Floridus Locher: Unterschied zwischen den Versionen

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Paten waren Johann Kaspar Hauser und Anna Katharina Löhrer.
 
Paten waren Johann Kaspar Hauser und Anna Katharina Löhrer.
  
==Lebensbeschreibung<ref>Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.</ref>==
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==Lebensbeschreibung<ref>Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Manuskript von Br. Meinrad Haberl (StiArEbg Professbucheinträge, mit Vorarbeiten von P. Gall Heer) übernommen.</ref>==
Br. Floridus wurde als Sohn des Johann Locher und seiner Frau Anna M. Löhrer am 1. Juni 1823 geboren und in der Pfarrkirche Häggenschwil (St. Gallen) auf den Namen Johann Kaspar getauft. Taufpaten waren Johann Kaspar Hauser und Anna Katharina Löhrer.<ref>Bescheinigung vom 30. April 1855 von Pfarrer Hall Anton Eberle.</ref> 1843 kam er mit 20 Jahren auf den "Holzerhof" der Familie Hafner in Roggwil (Thurgau), wo er acht Jahre eifrig seine Arbeiten erfüllte. Nach dem Heimatschein von 1844 war Kaspar Locher: "Bürger von Häggenschwil, 21 Jahre alt, ledigen Standes, Grösse: 5 Schuh, 8 Zoll Schweizer Mass, Statur: schlank, haare: braun, Augenbrauen dito, Augen: braun, Nase: spitzig, Mund: mittler, Kinn: rund, Bart: ohne, Gesicht: lang, besondere Merkmale: keine."  
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Br. Floridus wurde als Sohn des Johann Locher und seiner Frau Anna M. Löhrer am 1. Juni 1823 geboren und in der Pfarrkirche Häggenschwil (St. Gallen) auf den Namen Johann Kaspar getauft. Taufpaten waren Johann Kaspar Hauser und Anna Katharina Löhrer.<ref>Bescheinigung vom 30. April 1855 von Pfarrer Hall Anton Eberle.</ref> 1843 kam er mit 20 Jahren auf den "Holzerhof" der Familie Hafner in Roggwil (Thurgau), wo er acht Jahre lang arbeitete. Nach dem Heimatschein von 1844 war Kaspar Locher: "Bürger von Häggenschwil, 21 Jahre alt, ledigen Standes, Grösse: 5 Schuh, 8 Zoll Schweizer Mass, Statur: schlank, haare: braun, Augenbrauen dito, Augen: braun, Nase: spitzig, Mund: mittler, Kinn: rund, Bart: ohne, Gesicht: lang, besondere Merkmale: keine."  
  
