Bernhard Strebel

Aus Kloster-Engelberg
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Bernhard (Josef) Strebel (* 8. Juli 1840 in Muri; † 11. Oktober 1899 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 10. August 1859

Priesterweihe: 14. August 1864

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1864–1866, 1869–18?

Lehrer der Fratres: 1866–1869, 1882–18?

Archivar: 1869–1872

Kapitelssekretär: 1870–1872

Unterpfarrer in Engelberg: 1869–1872, 1882–1884

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Josef Leonz Strebel und der Margaritha Koch.

Paten: Josef Koch und Margrit Kuhn.

Lebensbeschreibung[1]

Die Strebel sind Aargauer von Muri. P. Bernhard wurde als Sohn des Josef Leonz Strebel und seiner Frau Margaritha Koch von Buttwil, wohnhaft in Weissenbach, am 8. Juli 1840 geboren und auf den Namen Josef Alois getauft. Taufpaten waren Josef Koch und Margrit Kuhn von Walterswil.[2] Laut Information des Pfarrers von Muri an den Bischof von Basel als Ordinarius, stammte Alois "aus einer der reichsten, aber auch sittlich besten Familie seiner Pfarrei. Auch in den Ferien war er stets ein Muster eines kath. Jungmannes. Er ist auch geistig und körperlich gesund und kann für das Kloster und Priestertum nur empfohlen werden."

Anfang des Schuljahres 1856/57 gehörte er zu den ersten sechs Schülern, die die erste Kandidatensektion Engelberg des Schweizer Studentenvereins bildeten. Ein von ihm und Xaver Obersteg geschriebener Rundbrief vom 7. Februar 1858 berichtet über die aussichtlosen Verhältnisse der ersten Sektion bereits zwei Jahre nach deren Gründung: "Wie gerne wollte ich Euch berichten, dass auch in Engelberg die Sektion fortbestehe, aber leider scheint das Tälchen für solche Pflanzen nicht geeignet zu sein. Denn trotz aller unserer Anstrengungen konnten wir uns kein drittes Mitglied zugesellen." Die beiden waren die einzig übriggebliebenen, denn vier von den Gründungsmitgliedern waren fortgezogen.[3] 1860 wurde er Ehrenphilister.[4]

Er machte seine Studien in Engelberg, trat 1858 in das Noviziat ein und legte am 10. August 1859 als Fr. Bernhard Profess ab. Die Philosophie und Theologie studierte er 1860/61 in Einsiedeln. 1861/62 studierte er an der theologischen Fakultät in Salzburg Hebräisch, Archäologie und Exegese, sowie Arabisch mit höchster Auszeichnung. 1862 legte er die feierlichen Gelübde ab. Am 31. Oktober 1862 erteilte ihm Bischof Karl Obrist von Basel in Engelberg die Subdiakonats- und am 1. November die Diakonatsweihe. Da er von 1862 bis 1864 seine theologischen Studien in Mainz beendete, erhielt er dort auch die Priesterweihe im Dom zu Mainz am 14. August 1864, zusammen mit seinem Mitbruder Fr. Gregor Jakober, durch Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler. Zu seiner Primiz am 4. September 1864 widmete ihm ein nicht genannter "Jugendfreund" ein gedrucktes vierseitiges Gedicht.

P. Bernhard hatte ein ausgesprochenes Talent für fremde Sprachen. Diese Studien ergänzte er noch durch Erlernung oder Vertiefung der englischen Sprache in Downeside. So war es nur logisch, dass er an der Stiftsschule hauptsächlich für alte Sprachen und Theologie eingesetzt wurde. Von 1864 bis 1866 war er Professor am Gymnasium. 1866 wurde er Professor der Theologie, Archäologie, Hermenetik, Exegese und Italienisch. P. Johann Baptist Troxler schreibt über ihn: "Er war es aber auch, der schon frühzeitig die Bedeutung der modernen Sprachen erkannte und sie mit grosser Ausdauer förderte, zu einer Zeit noch, da noch wenige die enorme Wichtigkeit für das spätere Leben zu würdigen wussten."[5]

