</ref> Weiter sorgte er dafür, dass in das Kloster eine elektrische Beleuchtung – Abt [[Anselm Villiger]] war darüber erst abgeneigt - und eine Zentralheizung eingebaut wurde.   
  
 
P. Walther war auch massgeblich am Kollegiumserweiterungsbau beteiligt. Um die Stiftsschule auf eine möglichst hohe Stufe zu bringen und einen Lehrstuhl der Philosophie zu errichten, beschlossen Abt und Konvent einen umfangreichen Um- und Neubau des bisherigen Kollegiums. Der Bau von 1863 war um 1900 zu klein geworden. Wie aus den Projektplänen, die vermutlich von P. Walter Langenegger und P. [[Karl Anderhalden]] initiert und von P. Karl gezeichnet wurden, hervorgeht, wollte man keinen kompletten Neubau errichten, sondern prüfte vielmehr Varianten, welche den bestehenden Bau in einem Neubau weiter nutzten.<ref>Odermatt, Absch. Kollegiumserweiterung, S. 37.</ref>
 
P. Walther war auch massgeblich am Kollegiumserweiterungsbau beteiligt. Um die Stiftsschule auf eine möglichst hohe Stufe zu bringen und einen Lehrstuhl der Philosophie zu errichten, beschlossen Abt und Konvent einen umfangreichen Um- und Neubau des bisherigen Kollegiums. Der Bau von 1863 war um 1900 zu klein geworden. Wie aus den Projektplänen, die vermutlich von P. Walter Langenegger und P. [[Karl Anderhalden]] initiert und von P. Karl gezeichnet wurden, hervorgeht, wollte man keinen kompletten Neubau errichten, sondern prüfte vielmehr Varianten, welche den bestehenden Bau in einem Neubau weiter nutzten.<ref>Odermatt, Absch. Kollegiumserweiterung, S. 37.</ref>
  
Mit dem Engelberger Hotelier Eduar Cattani kam es in den Jahren, als P. Walther Grosskellner war, nicht selten zu Konflikten, was die politischen und wirtschaftlichen Interessen betraf. Es handelte sich unterschiedliche Auffassungen in Abstimmungskämpfen aber auch Meinungsverschiedenheiten um geschichtliche Darstellungen über das Kloster Engelberg, die zu Spannungen führten.<ref>Bacher, Fremdenverkehr und Kulturkampf, S. 57-60.</ref> Im Nachruf heisst allgemein zum Verhältnis zur Bevölkerung Engelbergs: "Es darf von ihm gesagt werden, dass es ihm gelungen ist, die Interessen des Stiftes allseitig pflichtgemäss zu wahren und dennoch mit der Bevölkerung der Talschaft von Engelberg friedliche und freundliche Beziehungen zu unterhalten."<ref>Obwaldner Volksfreund.</ref> Er war auch die rechte Hand des Abtes Anselm in wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten. Wie er diesem anspruchsvollen Amt vorstand bezeugt ihm lobend Abt [[Anselm Villiger]] in seinen Tagebuchaufzeichnungen: "Ich danke Gott, dass er mir in P. Walter einen Grosskellner gegeben hat, auf den ich ein gutes Quantum Sorgen und Arbeit abladen kann."<ref>Tagebuch Abt Anselm Villiger, Bd. V., S. 273.</ref> 1881 am 16. September wurde unter seinem und P. [[Benedikt Gottwald]]s Vorsitz die 32-jährige Sr. Nicola Durrer vom Kloster St. Andreas in Sarnen von Abt [[Anselm Villiger]] zur neuen Äbtissin geweiht. 1882 war er noch [[Lehrer]] für Philosophie bei den Fratres und lehrte Französisch am Gymnasium.   
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Mit dem Engelberger Hotelier Eduar Cattani kam es in den Jahren, als P. Walther Grosskellner war, nicht selten zu Konflikten, was die politischen und wirtschaftlichen Interessen betraf. Es handelte sich unterschiedliche Auffassungen in Abstimmungskämpfen aber auch Meinungsverschiedenheiten um geschichtliche Darstellungen über das Kloster Engelberg, die zu Spannungen führten.<ref>Bacher, Fremdenverkehr und Kulturkampf, S. 57-60.</ref> Im Nachruf heisst allgemein zum Verhältnis zur Bevölkerung Engelbergs: "Es darf von ihm gesagt werden, dass es ihm gelungen ist, die Interessen des Stiftes allseitig pflichtgemäss zu wahren und dennoch mit der Bevölkerung der Talschaft von Engelberg friedliche und freundliche Beziehungen zu unterhalten."<ref>Obwaldner Volksfreund.</ref> Er war auch die rechte Hand des Abtes Anselm in wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten. Wie er diesem anspruchsvollen Amt vorstand bezeugt ihm lobend Abt [[Anselm Villiger]] in seinen Tagebuchaufzeichnungen: "Ich danke Gott, dass er mir in P. Walter einen Grosskellner gegeben hat, auf den ich ein gutes Quantum Sorgen und Arbeit abladen kann."<ref>StiArEbg Tagebuch Abt Anselm Villiger, Bd. V., S. 273.</ref> 1881 am 16. September wurde unter seinem und P. [[Benedikt Gottwald]]s Vorsitz die 32-jährige Sr. Nicola Durrer vom Kloster St. Andreas in Sarnen von Abt [[Anselm Villiger]] zur neuen Äbtissin geweiht. 1882 war er noch [[Lehrer]] für Philosophie bei den Fratres und lehrte Französisch am Gymnasium.   
  
