Joachim Albini

Aus Kloster-Engelberg
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Joachim (Johann Jakob) Albini (* 22. Mai 1666 von Einsiedeln; † 11. Juli 1724 in Engelberg)

Lebensdaten

Absolvent der Stiftsschule Engelberg: 1685–1686

Profess: 2. März 1687

Priesterweihe: 28. Mai 1690

Ämter

Lehrer für die Fratres: 1690–1694

Küchenmeister: 1690–1694

Abt: 1694–1724

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Maurers und Handelsmannes Johann Albini und der Anna Im Herd.

Lebensbeschreibung[1]

Die Familie Albini stammte aus Bosco­ Gurin TI. Der Vater des Abtes, Johann Albini, Maurer und Handelsmann, und seine Frau, Anna Im Herd, wanderten 1661 nach Einsiedeln aus.[2] Dort wurde Johann Jakob am 22. Mai 1666 geboren. Die Gymna­sialjahre von 1679 bis 1685 führten ihn nach Luzern, Freiburg i. Ü. und Solothurn.[3] 1685 kam er in Begleitung des Vaters, der mit dem Kloster in Handelsgeschäften stand, an die Schule in Engelberg, trat 1686 ins Noviziat und legte am 2. März 1687 Profess ab. Nach dem Theologiestudium im Kloster erhielt er am 28. Mai 1690 in Luzern die Priesterweihe.[4] Er dozierte zunächst an der Hausschule Theologie und war zugleich Küchenmeister und Gehilfe des Grosskellners. 1693 kam er zur Aushilfe in der Seelsorge nach Sins.[5] Am 23. November 1694 wurde er als jüngster Pater zum Abt gewählt, am 30. Dezember vom Bischof bestätigt, aber erst am 1. Mai 1695 benediziert.[6] Im Kloster herrschte zur Zeit des Abtes Albini ein guter Ordensgeist. Er nahm 32 Novizen auf.[7] Im Vordergrund der innerklösterlichen Bemühungen stand die Pflege der Musik, wobei vielfach Werke eigener Patres aufgeführt wurden.[8] Abt Joachim hat sich auch als Bauherr einen Namen gemacht. 1695 bis 1698 liess er das Amtshaus in Küsnacht ZH neu bauen.[9] Im Kloster errichtete er die Ökonomiegebäude, die ursprünglich als Unterkunft des Konventes während eines Neubaus des ganzen Klosters gedacht waren.[10] In der Kirche liess er die von Abt Plazidus Hess begonnene Chororgel fertigstel­len und einige Altäre renovieren. Beim Goldschmied Thomas Pröll in Dies­senhofen gab er sechs silberne Kerzenstöcke mit Kruzifix für den Hochaltar in Auftrag.[11] Die Beziehungen zu den Schirmorten wusste der kluge Abt stets befriedigend zu gestalten. Für den begehrten Posten des Talvogtes von Engelberg konnte er einen Turnus von vier Jahren einführen. Gegenüber dem Begehren Nidwaldens, an den alten Grenzen der Klosteralpen Korrek­turen vorzunehmen, liess er mit sich reden, lehnte aber unbegründete Forde­rungen entschieden ab.[12] Er unterstützte Stans nach dem Brand von 1713[13] und weihte im Nidwaldnischen zahlreiche Kapellen und Altäre.[14] Der Han­del mit Vieh und Käse wurde unter ihm zu einem geschäftlichen Grossbetrieb und brachte den Talbauern erhebliche wirtschaftlich-soziale Vor­teile.[15] Daneben betrieb der unternehmungsfreudige Abt während einiger Jahre einen Handel mit Kristallen aus dem benachbarten Haslital.[16] Für diese wirtschaftlichen Unternehmungen suchte er günstige Zollverträge zu erreichen.[17] Zu den Äbten der Schweizer Kongregation, die am 23. Mai 1718 in Engelberg tagten, unterhielt er gute Beziehungen.[18] Durch Melchior Franz Tschudi, der im Dienste des Klosters stand, gelangten die Original­bände der Werke des Ägidius Tschudi nach Engelberg, wo sie von mehreren Patres kopiert wurden.[19] Der Zürcher Arzt und Gelehrte Johann Jakob Scheuchzer legte ca. 1711 eine Kopie des Handschriftenkataloges an und hielt damit den Bestand vor dem Brand von 1729 fest.[20] Im Laufe des Jahres 1724 litt der Abt wochenlang an schmerzhaften Krankheiten. Er starb am 11. Juli 1724.[21]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von der Helvetia Sacra (III I, S. 642f) übernommen.
  2. StiAErEbg Personalakten Albini. Vgl. auch Heer, Vergangenheit, S. 256, Anm. 2.
  3. StALu­ Schülerverzeichnis des Jesuitenkollegiums II, S. 1669ff. und 89.
  4. StiArEbg cod. 42a, S. 345.
  5. StiArEbg Wahlakten 1694, Inquisitionsprozess.
  6. Ibidem.
  7. Gottwald, Album Engelbergense, S. 121-126, Nr. 515-535.
  8. Huber, Kirchenmusik, S. 399-407.
  9. Eckinger, Küsnacht, S. 72.
  10. Durrer, Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden, S. 114f. und 142f.
  11. Ibidem, S. 124, 127 und 170.
  12. StiArEbg cod. 249, Reg.; StiArEbg cod. 223, S. 604ff.
  13. Durrer, Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden, S. 837-847.
  14. Ibidem, S. 47, 80, 1166. Nüscheler, Die Gotteshäuser der Schweiz, in: Geschichtsfreund 47, 1892, S. 202, 204 und 206.
  15. StiArEbg cod. 42 und Rechnungsbücher 1717ff.
  16. StiArEbg Cista Bern (Strahler).
  17. Heer, Vergangenheit, S. 268.
  18. Staub, De origine et actibus congregationis, Salzburg 1924, S. 23. StiArEbg Cista Helve­tische Kongregation.
  19. StiBiEbg cod. 178-198. Gottwald, Catalogus, S. 164-167.
  20. Steiger, Johann Jakob Scheuchzer, Diss. Zürich 1927; id., Verzeichnis des wissenschaftlichen Nachlasses von J.J. Scheuchzer, Zürich 1932, S. 22, 59 und 73.
  21. StiArEbg cod. 229, S. 28, S. 145.

Bibliographie

  • De Kegel, Rolf: Joachim Albini, in e-HLS.
  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense, Luzern 1882, S. 46.
  • Heer, Gall: Aus der Vergangenheit von Kloster und Tal Engelberg 1120–1970, S. 255-271.
  • Helvetia Sacra III I, S. 642-644.