P. Bernhard war wohl auch ein guter Prediger, wie in der "Schweizerischen Kirchen-Zeitung" öfters geschildert wird. So predigte er 1867 am St. Josephstag "über das christliche Familienleben in zehn Lebensbildern, in fünf Leidens- und fünf Freudenbildern, aus dem Leben des hl. Joseph. Die geräumige Klosterkirche war von den Thalleuten angefüllt"[6] und im Mai gleichen Jahres hielt P. Gregor die Marianischen Predigten. "Nachdem er die Unzucht in ihrer Lasterhaftigkeit, Abscheulichkeit und in ihren unseligen Folgen gekennzeichnet, stellte er Maria als Muster der Jungfräulichkeit dar und schloss seine gediegenen Kanzelvorträge mit Lebensbildern Heiliger, welche ihre Unschuld durch´s ganze Leben hindurch bewahrt hatten. Diese Abendpredigten wurde sehr fleissig besucht."[7] 1869 bis 1872 war er Archivar, Präses der Bruderschaften und zweiter Unterpfarrer in Engelberg.[8]

Von 1870 bis 1872 lehrte er Rhethorik, Französisch, Italienisch und Englisch. Daneben war er Korrektor mensae und Kapitelssekretär. Auch am 16. August 1875 wird er Professor der Rhetorik mit Englisch und Italienisch erwähnt. Am 27. Juli 1882 wurde er Professor der Philologie bei den Fratres und Unterpfarrer in Engelberg bis 1884. 1887/88 veranlasste P. Bernhard, dass der junge Willi Amrhein aus Engelberg, dessen väterlicher Freund er war, in die erste Klasse des Engelberger Gymnasiums eintreten konnte, wo er aber nicht lange blieb. Amrhein wurde später ein bekannter Kunstmaler.[9] 1889 wurde er von der Schule entlastet, so dass er nur noch Englisch und Italienisch zu lehren hatte.[10]

P. Bernhard starb am 11. Oktober 1899 "an einem acuten Lungenleiden" im Alter von 59 Jahren. Von ihm hielt Abt Anselm anlässlich seines Todes in seinem Tagebuch fest: "Er war der bedeutenste Philologe, der Griechisch, Hebräisch, Englisch, Französisch Italienisch, Spanisch und Portugiesisch verstand. Ein ruhiger und braver Religiose."[11] Als Archivar schrieb er ein Verzeichnis der Abkürzungen in unseren Handschriften unter den Titel: "Ad archivum nostrum pertinentia 1869, P. Bernardus Strebel, secretarius Capituli et Archivarius."[12]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Bescheinigung von Pfarrer Gregor Meng vom 17. Heumonat 1859.
  3. Lusser, Geschichte der Angelo-Montana, S. 7 und 11.
  4. Dazu ist zu erwähnen, dass er nach 1862 nicht mehr in den Mitgliederlisten auftaucht und 1899 auch nicht zu den Verstorbenen gezählt wird. Dennoch fand sich in den Unterlagen keine Austritts- oder Ausschlusserklärung. Vgl. 100 Jahre Angelmontana, S. 7, Anm. 3.
  5. Obwaldner Volksfreund, 14. Oktober 1899.
  6. Beilage zur Schweizerischen Kirchen-Zeitung, Nr. 13, 30. März 1867.
  7. Beilage zur Schweizerischen Kirchen-Zeitung, Nr. 22, 1. Mai 1867.
  8. Acta capitularia IX (1851–1924), StiArEbg cod. 284/1, S. 95.
  9. Nekr. Amrhein, Titlisgrüsse 13, Dezember 1926, S. 43.
  10. Acta cap. 20.
  11. StiArEbg Tagebuch Villiger, Bd. V., S. 299.
  12. Nachrufe: Verfasst von P. Johann Baptist Troxler im Obwaldner Volksfreund, Nr. 41 vom 14. Oktober 1899; ein weiterer in der Schweizerischen Kirchen-Zeitung, Nr. 42, vom 21. Oktober 1899.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 150.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.