 
Doch machten sich immer mehr gesundheitliche Beschwerden bemerkbar, so dass er 1904 um Entlassung aus seinem Amt des Grosskellners bat. Besonders machte ihm seit längerer Zeit ein chronischer Brustkatarrh und vor allem ein hartnäckisches rheumatisches Augenleiden zu schaffen, welche für seine Sehkraft das Schlimmste befürchten liess. Eine Art Behandlungskur in der Augenklinik Luzern und regelmässige Behandlungen beim Augenarzt Dr. med. H. Vogel in Luzern geben davon Zeugnis.<ref>So liegen noch einige Rechnungen für seine Behandlungen vor. Vom 10. Oktober bis 1. November 1904 war er 22 Tage in der Augenheilanstalt Luzern. Für 22 Krankentage wurde ihm "für Licht u. Beheizung d. Zimmers 6 Fr. 80 Cts. berechnet, weiter a 4 fr. pro Tag, zus. 94 Fr. 80 Cts." Vom 5. November 1904 war er beim Augenarzt Vogel für Behandlung  98.50 Franken und für die Halbjahresrechnung bei ihm vom 27. März bis 22. April 1905 "für klinische Behandlung, Medicin u. Verbände", zusammen 113 Franken.</ref> Aber auch diese brachten keine merkliche Verbesserung, so dass ihm eine weitere Tätigkeit auch in der Schule nicht mehr möglich war. 1905 war er im Auftrag von Abt [[Leodegar Scherer]] Wahlzeuge bei der Abtswahl von P. Augustin Rothenfluh in Mariastein.
 
