Adelhelm Odermatt

Aus Kloster-Engelberg
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Adelhelm (Karl) Odermatt (* 10. Dezember 1844 in Stans; † 6. November 1920 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 29. September 1866

Priesterweihe: 3. Mai 1869

Primiz:

Ämter

Lehrer in der Stiftsschule: 1870–1873

Missionar in Amerika: 1873–1900

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Peter Odermatt und der Josepha Gandener.

Paten: Joseph Karl Gandener und Katharina Josefa Odermatt.

Lebensbeschreibung[1]

Die Odermatts stammen vom Weiler Diegisbalm oberhalb Wolfenschiessen, sind aber auch Gnossen von Stans. In Ennetmoos bei Stans wurde Karl Joseph als Sohn des Peter Odermatt und der Josepha Gandener am 10. Dezember 1844 geboren und in der Pfarrkirche Stans getauft. Taufpaten waren Joseph Karl Gandener und Katharina Josefa Odermatt. Gefirmt wurde er am 7. September 1866 durch Bischof Kaspar von Karl von Chur. Er besuchte das Stiftsgymnasium in Engelberg, wo er am 29. September 1865 in das Noviziat eintreten konnte. Für den Eintritt in das Kloster hatte ihm sein Pfarrer, Kommissar Niederberger am 23. April 1866 ein bestes Zeugnis mit Empfehlung mitgegeben. Am 29. September 1866 konnte er als Fr. Adelhelm die einfache Profess ablegen, am 29. September 1869 die feierliche. Die Theologie absolvierte er im Kloster unter Leitung der Patres Heinrich Schiffmann und Bernhard Strebel, deren Zeugnisse vorliegen. Die Philosophie absolvierte er möglicherweise in Einsiedeln. Er für ein Jahr zum Studium nach Salzburg.[2]

Am 3. Mai 1869 wurde er in St. Gallen zum Priester geweiht.[3] Nach seiner Priesterweihe wirkte er von 1870 bis 1873 als Lehrer der zweiten und dritten Klasse und für den Französischunterricht an der Klosterschule. Weiter war er Subkustos, Unterpfarrer und Katechet in Engelberg, wo er mit P. Frowin Conrad, der Pfarrer in Engelberg war, wirkte. 1873 sandte Abt Anselm Villiger ihn zusammen mit P. Frowin Conrad nach Missouri in die USA, um dort ein neues Kloster zu gründen. Beide hatten sich freiwillig gemeldet. Am 27. April 1873 verliessen sie Engelberg und gelangten über Einsiedeln und Beuron nach Le Havre und bestiegen dort am 9. Mai das Schiff nach New York, wo sie am 20. Mai glücklich anlangten.[4] Während P. Frowin die Klostergründung in Conception in die Hand nahm, betreute P. Adelhelm die finanziell und religiös verwahrloste Pfarrei Maryville. Mit seinem pastoralen Eifer verstand er es, die Pfarrei zu heben, wobei er in den Schwestern - die ersten fünf kamen 1874 vom Kloster Maria-Rickenbach - grosse Hilfe fand. So bemerkte sein Bischof von St. Joseph 1880, er habe in sieben Jahren aus einer der schlechtesten Pfarreien eine der besten und eifrigsten gemacht.[5] Und P. Frowin bemerkte in einem Brief an Abt Anselm: "P. Adelhelm ist sehr geliebt von seinem Volk." 1881, nach Jahren unermüdlicher Seelsorge musste sich P. Adelhelm aus gesundheitlichen Gründen jedoch von seiner Pfarrei Maryville trennen. Der Arzt riet ihm dringend, ein gesünderes Klima im Westen Amerikas aufzusuchen. Hinzu kam, dass zwischen P. Frowin und P. Adelhelm unterschiedliche Auffassungen über den in Conception zu verwirklichenden Klostertyp zutage traten, die das gute Einvernehmen der beiden Gründerpioniere trübten.[6]

