Frowin Conrad: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 8. März 2022, 15:40 Uhr

P. Frowin Conrad, stehend, zweiter von links, 1869.

Frowin (Plazidus) Conrad (* 2. November 1833 in Auw; † 24. März 1923 in Conception)

Lebensdaten

Profess: 15. August 1853

Priesterweihe: 14. September 1856

Primiz: 5. Oktober 1856

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1856–1862

Kustos: 1858–1862

Bibliothekar: 1858–1862

Präfekt: 1862–1865

Spiritual in Maria-Rickenbach: 1866–1867

Pfarrer in Engelberg: 1867–1873

Prior in Conception (Neu-Engelberg): 1873–1881

Abt in Conception (Neu-Engelberg): 1881–1923

Abtpräses der Schweizerisch-Amerikanischen Kongregation: 1898–1922

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Jakob Conrad und der Gertrud Küng.

Bruder: Ignaz Conrad, Profess im Kloster Einsiedeln, Abt von Neu-Subiaco.

Onkel: P. Augustin Küng.

Paten: Josef Plazidus Vonderaa und M. Anna Huber.

Lebensbeschreibung[1]

Über die Freiämter Familie aus dem Aargau berichtet eine geradezu mustergültige klare und übersichtliche Familienchronik unter dem Titel: "Haus- und Rechnungsbuch für Jakob Conrad, als Ammanns, Auw, 1874" unterrichtet. Diese stammt vom Vater des Abtes Frowin Conrad, Jakob Conrad.[2] Seine Mutter hiess Gertrud Küng, mit den Beinamen "Groders" von Auw.[3] Der Ehe entstammten 15 Kinder. Der älteste war Plazidus, geboren am 2. November 1833 in Auw.[4] Taufpaten waren Josef Plazidus Vonderaa und M. Anna Huber.[5] Gefirmt wurde Plazidus am 26. April 1849 in der Pfarrei Cham durch Bischof Josef Anton Salzmann.[6]

Von 1844 bis 1846 besuchte die erste und zweite Gymnasialklasse bei den Jesuiten in Schwyz. Von 1846 bis 1848 besuchte er den Privatunterricht zuhause in Auw und dann die dritte Gymnasialklasse beim Kaplan Challand, in einer Privatschule in St. Wolfgang bei Düdingen (FR), der auch mit den Patres Augustin Küng und Adalbert Vogel in Korrespondenz stand. Dann kam er 1848 an die Stiftsschule Engelberg, wo er bis 1851 die vierte bis sechste Gymnasialklasse besuchte. Im Herbst 1851 begann er in Engelberg das Noviziat. Sein Vater gab später an, was er für ihn bis zur Primiz ausgegeben hatte: "Seine (oben genannten) Studien haben gekostet 2228 Fr. 59 Rappen, Die Einkaufssumme 857 Fr. 14 Rp., Das Bett 284 Fr. 29 Rp., Die Primizkosten 206 Fr. 13 Rp., Total: 3526 Fr., 13 Rp." Am 15. August 1853 konnte er als Fr. Frowin die Profess ablegen. Philosophie und Theologie studierte er an den Hausfakultäten in Einsiedeln und Engelberg. 1855 besuchte er wegen seiner angegriffenen Gesundheit die Bäder in Pfäfers und in St. Moritz. 1856 erhielt er in Chur durch Bischof Kaspar von Carl die Subdiakonat- und Diakonatsweihe und am 14. September die Priesterweihe in Einsiedeln durch den Basler Bischof Karl Arnold, der damals an der Engelweihe teilnahm. Die Primiz folgte am 5. Oktober 1856 in Engelberg am Rosenkranzsonntag. Am 7. Oktober gleichen Jahres erhielt er durch den Churer Bischof Caspar von Carl die Erlaubnis zur Ausübung der Seelsorge in seiner Diözese.