Doch machten sich immer mehr gesundheitliche Beschwerden bemerkbar, so dass er 1904 um Entlassung aus seinem Amt des Grosskellners bat. Besonders machte ihm seit längerer Zeit ein chronischer Brustkatarrh und vor allem ein hartnäckisches rheumatisches Augenleiden zu schaffen, welche für seine Sehkraft das Schlimmste befürchten liess. Eine Art Behandlungskur in der Augenklinik Luzern und regelmässige Behandlungen beim Augenarzt Dr. med. H. Vogel in Luzern geben davon Zeugnis.<ref>So liegen noch einige Rechnungen für seine Behandlungen vor. Vom 10. Oktober bis 1. November 1904 war er 22 Tage in der Augenheilanstalt Luzern. Für 22 Krankentage wurde ihm "für Licht u. Beheizung d. Zimmers 6 Fr. 80 Cts. berechnet, weiter a 4 fr. pro Tag, zus. 94 Fr. 80 Cts." Vom 5. November 1904 war er beim Augenarzt Vogel für Behandlung  98.50 Franken und für die Halbjahresrechnung bei ihm vom 27. März bis 22. April 1905 "für klinische Behandlung, Medicin u. Verbände", zusammen 113 Franken.</ref> Aber auch diese brachten keine merkliche Verbesserung, so dass ihm eine weitere Tätigkeit auch in der Schule nicht mehr möglich war. 1905 war er im Auftrag von Abt [[Leodegar Scherer]] Wahlzeuge bei der Abtswahl von P. Augustin Rothenfluh in Mariastein.
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Nachdem P. [[Thomas Steiner]], der als [[Spiritual]] im Frauenkloster St. Andreas in Sarnen wirkte, am 2. Dezember 1905 einen Schlaganfall erlitt, wurde P. Walter als einstweilige Aushilfe als Beichtiger nach Sarnen berufen. Doch war ihm nur eine kurze Wirkungszeit beschieden.<ref>Zwei erhaltene Briefe von Sr. Aloisia (vom 3. November 1906), und Äbtissin Mechtild Steiner (vom 8. November 1906), welche sich die letzten Tage intensiv um ihn kümmerte, berichten in sehr eindrücklicher und detaillierter Form über die letzten Tage von P. Walther. Die beiden Briefe waren an ihren ehemaligen [[Spiritual]]en P. [[Karl Anderhalden]] gerichtet.</ref> Wie beliebt P. Walther in seiner kurzen Wirkungszeit war, mag die Bemerkung der Äbtissin widergeben: "Die Klosterfrauen sagen, dass ihnen der Tod der Gnädigen Frau nicht so zugesetzt habe, wie der von P. Walther."
 
Nachdem P. [[Thomas Steiner]], der als [[Spiritual]] im Frauenkloster St. Andreas in Sarnen wirkte, am 2. Dezember 1905 einen Schlaganfall erlitt, wurde P. Walter als einstweilige Aushilfe als Beichtiger nach Sarnen berufen. Doch war ihm nur eine kurze Wirkungszeit beschieden.<ref>Zwei erhaltene Briefe von Sr. Aloisia (vom 3. November 1906), und Äbtissin Mechtild Steiner (vom 8. November 1906), welche sich die letzten Tage intensiv um ihn kümmerte, berichten in sehr eindrücklicher und detaillierter Form über die letzten Tage von P. Walther. Die beiden Briefe waren an ihren ehemaligen [[Spiritual]]en P. [[Karl Anderhalden]] gerichtet.</ref> Wie beliebt P. Walther in seiner kurzen Wirkungszeit war, mag die Bemerkung der Äbtissin widergeben: "Die Klosterfrauen sagen, dass ihnen der Tod der Gnädigen Frau nicht so zugesetzt habe, wie der von P. Walther."
  
