Martin Wissmann: Unterschied zwischen den Versionen

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==Lebensbeschreibung<ref> Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge), Transkript von Br. Meinrad Haberl, übernommen.</ref>==
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==Lebensbeschreibung<ref>Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Manuskript von Br. Meinrad Haberl (StiArEbg Professbucheinträge, mit Vorarbeiten von P. Gall Heer) übernommen.</ref>==
 
P. Martin wurde als Sohn der wohlhabenden Eheleute Josef Anton Wissmann und Genofeva Fäh von Benken (SG), am 14. Oktober 1840 in Uznach geboren und auf den Namen Daniel getauft. Taufpaten waren Vinzenz Anselm Wissmann und M. Franziska Fäh. Sein fünf Jahre älterer Bruder Albert war schon 1852 ins Kloster Engelberg eingetreten und hatte als [[Plazidus Wissmann]] die Profess abgelegt.<ref>Gemäss P. Gall Heer hiess dessen Mutter aber M. Katharina Fäh.</ref> ein weiterer Bruder war Sekundarlehrer in Küssnacht am Rigi. Gefirmt wurde Daniel am 6. August 1852 von Bischof Johann Peter Mirer von St. Gallen.<ref>Taufschein vom 11. August 1860  von J. Wilhelm, Ortspfarrer.</ref> Sein Vater war erst Oberlehrer, dann Gemeindeweibel und Vermittler und danach Messner, später übernahm er eine Gastwirtschaft. Daniel kam, da er musikalisch begabt war, an die Klosterschule Engelberg. Die Zeugnisse in Engelberg, die jeweils einmal pro Woche ausgestellt wurden, lauten durchwegs günstig. 1856 ging er zum Studium der Philosophie nach Einsiedeln und später nach Saint-Maurice im Wallis, wo er sich im Französischen weiterbildete.<ref>Eine Reisekarte zeigt, dass er von Einsiedeln nach Engelberg bis Brunnen die Postkutsche benutzte, von dort bis Buochs das Schiff und dann wohl bis Engelberg das Pferd.</ref> In Freiburg wollte er bei Professor Vogt, Organist an der Kathedrale, Orgelstunden nehmen und dann in Düdingen bei dem seit Jahren mit Patres aus Engelberg bekannten Abbé Challemel in St. Wolfgang Logis beziehen.  
 
P. Martin wurde als Sohn der wohlhabenden Eheleute Josef Anton Wissmann und Genofeva Fäh von Benken (SG), am 14. Oktober 1840 in Uznach geboren und auf den Namen Daniel getauft. Taufpaten waren Vinzenz Anselm Wissmann und M. Franziska Fäh. Sein fünf Jahre älterer Bruder Albert war schon 1852 ins Kloster Engelberg eingetreten und hatte als [[Plazidus Wissmann]] die Profess abgelegt.<ref>Gemäss P. Gall Heer hiess dessen Mutter aber M. Katharina Fäh.</ref> ein weiterer Bruder war Sekundarlehrer in Küssnacht am Rigi. Gefirmt wurde Daniel am 6. August 1852 von Bischof Johann Peter Mirer von St. Gallen.<ref>Taufschein vom 11. August 1860  von J. Wilhelm, Ortspfarrer.</ref> Sein Vater war erst Oberlehrer, dann Gemeindeweibel und Vermittler und danach Messner, später übernahm er eine Gastwirtschaft. Daniel kam, da er musikalisch begabt war, an die Klosterschule Engelberg. Die Zeugnisse in Engelberg, die jeweils einmal pro Woche ausgestellt wurden, lauten durchwegs günstig. 1856 ging er zum Studium der Philosophie nach Einsiedeln und später nach Saint-Maurice im Wallis, wo er sich im Französischen weiterbildete.<ref>Eine Reisekarte zeigt, dass er von Einsiedeln nach Engelberg bis Brunnen die Postkutsche benutzte, von dort bis Buochs das Schiff und dann wohl bis Engelberg das Pferd.</ref> In Freiburg wollte er bei Professor Vogt, Organist an der Kathedrale, Orgelstunden nehmen und dann in Düdingen bei dem seit Jahren mit Patres aus Engelberg bekannten Abbé Challemel in St. Wolfgang Logis beziehen.  
  