1857 schickte ihn Abt Plazidus Tanner zum Erlernen der französischen Sprache nach Neuchâtel, wo er im Schloss Gorgier bei der Gräfin von Putalaise wohnen konnte.[7] Gut ausgebildet kehrte er 1858 wieder zurück. 1857/58 übernahm er ein Schulpensum und wurde gleichzeitig von 1858 bis 1862 Bibliothekar und Kustos. Von 1862 bis 1866 leitete er als Präfekt (Rektor) die Stiftschule. Am 6. März 1866 wurde er, 33-jährig, von Abt Anselm Villiger zum Spiritual des Klosters Maria-Rickenbach ernannt, wo er als erster das Spiritualenhaus beziehen konnte. Sein Wirken dauerte dort aber nur ein Jahr. Die Rickenbacher Klosterchronik vermerkt, dass der neue Spiritual "hie und da nicht das richtige getroffen" habe, was sie aber "seinem übergrossen, jugendlichen Eifer" zuschrieb. Konkretes wird aber nicht angegeben. Etwas direkter heisst es im Klostertagebuch, es habe eine Gruppe von 10 bis 12 Schwestern, die eine "allzu grosse Anhänglichkeit" zu ihm an den Tag gelegt hätte, und sich gegen seine Abberufung aufgelehnt hatten. Im Juni 1867 rief ihn der Abt in den Dienst der Pfarrei Engelberg. Für sein hohes Ansehen spricht, dass er von Persönlichkeiten Obwaldens 1870 als Pfarrer von Sachseln gewünscht wurde. Aber Abt Anselm lehnte ein solches Ansinnen entschieden ab. Und auch die Talgemeinde Engelberg wollte ihn unbedingt behalten.

Während dieser Zeit hatte Bischof Hogan von St. Joseph Missouri in den USA Abt Anselm gebeten, einige Patres in seine Diözese zu senden und dort ein Benediktinerkloster zu gründen und die Seelsorge für die vielen Einwanderer zu übernehmen. Abt Anselm schickte ihn also in die USA, um dort die Möglichkeiten und Chancen einer Klostergründung zu eruieren und zusätzlich die Seelsorge deutschsprachiger Einwanderer zu organisieren. Mit P. Frowin verliess am 27. April 1873 auch P. Adelhelm Odermatt Engelberg für diese Aufgabe, um über Einsiedeln und Beuron nach dem fernen Westen zu ziehen und in Conception im Bundesstaat Missouri ein neues "Engelberg" zu gründen. Im Dezember 1873 schrieb er aus Amerika und bat für den Unterricht der Kinder und für die dringend notwendigen karitativen Dienste um Schwestern aus Maria-Rickenbach. Im August 1874 wurden von dort fünf Schwestern geschickt, weitere sollten folgen. Nach grossen Anfangsschwierigkeiten kam schon Anfang 1880 von Rom Bericht, Papst Leo XIII. habe Conception zur Abtei und P. Frowin zum ersten Abt der Neugründung ernannt. Am 29. Juni 1881 erhielt P. Frowin von Bischof Hogan die Abtsweihe.

1885 kam Abt Frowin zu einem ersten Besuch nach Engelberg. Dabei besuchte er auch am 15. Juli gemeinsam mit Abt Anselm Villiger das Kloster Maria-Rickenbach, um dort mit ihm an den Professfeierlichkeiten von acht Schwestern teilzunehmen und die Festpredigt zu halten. Einige Kandidatinnen und Novizinnen reisten dann gleich mit ihm zurück in die USA. Im April 1893 nahm er mit 45 anderen Äbten an der Grundsteinlegung des neuen Benediktinerkollegiums S. Anselmo in Rom teil und anschliessend auch am Eucharistischen Kongress in Jerusalem. 1898 wurde er zum Abtpräses der Schweizerischen Benediktiner Kongregation gewählt.

Schon in Engelberg als tüchtiger Prediger, verständiger Erzieher und eifriger Seelenhirte geschätzt, pflegte er auch als Abt in der neuen Welt mit Vorliebe das innerklösterliche Leben, erwies sich aber auch als zielsicherer Organisator nach Aussen. Er errichtete aus einfachsten Anfängen heraus umfassende Klostergebäude mit Kollegium und theologischer Hausanstalt, dazu einen von Laienbrüdern geführten landwirtschaftlichen Musterbetrieb. Er übernahm mehrere Pfarreien und die Indianermission Fort Yates in Nord-Dakota und gründete in Cottonwood ein Priorat. Für den Unterricht der Kinder, besonders der weiblichen Jugend und für den Kranken- und Armendienst liess er aus den Frauenklöstern Maria-Rickenbach und Melchtal Schwestern kommen, die mehrere Klöster, Institute und Krankenhäuser aufbauten. Conception oder Neu-Engelberg selber wuchs unter Abt Frowin zu einem religiösen Zentrum des Landes heran, das vor allem durch die künstlerische Pflege des Choralgesanges zu allgemeinen hohen Ansehen gelangte. Er liess eine stattliche doppeltürmige Kirche errichten. Diese wurde aber schon 1893 durch einen Wirbelsturm fast ganz zerstört. Von den damaligen Päpsten mehrfach ausgezeichnet, von Klerus und Volk wegen seines Wirkens und seines Beispiels hochgeschätzt, bewahrte Abt Frowin bis ins hohe Alter hinein eine eiserne Energie und Rüstigkeit. 1922 liess er sich aber in P. Philipp Ruggle von Gossau einen Koadjutor geben.[8]

