Emmanuel Wagner

Aus Kloster-Engelberg
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Emmanuel (Franz Xaver) Wagner (* 15. Februar 1853 in Stans; † [[]] [[]] in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 29. September 1872

Priesterweihe: 25. März 1877

Primiz:

Ämter

Lehrer in der Stiftsschule: 1877–18?

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Remigius Wagner, Posthalter und Ratsherr, und der Katharina Zimmermann.

Lebensbeschreibung[1]

P. Emmanuel wurde als Sohn des Posthalters und Ratsherrn Remigius Wagner und der Katharina Zimmermann am 15. Februar 1853 in der Thurmatt in Stans geboren und am gleichen Tag auf den Namen Franz Xaver getauft. [2] Er war das sechste Kind der Eheleute Wagner.[3]

Franz genoss eine sorgfältige Erziehung und eine gründliche Schulausbildung in Stans. Tief geprägt wurde er von dem damaligen Pfarrer Josef Ignaz von Ah, der von 1863 bis 1867 Pfarrer in Stans war und auch die zwei obersten Klassen der Knabenschule unterrichtete und sich mit ganzer Kraft dem Jugendunterricht widmete.[4] P. Emmanuel pflegte bis zu dessen Tod 1896 eine enge Freundschaft mit seinen ehemaligen Lehrer.[5] Pfarrer von Ah versuchte auch die Freizeit der Kinder nützlich zu gestalten indem er kleine Theaterstücke schrieb. Das Schultheater war eine willkommene Abwechslung und lockerte den Schulalltag der Kinder auf. P. Emmanuel erinnerte sich an diese Zeit, "an die schönen Stunden, die ich im Erdgeschoss bei den Klosterfrauen zu Stanz verlebt, und an jene stolzen Zeiten, wo ich als Kaiser Franz den Schnauz gestrichen, oder als ehrlicher Kaminfeger das 'Hans Hans hau di mit' gesungen, oder als selbstbewusster Schwabe die goldenen Knöpfe am gelben Frack zwischen meinen Fingern gedreht."[6] Im Rückblick erscheint die Beziehung zwischen Pfarrer von Ah und P. Emmanuel, wie P. Georg Duffner in seiner Abhandlung über ihn schreibt, "von einer verblüffenden Geradlinigkeit. Scharfe Beobachtungsgabe, aus steinigem Boden erwachsene Konsequenz, in Humor schwelgende Kritik, nie verletzende Ironie, volkstümlicher Ausdruck in Wort und Bild, dies alles gehörte zum Erbe, das P. Emmanuel von seinem Lehrer mitbekam. Pfarrer von Ah richtete seinen Blick über das Tal hinaus, über die Grenzen hinweg, P. Emmanuel überschritt dafür die Bereiche des blossen Wortes und blendete mit Hilfe der Zeichnung und der Karikatur hinein ins bewegte Leben des heimatlichen Tales. Ja, aus den erhaltenen Fotos und Zeichnungen zu schliessen, ging die Ähnlichkeit zwischen den beiden Männern noch weiter und ergänzte sich auf beiden Seiten durch eine füllige Gestalt und einen monumentalen Kopf mit durchdringenden Blick."[7] Ab Ende Oktober 1865 begann Franz bei den Kapuzinern in Stans mit den drei unteren Klassen des Gymnasiums. 1868 wechselte er wahrscheinlich dank eines kantonalen Stipendiums an die Stiftsschule nach Engelberg wo er in die 4. Klasse eintrat.

Nach Abschluß der 6. Klasse entschloß er sich in Engelberg einzutreten. Sein Zeugnis vom Ordinariat Chur vom 22. Okt. 1871, bescheinigt ihm „von Jugend auf einen frommen Wandel und untadelhaftes Betragen.“ Auch daß er talentvoll ist und immer sehr gute Zeugnisse bekam. (Pers.- Akte P. E. Wagner) 1871 begann er das Noviziat und am 29. Sept. 1872 legte er die zeitlichen Gelübde ab und erhielt seinen Klosternamen Emmanuel, zur Erinnerung an Abt Emmanuel Crivelli (+ 1749), und am 29. Sept. 1875 die ewigen Gelübde. In der Lehr- und Erziehungsanstalt des Stiftes Einsiedeln machte er von 1772 - 1774 den zweijährigen Philosophiekurs mit. Im Fleiß hatte er in den zwei Kursjahren in allen Fächern die erste Note erhalten, im Fortschritt nur in Griechisch die zweite; 1873/74 dann auch in Logik, Philosophiegeschichte und wieder griechische Sprache. (Pers.-Akte P. E. Wagner) In Engelberg absolvierte er seine theologischen Studien. Am 10. Okt. erteilte ihm Bischof Kaspar … den Subdiakonat und am 9. Juli Bischof Karl Johann von St.Gallen den Diakonat. Am 25. März 1877 erhielt er von Bischof von Basel, Eugen von …, die Priesterweihe und am Ostermontag den 2. April feierte er seine Primiz in Engelberg, bei der Pfarrer von Ah die Festpredigt hielt.

