Odilo Gwerder

Aus Kloster-Engelberg
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Odilo (Alois) Gwerder (* 8. Februar 1868 in ?; † 27. Dezember 1934 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 1886

Priesterweihe: 1891

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1891–1904

Grosskellner: 1904–1908

Subprior: 1912–1919

Spiritual in Maria-Rickenbach: 1912–1926

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Lebensbeschreibung[1]

P. Odilo stammte aus dem Muotathal, wo er am 8. Februar 1868 im "Schäfü" zur Welt kam. Er wusste viel zu erzählen von seiner Heimat und vom alten Pfarrhelfer, bei dem er die ersten Lateinstunden genossen hatte. Auch über seine Mitschüler hier in Engel­berg, wohin er als 14-jähriger in die 4. Klasse kam, wusste er noch viele Einzelheiten. Von den meisten kannte er den Lebenslauf und Beruf. Alois Gwerder war in der Klosterkirche bis in die 6. Klasse "Stöcklibub". Daim bat er, seine Stimme war noch nicht gebro­chen, um Aufnahme ins Noviziat. Nach seiner Profess im Jahre 1886 machte er seine philosophischen und theologischen Studien im Kloster Einsiedeln. Unvergessliche Poesie war es auch für den werdenden Aszeten, wenn der Marstaller in der Klosterkutsche ihn bis nach Stansstad fuhr und oft auch dort wieder abholte. Freilich kam es auch vor, dass er den Weg vom See bis nach Engelberg zu Fuss machen musste, wobei Grafenort schon damals ein will­kommenes Absteigequartier bildete. Mit dem Jahr 1891, in dem P. Odilo sein erstes Messopfer feierte, begann nicht nur sein Priesterleben, sondern auch seine Tätigkeit an der Schule. Er war die Ruhe und Ausgeglichenheit selber; eine unerschüt­terliche Geduld und Freundlichkeit gegen alle war ihm eigen.

P. Odilo leitete mehrere Jahre als Präses die Sodalität. Für die Freizeit waren P. Odilos grosse Spaziergänge bekannt, zu einer Zeit, wo im Kol­legium der Sport noch in beschränktem Mass und hinter der engen Mauer betrieben wurde. Damals war es noch traditionsgemäss, unter seiner Führung am Aloisiustag auf die "Ziebeln" hinauf­ zu springen. Auch sonst galt P. Odilo als guter Bergsteiger, bis ihn das Rückenmarkleiden, das 1922 auftrat, ans Haus und später ans Zimmer fesselte. Im Stiftsorchester hat P. Odilo lange Jahre die Feste mit seiner Klarinette verschönert. Dabei hat er seinem Taktgefühl auch mit dem Kopf Ausdruck verliehen, sodass die Nichtmusikanten nicht bloss etwas zu hören, sondern auch zu sehen hatten.

P. Odilo war von 1904 bis 1908 Grosskellner des Klosters. Wie er im Gehorsam diesen Posten, der ihm wohl weniger ent­sprach, angetreten hatte, so verliess er ihn auch mit einem be­wunderungswerten Gleichmut. Überhaupt war es schwer herauszubringen, was P. Odilo zusagte oder nicht. Es schien, als ob ihm alles gleich lieb sei. Nach dem Tod des temperamentvollen P. Gregor Jakober am Silvesterabend 1912 wurde P. Odilo von den Obern zum Amt des Subpriors erhoben. Er, der durch sein Beispiel schon lange vor­anstand, sollte jetzt auch von Amts wegen vorstehen. Auch hier blieb er sich treu: einfach, regeltreu, streng gegen sich, mild gegen die andern.

Im Jahre 1919 wurde P. Odilo zum Spiritual nach Maria-Rickenbach berufen. Die Klosterfrauen fanden an ihm einen eifrigen Seelsorger, die Pilger einen verständnisvollen Tröster und Führer, die Gäste einen freundlichen Gesellschafter. Doch da zeigte sich allmählich ein böses Rückenmarkleiden, das die Beine lähmte. Der Gang wurde ganz unsicher und schleppend. So kam P. Odilo 1926 wieder ins Kloster zurück und zwar mit Freuden. Wenn jetzt die äussere Tätigkeit auf Abschreiben von Büchern und Aushilfe in Büroarbeiten beschränkt blieb, so war P. Odilo doch glücklich und zufrieden dabei. Nebst religiösen Schriften las P. Odilo mit Vorliebe Werke über die Kirchengeschichte.

Eine Leidenschaft hatte P. Odilo. Es war die einzige: er wollte nie eine Stunde des Chorgebetes versäumen. Als Professor sowohl wie als Grosskellner und Subprior war er schon morgens um 4 Uhr im Chor. Die Schulstunden und Arbeiten sollten so verteilt sein, dass er keine Hore versäumen musste. Als seine Beine den müden Körper nicht mehr tragen konnten, da musste ein Novize ihn mit dem Krankenwagen zum Chor führen. Erst als auch die Stimme ihren Dienst versagte, betete er sein Brevier auf der Zelle. Ein Trost war es für ihn, dass er trotz der lahmen Füsse bis in die letzten Monate das hl. Opfer feiern konnte. Ab September 1934 wohnte er im Krankenzimmer, wo er bis zum letzten Tage fast immer einige Stunden des Tages ausser dem Bett zubrachte und, so weit er konnte, das Brevier betete. Auf Weihnachten nahmen dann die Kräfte bedenklich ab. Als er am 26. Dezember sich anschickte, ins Bett zu gehen, sagte er zum Krankenbruder: "Jetzt geh ich das letztemal ins Bett". Er machte dann über sein Lager ein grosses Kreuz, verlangte um halb 1 Uhr nachts nach der "hl. Wegzehrung", weil er den Morgen wohl nicht mehr erleben werde. Gegen Morgen konnte er sich nicht mehr verständlich machen und starb im Beisein des Abts und des Priors.

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüssen 24, 1937/38, S. 8-13, übernommen.

Bibliographie

  • Nachruf P. Odilo Gwerder in: Titlisgrüsse 24, 1937/38, S. 8-13.