„Seine Leiche wurde am Montag nach Engelberg überführt. Herr Landammann Wirz, Nationalrat Ming und andere Herren gaben ihm das Ehrengeleite auf den Weg wo sie in Engelberg von der gesamten Schuljugend und einer grossen Menge Volkes empfangen und zur Kirche geleitet wurden. Tags darauf war Beerdigung und feierlicher Trauergottesdienst. Das Volk schien Feiertag zu machen; auch der Talrat war beinahe vollständig vertreten. Unter den Trauergästen fanden sich auch Vertreter der Kirchen- und Bürgergemeinde von Baar, mehrere Geistliche und die H. H. Präsidenten Hotz und Steiner."<ref>(Z. N.).</ref> P. Walther Langenegger starb am 3. November 1906 im 55. Lebensjahr, im 33. seiner Profess und im 29. seiner Priesterweihe.<ref>Nachrufe von P. Walther Langenegger: Vaterland, Nr. 255 vom 6. November 1906, S. 2, im Obwaldner Volksfreund, Nr. 87 vom 7. November 1906; in den Zuger Nachrichten 20, Nr. 129, 130, 132 vom 8., 10. und 15. November 1906.</ref>
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„Seine Leiche wurde am Montag nach Engelberg überführt. Herr Landammann Wirz, Nationalrat Ming und andere Herren gaben ihm das Ehrengeleite auf den Weg wo sie in Engelberg von der gesamten Schuljugend und einer grossen Menge Volkes empfangen und zur Kirche geleitet wurden. Tags darauf war Beerdigung und feierlicher Trauergottesdienst. Das Volk schien Feiertag zu machen; auch der Talrat war beinahe vollständig vertreten. Unter den Trauergästen fanden sich auch Vertreter der Kirchen- und Bürgergemeinde von Baar, mehrere Geistliche und die H. H. Präsidenten Hotz und Steiner."<ref>Z.N.</ref> P. Walther Langenegger starb am 3. November 1906 im 55. Lebensjahr, im 33. seiner Profess und im 29. seiner Priesterweihe.<ref>Nachrufe von P. Walther Langenegger: Vaterland, Nr. 255 vom 6. November 1906, S. 2, im Obwaldner Volksfreund, Nr. 87 vom 7. November 1906; in den Zuger Nachrichten 20, Nr. 129, 130, 132 vom 8., 10. und 15. November 1906.</ref>
  
 
== Einzelnachweise ==
 
== Einzelnachweise ==

Version vom 25. Januar 2022, 13:16 Uhr

Walther (Klemens) Langenegger (* 19. April 1852 in Baar; † 3. November 1906 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 4. Oktober 1974

Priesterweihe: 25. März 1877

Primiz: 8. April 1877

Ämter

Lehrer in der Stiftsschule: 1877–1880, 1882

Lehrer der Fratres: 1882

Grosskellner: 1880–1904

Spiritual in St. Andreas: 1904–1905

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Johann Langenegger, Bauer, und der Gertrud Karolina Müller.

Lebensbeschreibung[1]

P. Walther wurde als Sohn des Bauern Johann Langenegger, genannt "Josten zu Deinikon", und der Gertrud Karolina Müller, am 19. April 1852 im Weiler Deinikon, in der Pfarrgemeinde Baar (Kt. Zug) geboren. Am gleichen Tag wurde er in Baar auf den Namen Klemens Anton Gerold getauft. Taufpaten waren Karl Caspar Steiner und A. M. Andermatt.[2] Er hatte sieben Brüder und drei Schwestern.[3] Am Anfang ging er in Baar zur Schule, wo ihm der Sekundarlehrer Silvan Hotz die erste Schulbildung vemittelte. Danach besuchte er die Klosterschulen in Engelberg und Einsiedeln und kam dann als Lyzeist an das Kollegium Kollegium St. Michael in Fribourg.

1873 trat er in Engelberg ins Noviziat ein und konnte ein Jahr später, am 4. Oktober 1874 zusammen mit Fr. Gall Wettach als Fr. Walther einfache Profess ablegen, die ewigen Gelübde am 7. Oktober 1877. Alle Weihen erhielt er ebenfalls zusammen mit Fr. Gall. Am 10. Oktober 1875 empfing er den Subdiakonat, am 9. Juli 1876 den Diakonat und am 25. März 1877 die Priesterweihe durch Bischof Eugen Lachat von Basel. Seine Primiz feierte er am 8. April 1877 in der Klosterkirche Engelberg.

Von 1877 bis 1880 wirkte er als Lehrer an der Klosterschule für verschiedene Fächer, dann nur noch als Lehrer für Französisch. Der spätere P. Franz Huber erinnerte sich als junger Schüler (1877) an ihn: "P. Walther war wirklich ein Professor, der seine Klasse für Griechisch und Latein eigentlich zu begeistern wusste, und besonders auch in der deutschen Sprache grossen Einfluss auf die Entwicklung seiner Schüler ausübte. Wie wusste er durch prächtige Themata die Schaffensfreude anzuregen und poetisches Talent zu wecken."[4]