1847 wurde er mit anderen Kameraden gegen den Sonderbund aufgeboten. Locher musste dem Befehl Folge leisten, auch wenn er sich innerlich dagegen sträubte, die Waffen gegen die Miteidgenossen erheben zu müssen. Bald nach 1850 zog ihn der Kapuziner P. Theoduis Florentini, damals Generalvikar der Diözese Chur, in seinen Bann. Dieser trug sich mit den Gedanken, neben dem Institut in Menzingen, ein solches auch für die Schulbrüder ins Leben zu rufen. Kaspar L. blieb zwei Monate bei Florentini in der Hofpfarrei Chur, um sich als Schulbruder ausbilden zu lassen. Da aber P. Theodosius zu wenig Organisator war, um ein solches verwirklichen zu können, zog sich Locher zurück, da er seine Zukunft zu wenig gesichert sah. P. Theodosius liess ihn nur ungern ziehen, da er ihn schätzen gelernt hatte. Er verschaffte ihm aber, um ihn in der Nähe zu behalten, 1851 die Stelle eines Hausdieners in dem Lehrschwestern-Pensionat auf dem Schloss der Salis in Zizers, wo er zwei Jahre blieb und auch als Sakristan, Gärtner und Besorger von Einkäufen tätig war. Man nannte ihn allgemein kurz den "Schlossdiener", der durch seine Tätigkeit, Tüchtigkeit und aufrichtiger Frömmigkeit bekannt war. Aber gerade in dieser Stellung spürte er immer mehr den Wunsch, sein Leben ganz Gott zu weihen. Der Geistliche der Anstalt, Sextar Beat Hürlimann wies ihn auf das Kloster Engelberg hin um dort als Bruder aufgenommen zu werden. Dieser war nämlich mir den dortigen P. [[Maurus Schlumpf]] gut befreundet und er stellte Locher auch ein gutes Zeugnis aus. P. Maurus war damals in Engelberg [[Grosskellner]].  
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1847 wurde er mit anderen Kameraden gegen den Sonderbund aufgeboten. Locher musste dem Befehl Folge leisten, auch wenn er sich innerlich dagegen sträubte, die Waffen gegen die Miteidgenossen erheben zu müssen. Bald nach 1850 zog ihn der Kapuziner P. Theoduis Florentini, damals Generalvikar der Diözese Chur, in seinen Bann. Dieser trug sich mit den Gedanken, neben dem Institut in Menzingen, ein solches auch für die Schulbrüder ins Leben zu rufen. Kaspar Locher blieb zwei Monate bei Florentini in der Hofpfarrei Chur, um sich als Schulbruder ausbilden zu lassen. Da aber P. Theodosius zu wenig Organisator war, um ein solches verwirklichen zu können, zog sich Locher zurück, da er seine Zukunft zu wenig gesichert sah. P. Theodosius liess ihn nur ungern ziehen, da er ihn schätzen gelernt hatte. Er verschaffte ihm aber, um ihn in der Nähe zu behalten, 1851 die Stelle eines Hausdieners in dem Lehrschwestern-Pensionat auf dem Schloss der Salis in Zizers, wo er zwei Jahre blieb und auch als Sakristan, Gärtner und Besorger von Einkäufen tätig war. Man nannte ihn allgemein kurz den "Schlossdiener", der durch seine Tätigkeit, Tüchtigkeit und aufrichtiger Frömmigkeit bekannt war. Aber gerade in dieser Stellung spürte er immer mehr den Wunsch, sein Leben ganz Gott zu weihen. Der Geistliche der Anstalt, Sextar Beat Hürlimann wies ihn auf das Kloster Engelberg hin um dort als Bruder aufgenommen zu werden. Dieser war nämlich mir den dortigen P. [[Maurus Schlumpf]] gut befreundet und er stellte Locher auch ein gutes Zeugnis aus. P. Maurus war damals in Engelberg [[Grosskellner]].  
  
