Bonifaz Regli: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 21. Januar 2022, 01:22 Uhr

Bonifaz (Bernhard) Regli (* 20. August 1859 in Realp; † 13. Februar 1938 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 11. Oktober 1879

Priesterweihe: 16. Juli 1883

Primiz: 15. August 1883

Ämter

Lehrer in der Stiftsschule: 1883–1908?

Lehrer der Fratres: 1883–1908?

Küchenmeister: 1895–1908

Grosskellner: 1908–1909

Spiritual in Wil: 1909–1933

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Josef Maria Regli und der Franziska Renner.

Lebensbeschreibung[1]

P. Bonifaz Regli stammte aus Realp im Kanton Uri. Er wurde dort am 20. August 1859 als Sohn des Josef Maria Regli und der Franziska Renner geboren und auf den Namen Bernhard getauft. Er verlebte die Jugendzeit in seinem Geburtsort, kam 1872 für die sechs Gymnasialklassen an die Klosterschule Engelberg. Er machte die zweijährige Philosophie als Frater in Einsiedeln und die theologischen Studien zum einen Teil in Engelberg, zum anderen Teil von 1882 bis 1884 an der theologischen Fakultät in Salzburg. Dort empfing er die Priesterweihe und primizierte am 15. August 1883 in Engel­berg. Er betätigte sich in dreimaligem Turnus, zusammen 23 Jahre lang, als Lehrer der Dogmatik und Moral in seinem Kloster, als Lehrer am Gymnasium, als Küchenmeister und Grosskellner an der Klosterverwaltung, als Unterpfarrer in Engelberg an der Seelsorge und von 1919 bis 1933 als Spiritual im Frauenkloster St. Katharina in Wil, St. Gal­len.

Der kleine, stark gebaute und gesunde Regli wuchs in Realp in einfachen Lebensverhältnissen auf. Gebet und Arbeit waren das tägliche Programm, Milchkaffee und Brot die Hauptnahrung. Einfach und genügsam ist P. Bonifaz sein ganzes Leben lang geblieben in der Nahrung, in der Kleidung und in sei­nem ganzen Lebenswandel. Den Primarschulunterricht erteilte die Kö­chin des Pfarrers, der damals wie heute noch ein Pater Kapuziner war, in einer Seitenstube des Pfarrhauses. Regli war ein guter Schüler, und es war kein Missgriff, als man den aufgeweckten Knaben zum Studium nach Engelberg schickte. Nicht lange zuvor hatte er noch ein unliebsames Erlebnis. Bei einer jugendlichen Spring­übung mit anderen Knaben von der Höhe eines Heugadens herab brach er sich das Bein, zu dessen Behandlung der Arzt von Andermatt gerufen werden musste, da in Realp kein Arzt wohnte. Dieser kam, gipste das Bein ein und legte den Verunfallten ins Bett. Aber bei einer unbedachten, plötzlichen Bewegung ging die Geschichte wieder auseinander, und der Arzt musste neuerdings kommen und das Bein wieder richten. Die Arztrechnung be­lief sich, alles inbegriffen, auf 8.50 Franken, eine Ausgabe, die seine sparsame Mutter lebenslang als bedeutend empfand. Die Mutter war mit ihrem originellen Wesen und ihren naturwüchsigen Sprüchen in Engelberg noch in guter Erinnerung, da sie die letzten Lebensjahre dort verbrachte und unter dem priesterlichen Beistand ihres geistlichen Sohnes in hohem Greisenalter starb und hier begra­ben wurde.

Bernhard Regli wanderte noch auf der alten Engelberger­strasse nach Engelberg hinauf und traf hier auf eine ganz neue Welt im Kloster. Er war ja noch nie anderswo als zu Hause gewesen. Einen so feierlichen Gottesdienst hatte er sein Leben lang noch nie gesehen. Auch staunte er über das Orchester an den Sonn- und Fest­tagen, das damals noch im Chor auf der Orgelseite die vierstimmigen Messen begleitete. Noch im Lauf dieses Jahres er­zählte er mit Lebhaftigkeit von diesen für ihn so ein­ drucksvollen Erlebnissen. Zu seinen Studien brachte er sehr gute Anlagen und zu seinem Berufsleben ein überaus ruhiges Tempera­ment mit, das er bis in sein hohes Alter unge­schwächt und ungetrübt bewahrte. Damit war er zum Moralprofessor wie geschaffen; er erwarb sich dazu neben fortge­setzten eifrigen Studien eine grosse Erfahrung als gesuchter und beliebter Beichtvater.

