Johannes von Bolsenheim: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Bolsenheim_Johannes_profess001.jpg|thumb|right|Professurkunde von P. Johannes von Bolsenheim, Vorderseite. Diese Urkunde von 1387 ist die älteste erhaltene Professurkunde des Klosters Engelberg.]]
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[[Datei:Bolsenheim_Johannes_profess001.jpg|thumb|right|Professurkunde von P. Johannes von Bolsenheim, Vorderseite. Diese Urkunde von 1387 ist die älteste erhaltene Professurkunde des Klosters Engelberg, StiArEbg Personaldossier Bolsenheim.]]
[[Datei:Bolsenheim_Johannes_profess002.jpg|thumb|right|Professurkunde von P. Johannes von Bolsenheim, Hinterseite.]]
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[[Datei:Bolsenheim_Johannes_profess002.jpg|thumb|right|Professurkunde von P. Johannes von Bolsenheim, Hinterseite, StiArEbg Personaldossier Bolsenheim.]]
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[[Datei:Bolsenheim_Johannes_cod_321001.jpg|thumb|right|Der früheste bekannte Eintrag zur Schlacht von Sempach 1386. Er stammt aus Bolsenheims Hand, als dieser noch Leutpriester in Stans war (StiBiEbg cod. 321, fol. 28v).]]
  
'''Johannes von Bolsenheim''' (* unbekannt, aus dem Elsass;  † [[17. Dezember]] nach 1411/vor 1451 in [[Engelberg]])
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'''Johannes von Bolsenheim''' (* unbekannt, aus dem Elsass;  † [[17. Dezember]] zwischen 1413 und spätestens 1417 in [[Engelberg]])
  
 
== Lebensdaten ==
 
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[[:Kategorie:Priestermönch|Priesterweihe]]: unbekannt
 
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[[Prior]]: 1389–?
  
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[[Grosskellner|Propst]]: nach 1406<ref>Stauffacher, Untersuchungen, Kap. 5, S. 113.</ref>
[[Prior]]: 1389–14?
 
  
 
[[Archivar]]: ?
 
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== Beziehungsnetz ==
 
== Beziehungsnetz ==
 
=== Verwandtschaft ===
 
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== Lebensbeschreibung ==
 
== Lebensbeschreibung ==
Über Jugend, Verwandtschaft und Bildung ist nichts Näheres bekannt. Johannes von Bolsenheim war adelig und stammte aus dem Elsass. Robert Durrer stellte fest, dass der Stammsitz der Herren von Bolsenheim bei dem gleichnamigen Dorf bei Benfeld im Elsass lag. (Durrer, Niklaus von Flüe, S. 1064). Als Verwandten von P. Johannes nennt er den Bartholomäus von Bolsenheim, Freund des bekannten Mystikers Heinrich Seuse, Priors der deutschen Dominikanerprovinz, den er als Neffen von P. Johannes bezeichnet. Zwei Herren von Bolsenheim, Konrad und Peter von Lampertsheim, genannt Bolsenheim, fielen in der Schlacht bei Sempach auf Seiten des Elsässer Adels. Doch lässt sich hier keine Verwandtschaft nachweisen (cf. Durrer, KSM 675 a).  
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Über Jugend, Verwandtschaft und Bildung ist nichts Näheres bekannt. Johannes von Bolsenheim war adelig und stammte aus dem Elsass. Robert Durrer stellte fest, dass der Stammsitz der Herren von Bolsenheim bei dem gleichnamigen Dorf bei Benfeld im Elsass lag.<ref>Durrer, Niklaus von Flüe, S. 1064.</ref> Als Verwandten von P. Johannes nennt er den Bartholomäus von Bolsenheim, Freund des bekannten Mystikers Heinrich Seuse, Priors der deutschen Dominikanerprovinz, den er als Neffen von P. Johannes bezeichnet. Zwei Herren von Bolsenheim, Konrad und Peter von Lampertsheim, genannt Bolsenheim, fielen in der Schlacht bei Sempach auf Seiten des Elsässer Adels. Doch lässt sich hier keine Verwandtschaft nachweisen.<ref>Durrer, KSM 675 a).</ref>
  
