Floridus Russi

Aus Kloster-Engelberg
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Floridus (Franz) Russi (* 1. Oktober 1672 in Ursern; † 5. Dezember 1713 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 29. September 1692

Priesterweihe: 22. Dezember 1696

Ämter

Pfarrer in Engelberg:

Spiritual in Sarnen:

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Johann Russi, Alt-Landammann, und der Barbara Wolleb.

Geschwister:

  • Fr. Anicet (Johann Georg) Russi (1685–1755), OCap
  • P. Archangelus (Floridus) Russi (Cousin)
  • Johann Melchior

Lebensbeschreibung[1]

P. Floridus war Urner aus Andermatt, wo er am 1. Oktober 1672 als Sohn des Alt-Landammanns Johann Russi und der Barbara Wolleb, der dritten Gattin, geboren wurde. In der Taufe erhielt er den Namen Franz. Am 20. Oktober 1690 trat Franz Russi in die Engelberger Schule ein. Für ihn bezahlte Anton Furrer (Forno) von Romg (Ronco), ein Grosshändler, wahrscheinlich aus dem Maggiatal, der Käse aus dem Kloster bezog und dafür Öl, Reis und Wein lieferte.[2] Russi blieb bis zum Fest des heiligen Michael, den 29. September 1691, da Furrer für 49 Wochen 73 gld, mit den Unkosten insgesamt 99 gld 6 s bezahlte. Russis Vater war dreimal Talammann von Ursern, ein angesehener Mann. Er starb 1691 und war vielleicht schon krank, als der Sohn nach Engelberg kam, sodass Furrer für ihn sorgte. Ein Bruder, Johann Georg (1685–1755) war 1702 als Fr. Anicet bei den Kapuzinern eingetreten. P. Archangelus Russi war wohl ein Cousin, mit Taufnamen Floridus. Ein weiterer Bruder, Johann Melchior, war bei der Besiegelung des Aussteuervertrages am 10. September 1692 mit A. Furrer anwesend.

Franz trat am 29. September 1690 in Engelberg ins Noviziat ein und hatte ein Jahr später die Profess auf den Namen des Katakombenheiligen Floridus, des Mitpatrons unserer Kirche, abgelegt. Die Reliquien des heiligen Floridus waren kurz zuvor, anfangs Februar 1686 nach Engelberg übertragen worden.[3] Nach den Studien der Philosophie und Theologie im Kloster, empfing er die heiligen Weihen in Luzern: den Subdiakonat durch Nuntius Marcello d'Aste in seiner Hauskapelle den Diakonat am 29. Mai 16? durch denselben Nuntius. Die Priesterweihe empfing er durch Nuntius Michelangelo de Conti, den späteren Papst Innozenz XIII. in seiner Residenzkapelle am 22. Dezember 1696. Zur Primiz, die er in der Weihnachtsoktav feierte, erhielt er einen Kelch von Hans Peter Staffelbach mit dem Russiwappen samt Messkännchen und Platte vom gleichen Meister in reicher und feiner Ausführung.[4]

Seine erste Wirksamkeit ennfaltete der Neupriester als Lehrer und Leiter der Klosterschule; schon als Frater war er zum Zeremoniar ernannt worden. 1702 bis 1703 war er Pfarrer von Engelberg.[5] 1703 wurde er Subprior des Klosters 1705/1706 weilte er in Geschäften in Corno; er kaufte Wein und Paramente von Mailand ein. In dieser Zeit wohnte er beim Dompropst und hier lernte er den Domherrn und Pöniteniar an der Kathedrale kennen. In einem Brief spricht er vom Herrn "Murising", dem Bruder des Giuseppe Morosini (29. Dez. 1705). 1709 kam P. Floridus als Beichtiger in das Frauenkloster. Sarnen. Hier starb er im Alter von nur 41 Jahren. Er muss der Subprior gewesen sein, von dem der Zürcher Arzt Johann Jakob Scheuchzer in seinen "Itinera Alpina" spricht. Der Zürcher Gelehrte weilte 1702 ungefähr 14 Tage im Kloster und kam eben recht mit seiner ärztlichen Kunst. Die meisten Patres litten unter Vergiftungser­scheinungen. Er nannte die Krankheit eine "colica Spasmodica", die sich bei P. Subprior als "nephritica", eine Nierenkolik, äusserte.[6]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. StiArEbg Rb Sins, S. 290.
  3. Achermann, Die Katakombenheiligen, Reg.
  4. Hess, Goldschmiedearbeiten, S. 13.
  5. Hess, Das geistliche Engelberg, 1943.
  6. Stiftsarchiv Engelberg, persönliche Akten. Dazu Urner Nb. 1969/1970. Ueber Morosini vgl. A. Lienhard-Riva, Tessiner Wappenbuch 288. Heer, Urner als Konventualen und Klosterschüler in Engelberg. Festschrift Iso Müller, Stans 1971, S. 266.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 120.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.