Odilo Gwerder: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Odilo (Erhard) Gwerder''' (* [[15. August]] [[1863]] in [[Hardt]] (D); † [[21. Mai]] [[1904]] in [[Engelberg]])
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'''Odilo (Alois) Gwerder''' (* [[8. Februar ]] [[1868]] in [[Muotathal]]; † [[27. Dezember]] [[1934]] in [[Engelberg]])
  
 
== Lebensdaten ==
 
== Lebensdaten ==
[[Profess]]: 15. September 1883
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[[Profess]]: 27. September 1886 (feierliche Profess: 29. September 1889)
  
[[:Kategorie:Priestermönch|Priesterweihe]]: 10. Juli 1887
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[[:Kategorie:Priestermönch|Priesterweihe]]: 23. Mai 1891
  
Primiz: 15. August 1887
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== [[Ämter]] ==
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[[Lehrer]] an der Stiftsschule: 1891–1904
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[[Grosskellner]]: 1904–1908
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[[Subprior]]: 1912–1919
  
== [[Ämter]] ==
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[[Spiritual]] in Maria-Rickenbach: 1919–1926
[[Lehrer]] an der Stiftsschule: 1888–1894
 
  
[[Bibliothekar]]: 1894–1899
 
 
== Beziehungsnetz ==
 
== Beziehungsnetz ==
 
=== Verwandtschaft ===
 
=== Verwandtschaft ===
Sohn des Franz Mayer und der M. Anna Klausmann.
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Sohn des Xaver Gwerder und der Maria Anna Gwerder.
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==Lebensbeschreibung<ref>Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüssen 24, 1937/38, S. 8-13, übernommen.</ref>==
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P. Odilo stammte aus dem Muotathal, wo er am 8. Februar 1868 im "Schäfü" zur Welt kam. Er wusste viel zu erzählen von seiner Heimat und vom alten Pfarrhelfer, bei dem er die ersten Lateinstunden genossen hatte. Auch über seine Mitschüler in Engel­berg, wohin er als 14-jähriger in die 4. Klasse kam, wusste er noch viele Einzelheiten. Von den meisten kannte er den Lebenslauf und Beruf. Alois Gwerder war in der Klosterkirche bis in die 6. Klasse "Stöcklibub". Dann bat er, seine Stimme war noch nicht gebro­chen, um Aufnahme ins Noviziat. Nach seiner Profess im Jahre 1886 machte er seine philosophischen und theologischen Studien im Kloster Einsiedeln. Unvergessliche Poesie war es für den werdenden Aszeten, wenn der Marstaller ihn in der Klosterkutsche bis nach Stansstad fuhr und oft auch dort wieder abholte. Freilich kam es auch vor, dass er den Weg vom See bis nach Engelberg zu Fuss machen musste, wobei Grafenort schon damals ein will­kommenes Absteigequartier bildete. Mit dem Jahr 1891, in dem P. Odilo sein erstes Messopfer feierte, begann nicht nur sein Priesterleben, sondern auch seine Tätigkeit an der Schule. Er war die Ruhe und Ausgeglichenheit selbst; eine unerschüt­terliche Geduld und Freundlichkeit gegen alle war ihm eigen.
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P. Odilo leitete mehrere Jahre als Präses die Sodalität. Für die Freizeit waren P. Odilos grosse Spaziergänge bekannt, zu einer Zeit, wo im Kol­legium der Sport noch in beschränktem Mass und hinter der engen Mauer betrieben wurde. Damals war es noch traditionsgemäss, unter seiner Führung am Aloisiustag auf die "Ziebeln" hinauf­ zu springen. Auch sonst galt P. Odilo als guter Bergsteiger, bis ihn das Rückenmarkleiden, das 1922 auftrat, ans Haus und später ans Zimmer fesselte. Im Stiftsorchester hat P. Odilo lange Jahre die Feste mit seiner Klarinette verschönert. Dabei hat er seinem Taktgefühl auch mit dem Kopf Ausdruck verliehen, sodass die Nichtmusikanten nicht bloss etwas zu hören, sondern auch zu sehen hatten.
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P. Odilo war von 1904 bis 1908 [[Grosskellner]] des Klosters. Wie er im Gehorsam diesen Posten, der ihm wohl weniger ent­sprach, angetreten hatte, so verliess er ihn auch mit einem be­wunderungswerten Gleichmut. Überhaupt war es schwer herauszubringen, was P. Odilo zusagte oder nicht. Es schien, als ob ihm alles gleich lieb sei. Nach dem Tod des temperamentvollen P. [[Gregor Jakober]] am Silvesterabend 1912 wurde P. Odilo von den Oberen zum Amt des [[Subprior]]s erhoben. Er, der durch sein Beispiel schon lange vor­anstand, sollte jetzt auch von Amts wegen vorstehen. Auch hier blieb er sich treu: einfach, regeltreu, streng gegen sich, mild gegen die andern.
  