So kam Kaspar Locher am 15. Juli 1853 in das ihm bisher völlig unbekannte Kloster Engelberg, wo er 1845 aufgenommen und am 27. Mai 1855 im Alter von 32 Jahren als Br. Floridus Profess ablegen konnte. Sein Professname Floridus, der als Mitpatron des Klosters verehrt wird, hat ihm nie recht gefallen, wie Grosskellner P. [[Walter Langenegger]] sagte. Wenn aber Br. Floridus gehofft hatte, als Bruder ein weltentrücktes Leben im Kloster führen zu können so hatte er sich getäuscht. Er wurde erst für sechs Jahre als [[Pförtner]] und als [[Gastbruder]] für die Betreuung der vielen Gäste eingesetzt. Dann wurde er am 7. Januar 1861 als Ökonom nach Grafenort versetzt. Schwerem Herzens und unter ungünstigen Verhältnissen übernahm er diesen Posten. Er musste dort grosse Umgestaltungen vornehmen, so die meist baufälligen Gebäude renovieren oder gar neu aufführen lassen und eingerissene Missbräuche und unstatthafte Gepflogenheiten abschaffen. Das war eine verdriessliche und dornenvolle Aufgabe für ihn als neuen "Grafenortsbruder". Aber Br. Floridus liess sich trotz allem dadurch nicht entmutigen. P. Adalbert Vogel berichtet über sein Wirken in Grafenort: "Er machte sich sehr verdient um die Oekonomie während 38 Jahre. Er verbesserte [...] die Anlage von Gärten, Weide und Mattland Gebiete, die zum Teil versumpft- oder zu Wald verwildert waren. Die verwahrlosten Häuser und Ställe setzte er wieder in Stand. Das Wirtshaus wurde gründlich umgebaut. Im Herrenhaus errichtete er neben der Sust ein Zimmer für die Post und renovierte die im Gang verlotterte Fassade. Für all die Arbeiten musste er die Abteikasse nicht in Anspruch nehmen, da er selber so gut wirtschaftete, dass er sich das nötige Geld ersparen konnte. Selber arbeitete er von morgen früh an für 2–3 Knechte. Auch die Restauration der Kapelle in Grafenort 1880 im inneren und äusserem unternahm und bezahlte er. Die Tonierung und Ausmalung übernahm P. Emmanuel Wagner, die Zementarbeiten, Chorbogen und Aussenrenovation besorgte Br. Pirmin Schüpfer, das Vergolden der Altäre Br. Theophil Meier. Schliesslich bezahlte Br. Floridus auch eines der gemalten Fenster."  
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So kam Kaspar Locher am 15. Juli 1853 in das ihm bisher völlig unbekannte Kloster Engelberg, wo er 1845 aufgenommen und am 27. Mai 1855 im Alter von 32 Jahren als Br. Floridus Profess ablegen konnte. Sein Professname Floridus, der als Mitpatron des Klosters verehrt wird, hat ihm nie recht gefallen, wie Grosskellner P. [[Walther Langenegger]] sagte. Wenn aber Br. Floridus gehofft hatte, als Bruder ein weltentrücktes Leben im Kloster führen zu können, so hatte er sich getäuscht. Er wurde erst für sechs Jahre als [[Pförtner]] und als [[Gastpater/Gastbruder|Gastbruder]] für die Betreuung der vielen Gäste eingesetzt. Dann wurde er am 7. Januar 1861 als Ökonom nach Grafenort versetzt. Schwerem Herzens und unter ungünstigen Verhältnissen übernahm er diesen Posten. Er musste dort grosse Umgestaltungen vornehmen, so die meist baufälligen Gebäude renovieren oder gar neu erstellen lassen und eingerissene Missbräuche und unstatthafte Gepflogenheiten abschaffen. Das war eine verdriessliche und dornenvolle Aufgabe für ihn als neuen "Grafenortsbruder". Aber Br. Floridus liess sich trotz allem dadurch nicht entmutigen. P. Adalbert Vogel berichtet über sein Wirken in Grafenort: "Er machte sich sehr verdient um die Oekonomie während 38 Jahre. Er verbesserte [...] die Anlage von Gärten, Weide und Mattland Gebiete, die zum Teil versumpft- oder zu Wald verwildert waren. Die verwahrlosten Häuser und Ställe setzte er wieder in Stand. Das Wirtshaus wurde gründlich umgebaut. Im Herrenhaus errichtete er neben der Sust ein Zimmer für die Post und renovierte die im Gang verlotterte Fassade. Für all die Arbeiten musste er die Abteikasse nicht in Anspruch nehmen, da er selber so gut wirtschaftete, dass er sich das nötige Geld ersparen konnte. Selber arbeitete er von morgen früh an für 2–3 Knechte. Auch die Restauration der Kapelle in Grafenort 1880 im inneren und äusserem unternahm und bezahlte er. Die Tonierung und Ausmalung übernahm P. Emmanuel Wagner, die Zementarbeiten, Chorbogen und Aussenrenovation besorgte Br. Pirmin Schüpfer, das Vergolden der Altäre Br. Theophil Meier. Schliesslich bezahlte Br. Floridus auch eines der gemalten Fenster."  
  