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== Bibliographie ==
 
== Bibliographie ==
 
* Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 151.
 
* Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 151.
* StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer (Transkript Br. Meinrad Haberl).
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* StiArEbg Professbucheintrag nach dem Manuskript von Br. Meinrad Haberl (mit Vorarbeiten von P. Gall Heer).
  
 
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Aktuelle Version vom 23. April 2022, 02:17 Uhr

Martin (Daniel) Wissmann (* 14. Oktober 1840 in Uznach; † 20. März 1900 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 17. November 1860

Priesterweihe: 25. Juli 1865

Ämter

Präfekt: 1866–1868

Lehrer in der Stiftsschule: 1868–1879

Kapellmeister: 1868–1879

Spiritual in Wil: 1879–1900

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Josef Anton Wissmann und der Genofeva Fäh.

Bruder: P. Plazidus Wissmann.

Verwandter: P. Fintan Fäh.

Lebensbeschreibung[1]

P. Martin wurde als Sohn der wohlhabenden Eheleute Josef Anton Wissmann und Genofeva Fäh von Benken (SG), am 14. Oktober 1840 in Uznach geboren und auf den Namen Daniel getauft. Taufpaten waren Vinzenz Anselm Wissmann und M. Franziska Fäh. Sein fünf Jahre älterer Bruder Albert war schon 1852 ins Kloster Engelberg eingetreten und hatte als Plazidus Wissmann die Profess abgelegt.[2] ein weiterer Bruder war Sekundarlehrer in Küssnacht am Rigi. Gefirmt wurde Daniel am 6. August 1852 von Bischof Johann Peter Mirer von St. Gallen.[3] Sein Vater war erst Oberlehrer, dann Gemeindeweibel und Vermittler und danach Messner, später übernahm er eine Gastwirtschaft. Daniel kam, da er musikalisch begabt war, an die Klosterschule Engelberg. Die Zeugnisse in Engelberg, die jeweils einmal pro Woche ausgestellt wurden, lauten durchwegs günstig. 1856 ging er zum Studium der Philosophie nach Einsiedeln und später nach Saint-Maurice im Wallis, wo er sich im Französischen weiterbildete.[4] In Freiburg wollte er bei Professor Vogt, Organist an der Kathedrale, Orgelstunden nehmen und dann in Düdingen bei dem seit Jahren mit Patres aus Engelberg bekannten Abbé Challemel in St. Wolfgang Logis beziehen.

Die Sache war schon beschlossen, als sich Daniel 1858 doch anders entschied und ins Kloster Engelberg eintrat. Er erhielt noch etwa vier Monate Orgelstunden und begann am 18. September 1859 das Noviziat und legte am 17. November 1860 auf den Namen Martin einfache Profess ab. Die Subdiakonatsweihe erhielt er am 28. Juni 1863 durch den St. Galler Bischof Karl Johann Greith in der Gnadenkapelle in Einsiedeln. 1864 am 28. März legte er die feierliche Profess ab und am 21. Mai gleichen Monats erhielt er durch den Generalvikar von Vorarlberg, Bischof Josephus mit Dispens, die Diakonatsweihe. Die Priesterweihe erhielt er am 25. Juli 1865 in der Seminarkirche in Solothurn. Am 2. September erhielt er vom Churer Bischof Kaspar von Carl die Erlaubnis zur Ausübung der Seelsorge in seinem Bistum.