1916 hatte er noch sein 60 jähriges Priesterjubiläum feiern können. Er starb am 24. März 1923 im Alter von 90 Jahren.[9] Abtprimas Fidelis von Stotzingen schrieb an Abt Basil Fellmann: "Er war einer der verdienstvollsten, verehrungswürdigsten und bedeutensten Männer unseres Ordens."[10]

Werke

  • Rundschreiben an die Sodalen, Luzern, Räber 1864–1865.
  • Der Gerechte lebt im Glauben, Festpredigt in Sachseln am 21. März 1870, Ingenbohl.
  • Die Wahrheit und Bedeutung des hl. Altarsakramentes, Predigt am gleichnamigen Bruderschaftsfest am 7. Mai 1871 in der Pfarrkirche Alpnach, Luzern, Räber 1871.
  • Was will der Piusverein und was kann er? Predigt am Gründungsfest des kant. Piusvereins für Unterwalden, Stans, von Matt, 1872.
  • Predigt, geweiht dem hochst. Praelaten Karl Motschi, am Tag seiner Weihung zum Abt im Kloster Mariastein, am 16. März 1873.[11]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Geboren am 8. Oktober 1805.
  3. Geboren am 16. Februar 1810, gestorben am 14. Januar 1881. Über sie war er mit P. Augustin Küng verwandt.
  4. Einige seiner Geschwister wurden ebenfalls Ordensleute: Burkard, geb. 1838, wurde Kapuziner, Nikolaus, geb. 1846, wurde als P. Ignatius Benediktiner und Pfarrer an der Kathedrale St. Josef Kansas-City, 1892 erster Abt von Neu-Subjaco, Arkansas; Alois, geb. 5. März 1848, wurde Benediktiner als P. Pius, viele Jahre Prior in Conception; Peter wurde Landamann des Aargaus; Frodolin, geb. am 27 Mai 1851, als P. Johannes Ev. ebenfalls Benediktiner und Pfarrer in Conception.
  5. Bescheinigt am 3. April 1853 in Auw, K. Suter, Pfarrverweser.
  6. Bezeugt durch Fidelis A. Schell, Pfarrer, Cham den 30. April 1853.
  7. Er dürfte im ersten Halbjahr 1857 bis September 1857 in der Romandie gewesen sein. Hinweis von Stiftsarchivar Rolf De Kegel.
  8. Dieser Abschnitt wurde weitgehend von der Lebensbeschreibung im Biographischen Lexikon des Aargaus 1803–1957, Aarau 1958, S. 138 übernommen.
  9. Nachruf in: SMGB 1923/24, S. 330.
  10. StiArEbg Tagebuch von Abt Basil Fellmann, 1923 am 19. März 1926.
  11. Vgl. Obwaldner Geschichtsblätter 1904, Heft II, S. 13.

Bibliographie

  • Die Benediktiner in Conception Mo und ihre Missionstätigkeit, St. Louis 1885, ohne Verfasserangabe.
  • Biographisches Lexikon des Aargaus 1803–1957, Aarau 1958, S. 138.
  • Conrad, Frowin, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 19.01.2016.
  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 148.
  • De Kegel, Rolf: De Kegel, Das Benediktinerinnen-Kloster Maria Rickenbach in Geschichte und Gegenwart, Spirituale von 1864 bis 1918, 2007, S. 75-76.
  • Keel, Anselm: Der Klostergründer Abt Frowin Conrad von Auw, Engelberg: Stiftsdruckerei [1989].
  • The Morning Star, Conception Mo, Vol. XXXIV., 1938.
  • Rippinger, Joel: The Monastic Legacy of Frowin Conrad: Founder and Abbot, in: American Benedictine Review 47 (1996).
  • Vogel, Adalbert: Die Benediktinerkolonie Neu-Engelberg, im Staat Missouri in Coception USA, Brünn 1882.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.