Für Neubauten und Reparaturen gab er im Ganzen ca. 40'000 Franken aus, für die Kapelle 2000 Franken.<ref>Act. Cap. 387</ref> Und immer ging er den Untergebenen mit gutem Beispiel voran. Er war ein rastloser Arbeiter. Das "Liera" und "Dära" (Unschlüssigkeit, Zaudern) war ihm nicht gelegen. Er war ein Mann des Zupackens. Unter seiner tatkräftigen Hand haben sowohl die Landgüter, wie die Gebäude ein anderes Aussehen erhalten. Durch stark befestigte Steinwuhren mit Steinen aus dem Bachbett der Engelberger Aa in Grafenort hat Br. Floridus, wie schon sein Vorgänger Br. [[Leonrad Amhof]], der während 37 Jahren, bis 1861, im Grafenort arbeitete, den Überschwemmungen des Aarwassers vorgebeugt und hat damit die Kultivierung des Aawassergebietes ermöglicht und zum grossen Teil schon durchgeführt. Besonders um die Ökonomie im Grafenort hat er sich bleibende Verdienste erworben.  
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Für Neubauten und Reparaturen gab er im Ganzen ca. 40'000 Franken aus, für die Kapelle 2000 Franken.<ref>Acta capitularia IX (1851–1924), StiArEbg cod. 284/1, S. 387.</ref> Und immer ging er den Untergebenen mit gutem Beispiel voran. Er war ein rastloser Arbeiter. Das "Liera" und "Dära" (Unschlüssigkeit, Zaudern) war ihm nicht gelegen. Er war ein Mann des Zupackens. Unter seiner tatkräftigen Hand haben sowohl die Landgüter, wie die Gebäude ein anderes Aussehen erhalten. Durch stark befestigte Steinwuhren mit Steinen aus dem Bachbett der Engelberger Aa in Grafenort hat Br. Floridus, wie schon sein Vorgänger Br. [[Konrad Amhof]], der während 37 Jahren, bis 1861, im Grafenort arbeitete, den Überschwemmungen des Aarwassers vorgebeugt und hat damit die Kultivierung des Aawassergebietes ermöglicht und zum grossen Teil schon durchgeführt. Besonders um die Ökonomie im Grafenort hat er sich bleibende Verdienste erworben.  
  