P. Emmanuel als Prediger Er wurde in der Schule und Seelsorge eingesetzt. Man berichtet von ihm, daß er schon bald jeden Feierabend im Beichtstuhl verbrachte und daß er nach einigen Jahren bereits ein hervorragender, feuriger und beliebter Prediger auf der Kanzel war. Schon 1879 wurde er als Primizprediger am Schutzengelfest berufen wo in der Pfarrkirche Stans der Stiftskantor F. Xaver Jann seine Primiz feierte. Mit Stans blieb er zeitlebens eng verbunden. Am 5. Febr. 1889 hielt er dort bei der Jahresversammlung des Pius-Vereins einen höchst originellen Vortragüber das Thema „Heiraten, Brautunterricht, Brautunterricht und Ehe“, er zitierte dabei Kirchenväter, Ordensregeln und vor allem Abraham a Santa Clara. Die Bilder, mit denen er die wahre Zurückgezogenheit unschuldiger Jungfrauen illustrierte, bestecken durch ihre volkstümliche Unmittelbarkeit: „Die allererste Jungfer, bekanntlich die Eva, hat Gott, der Allmächtige, im Paradies erschaffen und sorglich eingeschlossen, um sothan zu beweisen, dass ihnen nichts anständiger sei als die Einsamkeit. Daher werden sie bei den Herrenleuten Frauen-Zimmer und nicht Frauen-Gassen genannt. Die Jungfern sollen beschaffen sein wie der Palmesel, der sich im Jahre nur einmal sehen lässt, oder wie die Tuck-Entlein, die sich unter das Wasser verbergen, um den vielfältigen Nachstellungen zu entfliehen.“… (Manuskript im Stiftsarchiv Engelberg) Seine Leichenrede auf Pfarrer ….. Zumbühl vonWolfenschießen wurde gedruckt. (Nekr. v. Wymann) Den Höhepunkt seiner Predigttätigkeit bildete jedoch die Jahrhundertfeier des tragischen Franzosenüberfalles, die am 9. Sept. 1898 in Stans begangen wurde. In der dortigen Pfarrkirche hielt P. Emmanuel vor einer riesigen Volksmenge die große und ergreifende Gedächtnispredigt, „Gedenket der Thaten der Väter“ in der er vorerst in drastischer Schilderung die blutige Szenerie heraufbeschwor, welche diese Kirche vor 100 Jahren geboten hatte. Der von lächelnder Ironie durchwehte Realismus, den P. Emmanuel sonst zum Ausdruck brachte, wurde hier zum makabren Naturalismus, der sich jeder Auflockerung verschloß. Wenn man die Einleitungsrede zu dieser Gedächtnisrede liest dann versteht man die Faszination, die von diesem Prediger auf die dichtgedrängte Zuhörerschaft in der Kirche Stans übergriff: „Wenn ich heute in diesem ehrwürdigen Tempel die Abgeordneten der geistlichen und weltlichen Behörden versammelt, wenn ich die Banner der kantonalen Vereine hier aufgerichtet und den letzten Platz des geräumigen Gotteshauses mit andächtigen Gläubigen besetzt sehe, so steigt vor meinem und gewiss auch eurem Geistesauge ein anderes Bild empor, das unsere Herzen mit tiefem Weh erfüllt: Vor uns zeigt sich der Gräuel der Verwüstung, der vor hundert Jahren am heutigen Tage die heilige Stätte dieses Gotteshauses erfüllte. Dieses Heiligtum glich keinem Tempel mehr, sondern eher einem Schlachthause, denn Boden und Wände waren mit Blut und Unrat bedeckt, der Priester lag erschossen am Altare, der Betende hingemordet im Schiff der Kirche, Kinder und Greise, Jungfrauen und schwache Weiber, die im Hause Gottes Schutz und Erbarmen suchten, wurden grausam niedergemetzelt. Dreizehn Leichen bedeckten den Boden der Kirche, und an dem Gestühle des Schiffes hing sogar das Gedärm der Hingemordeten. Das Röcheln der Sterbenden, der Schmerzensruf der Fallenden, das Wehgeschrei der Misshandelten hallte wieder in diesem heiligen Gewölben, vermischt mit den Flüchen der Soldaten, den Schüssen der Feinde und dem Geheul der übermütigen Sieger. Heute stehen wir an dieser gleichen Stätte, wir, die Nachkommen dieser gefallenen Opfer, wir, die Söhne der Besiegten. Wir weihen den heutigen Tag dem Andenken an das, was heute vor 100 Jahren geschehen ist. Es ist keine Freuden- und Siegesfeier, die wir begehen; es ist die Erinnerungsfeier an den blutigsten Tag, den unser Land gesehen. Wir stehen heute am Grabe von mehr als 400 lieben Angehörigen, die an diesem schrecklichen Tag gefallen sind. Daher begehen wir heute zunächst eine Trauerfeier, aber diese Trauer wird gemildert, ja verklärt, durch das Andenken an die Heldentaten der Väter, an den gottbegeisterten Kampf unserer Vorfahren und den Ruhmesglanz, der wie das Licht der Sonne aus dunkeln Wetterwolken und wie ein Stern aus finsterer Nacht, aus den Schreckens- und Unglücksstunden des sogenannten Ueberfalles hervorleuchtet. …“ In den beiden Haupttiteln, die P. Emmanuel seinem Vortrage gab, erkennen wir unschwer dir patriotische Geistesverfassung, aus der heraus er sprach: 1.) Warum sollen wir die Taten unserer Väter ehren? 2.) Wie sollen wir dieselben ehren? Als Kind seiner Zeit sah P. Emmanuel das tragische Geschehen des 9. Sept. 1898, das Familiendrama der 400 Gefallenen, den ungerechten Angriff der französischen Revolutionsarmeen, den patriotisch und religiös motivierten Heldenkampf gegen eine Übermacht von Mördern, dieer mit Jakobinern von Robespierre`s Gnaden identifizierte. Die traditionelle Schwarz-Weiß-Malerei vermied noch die kritische Untersuchung der Vorgeschichte, wie sie zwei oder drei Jahrzehnte später einsetzte. Für ihn war es einfach der Kampf des Guten gegen das Böse: „Wie traurig, wie schmachvoll wäre es, wenn einer der Söhne dieser Helden anders denken, anders reden, anders handeln wollte. Wir würden uns das Brandmal der Feigheit, des Undanks und der Schande auf die eigene Stirn drücken. Solche Schmach sei ferne von uns allen! Gedenket der Taten der Väter, die sie getan in ihren Zeiten, gedenket der gerechten, heiligen Heldenkampfes. Suchet vor allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und alles andere wird euch hinzu gegeben werden!“ Mag auch eine neuere Geschichtskritik andere Akzente setzen, das tragische Geschehen von damals wird stets ein Symbol für die Leidenskraft und den Durchhaltewillen eines Volkes bleiben. Und mit seinen Ausführungen gelang es P. Emmanuel, ein Zeichen aufrichtiger Gläubigkeit aufzurichten, das noch weiter ins Volk hineinwirkte, als diese ausführliche Gedächtnisrede im Druck erschien. Im „Obwaldner Volksfreund“ vom 17. Sept. 1898, (nicht 1907), wurde diese Rede in der Beilage zu Nr. 38, fast eine Hälfte der DIN A 3 großen Seite gewidmet. (In dem Buch: „Schweizer Gebrauchsgeschichte – Geschichtsbilder, Mythenbildung und nationale Identität“ von Guy P. Marchal, 2007, wird diese Predigt mit ausführlichen Auszügen, auf mehreren Seiten behandelt. Doch leider hat sich der Verfasser mit der angegebenen Jahreszahl schwer vertan, da er den zitierten Artikel im Jahre 1907 im „Obw. Volksblatt“ erscheinen läßt!!) Der Schlußkommentar dazu lautet: „Wer diese wortgewaltige, zum Teil recht anspruchvolle Predigt würdigen will, muß natürlich beachten, daß sie während eines Gottesdienstes und in der Kirche gesprochen wurde und daß religiöse Reflexion unter diesen Umständen durchaus ihren Platz hat. Aber wenn man den Inhalt allein aus dieser Situation heraus begreifen wollte, griffe man zweifelsohne zu kurz. Denn hier geschah mehr. Hinter dem Aufruf zur Abwehr den nach 100 Jahren noch immer wirksamen Geistes des neuen „Völker-Evangeliums“ hinter der Bejahung der naturgegebenen Ungleichheit und der Aufforderung der Gläubigen, die von Gott gewollte Ordnung zu achten und kühn gegen die „Unzufriedenen“ anzutreten, ist und war wohl auch damals das Gedankengut des Syllabus und der Enzyklika „Rerum novarum“ nicht zu überhören. Hier wurde, gerade weil der Prediger seine Reflexion als „Vermächtnis der Väter“ deklarierte, das historische Gedenken und das Gedächtnis an die Toten vereinnahmt von einem antimodernistischen Diskurs. …“ (S. 190 – 193)

P. Emmanuel als Lehrer In der Schule entfaltete P. Emmanuel seine Haupttätigkeit und sie war mit allem dazugehörigen (Theater usw.) sein Lebenselement. Die Engelberger Klosterschule umfaßte damals sechs Gymnasialklassen. Als junger Klassenlehrer übernahm er vorerst die unterste Klasse, lehrte Deutsch, Latein, Mathematik, Geschichte und Geographie. Und bald gab er auch in allen Klassen den Zeichenunterricht. Nach einigen Jahren war er bereits Hauptlehrer in der obersten Klasse und brachte seinen Schülern als Rhetoriklehrer die Kunst des Vortrags und des öffentlichen Redens bei. (Von den 23 Jahren als Professor an der Stiftsschule entfallen 15 als Lehrer der Rhetorik.) Als Lehrer besaß er das Talent, den Unterricht seinen Schülern angenehm und verständlich zu machen. Er wußte seine Schüler, besonders in den oberen Klassen, durch seine anregenden, mit manchem heiteren Wort gewürzten Vorträge zu fesseln. Mit Vorliebe pflegte er die deutsche Sprache und Literatur und zeichnete sich hierin durch große Kenntnisse aus. P. Emmanuel war von mächtiger Positur und Energie, denen er gelegentlich mit den funkelnden Augen erhöhten Ausdruck verlieh. Wohl deshalb schrieb er auch seinen Namen kraftvoll mit Doppel – m. (P. P. Hartmann: „P. Emmanuel der Seher“, Titlisgrüsse 1949, Heft 3, S. 57)

Erinnerungen seiner ehemaligen Schüler Der Stiftsarchivar P. Ignaz Hess war mit dem späteren Staatsarchivar von Uri Eduard Wymann 1886 zusammen in der dritten Klasse des Gymnasiums in Engelberg. In einem Aufsatz in der Festgabe zum 75. Geburtstag von Dr. Eduard Wymann schrieb er über seine Studienzeit mit ihm in Engelberg u. a. zu seinem Professor P. Emmanuel Wagner: „In seiner Art war P. Emanuel Wagner, unser Rhetorikprofessor, ein ziemlich gestrenger Herr, der sich nicht an den Zähnen dengeln ließ. Doch mochte er seinen Mitbürger aus Nidwalden (Wymann) und mit ihm auch den Landsmann von Ob dem Wald gut leiden. Des Ersteren drollige Einfälle und witzige Sprüchein seinen Aufsätzen ließen in ihm, der viele Jahre langden Nidwaldner Kalender in gutem Volkston verfaßte, verwandte Töne erklingen. „Du hast den Stil des Kalendermannes“ sagte er oft zu ihm bei der Besprechung der Aufsätze, „ich beneide Dich darum, aber paß auf, das ist ein gefährlicher Stil!“ Einmal freilich ging es ihm mit einem Aufsatze im Laufe der sechsten Klasse schief. … Kurz, neben dem üblichen Deo gratias am Schlusse der Handschrift prangte mit roter Tinte ein kräftiges 5, damals die schlechteste Note. Wie sehr das dem Zensurierten zu Herzen ging, bekam der Herr Professor wohl nicht zu sehen. Denn rings um das saftige 5 schlängelte sich bald darauf von Wymans Hand das Horazische: „Dulce decus meum, Du meine süße Zier!“… Auf einem anderen Gebiete stellten wir freilich die Geduld unseres Professors recht hart auf die Probe.Das war beim Diktieren und bei unserem Nachschreiben der Übersetzung der alten Klassiker. P.Emanuel diktierte uns regelmäßig auch die Skizzen der Ciceroreden. (Heß erzählt, wie die Schüler Redewendungen aus einem Lustspiel der Fastnacht schwätzten u. ähnl.) ... Nur selten kamen wir in diesem geistreichen Texte weiter, denn vieles verhaltene Kichern stoppte unsere Zwiesprache. (Heß saß mit Wymann in einer Bank) Bisweilen traf uns auch ein zürnender Blitz aus den Augen unseres Professors oderein nachdrücklicher Wink mit seinemBuche an unsere Ohren, wenn er grad seitwärts von uns stand und dem Spiele zuschaute. Die Nachsicht, deren wir uns da erfreuten, wurde uns erst später in etwas klar. In der Klasse hatte P. Emanuel nämlich eine Oppositionspartei, die seine Kompetenz besonders im Griechischen anzweifelte. (Kannten diese evtl. seine Einsiedler-Zeugnisse !!) Dank der unserseits dieser Gruppe gegenüber geübten Distanzierung und unserer sonstigen Regsamkeit drückte er wohl absichtlich ein Auge zu. (Festgabe zum 75 Geb. v. Wymann, Heß, S. 10 -14)