==Lebensbeschreibung<ref>Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.</ref>==
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Im Jahre 1919 wurde P. Odilo zum [[Spiritual]] nach Maria-Rickenbach berufen. Die Klosterfrauen fanden an ihm einen eifrigen Seelsorger, die Pilger einen verständnisvollen Tröster und Führer, die Gäste einen freundlichen Gesellschafter. Doch da zeigte sich allmählich ein böses Rückenmarkleiden, das die Beine lähmte. Der Gang wurde ganz unsicher und schleppend. So kam P. Odilo 1926 wieder ins Kloster zurück und zwar mit Freuden. Wenn jetzt die äussere Tätigkeit auf Abschreiben von Büchern und Aushilfe in Büroarbeiten beschränkt blieb, so war P. Odilo doch glücklich und zufrieden dabei. Nebst religiösen Schriften las P. Odilo mit Vorliebe Werke über die Kirchengeschichte.
Eine Johannesseele  ist  am St. Johannestag  des  letzten  Jahres von uns geschieden, unser lieber P. Odilo. Dem Andenken dieses Mannes seien einige Erinnerungen gewidmet. Hat er  ja  se lber  ein treues Gedächtnis für alles Edle und Große  gehabt.  Bis  in  die letzten Tage erzählte er gern aus seiner Jugend , vom heimeligen Muotathal, wo er am 8. Februar 1868 im „Schäfü" den  ersten Blick in diese Welt getan, vom alten Pfa rrhe lfer , bei dem er die ersten Lateinstunden genossen. Auch über seine Mitschüler hier in Engel­ berg, wohin er als 14 jähriger in die 4. Klasse kam, wußte er noch viele Einzelheiten. Von den meisten kannte er den Lebenslauf und Beruf. Auch  die spätem Schüler  verlor  er  nie aus  dem Gedächt­ nis, und sicher hat er zeitlebens viel für sie gebetet.
 
Alois Gwerder war  in  der  Klosterkirche  bis  in  die 6. Klasse
 
,,St öcklibub". Daim bat  er,  seine  Stimme  war  noch  nicht  gebro­ chen,  um  Aufnahme  ins  Noviziat.  Nach  seiner  Profeß  im  Jahre 1886  machte  er  seine  philosophischen  und  theologischen  Studien im Stifte Einsiedeln. Unvergeßliche Poesie war es auch für den werdenden  Aszeten,  wenn  der  Marstaller  in der  Klosterkutsche  ihn bis  nach  Stansstad  fuhr  und  oft auch dort wieder  abholte.  Freilich kam  es  auch  vor,  daß  er  den  Weg  vom  See  bis  nach  Engelberg zu Fuß machen mußte, wobei Grafenort schon damals ein will­ kommenes Absteigequartier bildete. Mit dem Jahre 1891, in dem P. Odilo sein erstes hl. Meßopfer feier te, begann nicht bloß sei n frommes Priesterleben, sondern auch seine Tätigkeit an der  Schule. Er war die Ruhe und Ausgeglichenheit selber; eine unerschüt­terliche Geduld und Freundlichkeit gegen alle war ihm eigen.
 