Kurz darauf wirkte er auch als zweiter Unterpfarrer in Engelberg. "Da er anfing, kränklich zu werden, hielt man eine andere Beschäftigung als vorteilhafter für ihn."[5] So wurde er 1880 Grosskellner, ein Amt, das er 24 Jahre lang mit kluger Umsicht und grosser Energie bis 1904 ausübte. Er verstand es, eine Interessenkollision zu vermeiden, auch wenn es nicht immer ohne Spannungen abging. In dieser Funktion versuchte er, sein Wissen durch das Studium von Fachliteratur weiter zu bereichern. So war er u. a. "ein treuer Abonnent der 'Schweiz. Landwirtschaftlichen Zeitschrift' und ein fleissiger Besucher der landwirtschaftlichen Ausstellungen, so dass er auf diesem Gebiete vollständig beschlagen war. … Sein Augenmerk war besonders auf die Verbesserung und Ertragssteigerung der Alpweiden gerichtet, indem er u. a. Jauchetröge und geordnete Miststätten errichtete und für genügend Wasser sorgte. In dieser Beziehung schuf er vorbildliches. Zu diesem Zwecke verband er sich auch mit dem Schweiz.- Alpwirtschaftlichen Verein, mit dessen Vorstandsmitgliedern er speziell befreundet war. Er hatte dann auch die Freude, eine der grössern Alpweiden, die sogen. 'Herrenrüti', diplomiert zu sehen. Aber auch den Waldungen zollte er alle Aufmerksamkeit und kannte sich gut in diesem Zweige der Landwirtschaft aus. Oft beging er behufs Revision der Marchungen und Bestände der Waldungen persönlich."[6] Ein besonderes Anliegen war ihm die Instandhaltung der Klosterbauten. In der Klosterkirche sorgte er dafür, dass neue Kirchenbänke beschafft und eingebaut wurden. "Für die Arbeit der Feuervergoldung des Turmkreuzes gewann er den in dieser Kunst einen Namen führenden Herrn Goldschmied und nunmehrigen Zahnarzt Schell in Zug." Die Wiederaufrichtung des schweren Metallkreuzes, "welche nicht ohne unvorhergesehene Schwierigkeiten von statten ging, war für die Talleute und Klosterbewohner ein Ereignis sondergleichen."

Um das Kloster nach Möglichkeit vor Feuersgefahr zu schützen und gleichzeitig mit genügend Quellwasser zu versorgen, erkannte er auch, dass dafür eine Wasserversorgung mit Hochdruckleitung und die Organisation einer selbsteigenen, geschulten Feuerwehr von grosser Wichtigkeit war.[7] "In den Neunziger Jahren ergriff der umsichtige Grosskellner P. Walther Langenegger bei Erstellung der Hochdruckleitung die Initiative zur Bildung einer Kloster-Feuerwehr. Diese wurde von ihm mit einem Hydrantenwagen ausgerüstet und hielt unter dem strammen Kommando von P. Magnus Siegwart eifrig Übungen ab."[8] Weiter sorgte er dafür, dass in das Kloster eine elektrische Beleuchtung – Abt Anselm Villiger war darüber erst abgeneigt - und eine Zentralheizung eingebaut wurde.

P. Walther war auch massgeblich am Kollegiumserweiterungsbau beteiligt. Um die Stiftsschule auf eine möglichst hohe Stufe zu bringen und einen Lehrstuhl der Philosophie zu errichten, beschlossen Abt und Konvent einen umfangreichen Um- und Neubau des bisherigen Kollegiums. Der Bau von 1863 war um 1900 zu klein geworden. Wie aus den Projektplänen, die vermutlich von P. Walter Langenegger und P. Karl Anderhalden initiert und von P. Karl gezeichnet wurden, hervorgeht, wollte man keinen kompletten Neubau errichten, sondern prüfte vielmehr Varianten, welche den bestehenden Bau in einem Neubau weiter nutzten.[9]