Die früheste Spur führt nach Breisach. Hier nennt er sich noch sacerdos (Priester), und zwar im gleichen Codex 262 der Stiftbibliothek Engelberg, den der spätere Abt [[Walter Mirer]], als er Pfarrer von [[Küssnacht]] war, als Band von Mystikertexten am 17. Juli 1389 zum Abschluss brachte. Dort findet sich die Bemerkung: "Haec summa pertinet Joanni de Bolsenheim in Brisach sacerdoti." Also müssen schon damals Beziehungen zwischen dem Elsass und der Schweiz bestanden haben, wenigsten zwischen Bolsenheim und Mirer, die auch später oft zusammenarbeiteten. Die Schrift des Cod. 335 der Stiftsbibliothek stammt zwar nicht von Bolsenheim, sondern von seinem Mitbruder, dem späteren Pfarrer von Stans, [[Bartholomäus Fridauer]], mit dem Bolsenheim eine interessante Arbeitsgemeinschaft pflegte. Im Band ist von den Strassburger Gottesfreunden die Rede, was bei Durrer zur Annahme führt, Bolsenheim habe die Predigt zwar nicht geschrieben, aber doch selber gehalten (Durrer, Bruder Klaus, S. 1062).  
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Die früheste Spur führt nach Breisach. Hier nennt er sich noch sacerdos (Priester), und zwar im gleichen cod. 262 der Stiftsbibliothek Engelberg, den der spätere Abt [[Walter Mirer]], als er Pfarrer von [http://wiki.abtei-muri.ch/mediawiki/index.php/K%C3%BCssnacht Küssnacht] war, als Band von Mystikertexten am 17. Juli 1389 zum Abschluss brachte. Dort findet sich die Bemerkung: "Haec summa pertinet Joanni de Bolsenheim in Brisach sacerdoti." Also müssen schon damals Beziehungen zwischen dem Elsass und der Schweiz bestanden haben, wenigstens zwischen Bolsenheim und Mirer, die auch später oft zusammenarbeiteten. Die Schrift des cod. 335 der Stiftsbibliothek stammt zwar nicht von Bolsenheim, sondern von seinem Mitbruder, dem späteren Pfarrer von Stans, [[Bartholomäus Fridauer]], mit dem Bolsenheim eine interessante Arbeitsgemeinschaft pflegte. Im Band ist von den Strassburger Gottesfreunden die Rede, was bei Durrer zur Annahme führt, Bolsenheim habe die Predigt zwar nicht geschrieben, aber doch selber gehalten <ref>Durrer, Bruder Klaus, S. 1062.</ref>
  
Inzwischen war er Pfarrer der Kirche von [[Stans]] im Kanton Nidwalden geworden, einer Kollatur des Klosters Engelberg. Ueber die Zwischenstufen dieses Weges sind wir nicht unterrichtet. Auf jeden Fall arbeitete er mit seinem Pfarrhelfer [[Bartholomäus Fridauer]] in der Erstellung von Mystiker Handschriften, resp.in der Erstellung von Kopien, vielfach zusammen. (cf. P. Sigisbert Beck, Untersuchungen zum Engelberger Prediger, Beiheft 10 der Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte, Feiburg i.Ü. 1952, S. 134 f). Von Stans aus lernte Bolsenheim Engelberg näher kennen. Er trat dort ins Kloster ein und legte am 16. Oktober 1387 Profess ab. Seine Professurkunde ist die älteste im Klosterarchiv (cf. den Wortlaut der Urkunde bei B. Gottwald, Album Engelbergense s. 79).  
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Inzwischen war er Pfarrer der Kirche von [http://wiki.abtei-muri.ch/mediawiki/index.php/Stans Stans] im Kanton Nidwalden geworden, einer Kollatur des Klosters Engelberg. Über die Zwischenstufen dieses Weges sind wir nicht unterrichtet. Auf jeden Fall arbeitete er mit seinem Pfarrhelfer [[Bartholomäus Fridauer]] in der Erstellung von Mystiker Handschriften, resp.in der Erstellung von Kopien, vielfach zusammen.<ref>P. Sigisbert Beck, Untersuchungen zum Engelberger Prediger, in: Beiheft 10 der Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte, Feiburg i.Ü. 1952, S. 134f.</ref> Von [http://wiki.abtei-muri.ch/mediawiki/index.php/Stans Stans] aus lernte Bolsenheim Engelberg näher kennen. Er trat dort ins Kloster ein und legte am 16. Oktober 1387 Profess ab. Seine Professurkunde ist die älteste im Klosterarchiv <ref>Vgl. den Wortlaut der Urkunde bei B. Gottwald, Album Engelbergense S. 79.</ref>
  