Trotz all seiner vielen Arbeiten hat nie seiner religiösen Pflichten nie vernachlässigt. Schon am frühen Morgen- und Abends nach vollendeten anstrengenden Tagewerk verrichtete er gewissenhaft seine Gebetszeiten. Er versuchte, zu jedermann freundlich zu sein auch wenn er hin und wieder etwas barsch werden konnte. Aber seine kernigen Sprüche wurden immer gerne gehört. Tragisch waren die letzten Tage von Br. Floridus. Am Dienstag den 4. Januar 1898, als er am frühen Morgen in der Dunkelheit an seine Arbeit gehen wollte, glitt er in der obern Hohstatt auf einer Eisfläche aus und fiel auf den Hinterkopf und auf den Rücken, was eine Verletzung der Halswirbel und eine Prellung des Rückenmarks zur Folge hatte. Das war ein schwerer Schlag für ihn von dem er sich nicht mehr erholen sollte. Schmerzhaftes Nervenleiden quälte ihn monatelang. Dadurch trat bei ihm eine entsetzliche Schwermut ein, die ihn noch mehr niederdrückte als der Unfall selbst. Kein Wort des Trostes mochte ihn aufzurichten, immer wieder schwebte ihm der schreckliche Gedanke vor Augen, dass er ewig verloren sei. Dieser quälende Gedanke verliess ihn nicht mehr bis zu seinem Todestag am 28. Juni 1898. Er weigerte sich in seiner Schwermut zuletzt Nahrung zu sich zu nehmen und ass fast gar nichts mehr. Solange er noch bei Besinnung war, konnte man ihm öfters die hl. Sterbesakramente reichen. Am Morgen des 28. Juni 1898 starb er- 75-jährig auf einem Stuhl sitzend. Auf einem Gruppenfoto von 1869 der damaligen Laienbrüdern ist er links stehend mit einer Sense dargestellt.<ref>Titlisgrüsse 5, 1917, zu seinem Tod vgl. auch zwei Artikel im Nidwaldner Volksblatt 1898, Nr. 27.</ref>
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Trotz all seiner vielen Arbeiten hat nie seiner religiösen Pflichten nie vernachlässigt. Schon am frühen Morgen- und Abends nach vollendeten anstrengenden Tagewerk verrichtete er gewissenhaft seine Gebetszeiten. Er versuchte, zu jedermann freundlich zu sein auch wenn er hin und wieder etwas barsch werden konnte. Aber seine kernigen Sprüche wurden immer gerne gehört. Tragisch waren die letzten Tage von Br. Floridus. Am Dienstag den 4. Januar 1898, als er am frühen Morgen in der Dunkelheit an seine Arbeit gehen wollte, glitt er in der oberen Hohstatt auf einer Eisfläche aus und fiel auf den Hinterkopf und auf den Rücken, was eine Verletzung der Halswirbel und eine Prellung des Rückenmarks zur Folge hatte. Das war ein schwerer Schlag für ihn von dem er sich nicht mehr erholen sollte. Schmerzhaftes Nervenleiden quälte ihn monatelang. Dadurch trat bei ihm eine entsetzliche Schwermut ein, die ihn noch mehr niederdrückte als der Unfall selbst. Kein Wort des Trostes mochte ihn aufzurichten, immer wieder schwebte ihm der schreckliche Gedanke vor Augen, dass er ewig verloren sei. Dieser quälende Gedanke verliess ihn nicht mehr bis zu seinem Todestag am 28. Juni 1898. Er weigerte sich in seiner Schwermut zuletzt Nahrung zu sich zu nehmen und ass fast gar nichts mehr. Solange er noch bei Besinnung war, konnte man ihm öfters die hl. Sterbesakramente reichen. Am Morgen des 28. Juni 1898 starb er 75-jährig auf einem Stuhl sitzend. Auf einem Gruppenfoto von 1869 der damaligen Laienbrüdern ist er links stehend mit einer Sense dargestellt.<ref>Titlisgrüsse 5, 1917, zu seinem Tod vgl. auch zwei Artikel im Nidwaldner Volksblatt 1898, Nr. 27.</ref>
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==Professnummer==
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* Nr. 624
  
 
== Einzelnachweise ==
 
== Einzelnachweise ==
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== Bibliographie ==
 
== Bibliographie ==
* Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 148.
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* Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 148, Nr. 624.
* StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.
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* StiArEbg Professbucheintrag nach dem Manuskript von Br. Meinrad Haberl (mit Vorarbeiten von P. Gall Heer).
  
  

Aktuelle Version vom 23. April 2022, 02:15 Uhr

Floridus (Kaspar) Locher (* 1. Juni 1823 in Hägenschwil; † 4. Januar 1898 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 27. Mai 1855

Ämter

Pförtner: 1855–1861

Gastbruder: 1855–1861

Grafenortsbruder: 1861–1898

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Johann Locher und der Anna M. Löhrer.

Paten waren Johann Kaspar Hauser und Anna Katharina Löhrer.

Lebensbeschreibung[1]

Br. Floridus wurde als Sohn des Johann Locher und seiner Frau Anna M. Löhrer am 1. Juni 1823 geboren und in der Pfarrkirche Häggenschwil (St. Gallen) auf den Namen Johann Kaspar getauft. Taufpaten waren Johann Kaspar Hauser und Anna Katharina Löhrer.[2] 1843 kam er mit 20 Jahren auf den "Holzerhof" der Familie Hafner in Roggwil (Thurgau), wo er acht Jahre lang arbeitete. Nach dem Heimatschein von 1844 war Kaspar Locher: "Bürger von Häggenschwil, 21 Jahre alt, ledigen Standes, Grösse: 5 Schuh, 8 Zoll Schweizer Mass, Statur: schlank, haare: braun, Augenbrauen dito, Augen: braun, Nase: spitzig, Mund: mittler, Kinn: rund, Bart: ohne, Gesicht: lang, besondere Merkmale: keine."