Freilich  nicht  alle  haben das damals schon vers ta n­ den oder geschätzt.  Vielen bot diese Güte eine will­ kommene    Rngr iffs lläch e für jugendlichen Uebermut. Aber selbst großen Schlin­ geln kam es oit zum Be­ wußtsein, daß P. Odilo et­ was Großes eigen sein müs­ se, und sie ahnten das Edle und Heilige in ihm. P. Odil o leilete auch mehrere  Jahr e als  Präses  die Sodalität. Sind  nicht die  schlichten ein fache n Vor tr äge, die im­ mer aufs Praktische zielten, noch vielen in Erinne ru ng? Haben wir  nicht  in  den obern Klassen aus dem Ge­ dankengan g  und  der  logi­ sc hen Kraft seiner Ueb er ­ legun g eine gewisse demo­ sthenisch e  \ Eigena rt her ­ ausgeh ört? Es schrieb auch in sein em Beileids brief einalter Schüler,  ma n  könnte  v ielen  modern en  Festrednern etwa s,,odilonisc he'·· Einf achhe it, Sachlichkeit und  Krait  wünschen.
 
P. Od ilo war in de n Jahre n 1908 /9 und 9/10 unse r Kl assenlehrer in der Rhetor ik. No ch vor kur zem schrieb mir ein Mitschül er, ich möchte  den  kranken  P. Odilo  grüßen.  We nn  er  sich  an  die Sch ul­ s tund en  der  Rhetorik  erinnere,  komme  ihm  immer Branconi in den Sin n. Dieser Br anc oni ha tte eine hohe Stimme und ein e noch höhere  geis tige  Langs amk eit,  die  den  guten P. Odilo  oft  auf seien Langm ut prüfte und der Kla sse viele kurzwe ilige Minuten bereitet e. Der ad elige deuts ch e Jun ge, von dem wir leider seit dem We lt­ krieg  keine  Nachri  c ht  mehr  ha ben,  hat  sich  übri gens    bei  usn S c h weizerd emokrat en recht wo hl gefühlt  und   seine Tante, bei dre er  im  Förs te rhau se  dro ben  wohn te,  konnte  ihm  mit  ihren  Zu­ sprüchen  das  Le ben  nicht  ve rbitt ern .  Andere  werd en  sich  merh an den Philosophen Kiliger erin nern , dessen Na me aus dem Munde P. Odilo s  immer  so   reiz voll  erkla ng.  Das  Urt eil:  ,,Genu g,  aebr
 
nicht gut genug" war auch eine köstliche Eigenart des milden Professors. In Staunen setzte uns, wie P. Odilo die Reinschrift aus dem Stegreif diktierte. Nur für die langen Cicero- und Demosthenes­ Perioden benützte er das Heft. Wenn auch mein Nebenmann Otto Peffer hie und da das Haupt schüttelte, weil ein Ausdruck zu enge an den Urte xt  sich  anschloß,  war  doch die Uebersetzung  ein Zei ­ (Che n  meisterhafter Sprachgewandtheit, zu der  auch P. Odilo unser ziehen wollte, indem er uns den Grundsatz einhämmerte: ,,Jeder Satz, den man beginnt, muß ohne Verbesserung zu Ende geführ t werden. " Doch lassen wir die Schule. Für die Freizeit waren P. Odilos. große Spaziergänge bekannt, zu einer Zeit, wo  im  Kol­ legium  der  Sport  noch  in  beschränktem  Maße  und hinter  der  en­ gen Mauer  betrieben wurde.  Damals war es noch trad itionsgemäß , unter  seiner  Führu ng  am  Rloisiustag .  auf    die  „Ziebeln"  hinauf­ z us prin gen.  Ruch  sonst  galt  P. Odilo  als  guter  Bergsteiger  ,  bis ihn das Rücke nma rkleiden , das 1922 au f tr at, ans  Haus und später ans Zimmer fesselte.
 