Mit dem Engelberger Hotelier Eduar Cattani kam es in den Jahren, als P. Walther Grosskellner war, nicht selten zu Konflikten, was die politischen und wirtschaftlichen Interessen betraf. Es handelte sich unterschiedliche Auffassungen in Abstimmungskämpfen aber auch Meinungsverschiedenheiten um geschichtliche Darstellungen über das Kloster Engelberg, die zu Spannungen führten.[10] Im Nachruf heisst allgemein zum Verhältnis zur Bevölkerung Engelbergs: "Es darf von ihm gesagt werden, dass es ihm gelungen ist, die Interessen des Stiftes allseitig pflichtgemäss zu wahren und dennoch mit der Bevölkerung der Talschaft von Engelberg friedliche und freundliche Beziehungen zu unterhalten."[11] Er war auch die rechte Hand des Abtes Anselm in wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten. Wie er diesem anspruchsvollen Amt vorstand bezeugt ihm lobend Abt Anselm Villiger in seinen Tagebuchaufzeichnungen: "Ich danke Gott, dass er mir in P. Walter einen Grosskellner gegeben hat, auf den ich ein gutes Quantum Sorgen und Arbeit abladen kann."[12] 1881 am 16. September wurde unter seinem und P. Benedikt Gottwalds Vorsitz die 32-jährige Sr. Nicola Durrer vom Kloster St. Andreas in Sarnen von Abt Anselm Villiger zur neuen Äbtissin geweiht. 1882 war er noch Lehrer für Philosophie bei den Fratres und lehrte Französisch am Gymnasium.

Doch machten sich immer mehr gesundheitliche Beschwerden bemerkbar, so dass er 1904 um Entlassung aus seinem Amt des Grosskellners bat. Besonders machte ihm seit längerer Zeit ein chronischer Brustkatarrh und vor allem ein hartnäckisches rheumatisches Augenleiden zu schaffen, welche für seine Sehkraft das Schlimmste befürchten liess. Eine Art Behandlungskur in der Augenklinik Luzern und regelmässige Behandlungen beim Augenarzt Dr. med. H. Vogel in Luzern geben davon Zeugnis.[13] Aber auch diese brachten keine merkliche Verbesserung, so dass ihm eine weitere Tätigkeit auch in der Schule nicht mehr möglich war. 1905 war er im Auftrag von Abt Leodegar Scherer Wahlzeuge bei der Abtswahl von P. Augustin Rothenfluh in Mariastein.

Nachdem P. Thomas Steiner, der als Spiritual im Frauenkloster St. Andreas in Sarnen wirkte, am 2. Dezember 1905 einen Schlaganfall erlitt, wurde P. Walter als einstweilige Aushilfe als Beichtiger nach Sarnen berufen. Doch war ihm nur eine kurze Wirkungszeit beschieden.[14] Wie beliebt P. Walther in seiner kurzen Wirkungszeit war, mag die Bemerkung der Äbtissin widergeben: "Die Klosterfrauen sagen, dass ihnen der Tod der Gnädigen Frau nicht so zugesetzt habe, wie der von P. Walther."