Am 9. Juni 1881 verliess er zusammen mit P. Nikolaus Frei Conception-Maryville und sie zogen in den Westen Amerikas um dort die Möglichkeit einer klösterlichen Neugründung zu prüfen. Sein Wegzug von Maryville wurde allgemein beklagt, besonders von den Kindern. Nach langem Rekognoszieren fand P. Adelhelm im Staat Oregon einen schönen Hügel, worauf er sein "Schweizerkloster" bauen wollte.[7] Am 17. Juni 1882 kehrte er nach Engelberg zurück, um mit Abt Anselm Villiger und dem Kapitel über eine Möglichkeit einer Neugründung zu sprechen. Diese waren einverstanden und Abt Anselm gab ihm dem Auftrag, die in Oregon in Aussicht genommene Klostergründung in die Hand zu nehmen. Das Kapitel hatte gewünscht, man sollte im Voraus wissen, wer mit nach Amerika gehen wolle und die Leitung übernehme. So wurde P. Adelhelm als Prior des neuen Konventes bestimmt. Als Leiter einer ansehnlichen Missionsexpedition kehrte P. Adelhelm dann am 23. September 1882[8] nach Amerika zurück. Mit dabei waren von Engelberg die Patres P. Beda Horat, P. Barnabas Held, P. Anselm Wachter, P. Nikolaus Frei und Br. Theodul Würsch für die Gründung der Mount Angel Abbey.[9] Dazu kamen mehrere Schwestern von Maria-Rickenbach für die Neugründung des Frauenklosters Queen of Angels Convent in der Nähe des Männerklosters Mount Angel mit und noch drei Schwestern des Frauenklosters St. Andreas in Sarnen für eine Gründung im Staate Idaho.[10] 1882 wurde P. Adelhelm also erster Prior von Mount Angel. Mit viel Eifer betätigte er sich neben der Klostergründung wie in Maryville auf dem Feld der Missionierung.

1884 konnte er mit grosser Freude den Grundstein für das Priorat St. Benedikt in Mount-Angel legen.[11] Abt Anselm rühmt ihn, er sei ein guter musterhafter Ordensmann, der grösste Opfer und Mühen auf sich nahm, aber in Geldsachen zu grosszügig, unerfahren, vertrauensselig und zu wenig Geschäftsmann sei und daher viele Schulden auf sein Kloster lud. Andererseits unternahm er nach dem Brand des Klosters am 3. Mai 1892 weite Bettelreisen, gar bis nach New York, und sammelte bedeutende Summen für den Wiederaufbau.[12] Er veranlasste, dass auch andere Patres und Schwestern des Frauenklosters Maria Königin der Engel sich ebenfalls an solchen Bettelreisen beteiligten. Am 5. Februar 1886 konnte er bei einer Visitation bei den Sarner Schwestern das neue Schwesternhaus in Uniontown im Staat Washington, wo 1885 der Grundstein gelegt wurde, einsegnen.[13]

1888 hielt sich P. Adelhelm bei einem Besuch in der alten Heimat auch im Kloster Maria-Rickenbach auf. Er hatte in Sturgis in den Black Hills von Süd-Dakota ein Benediktinerinnenkloster gegründet und suchte nun in der Schweiz neue Mitglieder für diese Gründung. P. Adelhelm wusste so begeisternd von der Missionsaufgabe in Amerika zu berichten, dass drei Melchtaler Schwestern, die nach ihrem Noviziat in Melchtal, aber auf Weisung des Regierungsrates von Obwalden, ihre Profess am 27. Oktober 1887 im Kloster Maria-Rickenbach ablegen mussten, sofort ihr Ja-Wort für Amerika gaben. Dieser Entschluss war für den Schwesternkonvent von Melchtal und ihren Spiritualen P. Berchtold Fluri eine schwere Kränkung. Doch die Schwestern blieben bei ihrem Entscheid und erhielten den Segen von Abt Anselm Villiger. Ein Jahr später meldeten sich auf ein Gesuch weitere fünf ältere Melchtaler Schwestern für diese Mission.[14]