An den Unterhaltungen der klösterlichen Familie nahm P. Odilo gerne Anteil. Aus  der  Schatzkammer  seines  Gedächtnisses  gab  er manchen  guten  Engelbergerspruch  zum  besten.  So  erzählte  er von einem alten „reic hen Engelberger ", der dreimal erben konnte: Zuerst die Erbsünde, dann die Flöhe, zuletzt  die Schulden. -  So wußte er auch  vom„  Sagergeni",  wie  ihn  einst  ein  Preuße,  als man noch keine Skier hatte, bei meterhohem  Schnee fragte: ,,Na, kann man jetzt nicht auch den Titlis besteigen ?" Da habe er ruhig geantwortet: ,,Ja, probieren kann man es im mer. " - In einer Latein­ stunde wa r's : der Professor machte  sich mit  dem  Nastuch  zu schaffen; ein Schüler sollte übersetzen , mußte aber niesen , als er angefangen  hatte:  ,,Ingenia " ...  ,,c onspuunt"  fuhr  der  Professor weiter .
 
Im Stiftsorchester hat P. Odilo lange Jahre die Feste mit seiner Klarinette verschönert. Dabei hat er seinem  Taktgefühl  auch  mit dem Kopf Ausdruck verliehen, sodaß  die  Nichtmusikanten  nicht bloß etwas zu hören, sondern auch  zu sehen hatten.
 
P. Odilo war vom  Jab re  1904 - 1908  Großkellner  des  Klosters. Wie  er  im  Gehorsam  diesen  Posten ,  der  ihm  wohl  weniger  ent­ s prach , angetreten hatte, so verließ er ihn auch mit einem be­ wunderungswerten Gleichmut. Ueberhaupt war es schwer heraus ­ zubringen, was P. Odilo zusagte oder  nicht. Es schien, als ob·ihm alles gleich lieb sei.
 
Nach dem Tode des temperamentvollen P. Gregor Jakober am Silvesterabend 1912 wurde P. Odilo von den Obern zum Amte des Subpriors erhoben. Er, der durch sein Beispiel schon lange vor­ anstand, sollte jetzt auch  von  Amts  wegen  vors tehen  .  Ruch  hier blieb er sich gleich: einfach , regeltreu,  streng  gegen  sich, mild gegen die andern.
 