P. Johannes wurde in dem kleinen Konvent schon nach zwei Jahren zum [[Prior]] erhoben. Zum letzten Mal erscheint er urkundlich neben dem Luzerner Propst Nikolaus Bruder als "Propst des Gotthus ze Engelberg". (Darüber F.A. Herzog, Ueber die Beziehungen des Propstes zu Bolsenheim, Schweiz. Kirchenzeitung 1951 S. 339, wo m.E. zu weitgehende Folgerungen  gezogen werden.) Vielfach beschäftigate Bolsenheim die Frage nach dem "Gottesfreund im Oberland", den man damals vor allem in der Innerschweiz suchte, nicht zuletzt im Kloster Engelberg. Wie der Katalog der Handschriften unseres Klosters belegt, war Bolsenheim mit Vorliebe mit dem Abschreiben von Mystikertexten beschäftigt, die ihn zudem in beständigem Kontakt mit den Mystikerkreisen seiner Elsässer Heimat hielten, die sich geradezu als Brüderschaften bezeichneten und als solche auch Eingang fanden in unsere Nekrologien. Für ihn galt es fast als selbstverständlich, dass er auch die geistliche Leitung der Klosterfrauen von Engelberg übernahm, naturgemäss im Geiste der noch immer lebendigen Mystik.  
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P. Johannes wurde in dem kleinen Konvent 1389 zum [[Prior]] erhoben. Zum letzten Mal erscheint er urkundlich neben dem Luzerner Propst Nikolaus Bruder als "Propst des Gotthus ze Engelberg". Zusätzlich erfüllte er vermutlich nach den Tod seines Mitbruders [[Konrad von Hochfelden]] 1407 noch die Funktion eines [[Grosskellner|Propstes]] für äuswärtige Klostergüter. Jedenfalls erscheint er als „Johans von Bolsenheim, probst des gotzhus ze Engelberg“ in einer Luzerner Urkunde vom 22. April 1411. Es ist dies auch die letzte urkundliche Erwähnung Bolsenheims.<ref>Zit. bei Robert Durrer, Das Frauenkloster Engelberg als Pflegestätte der Mystik, in: Geschichtsfreund 76 (1921), S. 215f.</ref> Vielfach beschäftigte Bolsenheim die Frage nach dem "Gottesfreund im Oberland", den man damals vor allem in der Innerschweiz suchte, nicht zuletzt im Kloster Engelberg. Wie der Katalog der Handschriften unseres Klosters belegt, war Bolsenheim mit Vorliebe mit dem Abschreiben von Mystikertexten beschäftigt,<ref>Vgl. Gottwald, Benedikt: Codices manu scripti Engelbergenses, 1891, S. 317 und v. a. Stauffacher, Untersuchung, Kap. 5.1.-2. und 5.4.-5.</ref> die ihn zudem in beständigem Kontakt mit den Mystikerkreisen seiner Elsässer Heimat hielten, die sich geradezu als Brüderschaften bezeichneten und als solche auch Eingang fanden in unsere Nekrologien. Für ihn galt es fast als selbstverständlich, dass er auch die geistliche Leitung der Klosterfrauen von Engelberg übernahm, naturgemäss im Geiste der noch immer lebendigen [https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011416/2010-09-02/ Mystik].  
  