Bei seinem Weggang von Wil 1933 schrieb die "Ostschweiz": "Man teilt uns aus Wil mit, dass mit Ende der zweiten Augustwoche H. H. P. Bonifaz Regli 0SB als Spiritual des Frauen­klosters St. Katharina in Wil zurücktritt, um auf einen leichteren Posten in das Kloster nach Engelberg zurückzukehren. H. H. Spiri­tual Pater Bonifaz war in den beinahe 15 Jahren, in denen er zu St. Katharina wirkte, mit dem katholischen Volk in Wil stark verwachsen, hochgeachtet und geehrt. Er stand seinem Kloster mit seinen besten Kräften bei, als ein Ordensmann milder, edler Gesinnung, und nahm auch regen, freudigen Anteil an dem impul­siven kirchlichen Leben in Wil mit seinen erhebenden Festfeiern und imponierenden ausserkirchlichen Veranstaltungen. Er beteiligte Sich auch an den wissenschaftlichen Zirkeln, wo er auch reiche Anregung zu bieten vermochte. Dabei war er persönlich die Be­scheidenheit selber. Lohne ihm Gott die edle Güte, die wir noch selber auf dem Posten des Schriftleiters des 'Wiler Boten' erfahren durften. Am Mariahimmelfahrtsfeste wird er im Kreise seiner Mit­konventualen die goldene Jubelmesse zelebrieren. Möge nun H. H. Pater Bonifaz noch ein recht langer, sonniger Lebensabend in der frischen, reinen und gesunden Luft des Hochtales von Engelberg beschieden sein."

Auch der "Wiler Bote" gedachte seiner damals in ähnlichen anerkennenden Worten. In Wil betätigte sich P. Bonifaz auch schriftstellerisch, wenn auch nicht in grossem Umfang. Er schrieb für die "Wiler Grüsse", in das dortige Institutsblättchen, neben den obligaten religiösen Festarti­keln einzelne Briefe mit Berichten über die Schulereignisse und den gemeinsamen Ausflug, angeblich von einer Schülerin verfasst.

1908 ernannte ihn Abt Leodegar Scherer zum Grosskellner oder Ökonom des Klosters. Das war für ihn kein leichtes Amt und er übernahm es im Gehorsam gegen seinen Abt. Denn weder seine Erziehung noch seine Studien hatten ihn dafür vor­bereitet und geschult. Einzig das Amt des Küchenmeisters bildete für ihn eine Art Vorstufe. Da hiess es, sich in den weitschichtigen Betrieb gründlich einzuarbeiten. Und es warteten schwere Auf­gaben auf ihn. Da war die dringend nötige Reorganisation des Sägereibetriebs und teilweise auch diejenige der Schmiede, den Ausbau der Galerie im Chor der Kirche, die Einstellung beim Ausbruch des Weltkrieges, die Kriegssteuer, das Inkrafttreten der Schweizerischen Unfallversicherung, die schwierigen Entscheidungen bezüglich des Pumpwerkes Luzern-Engelberg und anderes mehr: alles Aufgaben, die auch einer geschäftsgewandten und verkehrsgewöhnten Person ernste Sorgen bereitet hätten. P. Bonifaz trug sie, bis ihn der Gehorsam wieder davon befreite. Das ist sicher, dass er nirgends mit Wissen und Willen das Kloster irgendwie zu Schaden kommen liess. Aber er äusserte sich einmal zu P. Ignaz Hess als er in Wil war, er sei gerne bereit nach Engelberg zurückzukommen, wenn er aber wie­der Grosskellner werden müsste, wollte er lieber sterben. Das mochte etwas übertrieben sein, aber es war klar, dass er sich in dieser Position nicht wohl fühlte.

Mit voller Herzensfreude aber widmete er mach seiner Rückkehr der Seelsorge, sei es als Unterpfarrer im Unterricht, im Beichtstuhl, bei den Kran­ken, auf der Kanzel und in den Vereinen. Es war oft beschwer­lich am Morgen früh nüchtern, besonders im Winter bei Kälte und Schnee, die hl. Kommunion zu den Kranken zu tragen. Dies brachte ihm regel­mässig Erkältungen und Magenschmerzen ein. Als Prediger verfügte er nicht über eine klangreiche Stimme und keinen glänzenden Vortrag, aber der Inhalt war ge­diegen und wohldurchdacht. Als Beichtvater hatte er viele Personen getröstet und war auch vielen beim Sterben beigestanden. Zu seinen Seelsorgekindern gehörten auch die Schüler des Engelberger Kollegiums. Er betreute sie als Präses der Sodalität Predigten und Katechesen. Von den ersten Jahren seines Priestertums an war er auth Beichtvater der Schüler. Vater im wahren und vollen Sinne des Wortes, als väterlicher Helfer und Berater im Sturm und Drang der reifenden Jugend und für sehr viele auch in der Berufswahl. Viele bewahren ihm dafür ein gutes und dankbares Andenken.

Bis zu den letzten Tagen seines Lebens bewahrte er sich seine ungeschwächte geistige Frische und sein lebhaftes Interesse für alles Tagesgeschehen. Ebenso für die wissenschaftlichen Arbeiten seiner Mitbrüder. Viele Jahre klagte P. Bonifaz über Magenweh und einige Monate vor seinem Tod litt er an den Vorboten der Wassersucht. Am 10. Fe­bruar 1938 abends zwang seine Krankheit ihn ins Bett und am 13. Februar vormit­tags brachte sie ihm den erlösenden Tod, auf den er wohl vorbe­reitet war. So trat er nun auch den letzten Gang in die Gruft an, in die er so viele seiner Vorgänger hinabsteigen sah. Mit ihm schloss sich die Reihe der Patres, die noch vor 1880 die Profess abgelegt haben; er war als Senior der letzte dieser älteren Generation im Kloster.

Professnummer

  • Nr. 658

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüssen 24, 1937/38, S. 35-39, übernommen.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 157.
  • Nachruf P. Bonifaz Regli, in: Titlisgrüsse 24, 1937/38, S. 35-39.