  
Im Jahre 1919 wurde P. Odilo zum Spiritual nach Maria-R icken ­ bach berufe n. Die Klosterfrauen fanden an ihm einen eifrigen, vor­ bildlichen Seelsorger, die  Pilger  einen  verständnisvollen  Tröster und Führer, die Gäste einen freundlichen Gesellschafter. Doch da zeigte sich allmählich ein böses Rückenmarkleiden, das die Beine lähmte. Der Gang wurde ganz unsicher und schleppend. So kam P. Odilo 1926 wieder ins Kloster zurück und zwar mit  Freuden. Wenn jetzt die äußere Tätigkeit auf Abschreiben von Büchern und Aushilfe in Büroarbeiten beschränkt blieb, so war P. Odilo doch glücklich und  zufrieden dabei. ,,Habitavit secum "  galt auch bei ihm, wie es  vom  hl. Benedikt  gesagt  ist.  Wie es  die hl. Regel  will,  wa r die Zeit genau vert ilt auf Gebet, Lesung und· Arbeit, nämlich Schreiben. Aus seiner feinen, kunstfertigen Feder  flossen  wie fr ü­ her viele wertvolle Bücher besonders zu  liturgischen  Zwecken . Nebst religiösen  Schriften  las  P. Odilo  mit Vorliebe Werke  über die  Kirchengeschichte. ·
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Eine Leidenschaft hatte P. Odilo: er wollte nie eine Stunde des Chorgebetes versäumen. Als Professor, wie auch als Grosskellner und Subprior war er schon morgens um 4 Uhr im Chor. Die Schulstunden und Arbeiten sollten so verteilt sein, dass er keine Hore versäumen musste. Als seine Beine den müden Körper nicht mehr tragen konnten, da musste ein Novize ihn mit dem Krankenwagen zum Chor führen. Erst als auch die Stimme ihren Dienst versagte, betete er sein Brevier auf der Zelle. Ein Trost war es für ihn, dass er trotz der lahmen Füsse bis in die letzten Monate das hl. Opfer feiern konnte.  
Eine Leidenschaft hatte P. Odilo.  Es  war  die  einzige: er wollte nie eine Stunde des Chorgebetes versäumen. Als Professor sowohl wie als Großkellner  und Subprior war ·er  schon morgens um 4 Uhr im Chor. Die Schulstunden und Arbeiten sollten so verteilt sein , daß er keine Hore versäumen mußte. Als seine Beine den müde n Körper nicht mehr tragen konnten, da mußte ein Novize mit dem Krankenwagen ihn zum Chore  führen. Erst als auch die Stim me ihren Dienst versagte,   es  war  im  Sommer  letzten  Jahres,  betete er sein Brevier auf der Zelle. Ein Trost war es für ihn, daß er trotz der lahmen Füße  bis in die letzten Monate das hl. Opfe r feiern konnte. Regelmäßig stand er um 1/2 6  Uhr  am  Herz- Jesu ­ Altar, und Gott allein weiß es, wieviel Seelenlc1raft und Chri stus­ liebe er aus dem hl. Opfer schöpfte, das er zeitlebens in größter Sammlung  gefeiert  hat.  Trotz  der  großen  Schwäche,  die  im  letz­ ten  Juni,  beim  ersten  Kräftezerfall  eingetreten  war,  ließ  er  sich doch ins Kapitelhaus führen , um dort während der hl. Messe das Viaticum zu empfangen. Im übrigen  wollte  er  den  Mitbrüdern  in nichts zur Last fallen. Nie wuri:le während der  langen  Kra nkh eit eine Klage aus seinem Munde gehört.
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Ab September 1934 wohnte er im Krankenzimmer, wo er bis zum letzten Tage fast immer einige Stunden des Tages ausser dem Bett zubrachte und, so weit er konnte, das Brevier betete. Auf Weihnachten nahmen dann  die Kräfte bedenklich ab. Als er am 26. Dezember sich anschickte, ins Bett zu gehen, sagte er zum Krankenbruder: "Jetzt geh ich das letztemal ins Bett". Er machte dann über sein Lager ein grosses Kreuz, verlangte um halb 1 Uhr nachts nach der "hl. Wegzehrung", weil er den Morgen wohl nicht mehr erleben werde. Gegen Morgen konnte er sich nicht mehr verständlich machen und starb im Beisein des Abts und des Priors.
Seit September wohnte er im Krankenzimmer, wo er bis zum letzten Tage fast immer einige Stunden des Tages außer dem Bett. zubrachte und, so weit er konnte, das Brevier betete. Im Dezem­ ber sagte (er Br. Othmar, der nach  M.-Rickenbach  ging,  er  solle die  Schwestern  grüßen  und  ihnen  sagen, es sei ihm„  vögeliwoh l". Auf Weihnachten nahmen dann  die Kräfte bedenklich ab. J\ls  er am 26. Dezember sich anschickte, ins Bett zu gehen, sagte er zu m Krankenbruder: ,,Jetzt geh ich das letztemal ins Bett". Er mac hte dann über sein Lager ein großes Kreuz, verlangte um 1/2 1  Uhr nachts nach der hl. Wegzehrung, weil er den Morgen wohl nicht mehr erleben werde. Hochw. P. Prior reichte sie ihm. Während der Nacht bat er den Bruder drei Stoßgebete  mitzubeten,  indem er be merkte ,  das  gemeinsame  Gebet  sei  noch  wirksamer:  ,,Korn­ met alle zu mir , die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch, erquicken: kraft dieser Verheißung  erbarme dich meiner "! ,,Gü tig ­ ster Herr Jesus, erbarme dich  meiner  armen Seele und  mache, daß ich bald sterben kann"! ,,Mein Herr und  mein  Gott, du vermagst alles: so  laß  dein  unendliches  Erbarmen  auch  meiner  Seele  zu gute kom men "!
 