Eine weitere Erinnerung an P. Emmanuel stammt aus der Feder des ehemaligen Studenten „Feen“ (der eigentliche Name ist nicht angegeben) aus dem Jahre 1886: … „Sehr gut gefiel es mir bei P. Emanuel Wagner, der uns das Zeichnen beibrachte. Das tat ich sehr gerne und konnte etwas; nur muß ich zuweilen beim Putzen den Gummi zu sehr geschont haben, denn er konnte etwa einmal ein abgeliefertes Blatt betrachten und anerkennend nicken: „Es wär ganz ordli, aber landwirtschaftli, landwirtschaftli!“ - P. Emanuel konnte mit den Ohren wackeln. Es war „chrottelustig“, wie sie sich hoben und vor- und rückwärts bewegten, wenn er eine nicht ganz gelungene Arbeit kritisch musterte.“ (aus: „Kreuz und quer durch Land und Meer“ in Titlisgrüsse 25. Jg. März 1939, S. 42 – 43) Aus dem Todenbericht über P. Franz Schubiger SJ, Missionar in Vorderindien, von P. Konrad, heißt es in einer Erinnerung während seiner Engelberger Schulzeit 1892 – 97: … „Vielleicht erinnern Sie sich, daß zum großen Verdruß von P. Emanuel (Wagner) ich sehr wenig im Griechischen tat. Als ich ihm seiner Zeit meine Neigung für die Missionen der Gesellschaft Jesu auseinandersetzte, meinte er: „Geh nur zu den Jesuiten, dann habe ich den Trost, daß du im Griechischen alles nachholen mußt und Buße tun wirst für die Versäumnisse hier.“ Und so ist es gekommen. … „ (Titlisgrüsse 25. Jg. März 1939, S. 52)

Der bekannte Politiker und Redakteur J. E. Buomberger, auch ein ehemaliger Schüler von P. Emmanuel, schilderte in einem Nekrolog das Bild des unvergessenen Lehrers in seiner blumigen und auch überschwenglichen Sprache: „Unter den Lehrern allen aber bleibt aus jenen Tagen unvergesslich ein edles Männerantlitz in unserer Seele eingegraben, ein Auge, das die Empfindungen der väterlichen Liebe so innig und so erhaben paarte mit dem Ausdruck der väterlichen Würde und auch der väterlichen Strenge, wo es sein musste, das Auge von Professor P. Emmanuel Wagner. Wie war das ein Freuen, ein Aufleuchten allüberall, wenn der stämmige Mann in den Kreis der Knaben trat, wenn von seinen Lippen frischsprudelnd wie hinten im Tale die Quelle der Aa, die witzige, geistvolle Rede floss, wenn er erzählte, lehrte, oder gar aus der reichen Zahl der selbstverfassten Lieder eines zum Besten gab. P. Emmanuel war ein genialer Geist, ein Denker, ein Dichter, ein Mann der Wissenschaft, ein Gelehrter von Rang, der zumal als solcher von seinen Kollegen hochgeschätzt, von seinen Schülern bewundert wurde. Und mit der geistigen Grösse vereinigte sich eine alle Herzen gewinnende Milde und Güte, eine edle Volkstümlichkeit, die gleichermassen zum Ausdrucke kam, wenn er als väterlicher Freund scherzend im Kreise seiner lieben Studenten weilte, wie dort, wo er durch lange Jahrzehnte hindurch als Theaterdirektor, Theatermaler und gar oft als Theaterdichter in einer Person fungierte.“ (Titlisgrüsse, …….

P. Emmanuel förderte auch Schüler, wie das Beispiel des aus Engelberger stammenden Willi Amrhein (1873 – 1926) zeigt. P. Emmanuel erkannte als Zeichenlehrer schnell dessen Talent, als dieser als 14 jähriger in die erste Klasse der Stiftsschule eintrat. Die Bekanntschaft mit P. Emmanuel muß bei den jungen Amrhein bleibende Erinnerungen hinterlassen haben. Auf jeden Fall hielt der nach nur einem Jahr die Klosterschule wieder verlassende, freiheitsliebenden Jüngling aus dem Hinterdorf die Beziehung zu seinem Mentor aufrecht. Es muß auch P. Emmanuel Wagner gewesen sein, welcher Willi Amrhein nach einer Lehre als Malerin Luzern den Besuch der Kunstgewerbeschule in Solothurn nahelegte. Und wahrscheinlich auch der Weg an die Kunstakademie in München ist dem mit viel zeichnerischem Talent ausgestatteten Engelberger von ihm und anderen Patres aufgezeigt worden. Amrhein malte dann auch, im Auftrag von Abt Leodegar Scherer, 1903 in der Abtei das neue Plafondgemälde, weil das frühere längst unkenntlich geworden war. (B. Christen, „Das Kloster als Kunstförderer Das Gefühl für das Schöne“ , S. 66 -67 in „Ein Kloster im Visier“ Engelberger Dokumente, Heft 39, 2020) P. Emmanuel hat an der Stiftsschule auch die Marianische Akademie in Form einer freien Vereinigung gegründet, die er als Präses der Marianischen Sodalität leitete. (Nekr. v. Wymann) Wie ein Büchlein unter seinen Unterlagen mit einem Eintrag belegt, wurde er selber am 15. Juni 1900 in die „Facultates Institut „ Maria vom Berge Karmel aufgenommen, („Consensum praebuimus Curiae die 15. Juni 1900“) P. Emmanuel leitete 1880, 1886 und 1887 die öffentliche Akademie der Engelberger Anglemontana. P. Emmanuel entwarf auch das Feldzeichen der Klosterschule, wie es seit Jahren bei Ausmärschen durch das Dorf hinter dem klingenden Spiel getragen wurde. Am Zentralfest der Schweizer Studentenvereine 1907 in Sarnen, trat die Engelberger Angelomontana mit diesem Banner auf. (Angelomontana 1857 – 1957 S. 117 u. 49) Bis 1911 benutzte die Angelomontana bei Selektionsanlässen die Studentenfahne des Kollegiums. (100 Jahre Angelomontana S.22)

P. Emmanuel als Leiter des Schultheaters Wie soeben gehört, übernahm P. Emmanuel auch die Leitung des Schultheaters, bereitete die Ausführungen in der Fastnacht und an den klösterlichen Festtagen vor. Er war Theaterdichter, Dekorationsmaler der Bühnenbilder und Regisseur in einer Person. Wie aus dem Protokoll der Professorenkonferenz vom 24. 11. 1887 hervorgeht, war er in den ersten zehn Jahren allein für alle Theaterproduktionen verantwortlich und brachte u. a. auch 1880 „Die Zauberflöte“ auf die Bühne. (s. u.) Im Protokoll heißt es dazu: „P. Emmanuel (…) erklärt, die (…) Last, welche die Leitung aller Unterhaltungen u. theatralischen Produktionen mit sich bringt, nicht länger allein tragen zu wollen, so beschlossen die Conferenzmitglieder, sich künftig nach Möglichkeit die Aufgabe zu theilen.“ (Paulus, Oper …, S. 86) In der folgenden Konferenz wurde für Fasnacht beschlossen, daß P. Emmanuel die Leitung eines größeren Stückes, einer Oper, übernahm und P. Gall Wettach ein Lustspiel einstudierte, eine Aufteilung, die auch in den folgenden Jahren bestehen bleibt. Im Dezember 1889 bildete sich eine Kommission, die für die Theaterstücke von St. Niklaus, Neujahr und Fasnacht zuständig war. Dieser Kommission gehörten neben P. Emmanuel Wagner der Stiftskapellmeister P. Franz Huber und der Präfekt P. Basil Fellmann an. (Paulus, Oper in …, S. 86)