P. Martin begann als Lehrer an der Stiftsschule. Gleich nach seiner Wahl zum Abt im Februar 1866, ernannte ihn Abt Anselm Villiger zum Präfekten der Stiftsschule, welches Amt er bis 1868 ausübte.[5] In seinen Erinnerungen hielt der spätere Abt, P. Leodegar Scherer, der 1866 zum zweiten Unterpfarrer in Engelberg und Unterpräfekten bestimmt wurde, zu P. Martin fest: "Hingegen versah ich die Stelle des Unterpräfekten, wie man jetzt sagen würde, mit Schneid, so dass die Studenten ziemlich Furcht vor mir hatten. Das war meinem Prinzipal P. Martin, der von der Präfektur leider gar zu oft abwesend war, ganz lieb und angenehm und er schätzte mich deshalb als Gehilfen sehr. Es ist wert, hier aus der zweijährigen Präfekturtätigkeit des P. Martin zu erwähnen, dass namentlich auf seine Bemühungen hin die ersten Opern aufgeführt wurden. Da diese auf unserer Bühne etwas neues waren und dabei ganz hübsch gesungen und gespielt wurde, so ernteten sie viel Beifall, obgleich die Kostüme damals noch bedeutend zu wünschen übrig liessen; aber noch im zweiten Jahre gelang es P. Martin, die Stanser Theatergarderobe um einen relativ billigen Preis, nämlich um 600 Franken, zu erwerben. Es befanden sich unter derselben zum Beispiel nicht wenige Sammetkostüme. – Ganz unerwartet und zur völligen Überraschung aller trat im April 1868 ein Wechsel bei der Präfektur ein. P. Martin legte die Präfektur in die Hände des Abtes zurück." Abt Anselm schrieb in seinem Tagebuch darüber: "Ich nahm seine Entlassung, die mir nicht unerwünscht kam, an; denn es herrschte nicht die beste Ordnung und die Studenten hatten nicht das gehörige Vertrauen zu ihm. P. Martin bereute nachher seinen Schritt und anerbot sich, die Präfektur noch länger zu bekleiden, ich ging jedoch auf sein Anerbieten nicht ein und ernannte P. Leodegar Scherer zum Präfekten."[6]

Von 1868 bis 1879 war als Lehrer für Französisch tätig, dazu als Musiklehrer für Violine, Fagott und Blechmusik. Er selber spielte im Orchester des Klosters Violine, Viola, Cello, Klarinette, Oboe und Fagott. Dazu sang er Bass.[7] 1868 war er bereits Kapellmeister.[8] P. Martin verfasste auch einige der "Jahresberichte des Gymnasiums des Stiftes Engelberg", so 1867 und 1868.[9]

Der letzte Fischinger Konventuale, der als Beichtiger im Frauenkloster St. Katharina in Wil (SG) wirkte, war P. Bernhard Gyr. Er hatte am Schluss seiner Wirksamkeit den Wunsch geäussert, die Schwestern möchten sich von nun an durch das Stift Engelberg geistlich betreuen lassen. Auf Vorschlag des St. Galler Bischofs Karl Johann Greith ging Abt Anselm Villiger nach längerem Zögern auf diese Bitte ein. 1879 bestimmte er als ersten Pater des Klosters Engelberg P. Marin Wissmann als "Confessarius in Wyl" (Spiritual) im Kloster St. Katharina, wo er am St. Gallustag eintraf.[10] Seine erste Aufmerksamkeit galt der Pflege der gemeinschaftlichen Gebetsübungen. Zur Zeit seiner Ankunft bestanden diese in Tagesandachten in deutscher Sprache und in einem Offizium, das aus einer Reihe von Gebeten der Ewigen Anbetung bestand, zusammengestellt aus dem Benediktiner- und Dominikanerbrevier. Über die eigentlichen Gebetsverpflichtungen der Frauen im unklaren, entdeckte P. Martin schliesslich in einem alten Schrank eine ansehnliche Reihe verstaubter, über hundert Jahre alter Dominikaner-Breviere. Die älteren Schwestern erklärten, dass vor vielen Jahren in ihrem Kloster das Breviergebet gepflegt worden war. P. Martin wollte eine gänzliche Reform des Chorgebetes in die Wege leiten, und er besprach die Sache mit Bischof Greith und dem Visitator des Klosters, dem nachmaligen St. Galler Bischof Augustinus Egger. Dieser empfahl dann als Bischof dem Konvent die Wiedereinführung des Breviergebetes, das die Klosterfrauen dann am 16. Januar 1883 wieder einführten. Nur schrittweise konnte die liturgische Reform, die für den ganzen Konvent Neuland bedeutete, von P. Martin durchgeführt werden. Man begann mit dem lateinischen Tischgebete und mit der Komplet. Eine Woche später wurde die erste Vesper gebetet, und nach Monatsfrist waren alle liturgischen Horen wieder eingeführt. P. Martin unterzog sich der nicht leichten Aufgabe, die des Lateins noch unkundigen Schwestern in die Psalmodie einzuführen, indem er das dominikanische Offizium mit dem Schwesternchor mitbetete und als Kantor fungierte. Seiner Initiative und Hingabe verdankt St. Katharina, das dominikanische Tagesoffizium innert zwei Monaten wieder eingeführt und der Ritus und Geist des Predigerordens im Kloster wieder gepflegt wurde.[11]