Gegen Morgen konnte er sich nicht mehr verständlich machen, und als wir um 7 ¼ Uhr im Chor die Prim anstim mten , gab
 
P. Odilo  unter dem Beistand des Gnädigen Herrn und P. Priors s eine Seele dem Schöpfer zurück. Ein kostbares  Leben  hat damit für diese Erde seinen Abschluß gefunden; möge es in Weihnachts­ wonnen in der andern Welt neu erstanden sein! Uns aber wird das Andenken und Beispiel von P. Odilo heilig sein: In memoria ceterna erit justus.
 
  
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==Professnummer==
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* Nr. 670
  
 
== Einzelnachweise ==
 
== Einzelnachweise ==
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== Bibliographie ==
 
== Bibliographie ==
* Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882.
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* Nachruf P. Odilo Gwerder in: Titlisgrüsse 24, 1937/38, S. 8-13.
* StiArEbg Personalmappe P. Hieronymus Mayer.
 
* StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.
 
  
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Aktuelle Version vom 25. Februar 2022, 08:33 Uhr

Odilo (Alois) Gwerder (* 8. Februar 1868 in Muotathal; † 27. Dezember 1934 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 27. September 1886 (feierliche Profess: 29. September 1889)

Priesterweihe: 23. Mai 1891

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1891–1904

Grosskellner: 1904–1908

Subprior: 1912–1919

Spiritual in Maria-Rickenbach: 1919–1926

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Xaver Gwerder und der Maria Anna Gwerder.

Lebensbeschreibung[1]

P. Odilo stammte aus dem Muotathal, wo er am 8. Februar 1868 im "Schäfü" zur Welt kam. Er wusste viel zu erzählen von seiner Heimat und vom alten Pfarrhelfer, bei dem er die ersten Lateinstunden genossen hatte. Auch über seine Mitschüler in Engel­berg, wohin er als 14-jähriger in die 4. Klasse kam, wusste er noch viele Einzelheiten. Von den meisten kannte er den Lebenslauf und Beruf. Alois Gwerder war in der Klosterkirche bis in die 6. Klasse "Stöcklibub". Dann bat er, seine Stimme war noch nicht gebro­chen, um Aufnahme ins Noviziat. Nach seiner Profess im Jahre 1886 machte er seine philosophischen und theologischen Studien im Kloster Einsiedeln. Unvergessliche Poesie war es für den werdenden Aszeten, wenn der Marstaller ihn in der Klosterkutsche bis nach Stansstad fuhr und oft auch dort wieder abholte. Freilich kam es auch vor, dass er den Weg vom See bis nach Engelberg zu Fuss machen musste, wobei Grafenort schon damals ein will­kommenes Absteigequartier bildete. Mit dem Jahr 1891, in dem P. Odilo sein erstes Messopfer feierte, begann nicht nur sein Priesterleben, sondern auch seine Tätigkeit an der Schule. Er war die Ruhe und Ausgeglichenheit selbst; eine unerschüt­terliche Geduld und Freundlichkeit gegen alle war ihm eigen.