1847 wurde er mit anderen Kameraden gegen den Sonderbund aufgeboten. Locher musste dem Befehl Folge leisten, auch wenn er sich innerlich dagegen sträubte, die Waffen gegen die Miteidgenossen erheben zu müssen. Bald nach 1850 zog ihn der Kapuziner P. Theoduis Florentini, damals Generalvikar der Diözese Chur, in seinen Bann. Dieser trug sich mit den Gedanken, neben dem Institut in Menzingen, ein solches auch für die Schulbrüder ins Leben zu rufen. Kaspar Locher blieb zwei Monate bei Florentini in der Hofpfarrei Chur, um sich als Schulbruder ausbilden zu lassen. Da aber P. Theodosius zu wenig Organisator war, um ein solches verwirklichen zu können, zog sich Locher zurück, da er seine Zukunft zu wenig gesichert sah. P. Theodosius liess ihn nur ungern ziehen, da er ihn schätzen gelernt hatte. Er verschaffte ihm aber, um ihn in der Nähe zu behalten, 1851 die Stelle eines Hausdieners in dem Lehrschwestern-Pensionat auf dem Schloss der Salis in Zizers, wo er zwei Jahre blieb und auch als Sakristan, Gärtner und Besorger von Einkäufen tätig war. Man nannte ihn allgemein kurz den "Schlossdiener", der durch seine Tätigkeit, Tüchtigkeit und aufrichtiger Frömmigkeit bekannt war. Aber gerade in dieser Stellung spürte er immer mehr den Wunsch, sein Leben ganz Gott zu weihen. Der Geistliche der Anstalt, Sextar Beat Hürlimann wies ihn auf das Kloster Engelberg hin um dort als Bruder aufgenommen zu werden. Dieser war nämlich mir den dortigen P. Maurus Schlumpf gut befreundet und er stellte Locher auch ein gutes Zeugnis aus. P. Maurus war damals in Engelberg Grosskellner.

So kam Kaspar Locher am 15. Juli 1853 in das ihm bisher völlig unbekannte Kloster Engelberg, wo er 1845 aufgenommen und am 27. Mai 1855 im Alter von 32 Jahren als Br. Floridus Profess ablegen konnte. Sein Professname Floridus, der als Mitpatron des Klosters verehrt wird, hat ihm nie recht gefallen, wie Grosskellner P. Walther Langenegger sagte. Wenn aber Br. Floridus gehofft hatte, als Bruder ein weltentrücktes Leben im Kloster führen zu können, so hatte er sich getäuscht. Er wurde erst für sechs Jahre als Pförtner und als Gastbruder für die Betreuung der vielen Gäste eingesetzt. Dann wurde er am 7. Januar 1861 als Ökonom nach Grafenort versetzt. Schwerem Herzens und unter ungünstigen Verhältnissen übernahm er diesen Posten. Er musste dort grosse Umgestaltungen vornehmen, so die meist baufälligen Gebäude renovieren oder gar neu erstellen lassen und eingerissene Missbräuche und unstatthafte Gepflogenheiten abschaffen. Das war eine verdriessliche und dornenvolle Aufgabe für ihn als neuen "Grafenortsbruder". Aber Br. Floridus liess sich trotz allem dadurch nicht entmutigen. P. Adalbert Vogel berichtet über sein Wirken in Grafenort: "Er machte sich sehr verdient um die Oekonomie während 38 Jahre. Er verbesserte [...] die Anlage von Gärten, Weide und Mattland Gebiete, die zum Teil versumpft- oder zu Wald verwildert waren. Die verwahrlosten Häuser und Ställe setzte er wieder in Stand. Das Wirtshaus wurde gründlich umgebaut. Im Herrenhaus errichtete er neben der Sust ein Zimmer für die Post und renovierte die im Gang verlotterte Fassade. Für all die Arbeiten musste er die Abteikasse nicht in Anspruch nehmen, da er selber so gut wirtschaftete, dass er sich das nötige Geld ersparen konnte. Selber arbeitete er von morgen früh an für 2–3 Knechte. Auch die Restauration der Kapelle in Grafenort 1880 im inneren und äusserem unternahm und bezahlte er. Die Tonierung und Ausmalung übernahm P. Emmanuel Wagner, die Zementarbeiten, Chorbogen und Aussenrenovation besorgte Br. Pirmin Schüpfer, das Vergolden der Altäre Br. Theophil Meier. Schliesslich bezahlte Br. Floridus auch eines der gemalten Fenster."