In Wil, wo auch eine stark besuchte Klosterschule geführt wurde, nahm sich P. Martin auch sehr um das Schulwesen an und suchte stets ein gutes Verhältnis zwischen Schule und Stadt zu fördern. Er unterrichtete er in der Schule Mathematik und Musik und wirkte auch bei den Aufführungen des Orchestervereins Wil mit Freuden mit. Ebenso nahm er sich um die Ausbildung der Lehramtskandidatinnen an und freute sich, wenn sie bei den vorgeschriebenen staatlichen Prüfungen mit Erfolg bestanden. Er betätigte sich auch als Bauherr im Kloster durch den Bau des Ostflügels und der Renovation des Chores. So war die Trauer beim plötzlichen Tod des überaus geachteten Spirituals gross. P. Martin starb am 20. März 1900 mit 59 Jahren.[12]

Professnummer

  • Nr. 635

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Manuskript von Br. Meinrad Haberl (StiArEbg Professbucheinträge, mit Vorarbeiten von P. Gall Heer) übernommen.
  2. Gemäss P. Gall Heer hiess dessen Mutter aber M. Katharina Fäh.
  3. Taufschein vom 11. August 1860 von J. Wilhelm, Ortspfarrer.
  4. Eine Reisekarte zeigt, dass er von Einsiedeln nach Engelberg bis Brunnen die Postkutsche benutzte, von dort bis Buochs das Schiff und dann wohl bis Engelberg das Pferd.
  5. Sein Bruder Plazidus wurde gleichzeitig zum Prior bestimmt.
  6. Hess, Abt Leodegar Scherer von Engelberg – Erinnerungen, in: Gedenkblätter für die Freunde u. Zöglinge der Stiftsschule, 1915, S. 23-24.
  7. Paulus, Anhang, S. 344.
  8. Acta capitularia IX (1851–1924), StiArEbg cod. 284/1, S. 73.
  9. Küchler, Die Druckerzeugnisse der Obwaldner bis 1880, in: Obwaldner Geschichtsblätter, 1904, 2. Heft, S. 54.
  10. Tagebuch Abt Anselm Villiger, Bd. V, 20. März 1900, S. 301.
  11. Käppeli, Das Dominikanerinnenkloster St. Katharina – Ein Abriss seiner Geschichte, 1957, S. 39–40.
  12. Nachrufe: Wyler Anzeiger vom 22. und 24. März 1900, Schweizerische Kirchen-Zeitung 13, 30 März 1900.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 151.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach dem Manuskript von Br. Meinrad Haberl (mit Vorarbeiten von P. Gall Heer).