Es kann sich hier nicht darum handeln, alle Handschriften aufzuzählen, die auf Bolsenheim zurückgehen. Es sei nur noch auf das Werk von Karl Schmidt "Der Gottesfreund im 14. Jahrhundert. Hist. Nachrichten und Urkunden, Jena 1854" hingewiesen. Schmidt spricht, gestützt auf das "Briefbuch" des Nikolaus von Laufen über seine Reise nach Engelberg im Jahre 1389, wo er den Gottesfreund suchen sollte. Die Bürger von Freiburg im Breisgau hätten versichert, Johannes von Bolsenheim, [[Prior]] des Klosters Engelberg, habe engen Verkehr mit ihnen gehabt, bei ihnen Messe gelesen und gepredigt. Als dann Nikolaus von Laufen dem nachgegangen sei, habe der [[Prior]] erklärt, er wisse von alledem nichts. Er wolle aber die Sache weiter verfolgen (Schmidt a.a.o. s. 182).
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Es kann sich hier nicht darum handeln, alle Handschriften aufzuzählen, die auf Bolsenheim zurückgehen. Es sei nur noch auf das Werk von Karl Schmidt "Der Gottesfreund im 14. Jahrhundert. Hist. Nachrichten und Urkunden, Jena 1854" hingewiesen. Schmidt spricht, gestützt auf das "Briefbuch" des Nikolaus von Laufen, über seine Reise nach Engelberg im Jahre 1389, wo er den Gottesfreund suchen sollte. Die Bürger von Freiburg im Breisgau hätten versichert, Johannes von Bolsenheim, [[Prior]] des Klosters Engelberg, habe engen Verkehr mit ihnen gehabt, bei ihnen Messe gelesen und gepredigt. Als dann Nikolaus von Laufen dem nachgegangen sei, habe der [[Prior]] erklärt, er wisse von alledem nichts. Er wolle aber die Sache weiter verfolgen.<ref>Schmidt, a.a.o. S. 182.</ref>
  
Eine Urkunde darf aber hier nicht übergangen werden, um so weniger, als sie im Urkundenbuch von P. [[Adalbert Vogel]] nicht aufgenommen ist. Es handelt sich um eine Notariatsbestätigung vom Februar 1396. Hier gewinnt man den Eindruck, dass der ganze Konvent von Engelberg, soweit er damals im Kloster anwesend war, mit dem Abt [[Rudolf von Stühlingen]] verzeichnet ist. Weil es neben dem Verzeichnis von 1331 der einzige Fall dieser Art ist, soll er hier im einzelnen festgehalten werden. Die Patres treten als Zeugen des Notars auf und sind nur mit den Vornamen wieder­ gegeben, lassen sich aber leicht ermitteln. Neben dem Abt [[Rudolf von Stühlingen]] und dem [[Prior]] Bolsenheim sind genannt: [[Arnold Pippli]], [[Rudolf Amstutz]], der als [[Kellerar]] bezeichnet wird, [[Berchtold Belheim]], [[Rudolf Kaufmann]], [[Konrad von Baden]], [[Jodok Schriber]], im ganzen also sieben Patres. Andere waren auf Aussenposten, so [[Walter Mirer]] als Pfarrer in [[Küssnacht]], oder waren gestorben. Zeitweise hat sich Bolsenheim auch als [[Archivar]] betätigt, indem er systematischunsere alten Urkunden mit Dorsaliregesten versah, zum Teil zusammen mit Mirer oder abwechselnd mit ihm, mit dem er offenbar schon in Breisach bekannt war. (cf. Cod. 335 der Stiftsbibliothek Engelberg s. 92 ff) Johannes von Bolsenheim starb an einem 17. Dezember vor 1451 (Cod. lo fol. 9 zum 13. Mai. Cod. 11 fol. 45 b zum 15. Dezember.)
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Eine Urkunde darf aber hier nicht übergangen werden, um so weniger, als sie im Urkundenbuch von P. [[Adalbert Vogel]] nicht aufgenommen ist. Es handelt sich um eine Notariatsbestätigung vom Februar 1396. Hier gewinnt man den Eindruck, dass der ganze Konvent von Engelberg, soweit er damals im Kloster anwesend war, mit dem Abt [[Rudolf von Stühlingen]] verzeichnet ist. Weil es neben dem Verzeichnis von 1331 der einzige Fall dieser Art ist, soll er hier im einzelnen festgehalten werden. Die Patres treten als Zeugen des Notars auf und sind nur mit den Vornamen wieder­ gegeben, lassen sich aber leicht ermitteln. Neben dem Abt [[Rudolf von Stühlingen]] und dem [[Prior]] Bolsenheim sind genannt: [[Arnold Pippli]], [[Rudolf Amstutz]], der als [[Kellerar]] bezeichnet wird, [[Berchtold Belhein]], [[Rudolf Kaufmann]], [[Konrad von Baden]], [[Jodok Schriber]], im ganzen also sieben Patres. Andere waren auf Aussenposten, so [[Walter Mirer]] als Pfarrer in [http://wiki.abtei-muri.ch/mediawiki/index.php/K%C3%BCssnacht Küssnacht], oder waren gestorben. Zeitweise hat sich Bolsenheim auch als [[Archivar]] betätigt, indem er systematisch die Urkunden des Klosters mit Dorsalregesten versah, zum Teil zusammen mit Mirer oder abwechselnd mit ihm, mit dem er offenbar schon in Breisach bekannt war.<ref>StiBiEbg cod. 335, S. 92ff.</ref> Nach Stauffacher dürfte Bolsenheim gegen Ende seines Lebens noch am Konzil in Konstanz teilgenommen haben.<ref>Stauffacher, Untersuchungen, Kap. 5, S. 20f.</ref> Johannes von Bolsenheim starb zwischen 1413 und spätestens 1417 an einem 17. Dezember.<ref>Stauffacher, Untersuchungen, Kap. 5, S. 21; StiBiEbg cod. 10, f. 23v, Eintrag zum 17. Dezember: „Her Hans von Bolsenheim prior und schaffner dis gotzhus“; StiBiEbg cod. 11, f. 45v, Eintrag zum 15. Dezember: „Johannes des Bolsenheim quondam noster prepositus“.</ref>
 