P. Emmanuels Theaterprogramme übersprudelten von köstlichen Ideen. Er änderte Theaterstücke für die Studentenbühne um. Bei der Aufführung der in der Fastnacht 1878 aufgeführten komischen Operette „Der Kesselflicker“, vom Einsiedler P. Anselm Schubiger, hielt er einen originellen Prolog. (abgedruckt bei Paulus, Oper …, im Anhang 7, S. 347 – 348; 1909 wurde es nochmals aufgeführt.) Zur „Zauberflöte“, von W. A. Mozart, die in Engelberg 1880 und 1909 aufgeführt wurde, schreibt Paulus: „Wie aus den Quellen hervorgeht hat P. Emmanuel die Oper für die Schulbühne bearbeitet. Damaliger Stiftskapellmeister war P. Barnabas Held. Ein Vergleich der Handschrift eines von ihm komponierten Stückes mit der Zauberflöte zeigt, daß die Stimmen von ihm stammen. So kann wohl davon ausgegangen werden, daß P. Emmanuel, der auch das Bühnenbild gestaltete, die Zauberflöte inhaltlich wie textlich bearbeitete, während Held für die musikalische Bearbeitung verantwortlich zeichnete. Premiere hatte die bearbeitete Fassung am 6. Februar 1880, dem Wahltag von Abt Anselm Villiger. (Paulus, Oper …, S. 111) Das von ihm für das Schultheater umgearbeitete Drama „Der Löwe von Luzern“ von Hartmann von Baldegg wurde 1894 auch in Brig aufgeführt. (Nach Paulus wird dieses Drama erst 1905 in Engelberg aufgeführt, S. 317) Eine große Anzahl von seinen Gelegenheitsgedichten weist alle Abstufungen von feierlichem Ernst bis zu unbeschwertem Humor auf. „Des Titlis Gruss“ an das jubilierende Kloster umreißt in poetischer Form die jahrhundertealte Geschichte des Bergklosters. Dieses Gedicht wurde auch später immer wieder vorgetragen und ist ein kennzeichnendes Beispiel, wie ihm – dem Nichtmusikanten – die Sprache als klingender Ersatz diente. 1877 schrieb er das „Klagelied der alten Chororgel“, in dem die Melancholie vergänglicher „Eitelkeiten“ zum Grundthema wird. In der Parodie von Tells Monolog auf einen Floh muß sogar der Klassiker Schiller sein Haupt vor diesem Kämpfer gegen den tierischen Ernst beugen. Und im Klagelied eines Nichtmusikanten an die heilige Cäcilia schließt er mit einer seufzenden Bitte (Dufner, … …. Im Jahre 1900 feierte P. Emmanuel sein 25jähriges Jubiläum als Theaterregiseur und gleichzeitig seinen Abschied als Theaterleiter. „Und wie er selber dem Schreiber (P. Ambros Schnyder) gestand, hätte er sich als Abschluss dieser seiner Tätigkeit am Theater nichts schöneres wünschen können“ als eine Aufführung der Märchenoper Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck. (Die Oper war am 23. Dez. 1893 im Hoftheater in Weimar zur Uraufführung gelangt und war innerhalb eines Jahres von rund 50 deutschen Bühnen nachgespielt worden. Nach der ersten Aufführung 1900 unter dem Titel Hänsel und Fränzel wurde die Oper in Engelberg 1912, 1933 und 1953 wiederholt. (Paulus, S. 130) Schon seit mehreren Jahren war die Aufführung dieser Oper geplant. Besonders wünschte P. Emmanuel dieselbe, wie aus dem „Kapellmeisterbuch“ vom 14. 3. 1900 hervorgeht. (Aus welchen Gründen dies aber immer wieder verschoben wurde, ist nicht genannt.) Zum Abschied als Theaterleiter heißt es im „Kapellmeisterbuch“ am 14. März 1900: „Der Weggang von P. Emmanuel, letzten Sonntag den 11. März ist er ins Melchtal als Orgler verreist, bedeutet für die Studentenbühne ein schwerer Verlust. In Namen von 5 Kapellmeistern sei ihm an dieser Stelle für sein treues Mitwirken bei den hiesigen Opernaufführungen und musikalischen deklamatorischen Unterhaltungen ein herzliches vergelt´s Gott ausgesprochen. In der Erinnerung vieler werden seine Leistungen noch fortleben.“ (Paulus, S. 130 Anm. 349)

Von P. Emmanuel Wagner verfaßte und bearbeitete Opern, Operetten, Schauspiele und Studententheater – wobei dies bei einigen nicht mit Bestimmtheit gesagt werden kann - bestehen mit den Aufführungsjahren. Diese wurden alle auf der Bühne des Engelberger Schultheaters aufgeführt. Diese sind bei P. Georg Duffner, Verena Paulus und vereinzelt auch in anderen Quellen genannt. 1875: „Der versiegelte Bürgermeister“, Posse in 2 Aufzügen, für das Schultheater bearbeitet nach Kotzebue, aufgeführt am fetten Donnerstag 1875, Schrift von P. Emmanuel Wagner. (Dufner, Studententheater, S. 18 Nr. 80)

1878: „Die Schweizerfamilie“ von Franz Joseph Weigl, bearb. von P. E. Wagner; 1879 am 20. Febr. das Vaterländische Drama: „Bruder Klaus oder der Tag zu Stans 1481“ verfaßt von P. E. Wagner; 1880 am 6. Febr. die Oper: „Die Zauberflöte“ bearb. von P. E. Wagner; 1885: „Der Dachdecker“, Lustspiel in 4 Acten, nach Louis Angely. Für das Schultheater bearbeitet (P. E. Wagner). (Dufner, ebd., S. 19 Nr. 90) 1886 an der Neujahrsfeier aufgeführt: „List und Phlegma“, Vaudeville-Posse in 1 Aufzuge. Nach Louis Angely für das Schultheater bearbeitet von P. E. Wagner. Engelberg den 2.Jan. 1904. (Dufner, ebd., S. 19 Nr. 91) 1888 zur Fastnacht: Programm und Prolog zur Oper „Die Zigeuner“, verfaßt von P. E. Wagner. (Dufner, ebd. S. 19 Nr. 93) 1888 schrieb P. E. Wagner zwei Schwänke ab: 1) „Im Theater-Bureau“ und 2) „Nette Miether“, wurde 1908 nochmals aufgeführt, „beendigt am 6. April 1888“. (Dufner, ebd. S. 20 Nr. 94) 1889 zur Neujahrsfeier: „Ein Stündchen in der Dorfschule“, Schrift von P. E. Wagner, aber von ihm verfaßt? (Dufner, ebd., S. 20 Nr. 97)

1891 am 25. Amtsjubiläum von Abt Anselm Villiger das Oratorium „Engelbergs Gründung“ komponiert von P. Ambros Schnyder, bearb. von P. E. Wagner.; Dieses Werk stellt in neun lebendigen Bildern mit entsprechenden Text die Entstehungsgeschichte des Klosters dar. Die Aufführung dieses Festspieles auf der Bühne des erntete großen Beifall. (Fellmann, Abt A. Villiger, wo P. Emmanues Prolog von S. 44 - 46 ungekürzt widergegeben wird, Dufner, ebd. S. 20 Nr. 98) 1897 die Oper „Hans Sachs“ „Diese wurde von P. Emanuel Wagner für die Aufführung unseres Schultheaters 1897 sehr günstig umgeändert und ich (P. Adalbert Häffner) versteigere mich sogar zur Behauptung, daß gerade die Rolle des Hans Sachs durch diese Umarbeitung bedeutend gewonnen hat.“ (Titlisgrüsse, 11. Jg. Nr. 1, Febr. 1925, S. 38. Sie wird im Verz. von Paulus nicht genannt.) 1905 das Schauspiel „Der Löwe von Luzern“ von J. J. Ah, bearb. von P. E. W.; 1906 „Dr. Fausts Hauskäppchen – oder die „Herberge im Walde“, Lustspiel in 3 Akten mit Gesang, von Hopp, bearbeitet von P. E. W.; 1909 wieder die Oper „Die Zauberflöte“, bearb. von P. E. W.; (Paulus, Oper …, S. 314 - 318) Zur Aufführung des Liederspiels „Der Kesselflicker“ vom Einsiedler Mönch P. AnselmSchubiger, welches 1879 und nochmals 1909 in Engelberg aufgeführt wurde, schrieb er einen Prolog. (Nachlaß im Personalakt von P. E. Wagner und teils zitiert bei V. Paulus, Musik u. Theatertradition …, S.279)

Die Schülergedichte zu Ehren des seligen Nikolaus von Flüe ließ er 1887 als Gedenkblatt im Drucke erscheinen. (Nekr.v. Wymann) P. Emmanuel war auch der erste Photograph im Kloster. Wir verdanken ihm die ersten Fotos von Patres, wie auch die frühesten Bilder aus dem Theater, die sein Nachfolger als Photograph, P. Franz Huber, später sammelte und in einem wertvollen Album vereinigte. In der Chronik des Frauenklosters St. Andreas in Sarnen wurde 1894 festgehalten: „Am 12. Sept. kam P. Emmanuel Wagner aus dem Kloster Engelberg auf Besuch. Bei diesem Anlasse nahm er in Gruppen die Photographien der Klosterfrauen, Schwestern und Novizinnen auf.“ (Kl.-Archiv Sarnen, X2 Chronik 1890 - 1901) Von 1878 – 1900 war er auch Custos und sorgte als solcher für die liturgischen Gewänder und für die Sakristei. Sicherlich wird ihm, dem volkstümlichen Romantiker, die phantasievolle Betätigung im Theater näher gelegen haben als die des rubrikengeplagten Liturgen.