„Seine Leiche wurde am Montag nach Engelberg überführt. Herr Landammann Wirz, Nationalrat Ming und andere Herren gaben ihm das Ehrengeleite auf den Weg wo sie in Engelberg von der gesamten Schuljugend und einer grossen Menge Volkes empfangen und zur Kirche geleitet wurden. Tags darauf war Beerdigung und feierlicher Trauergottesdienst. Das Volk schien Feiertag zu machen; auch der Talrat war beinahe vollständig vertreten. Unter den Trauergästen fanden sich auch Vertreter der Kirchen- und Bürgergemeinde von Baar, mehrere Geistliche und die H. H. Präsidenten Hotz und Steiner."[15] P. Walther Langenegger starb am 3. November 1906 im 55. Lebensjahr, im 33. seiner Profess und im 29. seiner Priesterweihe.[16]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom StiArEbg Professbucheintrag nach Br. Meinrad Haberl übernommen.
  2. Baar 29. September 1871, Pfarrer Ch. Widmer, "Taufzeugnis".
  3. Sein Bruder Karl Josef war als Weltpriester Kaplan und Sekundarlehrer in Cham, der 1892 starb. Vgl. Tugium Sacrum Bd. I, S. 296. Seine älteste Schwester war als Sr. Philomena im Kloster Muotathal, gest. 1867.
  4. …"Eine Episode aus dem Anfang jenes Jahres ist zu köstlich, als das ich sie unerwähnt lassen könnte. Freund Robert (der spätere Bischof Dr. Robert Bürkler) hatte seine Zeit reichlich mit Freifächern belegt und da will es das Unglück, dass einmal ein Süpflestück statt des gewohnten 'Sine' sieben Fehler aufweist. Da kommt P. Walther in der nächsten Stunde, pflanzt sich vor dem nichtsahnenden Sünder auf, präsentiert ihm das ominöse Corpus delicti und hält ihm folgende Standrede: 'Ja, man spricht Französisch, man spricht Italienisch, man spielt Klavier, man flötet, man trompetet, und dann macht man sieben Fehler im Süpfle.'" Vgl. Erinnerungen an Bischof Dr. Robertus Bürkler sel., in: Titlisgrüsse 16, September 1930, S. 71, 8. April 1877.
  5. Obwaldner Volksfreund.
  6. Z.N.
  7. Z.N.
  8. Titlisgrüsse1915.
  9. Odermatt, Absch. Kollegiumserweiterung, S. 37.
  10. Bacher, Fremdenverkehr und Kulturkampf, S. 57-60.
  11. Obwaldner Volksfreund.
  12. StiArEbg Tagebuch Abt Anselm Villiger, Bd. V., S. 273.
  13. So liegen noch einige Rechnungen für seine Behandlungen vor. Vom 10. Oktober bis 1. November 1904 war er 22 Tage in der Augenheilanstalt Luzern. Für 22 Krankentage wurde ihm "für Licht u. Beheizung d. Zimmers 6 Fr. 80 Cts. berechnet, weiter a 4 fr. pro Tag, zus. 94 Fr. 80 Cts." Vom 5. November 1904 war er beim Augenarzt Vogel für Behandlung 98.50 Franken und für die Halbjahresrechnung bei ihm vom 27. März bis 22. April 1905 "für klinische Behandlung, Medicin u. Verbände", zusammen 113 Franken.
  14. Zwei erhaltene Briefe von Sr. Aloisia (vom 3. November 1906), und Äbtissin Mechtild Steiner (vom 8. November 1906), welche sich die letzten Tage intensiv um ihn kümmerte, berichten in sehr eindrücklicher und detaillierter Form über die letzten Tage von P. Walther. Die beiden Briefe waren an ihren ehemaligen Spiritualen P. Karl Anderhalden gerichtet.
  15. Z.N.
  16. Nachrufe von P. Walther Langenegger: Vaterland, Nr. 255 vom 6. November 1906, S. 2, im Obwaldner Volksfreund, Nr. 87 vom 7. November 1906; in den Zuger Nachrichten 20, Nr. 129, 130, 132 vom 8., 10. und 15. November 1906.

Bibliographie

  • Bacher: Zwischen Fremdenverkehr und Kulturkampf – Abt Anselm Villiger und Talammann Eduard Cattani im Wettstreit, S. 57-58, 60, in: Ein Kloster im Visier, Engelberger Dokumente Heft 39, 2020.
  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 155.
  • Iten, Albert: Tugium Sacrum - Die Zuger Geistlichen der Orden, Bd. II, 1973, S. 36–37.
  • Odermatt: Kloster und Dorf Engelberg – Zwischen Gründerzeit und Wirtschaftswunder, S. 37, in: Ein Kloster im Visier, Engelberger Dokumente Heft 39, 2020.
  • StiArEbg Dokumente, Briefe u. Unterlagen Ordner P. Walther Langenegger.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach Br. Meinrad Haberl.
  • Titlisgrüsse 1, Heft 2, 1915, S. 60.