 
== Werke ==
 
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== Bibliographie ==
 
== Bibliographie ==
* Professbucheintrag (Nr. 318) nach P. Gall Heer.
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* Durrer, Robert: Das Frauenkloster Engelberg als Pflegestätte der Mystik, in: Geschichtsfreund 76, 1921, S. 197-218, Zur Person Bolsenheims bes. S. 213-218.
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* Gottwald, Benedikt. Album Engelbergense seu Catalogus Reigiosorum O.S.B. exempti Monasterii B.V.M. in Monte Angelorum vulgo Engelberg in Helvetia circa annum post Christum natum 1082 fundati. Luzern 1882, S. 79.
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* Stauffacher, Mathias: Untersuchungen zur handschriftlichen Überlieferung des "Engelberger Predigers". Diss. (masch.) Basel 1982.
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* StiArEbg Professbucheintrag (Nr. 318) nach P. Gall Heer.
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* Wehrli-Johns, Martina: [https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011416/2010-09-02/ Mystik], in e-HLS.
  
 
== Einzelnachweise ==
 
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Aktuelle Version vom 2. Mai 2020, 00:32 Uhr

Professurkunde von P. Johannes von Bolsenheim, Vorderseite. Diese Urkunde von 1387 ist die älteste erhaltene Professurkunde des Klosters Engelberg, StiArEbg Personaldossier Bolsenheim.
Professurkunde von P. Johannes von Bolsenheim, Hinterseite, StiArEbg Personaldossier Bolsenheim.
Der früheste bekannte Eintrag zur Schlacht von Sempach 1386. Er stammt aus Bolsenheims Hand, als dieser noch Leutpriester in Stans war (StiBiEbg cod. 321, fol. 28v).

Johannes von Bolsenheim (* unbekannt, aus dem Elsass; † 17. Dezember zwischen 1413 und spätestens 1417 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 16. Oktober 1387

Priesterweihe: unbekannt

Ämter

Prior: 1389–?

Propst: nach 1406[1]

Archivar: ?

Spiritual im Frauenkloster St. Andreas: ?

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Neffe: Bartholomäus von Bolsenheim

Lebensbeschreibung

Über Jugend, Verwandtschaft und Bildung ist nichts Näheres bekannt. Johannes von Bolsenheim war adelig und stammte aus dem Elsass. Robert Durrer stellte fest, dass der Stammsitz der Herren von Bolsenheim bei dem gleichnamigen Dorf bei Benfeld im Elsass lag.[2] Als Verwandten von P. Johannes nennt er den Bartholomäus von Bolsenheim, Freund des bekannten Mystikers Heinrich Seuse, Priors der deutschen Dominikanerprovinz, den er als Neffen von P. Johannes bezeichnet. Zwei Herren von Bolsenheim, Konrad und Peter von Lampertsheim, genannt Bolsenheim, fielen in der Schlacht bei Sempach auf Seiten des Elsässer Adels. Doch lässt sich hier keine Verwandtschaft nachweisen.[3]