P. Emmanuel als Zeichner und Maler Die Kirchenrenovierung Bei der großen Renovation der Engelberger Klosterkirche im Jahre 1877 bestimmte das ikonographische Programm der zukünftigen Deckenmalereien, welche von Melchior Paul von Deschwanden …… und dann von dessen jüngeren Schülern, da der Meister schon 66 Jahre alt war, ausgeführt wurden, wohl Abt Anselm Villiger selbst in Zusammenarbeit mit Frater Emmanuel Wagner. Abt Anselm hatte das Malertalent Frater Emmanuels erkannt und wollte ihn deshalb entsprechend ausbilden lassen. Die Situation war günstig und tatsächlich unterrichtete Deschwanden den mittlerweile geweihten P. Emmanuel während seines Aufenthaltes in Engelberg. Im Herbst 1877 sollte P. Emmanuel dann an die Malerakademie in München geschickt werden. („Tagebuch von Abt Villiger“ Bd. II, S. 120 und Bd. III, S. 66, 77 110 und 112) Am 18. Okt. 1876 sandte Fr. Emmanuel eine Liste der Themen, die auf den Deckengemälden dargestellt werden sollten, an Deschwanden. Für die Hauptfelder waren Szenen aus dem Leben Mariä vorgesehen, in den seitlichen Nebenfeldern Bilder aus dem Leben des hl. Benedikt und in den Spiegeln über den Galerien Bilder der Heiligen aus dem Benediktinerorden. Dazu bemerkte Fr. Emmanuel: „Wenn ich Ihnen dieses Plänchen übersende, so solle damit überhaupt nicht gesagt sein, dass sie sich an dieses halten müssen, im Gegenteil wird es gewiss uns sehr lieb u. angenehm sein, wenn Sie selbst einen Plan entwerfen u. uns selben zur Kenntnis geben würden.“ (T. Brunner: „Die Renovation der Klosterkirche Engelberg 1877“ in „Obwaldner Geschichtsblätter“, Bd. 21, 1997, S. 56 - 57, mit den gezeichneten Schema-Plan mit Beschreibung von P. Emmanuel) Zu diesem Zeitpunkt war man sich über den Inhalt der Felder über den Galerien noch nicht einig. Fr. Emmanuel schreibt: „Wie ich Ihnen schon bemerkte, sind nur die 4 Darstellungen im Chor als bestimmt zu betrachten: 1. Adelhelm. I. Abt; 2. Conrad Stifter; 3. Berchtold als Wunderthäter; 4. Frowin als Gelehrter. Der gnädige Herr ist für die Darstellung der berühmtesten Ordensheiligen eingenommen. (…) Schöne Motive würde vielleicht auch die Darstellung der berühmtesten Heiligen des Schweizerlandes, oder der ersten Glaubensboten, od. der Stifter der schw. Klöster bieten. Ich glaube, die Wahl der Darstellungen für diese 9 ungünstig gestalteten Felder dürfte am meisten Schwierigkeiten bieten.“ (wie vorher, S. 58) Deschwanden hielt sich beimEntwurf der Deckenbilder an dieses Programm. Um die Bilder über den Galerien sollte es tatsächlich noch Diskussionen geben. Aus Kostengründen und weil der Raum zu klein und ungünstig gelegen sei, schlug Deschwanden vor „die kleineren Felder teils nur mit Engeln, teils mit symbolischen Arabesken oder den Namen einiger Heiligen zu dekorieren“. Dieser Vorschlag wurde dann auch fast so ausgeführt.

Auch in der Grafenortskapelle war P. Emmanuel bei deren „zweiten Totalrenovierung“ im Jahre 1880 als Maler tätig. Abt Anselm Villiger hielt in seinem Tagebuch am 14. Sept. 1880 u. a. kurz fest: … „Gegenwärtig lasse ich die Grafenortskapelle von Innen und Aussen restaurieren, cementieren, dekorieren. Die Kuppel, die bisher mit einem übermalten Tuche geschlossen war, ist geöffnet, prächtig ausgemalt, das Plafond und die Wände werden von unserm P. Emanuel decoriert…“ (P. U. Hodel: „Die Kapelle zum Heiligen Kreuz in Grafenort – 1689 – 1989 Entstehung und Schicksale“, S. 18) Auch die bislang weißen Wände wurden von ihm mit einer rotvioletten und blauen Tapetenimitation versehen. (Ein farbiges Aquarell von Br. Columban Louis von 1929 zeigt den Innenraum im Zustand zwischen 1880 -1950.) Die innere Holzverkleidung im Oktogon der Laterne malte P. Emmanuel mit acht Engeln aus, die die Leidenswerkzeuge Christi präsentieren. Bei der Gesamtrenovation von 1950/51 wurde die Rückführung in eine barocke Raumstimmung angestrebt und die Wände wieder weiß getüncht. Von diesen hatte man wohl nichts mehr gewußt, als in den Jahren 2015 – 2017 die Kapelle einer Gesamtrestaurierung unterzogen wurde. Im Jahresheft 10 /2018 der „Kultur- und Denkmalpflege in Obwalden 2016 - 2017“ heißt es nämlich: „Im Oktogon unterhalb der Laterne kam es bei den Demontagearbeiten zu einer schönen Überraschung: Hinter weiss gestrichenen Pavatexplattenvon 1951 kamen die acht Engel mit den Passionswerkzeugen Christi zum Vorschein, die P. Emanuel Wagner 1880 gemalt hatte. Bei aller Freude über den Fund stellte dieser die Baukommission allerdings vor ein Problem: Eigentlich hatte man sich für ein Restaurierungskonzept entschieden, das im Wesentlichen die Wiederherstellung des Zustandes von 1951 zum Zielhatte. Damals wurde der Historismus in der Schweiz wenig geschätzt und als süsslicher Kitsch und billiger Abklatsch abgetan. In der Folge waren zwischen 1920 und 1980 zahllose Sakralräume von den Zutaten des 19. Jahrhunderts „befreit“ worden. Sollte man nun die zufällig erhalten gebliebenen und jetzt wiederentdeckte Reste der historischen Bemalung getreu dem Restaurierungskonzept wieder zudecken oder sollte man sie als Fragment sichtbar belassen? Nach eingehender Diskussion und Anhörung des Konvents entschied die Baukommission schliesslich, den Stilbruch zu wagen. Begründet wurde der Beschluss insbesondere dadurch, dass das ausgemalte Oktogon des späten 19. Jahrhunderts und der modern ausgestaltete Sakralraum aus dem Mitte des 20. Jahrhunderts aufgrund der engen räumlichen Verhältnisse kaum je zusammen gesehen werden können. Die Malerei wurde gefestigt und gereinigt. Zwei nachträglich angebrachte Lüftungsöffnungen wurden mit Holztafeln geschlossen. Darauf wurden die zwei fehlenden Engelsköpfe rekonstruiert.“ So blieb also dieses Werk von P. Emmanuel der Nachwelt sichtbar erhalten. Sie schmücken sogar das DIN A 4 große farbige Titelbild des Jahresheftes der „Kultur- und Denkmalpflege“. Und im Bericht über die Restaurierung sind als Abb. 8 und 9 sämtliche acht Engel einzeln klein und mit einem Blick in dem Oktogon abgebildet.

1884 malte er für das Stuzz-Käppeli oberhalb von Wolfenschiessen ein Altarbild von Bruder Konrad Scheuber. Er ergänzte den Altaraufbau des Engelberger Ornamentisten und Bildhauers Nikodemus Kuster, der im gleichen Jahr verstarb. Von P. Emmanuel Wagner rühmt man weiter auch besonders die treffenden Miniaturmalereien auf Theaterprogrammen, Dankes- und Jubiläumsurkunden, Priesterweih- und Primizprogramme, Diplomen usw. die kleine Kabinettstücke darstellen und sogar bis zum Papst gelangten. So heißt es in der „Schweizerischen Kirchen Zeitung“ Nr. 4 vom 28. 1. 1888: „Urschweiz. Die Gratulationsadresse, welche die Regierungen von Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden dem hl. Vater zu seiner Jubelfeier widmen, ist nun fertiggestellt. Der in ächt staatsmännischen Tone gehaltene und die angestammte kirchliche und vaterländische Gesinnung der Urschweiz kurz und treffend zeichnende Text ist das Werk des Herrn Gerichtspräsidenten Adalbert Wirz in Sarnen. Derselbe wird auch die Adresse, anläßlich seiner Pilgerreise nach Rom, Leo XIII. im Namen und Auftrag der Gratulanten überreichen. Die meisterhafte kalligraphische Ausfertigung besorgte der hochw. Herr P. Emanuel im Kloster Engelberg, und die reich und geschmackvoll gearbeitete Mappe lieferte die Buchbinderei Gisler-Imfeld in Altdorf. …“

Dem antiquarischen Museum in Sarnen wurden die von P. Emanuel geschaffenen Kunstblätter und Theaterprogramme regelmäßig von P. Karl Anderhalden übergeben. Im Obw. Volksfreund ist eine ausführliche Liste angegeben, welche Zeichnungen aus welchem Anlaß, zwischen 1893 – 1898 von P. K. Anderhalden an das Museum kamen. (s. 28 Jg. Nr. 10 v. 5. März 1898) Im Nekrolog der „Obw. Volksfreund“ heißt es kurz und treffend: „Den Stift des Zeichners und den Pinsel des Malers wußte er mit einer vollendeten Meisterschaft zu handhaben“ Zumindest auf sein zeichnerisches Können trifft das wohl zu!