Für Neubauten und Reparaturen gab er im Ganzen ca. 40'000 Franken aus, für die Kapelle 2000 Franken.[3] Und immer ging er den Untergebenen mit gutem Beispiel voran. Er war ein rastloser Arbeiter. Das "Liera" und "Dära" (Unschlüssigkeit, Zaudern) war ihm nicht gelegen. Er war ein Mann des Zupackens. Unter seiner tatkräftigen Hand haben sowohl die Landgüter, wie die Gebäude ein anderes Aussehen erhalten. Durch stark befestigte Steinwuhren mit Steinen aus dem Bachbett der Engelberger Aa in Grafenort hat Br. Floridus, wie schon sein Vorgänger Br. Konrad Amhof, der während 37 Jahren, bis 1861, im Grafenort arbeitete, den Überschwemmungen des Aarwassers vorgebeugt und hat damit die Kultivierung des Aawassergebietes ermöglicht und zum grossen Teil schon durchgeführt. Besonders um die Ökonomie im Grafenort hat er sich bleibende Verdienste erworben.

Trotz all seiner vielen Arbeiten hat nie seiner religiösen Pflichten nie vernachlässigt. Schon am frühen Morgen- und Abends nach vollendeten anstrengenden Tagewerk verrichtete er gewissenhaft seine Gebetszeiten. Er versuchte, zu jedermann freundlich zu sein auch wenn er hin und wieder etwas barsch werden konnte. Aber seine kernigen Sprüche wurden immer gerne gehört. Tragisch waren die letzten Tage von Br. Floridus. Am Dienstag den 4. Januar 1898, als er am frühen Morgen in der Dunkelheit an seine Arbeit gehen wollte, glitt er in der oberen Hohstatt auf einer Eisfläche aus und fiel auf den Hinterkopf und auf den Rücken, was eine Verletzung der Halswirbel und eine Prellung des Rückenmarks zur Folge hatte. Das war ein schwerer Schlag für ihn von dem er sich nicht mehr erholen sollte. Schmerzhaftes Nervenleiden quälte ihn monatelang. Dadurch trat bei ihm eine entsetzliche Schwermut ein, die ihn noch mehr niederdrückte als der Unfall selbst. Kein Wort des Trostes mochte ihn aufzurichten, immer wieder schwebte ihm der schreckliche Gedanke vor Augen, dass er ewig verloren sei. Dieser quälende Gedanke verliess ihn nicht mehr bis zu seinem Todestag am 28. Juni 1898. Er weigerte sich in seiner Schwermut zuletzt Nahrung zu sich zu nehmen und ass fast gar nichts mehr. Solange er noch bei Besinnung war, konnte man ihm öfters die hl. Sterbesakramente reichen. Am Morgen des 28. Juni 1898 starb er 75-jährig auf einem Stuhl sitzend. Auf einem Gruppenfoto von 1869 der damaligen Laienbrüdern ist er links stehend mit einer Sense dargestellt.[4]

Professnummer

  • Nr. 624

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Manuskript von Br. Meinrad Haberl (StiArEbg Professbucheinträge, mit Vorarbeiten von P. Gall Heer) übernommen.
  2. Bescheinigung vom 30. April 1855 von Pfarrer Hall Anton Eberle.
  3. Acta capitularia IX (1851–1924), StiArEbg cod. 284/1, S. 387.
  4. Titlisgrüsse 5, 1917, zu seinem Tod vgl. auch zwei Artikel im Nidwaldner Volksblatt 1898, Nr. 27.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 148, Nr. 624.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach dem Manuskript von Br. Meinrad Haberl (mit Vorarbeiten von P. Gall Heer).