Die früheste Spur führt nach Breisach. Hier nennt er sich noch sacerdos (Priester), und zwar im gleichen cod. 262 der Stiftsbibliothek Engelberg, den der spätere Abt Walter Mirer, als er Pfarrer von Küssnacht war, als Band von Mystikertexten am 17. Juli 1389 zum Abschluss brachte. Dort findet sich die Bemerkung: "Haec summa pertinet Joanni de Bolsenheim in Brisach sacerdoti." Also müssen schon damals Beziehungen zwischen dem Elsass und der Schweiz bestanden haben, wenigstens zwischen Bolsenheim und Mirer, die auch später oft zusammenarbeiteten. Die Schrift des cod. 335 der Stiftsbibliothek stammt zwar nicht von Bolsenheim, sondern von seinem Mitbruder, dem späteren Pfarrer von Stans, Bartholomäus Fridauer, mit dem Bolsenheim eine interessante Arbeitsgemeinschaft pflegte. Im Band ist von den Strassburger Gottesfreunden die Rede, was bei Durrer zur Annahme führt, Bolsenheim habe die Predigt zwar nicht geschrieben, aber doch selber gehalten [4]

Inzwischen war er Pfarrer der Kirche von Stans im Kanton Nidwalden geworden, einer Kollatur des Klosters Engelberg. Über die Zwischenstufen dieses Weges sind wir nicht unterrichtet. Auf jeden Fall arbeitete er mit seinem Pfarrhelfer Bartholomäus Fridauer in der Erstellung von Mystiker Handschriften, resp.in der Erstellung von Kopien, vielfach zusammen.[5] Von Stans aus lernte Bolsenheim Engelberg näher kennen. Er trat dort ins Kloster ein und legte am 16. Oktober 1387 Profess ab. Seine Professurkunde ist die älteste im Klosterarchiv [6]

P. Johannes wurde in dem kleinen Konvent 1389 zum Prior erhoben. Zum letzten Mal erscheint er urkundlich neben dem Luzerner Propst Nikolaus Bruder als "Propst des Gotthus ze Engelberg". Zusätzlich erfüllte er vermutlich nach den Tod seines Mitbruders Konrad von Hochfelden 1407 noch die Funktion eines Propstes für äuswärtige Klostergüter. Jedenfalls erscheint er als „Johans von Bolsenheim, probst des gotzhus ze Engelberg“ in einer Luzerner Urkunde vom 22. April 1411. Es ist dies auch die letzte urkundliche Erwähnung Bolsenheims.[7] Vielfach beschäftigte Bolsenheim die Frage nach dem "Gottesfreund im Oberland", den man damals vor allem in der Innerschweiz suchte, nicht zuletzt im Kloster Engelberg. Wie der Katalog der Handschriften unseres Klosters belegt, war Bolsenheim mit Vorliebe mit dem Abschreiben von Mystikertexten beschäftigt,[8] die ihn zudem in beständigem Kontakt mit den Mystikerkreisen seiner Elsässer Heimat hielten, die sich geradezu als Brüderschaften bezeichneten und als solche auch Eingang fanden in unsere Nekrologien. Für ihn galt es fast als selbstverständlich, dass er auch die geistliche Leitung der Klosterfrauen von Engelberg übernahm, naturgemäss im Geiste der noch immer lebendigen Mystik.

Es kann sich hier nicht darum handeln, alle Handschriften aufzuzählen, die auf Bolsenheim zurückgehen. Es sei nur noch auf das Werk von Karl Schmidt "Der Gottesfreund im 14. Jahrhundert. Hist. Nachrichten und Urkunden, Jena 1854" hingewiesen. Schmidt spricht, gestützt auf das "Briefbuch" des Nikolaus von Laufen, über seine Reise nach Engelberg im Jahre 1389, wo er den Gottesfreund suchen sollte. Die Bürger von Freiburg im Breisgau hätten versichert, Johannes von Bolsenheim, Prior des Klosters Engelberg, habe engen Verkehr mit ihnen gehabt, bei ihnen Messe gelesen und gepredigt. Als dann Nikolaus von Laufen dem nachgegangen sei, habe der Prior erklärt, er wisse von alledem nichts. Er wolle aber die Sache weiter verfolgen.[9]