P. Emmanuel als „Der Kalendermann“ Seine eigentliche Berühmtheit aber erlangte P. Emmanuel durch seine Tätigkeit am „Nidwaldner Kalender“, den er in den Jahren 1890 – 1907 redigierte. Dieser volkstümliche Kalender war 1860 durch Kommissar Remigi Niederberger gegründet worden. Wie es nach dem Tod des Gründers weiterging, schildert der Nekrolog für P. Emmanuel in volkstümlicher träfer Sprache: „Am 14. Jänner 1885 war des Kalenders Vater, Kommissar Remigi Niederberger, zu Stans gestorben. Nachher kam der Kalender unter Vögt und Freund, und da ist es gegangen, wie es konnte und mochte, und doch nicht recht. Bald regierte der Eine, bald der Andere, aber niemand wusste recht, wer Koch und Kellner sei. Unter solchen Umständen ist Setzer Paulus (von Matt) sel. unwirsch geworden, er nahm den Stecken in die Hand und ist den Rosshimmel hinaufgegangen zum Schwager in Engelberg. … Als er dann im Kloster war beim Schwager, sagte er: „Ihr wisset, P. Emmanuel, dem Nidwaldner Kalender ist vor einigen Jahren der Herr Vater gestorben, und seither ist er ein verlassener Tropf, eigentlich niemersis. Es könnte noch etwas aus ihm werden, wenn er einen rechten Chrisigötti hätte, der sich seiner annähme. Wäret Ihr nicht so gut und tätet euch des armen Hudels annehmen und ihm die Hand auflegen, man kann ihn doch wahrhaftig nicht z`tod schlagen!“

„Nää, du kannst mir mit sammt dem Kalender gestohlen werden. Ich muss noch das Lustspiel „Tot oder nicht tot“ umarbeiten und darin das Weibervolk vertilgen, dann muss ich noch den Mondschein machen und die Hagelmaschine und auch die drei vordersten Kulissen, die Stadt Antwerpen für „Zar und Zimmermann“ malen, u.s.w. Ich habe keine Zeit!“ Aber Paulus gab nicht lugg, und endlich sagte P. Emmanuel: „So will ich es in Gottes Namen probieren, aber du darfst mit dem Druck nicht tampen! Verstanden!“ (Nidw. Kal. 1908, S. 20) Und wirklich im Jahre 1890 erschien aus P. Emmanuels Feder der erste Kalender. Es wäre verfehlt, wenn man das Wort Redakteur im heutigen Sinne auf die Stellung P. Emmanuels beim Nidwaldner Kalender anwenden würde. Schon die rein technischen Belange – Tageskalender, Verzeichnisse der Märkte, Angaben über Feste und Planetenlauf etc. – erforderten ungewöhnlichen Einsatz. Der literarische Teil, Erzählungen, Gedichte, historische Artikel und Reminiszenen, Illustrationen waren beinahe ausschließlich Aufgabe und Werk von P. Emmanuel. Und in dem von ihm geleiteten Jahrgängen finden wir selten Beiträge, die nicht aus seiner Feder stammen. Der Kalender war eine ausgesprochene katholisch orientierte Ausgabe, die Textreihe wurde stets eröffnet von einer Art geistlichem Leitartikel mit dem Bruder Klause Wort: „ Der Name Jesu sei Euer Gruss!“ P. Emmanuel drückte diesem Hauskalender in den Jahrgängen 1890 – 1907 seinen einmaligen, persönlichen und unverwechselbaren Stempel auf. Eine unverwüstliche Erfindungsgabe, die hervorragende Kenntnis nidwalderische Geschichte und Denkungsart, die Kunst, Alltägliches originell zu gestalten und die Liebe zu seinem Heimatkanton führten dazu, daß dieser Kalender immer mehr zu einem Symbol wurde, in dem sich Volk und Landschaft, Denkweise und Lebensformen lebhaft wiederspiegelten. Man wird es dem Engelberger Pater wohl nicht verargen, wenn er das obwaldnerische Engelberg bewußt oder unbewußt in sein geliebtes Nidwalden einbezog. Engelberger Sagen und Erzählungen spicken immer wieder die Nidwaldner Erlebniswelt wie die bekannten Speckklümpchen den duftenden Schweinebraten. Wo es um Sport ging, um Kuren und Bergsteiger oder um Käseproduzenten, wurde Engelberg einfach Nidwalden einverleibt. Es war wohl weniger die süße Rache eines geschichtsbewußten Nidwaldners als die Liebe zu einem Tal, das am Surenen beginnt und sich in den Wellen des Vierwaldstättersees verliert. Damals aktuelle Themen, wie z. B. die im Bau befindliche Stansstad-Engelberg-Bahn, die Hundertjahrfeier des Franzoseneinfalles, die Wasser- und Luftkuren in Engelberg, der beginnende Rummel auf die Berge, die damals aufkommende Sammler- und Photographiersucht, die sich wandelnden Wallfahrtsgebräuche, sie alle forderten seine Kommentare heraus, die in Wort und Bild ebenso treffend wie humorvoll wirken. Heute, 130 Jahre später, sind es vor allem seine Zeichnungen, die das Andenken an diesen geistlichen Kalendermann wachhalten. Wilhelm Busch (+ 1908) hätte wohl vor Freude in die Hände geklatscht, wenn er hätte sehen können, wie P. Emmanuel mitwenigen Strichen originelle Köpfe, geistsprühende Gedanken, humorvolle Interpretationen und umwerfende Zukunftsbilder aufs Papier brachte. In den Porträts bekannter Nidwaldner verflüchtigte sich die kühle Objektivität des Fotoapparates hinter der warmherzigen Verehrung, die der Zeichner ihnen entgegenbrachte. Die unzähligen Illustrationen, die P. Emmanuel seinen eigenen Erzählungen mitgab, enthüllen eine Fülle von Details aus dem damaligen Volksleben, sie gehören zumText wie die Farbe zum Gemälde. In der graphischen Sammlung des Klosters finden sich eine Menge Originalzeichnungen (selten Malereien), von denen wir die meisten in dem, von ihm redigierten Nidwaldner Kalender wiederfinden. Es ist schwer zu sagen, worin der eigentliche Zauber seiner zeichnerischen Visionen besteht. Mit verblüffender Treffsicherheit hält er die Körperhaltung streitender Weiber, lauschender Neugieriger, müder Greise fest. Drollige Details schleichen sich unvermerkt in die Darstellung ein, sie lockern das eigentliche Thema auf. Die Gegensätze zwischen Vergangenheit und Gegenwart erhalten dadurch Relief, daß sich der Zeichner frischfröhlicher Übertreibung charakteristischer Einzelheiten hingibt. Oft glaubt man, das übermütige Lachen des zeichnenden Mönchs zu hören, wenn er bemerkt, was sein Zeichenstift wiedergegeben hat. Und gewisse Charakterköpfe zeigen eine unverhüllte Verwandtschaft mit den Karikaturen Leonardos da Vinci, der mitgleichen Wonne schöpferische Möglichkeiten erfand, die bei der Erschaffung der Welt offensichtlich übersehen worden waren. Seiner Erzählungsweise gab er neben den belehrenden Aussagen meist eine Prise belustigender Ironie dazu, die den Ernst durch einen komischen Endeffekt auflockerte. In teilweise grotesken Bildern und Erzählungen charakterisierte der phantasiebegabte Zeichner den damaligen Fremdenbetrieb im Engelberger Klosterdorf. Die „Praktische Verwendung der heutigen Hut- und Aermelmode“ (NWK 1893, S. 48) und „Alte und neue Haarfrisur“ (NKW 1898, S. 48) warfen mit humorvollen Übertreibungen geladene Seitenblicke auf Modeformen, wie sie von auswärtigen Besucherinnen getragen und durch Engelbergerwitz kommentiert wurden. Mit übermütiger Ironie gab er den jungen Engelbergerinnen Anregungen für „Neue Hutformen für Frauenzimmer entsprechend ihren Berufsarten“ (NWK 1998, S. 48). Den Humor der authentischen Engelberger verkörperte er in der Gestalt des Bergführers „S`Schnyder Jochems Mauri“ (NWK 1900, S. 45), und in der Erzählung „Galgenhumor“ (Nw-K 1900, S. 45), wo er stets rückfällige Missetäter in echter Engelbergerart auf die, in Sarnen verhängten Strafen reagiert. Die Zeichnungen „Die Wasserkur“ (Nw-K 1898, S. 31) und das dazugehörige Gedicht und jene von den verschiedenen Schwitzkuren (Nw-K 1905, S. 25) wie die Erzählung „Eine verfehlte Kneippkur“ (Nw-Kal. 1894, S. 45) bilden amüsante Randglossen zu jenem Kurbetrieb, der schon vor der Ära des Bergsportes die Fremden zu Tausenden herbeilockte. Aber auch das Bergfahrtfieber (Nw-Kal. 1903, S. 52) und „Wintersport und Wintersportarten“ (Nw Kal. 1907, S. 50) kamen vor dem kritischen Zeichenstift nicht ungeschoren davon. Die „Ansichtskarten-Sammlerwut“ (Nw-Kal. 1900, S. 48) und die „Photographier-Sucht“ waren für den Kalendermann ebenfalls moderne, von den Fremden importierte Krankheiten und dienten seinem lächelnden Spott als Zielscheibe. Die Eröffnung der Stansstad-Engelberg-Bahn bot ihm ein weites Feld für seine humoristischen Kommentare: In einem Dialektgedicht zwischen einem Engelberer und einem Nidwaldner ließ er das neue Landvehikel Spiessruten laufen (Nw-Kal. 1899, S. 46), er schilderte die Verkehrsverhältnisse vor der Bahn (Nw-Kal. 1900, S. 43) und zeichnete den alten Klosterboten nd die altehrwürdige Engelberger Postkutsche. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß für ihn die Gegenwart von der neuen Bahn, die Zukunft jedoch vom Fahrrad, von Autos und Flugapparaten gekennzeichnet erscheint. Der Zustand der damaligen Straßen war wohl dafür verantwortlich, daß die Klingel des Fahrrads noch den Instrumenten der Zukunftsmusik zugerechnet wurden. Den Höhepunkt seiner Vision erreichte der zeichnende Mönch jedoch in seiner Darstellung „Der Rosshimmel (Schlucht unterhalb Engelberg) im pferdelosen Zeitalter“ (Nw-Kal. 1906, S. 52). Die überflüssig gewordenen, vierbeinigen Veteranen genießen in Liegestühlen und Kanapees vor ihrem Hotel „Rosshimmel“ den verdienten Ruhestand, während andere Pferde,mit den Vorderfüßen auf die Randmauer gelehnt, den Verkehr auf Schiene und Straße beobachten. Beinahe glaubt man, die Pferde vor Lachen wiehern zu hören, wenn sie sehen, wie der Velofahrer im Rucksack ein Schwein befördert und ein Bauer den Jauchewagen mit dem Fahrrad zieht. Engelberger Geschichte und Legenden fanden ebenfalls Eingang in den Nidwaldnerkalender, der sich auf diese Weise zu einem eigentlichen „Talkalender“ entwickelte und in Engelberg selbst einen großen Leserkreis fand. Von Josef Eugen Melchior Kuster (1764 – 1841) stammen z. B. zwei Gedichte in Engelbergerdialekt. „Die verzauberte Jungfrau im Jungfernloch am Galtiberg zu Engelberg“ (Nw-Kal. 1904, S. 34) stammt von Josef Friedrich Müller aus dem Jahre 1814. „Der Gesang auf dem Hahnen-oder Engelberg“ (Nw-Kal. 1905, S. 28) greift die Gründunglegende auf, die den Namen „Engelberg“ ihre poetische Sinndeutung verlieh. P. Emmanuel gab diesen Gedichten zwei hochromantische, ganzseitige Illustrationen bei, die den alten Legenden neuen Reiz verliehen. In der Erzählung „Krummstab und Kreuz“, die in der Zeit des ausgehenden 15. Jahrhunderts spielt (Nw-Kal. 1897, S. 34) läßt P. Emmanuel historische Gestalten und Geschehnisse in einer phantasiereichen Novelle lebendig werden. Mit spielerischer Eleganz fügt P. Emmanuel neben den Personen eine Unmenge von Sitten und Gebräuchen, Tatsachen und Vermutungen in das geschichtliche Geschehen ein. Es würden sich noch andere Geschichten aus Engelberg nennen lassen. Niemand fiel es ein, den Redakteur des Nidwaldnerkalenders deswegen zu tadeln, daß er ohne jeglichen Hemmungen Engelberg einfach in diese Nidwaldnerliteratur einbezog. Heute erhält man viel mehr den Eindruck, daß P. Emmanuel durch seine volkstümlichen Eintopfgerichte viel dazu beitrug, Menschen zusammenzuführen, die sich früher lieber aus einer gewissen Distanz betrachteten.

