Augustin Benziger

Aus Kloster-Engelberg
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Augustin (Johann) Benziger (* 15. September 1870 in Einsiedeln; † 12. September 1930 in Engelberg), Dr. phil. I

Lebensdaten

Profess: 5. September 1892 (feierliche Profess: 7. Juli 1895)

Priesterweihe: 26. Juli 1895

Ämter

Lehrer in der Stiftsschule: 1895–?

Spiritual im Kloster Maria Hilf: 1914–1924

Seelsorger in Ingenbohl: 1924–1928

Lehrer in Altdorf: 1928

Katechet in Fischingen: 1929–1930

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Franz Sales Benziger und Elisabeth Stocker.

Lebensbeschreibung[1]

P. Augustin wurde am 15. September 1870 in Einsiedeln geboren und auf den Namen Johann getauft. Als Gymnasiast der dritten Klasse bat er seinen Vater, nicht den Beruf des Buchdruckers erlernen zu müssen, sondern Priester und Benediktiner werden zu dürfen. So klopfte der 21-Jährige 1891 an die Kloster­pforte in Engelberg und wurde aufgenommen. Am 5. September 1892 legte er Profess ab und am 26. Juli 1895 folgte die Priesterweihe. Die Askese des demütigen, schmiegsamen Sicheinfügens war für ihn nicht immer leicht, doch blieb er seiner Berufung treu.

Zu seinen ersten Aufgaben im Kloster gehörte das Amt des Lehrers. Einer seiner Schüler erinnerte sich: "Wurde aber seine Güte allzusehr missbraucht, so konnte er unheilvoll werden. Da flogen nur so gleich zuckenden Blitzen die Wörter und Sätze des Diktates von seinen Lippen und die Aufgabenhefte von seinem Katheder, und manch ein Ruppikus ward kurzerhand vor die Türe gesetzt. Aber nie war P. Augustin rachsüchtig oder nachtragend. Weil er sein Herz auf der flachen Hand hielt (nicht in der Hand), so liess er uns auch überall hinein­ blicken, nicht nur in die Schubladen seiner Zelle, sondern auch in die Geheimnisse seiner persönlichen Freude und seines gele­gentlichen Unmutes, in die bunten Werkstätten seines künstleri­schen Schaffens und hinter die Kulissen der Theaterbühne, die er so oft befehligte. Er verbarg es uns gar nicht, dass die Schule nicht sein eigenstes Element sei. Er konnte seine hinter einem Unmut sich deckende Freude gar nicht richtig verhehlen, wenn er einmal wegen eines schlecht geheizten Schulzimmers oder eines allzu­ derben Schabernacks eine Schulstunde musste ausfallen lassen. Natürlich hatten wir selber für tüchtige Lüftung gesorgt und spiel­ten dann die Naiven, wenn der einrückende Professor sich über den Aufwart entrüstete."

Zudem war er mehrmals Leiter der Schul­bühne. Dann malte und hämmerte und zimmerte und illuminierte und musizierte er mit; keine Arbeit, mochte sie noch so staubig sein, war ihm zu gering. Und die Stücke, die er aufführte, hatte er zumeist auch selber gedichtet und selber gedruckt. Ein glei­ches gilt auch von seinen Unterhaltungen im Grossen Saal. Beinahe alles war sein Werk: Seinem Geist entstammten die Gedichte, selber übte er ihren Vortrag, selber schrieb, zeichnete und vervielfältigte er die Programme. Einige Jahre dirigierte er ausserdem die Blechmusik der Studenten. Er spielte mehrere Instrumente: Violine, Cello, Harfe, Klavier, Trompete. Später, auf dem Gubel, nutzte er den Phonographen.

1914 wurde er, nachdem er 1909 in Freiburg das Doktorat erworben hatte, als Spiritual in das Kloster Maria Hilf auf den Gubel entsandt. 1924 begann seine Tätigkeit in Ingenbohl, 1928 musste er eine Professur in Altdorf übernehmen und im folgenden Jahr wurde er Katechet in Fischingen. Gerade in den letzten Jahren seines Lebens hing er an seinem Heimatkloster Engelberg. Gern und oft kehrte er in Ferienwochen dahin zurück, und er fühlte sich wohl und glücklich im Kreis seiner Mitbrüder. Und wenn ein Mitbruder ihn in seinen stillen Klausen besuchte, so war er die Gastfreundlichkeit und Liebe sel­ber. Er starb auf dem Weg nach Engelberg, um Heilung und Erholung zu suchen von einem arglos scheinenden Leiden. Er verliess Fischingen im Auto, doch ärztliche Untersuchung und Weisung brachten in Luzern wider Erwarten einen Unterbruch und zwangen ihn ins Spital, wo er am 12. September 1930 starb.

Werke[2]

  • Resumé de la littérature française, Einsiedeln 1901.
  • Herodes. Operntext. Musik v. P. Chrysostomus Dahinden und P. Bonifaz Graf, Einsiedeln 1901.
  • Marienlob. Gedichte, Einsiedeln 1903.
  • König Saul. Dramatisches Singspiel. Musik v. P. Ambros Schnyder und P. Franz Huber, Einsiedeln 1904.
  • Abt Salomo III. von St. Gallen. Schauspiel. K 1905.
  • P. Mauritius von Menzingen, ein Sänger aus dem Urserntal, in: Schweizer Rundschau 8 (1907/1908) 138-149.
  • Der schwarze Ritter. Romantische Oper. Musik v. P. Franz Huber. St. Gallen 1909. Übers, frz.
  • Johannes Parricida. Historisch-romantische Oper. Musik v. Otto Müller, Sarnen 1910.
  • Beiträge zum katholischen Kirchenlied in der deutschen Schweiz nach der Reformation. (Diss.) Sarnen 1910.
  • Arnold von Melchtal. Schauspiel. K 1912.
  • Der schwarze Schuhmacher. Drama, Zug 1912.
  • Geschichte der deutschen Literatur. Goss Augsburg 1912.
  • Die Tochter des Hohenpries-ters. Kantate. Musik v. P. Franz Huber. Baldegg 1913.
  • Der Dichter P. Marianus Roth (1597-1663), in: Festschrift Angelomontana 201-273.
  • P. Marian Roth, ein Schuldramatiker aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in: PädBl 21 (1914) 4-8, 46-49, 57-60.
  • Bunte Blätter. Gedichte Engelberg 1914.
  • Safian. Komische Operette. Musik v. P. Franz Huber. Aarau 1917.
  • Bruder Klaus. Dichtung, Einsiedeln 1917.
  • Liedersammlung über Bruder Klaus aus alter und neuer Zeit, Sarnen 1917.
  • Der Meereskönig. Romantische Oper. Musik v. P. Franz Huber. o.O. 1918.
  • Festspiel zum Jugendfest in Lachen. Musik v. P. Leopold Beul. o.O. 1920.
  • Festschrift zum 50jährigen Jubiläum der Waisen- und Erziehungsanstalt St. Iddazell in Fischingen, Fischingen 1929.
  • Kloster Gubel, Engelberg, 2. Auflage 1932.
  • Die Dschinnen. Märchenoper. Musik v. P.Franz Huber, Engelberg, 3. Auflage 1947.

Professnummer

  • Nr. 677

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 17, 1930/31, S. 15-20, übernommen.
  2. Aus dem Eintrag in der Benediktinischen Bibliografie.

Bibliographie

  • Nachruf P. Augustin Benziger, in: Titlisgrüsse 17, 1930/31, S. 15-20.