Eine Urkunde darf aber hier nicht übergangen werden, um so weniger, als sie im Urkundenbuch von P. Adalbert Vogel nicht aufgenommen ist. Es handelt sich um eine Notariatsbestätigung vom Februar 1396. Hier gewinnt man den Eindruck, dass der ganze Konvent von Engelberg, soweit er damals im Kloster anwesend war, mit dem Abt Rudolf von Stühlingen verzeichnet ist. Weil es neben dem Verzeichnis von 1331 der einzige Fall dieser Art ist, soll er hier im einzelnen festgehalten werden. Die Patres treten als Zeugen des Notars auf und sind nur mit den Vornamen wieder­ gegeben, lassen sich aber leicht ermitteln. Neben dem Abt Rudolf von Stühlingen und dem Prior Bolsenheim sind genannt: Arnold Pippli, Rudolf Amstutz, der als Kellerar bezeichnet wird, Berchtold Belhein, Rudolf Kaufmann, Konrad von Baden, Jodok Schriber, im ganzen also sieben Patres. Andere waren auf Aussenposten, so Walter Mirer als Pfarrer in Küssnacht, oder waren gestorben. Zeitweise hat sich Bolsenheim auch als Archivar betätigt, indem er systematisch die Urkunden des Klosters mit Dorsalregesten versah, zum Teil zusammen mit Mirer oder abwechselnd mit ihm, mit dem er offenbar schon in Breisach bekannt war.[10] Nach Stauffacher dürfte Bolsenheim gegen Ende seines Lebens noch am Konzil in Konstanz teilgenommen haben.[11] Johannes von Bolsenheim starb zwischen 1413 und spätestens 1417 an einem 17. Dezember.[12]

Bibliographie

  • Durrer, Robert: Das Frauenkloster Engelberg als Pflegestätte der Mystik, in: Geschichtsfreund 76, 1921, S. 197-218, Zur Person Bolsenheims bes. S. 213-218.
  • Gottwald, Benedikt. Album Engelbergense seu Catalogus Reigiosorum O.S.B. exempti Monasterii B.V.M. in Monte Angelorum vulgo Engelberg in Helvetia circa annum post Christum natum 1082 fundati. Luzern 1882, S. 79.
  • Stauffacher, Mathias: Untersuchungen zur handschriftlichen Überlieferung des "Engelberger Predigers". Diss. (masch.) Basel 1982.
  • StiArEbg Professbucheintrag (Nr. 318) nach P. Gall Heer.
  • Wehrli-Johns, Martina: Mystik, in e-HLS.

Einzelnachweise

  1. Stauffacher, Untersuchungen, Kap. 5, S. 113.
  2. Durrer, Niklaus von Flüe, S. 1064.
  3. Durrer, KSM 675 a).
  4. Durrer, Bruder Klaus, S. 1062.
  5. P. Sigisbert Beck, Untersuchungen zum Engelberger Prediger, in: Beiheft 10 der Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte, Feiburg i.Ü. 1952, S. 134f.
  6. Vgl. den Wortlaut der Urkunde bei B. Gottwald, Album Engelbergense S. 79.
  7. Zit. bei Robert Durrer, Das Frauenkloster Engelberg als Pflegestätte der Mystik, in: Geschichtsfreund 76 (1921), S. 215f.
  8. Vgl. Gottwald, Benedikt: Codices manu scripti Engelbergenses, 1891, S. 317 und v. a. Stauffacher, Untersuchung, Kap. 5.1.-2. und 5.4.-5.
  9. Schmidt, a.a.o. S. 182.
  10. StiBiEbg cod. 335, S. 92ff.
  11. Stauffacher, Untersuchungen, Kap. 5, S. 20f.
  12. Stauffacher, Untersuchungen, Kap. 5, S. 21; StiBiEbg cod. 10, f. 23v, Eintrag zum 17. Dezember: „Her Hans von Bolsenheim prior und schaffner dis gotzhus“; StiBiEbg cod. 11, f. 45v, Eintrag zum 15. Dezember: „Johannes des Bolsenheim quondam noster prepositus“.