Eine hartnäckige Krankheit zwang P. Emmanuel, als erst 47jähriger die ihm so vertraute Tätigkeit an der Schule aufzugeben. Im Jahre 1900 sandte ihn der Abt als Kaplan ins Melchtal, in der Hoffnung, P. Emmanuel könnte dort Erholung und Heilung finden. Die Redaktion des ihm liebgewordenen Kalenders behielt er jedoch bei. Von seinem Verständnis für die Kunst zeugen auch einige Sammlungen die P. Emmanuel schon in jungen Jahren anlegte und laufend ergänzte. So hatte er u.a. auch eine Sammlung von Bruder-Klaus-Bildern angelegt, welche über 160 Darstellungen des Seligen in den verschiedensten Verfahren, wie in Stichen, Holzschnitten, Lithographien, Licht- und Farbdrucken usw. zeigen, darunter auch eine Darstellung des Sarner Brandes in Aquarel aus dem 18.Jahrhundert. (Titlisgrüsse Nr. 3 , 1934, S. …) Auch eine sehr reichhaltige Kollektion alter Pergamentbilder und Kupferstiche hatte er zusammengetragen.

Kaplan in Melchtal Am Montag den 19. März 1900 trat P. Emmanuel als neuer Filial– und Wallfahrtskaplan in Melchthal seine neue Stelle an. Dazu vermeldete der „Obw.-Volksfreund“: „Derselbe wurde in einem Zweispänner in Stanz abgeholt, vom Pfarrer von Kerns und dem Kapellenvogt vom Melchthal dorthin begleitet und daselbst unter dem Donner der Böller von dem nun scheidenden Hochw. Herrn Kaplan, von der gesamten Schuljugend und dem versammelten Volke herzlichst begrüßt. Zuerst begab man sich zu einem gemeinsamen Gebete in die Wallfahrtskapelle und darauf geleitete man den Hochw. Herrn Kaplan in sein schmuckes Heim, das wie die Kapelle mit Kränzen und Inschriften festlich geziert war. Abends fand zu Ehren des Neuangekommenen im „Alpenhof“ ein bescheidenes Festessen statt, wobei Pfarrer von Ah seinen ehemaligen Hochw. Herrn Professor in einer kurzen Ansprache bewillkommte und der Gemeinde vorstellte. P. Emmanuel aber begrüßte seinerseits in gemütvoller, launigen Rede seine neuen Untergebenen. – Der Ruf des als Kanzelredner und Volksschriftsteller wie als Künstler berühmten Ordensmannes ist uns vollauf Bürge für dessen gesegnete Wirksamkeit, die sich zweifellos weit über das Tal der Melcha hinaus erstrecken wird. Wir haben nur noch den einen Wunsch, daß der Hochw. Herr Kaplan recht lange, lange unter uns weilen und walten möge.“ (Obw.-V., 30 Jg., Nr. 11. Hier hat sich der Schreiber kräftig vertan, wenn er P. Emmanuel als Professor von Pfarrer von Ah nennt!!) Wohl gewann er rasch das Vertrauen und die Zuneigung der Einwohner aber von seiner Krankheit wurde er, nach wieder zunehmenden Leiden, dort nicht erlöst, so daß P. Emmanuel schon nach vier Jahren 1904 diesen Posten aufgeben mußte. Zum Abschied schrieb ihm am 10. Mai 1904 der Gemeinderat von Kerns u.a.: „Unverhofft schnell sahen Sie sich veranlasst, mit Rücksicht auf Ihren Gesundheitszustand als Caplan unserer Thalgemeinde Melchthal Demission einzureichen. Es wurde Ihrem Gesuche unterm 29. April entsprochen. Im vollen Bewußtsein, einem eifrigen, unermüdlichen, pflichtgetreuen Seelsorger den Scheidegruss zu widmen,dürfen & können wir nicht amangeln unseren tiefen Bedauern Ausdruck zu geben, dass Sie mitten in der Blüte der Jahre schon von einem hartneckigen Leiden heimgesucht, demzufolge Sie sich zur Demission genötigt sahen. Wir constattieren Ihnen mit bester Überzeugung volle Anerkennung für Ihr eifriges, rastloses & heilsames Wirken als Caplan unseres Thales. Hat ja unter Ihrer Leitung & Führung der vielbesuchte Wallfahrtsort ganz bedeutend zugenommen. … Ihnen Hochwürdiger Herr Pater ein warmes, tiefempfundenes „Vergelts Gott“. (Pers. – Akte P. E.Wagner) P. Emmanuel siedelte danach ins Frauenkloster St. Andreas nach Sarnen über, wo er das Amt des Spirituals versah. Aber seine Gesundheit war endgültig erschüttert und wiederholte Ohnmachtsanfälle machten eine weitere Tätigkeit bei den Schwestern unmöglich. Im Herbst 1906 kehrte er wieder nach Engelberg zurück. Eine Tätigkeit als Lehrer kam nicht mehr in Frage, aber der rastlos schaffende Mönch ließ es sich nicht nehmen, in den nötigen Pausen, die ihm sein Leiden ließ,noch den Jahrgang 1907 des Kalenders vorzubereiten.