P. Odilo leitete mehrere Jahre als Präses die Sodalität. Für die Freizeit waren P. Odilos grosse Spaziergänge bekannt, zu einer Zeit, wo im Kol­legium der Sport noch in beschränktem Mass und hinter der engen Mauer betrieben wurde. Damals war es noch traditionsgemäss, unter seiner Führung am Aloisiustag auf die "Ziebeln" hinauf­ zu springen. Auch sonst galt P. Odilo als guter Bergsteiger, bis ihn das Rückenmarkleiden, das 1922 auftrat, ans Haus und später ans Zimmer fesselte. Im Stiftsorchester hat P. Odilo lange Jahre die Feste mit seiner Klarinette verschönert. Dabei hat er seinem Taktgefühl auch mit dem Kopf Ausdruck verliehen, sodass die Nichtmusikanten nicht bloss etwas zu hören, sondern auch zu sehen hatten.

P. Odilo war von 1904 bis 1908 Grosskellner des Klosters. Wie er im Gehorsam diesen Posten, der ihm wohl weniger ent­sprach, angetreten hatte, so verliess er ihn auch mit einem be­wunderungswerten Gleichmut. Überhaupt war es schwer herauszubringen, was P. Odilo zusagte oder nicht. Es schien, als ob ihm alles gleich lieb sei. Nach dem Tod des temperamentvollen P. Gregor Jakober am Silvesterabend 1912 wurde P. Odilo von den Oberen zum Amt des Subpriors erhoben. Er, der durch sein Beispiel schon lange vor­anstand, sollte jetzt auch von Amts wegen vorstehen. Auch hier blieb er sich treu: einfach, regeltreu, streng gegen sich, mild gegen die andern.

Im Jahre 1919 wurde P. Odilo zum Spiritual nach Maria-Rickenbach berufen. Die Klosterfrauen fanden an ihm einen eifrigen Seelsorger, die Pilger einen verständnisvollen Tröster und Führer, die Gäste einen freundlichen Gesellschafter. Doch da zeigte sich allmählich ein böses Rückenmarkleiden, das die Beine lähmte. Der Gang wurde ganz unsicher und schleppend. So kam P. Odilo 1926 wieder ins Kloster zurück und zwar mit Freuden. Wenn jetzt die äussere Tätigkeit auf Abschreiben von Büchern und Aushilfe in Büroarbeiten beschränkt blieb, so war P. Odilo doch glücklich und zufrieden dabei. Nebst religiösen Schriften las P. Odilo mit Vorliebe Werke über die Kirchengeschichte.

Eine Leidenschaft hatte P. Odilo: er wollte nie eine Stunde des Chorgebetes versäumen. Als Professor, wie auch als Grosskellner und Subprior war er schon morgens um 4 Uhr im Chor. Die Schulstunden und Arbeiten sollten so verteilt sein, dass er keine Hore versäumen musste. Als seine Beine den müden Körper nicht mehr tragen konnten, da musste ein Novize ihn mit dem Krankenwagen zum Chor führen. Erst als auch die Stimme ihren Dienst versagte, betete er sein Brevier auf der Zelle. Ein Trost war es für ihn, dass er trotz der lahmen Füsse bis in die letzten Monate das hl. Opfer feiern konnte. Ab September 1934 wohnte er im Krankenzimmer, wo er bis zum letzten Tage fast immer einige Stunden des Tages ausser dem Bett zubrachte und, so weit er konnte, das Brevier betete. Auf Weihnachten nahmen dann die Kräfte bedenklich ab. Als er am 26. Dezember sich anschickte, ins Bett zu gehen, sagte er zum Krankenbruder: "Jetzt geh ich das letztemal ins Bett". Er machte dann über sein Lager ein grosses Kreuz, verlangte um halb 1 Uhr nachts nach der "hl. Wegzehrung", weil er den Morgen wohl nicht mehr erleben werde. Gegen Morgen konnte er sich nicht mehr verständlich machen und starb im Beisein des Abts und des Priors.

Professnummer

  • Nr. 670

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüssen 24, 1937/38, S. 8-13, übernommen.

Bibliographie

  • Nachruf P. Odilo Gwerder in: Titlisgrüsse 24, 1937/38, S. 8-13.