Am 4. Mai 1900 übertrug er seine Profess nach Mont Angel und verlor damit alle Rechte seines Heimatklosters Engelberg. Nach der Erhebung von Mont Angel zur Abtei im Jahre 1904 stellte ihm der erste neugewählte Abt Thomas Meierhofer am 19. Mai 1904 die Urkunde der Professübertragung aus.[15] Am Vorabend seiner Abtweihe am 28. Juni wurde P. Adelhelm als Prior und Nachfolger des neuen Abtes erhoben.? Am 27. Sept. 1913 war er zur Klosterfamilie nach Mont Angel übergetreten; (ist doch schon 1904???) jetzt aber ersuchte er dringend, man möge ihm die ..eartätspflichten von Seite Engelbergs trotzdem zusichern, er werde auch seinerseits die entsprechenden Pflichten erfüllen.[16] Damit nahm er den Verzicht auf das Mutterkloster wieder zurück. Für seine großen Verdienste erhob Papst Benedikt XV. P. Adelhelm 1916 zum Honorarabt. So durfte er zu seinem Goldenen Profeßjubiläum erstmals ein Pontifikalamthalten.[17] Am 18. Mai 1919 feierte er bei einem Besuch in seiner Heimat in Engelberg sein goldenes Priesterjubiläum und am 24. Mai, unter grosser Anteilnahme des Volkes, in seinem Geburtsort Stans. Dabei wirkte Abt Basil Fellmann von Engelberg als geistlicher Vater mit und Abt Thomas Bossard von Einsiedeln hielt die Festpredigt. Abt Basil hielt in seinem Tagebuch fest: "Er ist immer noch der alte, für alles Gute begeisterte Ordensmann. Trotz seiner 75 Jahre ist er von jugendlicher Beweglichkeit. Aber ein kritischer Geist zumal in religiöser Hinsicht ist er nie gewesen."

P. Adelhelm starb mit 76 Jahren am 6. Nov. 1920 bei einer Seelsorgsaushilfe in Portland an einem Schlaganfall. Im Klosterfriedhof von Mont Angel wurde er begraben. (P. Gall schreibt, in der Klosterkirche) Die Zeremonie und die Leichenrede hielt der Erzbischof von Portland.[18] Wie schon aus der Lebensbeschreibung herausgehört, war P. Adelhelm Odermatt weniger Organisator und Verwalter als Seelsorger sowie Anreger und Geldsammler für seine Gründungen. Das wird wohl auch ausschlaggebend gewesen sein, weshalb er nicht zum Abt gewählt wurde, als Mount Angel 1904 den Rang einer Abtei erhielt.

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Zu den niederen Weihen liegen keine Daten vor, die Unterlagen der Weihedaten liegen in Amerika in Mount Angel.
  3. Biogr. Benedictina.
  4. StiArEbg Tagebuch Abt Villiger Bd. I, S. 107.
  5. StiArEbg Tagebuch Abt Villiger, Bd. IV, S. 84.
  6. Bösch, Die Benediktinerinnen von Maria Rickenbach, 2003, S. 68.
  7. StiArEbg Tagebuch Abt Villiger, Bd. IV, S. 101.
  8. P. R. Bürcher nennt den 26. September.
  9. StiArEbg Tagebuch Abt Anselm Villiger, Bd. IV, S.169.
  10. Bösch, Die Benediktinerinnen von Maria Rickenbach, 2003, S. 68.
  11. StiArEbg Tagebuch Abt Anselm Villiger, Bd. IV, S. 227.
  12. StiArEbg Tagebuch Abt Anselm Villiger, Bd. V, S. 89 und 196.
  13. P. R. Bürcher, S. 66.
  14. P. M. Jäger: 1866 – 1966 Benediktinerinnenkloster Melchtal, S. 57-56.
  15. Tagebuch Abt L. Scherer, Bd.I, S. 236.
  16. Acta Cap. 1916, S. 339.
  17. Titlis-grüsse 1916 Nr. 2, S. 14.
  18. Strälplätzli 1920 Nov. Über ihn erschienen Nachrufe im „St. Josefsblatt“, 19. Nov. 1920, Nr. 47; in den „Titlisgrüssen“ 1920, Heft II, S. 14f. und ebd. Heft VI, Febr. 1920, S. 79f.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 152.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.