P. Emmanuels letzte Tage und sein Tod P. Franz Huber hat diese in einem Brief vom 11. Jan. 1907 an einem Mitbruder (Name nicht angegeben) geschildert. „P. Emmanuel hatte schon am Stephanstage einen weiteren Anfall (Schlaganfall) erlitten kurz vor demMittagessen; ich war momentan nicht auf der Zelle und hörte nichts: P. Emmeram der noch im Amte gewesen, kam nicht zu Tische. Br. Alois ging sofort hinüber und fand ihn am Boden liegend. Von diesem Anfall erholte er sich ziemlich schnell wieder; er selber betrachtete es nur als eine kleine Schwäche; als ich nachher sagte, ich bedaure es nicht zu Hause gewesen zu sein, da meinte er, ich hätte gar nichts gehört, er sei nur eingeschlafen und ganz ruhig vom Stuhl heruntergerutscht. Seit Neujahr las er wieder täglich die hl. Messe, kam immer zu Tisch, und war gemütlich und heiter. Am Sonntag Mittag auf dem Strählplätzli meinte er noch, als erdas Täfelchen „Kleine Wäsche“ sah: nein heute am Dreikönigsfest mache er dieselbe doch noch nicht. Nach dem Mittagessen war er auch noch eine Viertelstunde bei mir und sprach lebhaft über Theater und besonders: „ die Mordnacht von Luzern“. Bedenklich war, wie mir Br. Alois sagte, daß der Puls immer recht dünn war und die Wunden am Bein zuheilten. Mir fiel es auf, daß er in der letzten Zeit beim Gehen wie man sagt, so „schlopete“. Kurz nach der geist. Lesung, in welcher er auch noch war, kam er zu mir und sagte ich solle auch zu ihm hinüber kommen und ihm Wasser einschenken, er habe so eine Schwäche, ich bemerkte, daß er nach dem Klopfen die Thürfalle nicht recht fand. Ich ging mit ihm hinüber und sagte er solle nun ganz ruhig im Lehnstuhl sitzen bleiben, ich wolle dem Bruder holen. Br. Alois kam sofort und sagte gleich zu P. Emmanuel, er wolle ihn zu Bette bringen. Das ging noch ganz gut, aber kurz darauf kam der Anfall. Dem P. Prior, der auch noch zu ihm kam, sagte er noch: „Jetzt P. Prior kommt wieder etwas, ich fühle es“, dann wurde er bewußtlos, er fing an zu röcheln und der Puls wurde sehr schwach. Durch eine Kampf()reinspritzung konnte das Herz wieder etwas gestärkt werden; Arzt Cattani verordnete auch heiße Essigüberschläge und Senfpflaster; aber die gewünschte Reaktion trat nicht ein. Kurz vor halb 6 Uhr wurde P. Emmeram ganz ruhig, wie wenn er einschlafen wollte; aber der Puls fing an zu „zwirbeln“ und auszusetzen, und wir begannen die Sterbegebete.Unter denselben tat er ganz unmerklich den letzten Atemzug.“ Soweit der Bericht von P. Franz. (Pers.-Akte P. E. W.) P. Emmanuel starb mit fast 54 Jahren. Am 7. Jan. verlor das Kloster einen weiteren Mitbruder, P. Plazidus Wissmann, den früheren Prior. Am 9. Jan. wurden P. Emmanuel und P. Plazidus in einem gemeinsamen Beerdigungsgottesdienst in der Klostergruft beigesetzt. Eine große Anzahl von Nidwaldnern wohnte der ergreifenden Totenfeier bei und gab dem geliebten Freund des Volkes das letzte Geleit. Wie weit bekannt P. Emmanuel Wagner im Schweizer Land war, zeigen allein schon die Anzahl der Nachrufe in den verschiedenen Schweizer Tageszeitungen.

Dem Engelberger Studententheater und dem Nidwaldner Kalender, beiden hat er besonders seinem unverwechselbaren Stempel aufgedrückt.

(Quellen: Stiftsarchiv Personalakte P. Emmanuel Wagner;  Wo keine anderen Quellen angegeben sind, stammen die Ausführungen von P. Georg Duffner: P. Emmanuel Wagner – Mönch und Kalendermann 1853- 1907, „Engelberger Dokumente“, Heft 10, 1981, 40 S.; ebd.: Studententheater an der Klosterschule Engelberg, „Engelberger Dokumente“ Heft 9, 1981;  N. Duss: Josef Ignaz von Ah 1834 -1896 - Der Weltüberblicker, 1975 S. 48; P. B. Fellmann: Abt Anselm Villiger von Engelberg in „Gedenkblätter f. d. Freunde u. Zöglinge d. Stiftsschule“, 1901, S.44 - 46;        „Nidwaldner Kalender“ 1902, S. 37; und 1908, S. ….; im „Obwaldner-Volksfreund“            P. E. Omlin: Die Geistlichen Obwaldens 1984, S. 556; P. P. Hartmann: „Titlisgrüsse“ 1949, 35 Jg. Heft 3, S. 57 - 60; P. Benno Odermatt: Dallenwil (Chronik), 1991, S. …; B. Christen: Der Kalendermann in „150 Jahre Nidwaldner Kalender“ 2009, S. 65 - 68; V. Paulus: Musik- und Theatertradition an der Stiftsschule des Benediktinerklosters Engelberg in „Stud. u. Mitt. z. Gesch. d. Ben.- Ord.“, Bd. 120, 2009, S. 279;  dies.: Oper in der Klosterschule – Musik und Theater im Kloster Engelberg, 200, S. wie. o. angegeben; P. I. Heß: Die Studienzeit in Engelberg in der „Festgabe zum 75. Geburtstag von Dr. Eduard Wymann  - Staatsarchivar von Uri, 1944, S. 10 - 14)

Nachrufe zu ihm erschienen: im „Obwaldner Volksfreund“ v. 9. Jan. 1907, v. A. Wirz; im „Luzerner Vaterland“ v. 9. Jan. 1907, v. P. Joachim Rütsche; im „Luzerner Wochenblatt“ v. 12. Jan. 1907, von Dr. Eduard Wymann; im „Nidwaldner Volksblatt“ v. 12. Jan. 1907, v. H. von Matt; in der „Neue Zürcher Zeitung“ v. 8. Jan. 1907; in „Zuger Nachrichten“ v.12.Jan. 1907; in den „Freiburger Nachrichten“ v. 10. Jan. 1907; in „Die Ostschweiz“, St.Gallen, v. 9. Jan. 1907)

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Taufscheinbescheinigung vom 30. September 1868 von Pfarrhelfer von Stans Lang Jos., StiArEbg Personalakte P. E. Wagner.
  3. Das Haus lehnte sich damals an einen alten Turm, der wohl den ganzen Heimwesen den Namen gegeben hat, der jedoch heute nicht mehr steht. Schon sein Grossvater war Jahrzehntelang Posthalter, ein Posten, der damals noch mit den Botendienst nach Luzern verbunden war. Seine Mutter stammte mütterlicherseits von der Familie Lussy ab, mit der auch der Kunstmaler Wyrsch verwandschaftlich verbunden war.
  4. Pfarrer Ignaz von Ah gehörte zu den Mitbegründern und Mitarbeitern des "Nidwaldner Volksblattes", in dem er während 30 Jahren als "Weltüberblicker" seine mit Humor gespickten Betrachtung des Weltgeschehens veröffentlichte. Er war von 1867 bis zu seinem Tod 1896 Pfarrer von Kerns.
  5. Im "Nidwaldner Kalender" von 1898 veröffentlichte er einen Nekrolog zu Pfarrer Josef Ignaz von Ah, in dem seine ganze Bewunderung zum Ausdruck kam. (S. 19 -22)
  6. Duss, v. Ah, S. 48.
  7. Dufner, Der Kalendermann, S. 6.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 155.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.