Wolfgang Iten

Aus Kloster-Engelberg
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Wolfgang (Vital) Iten (* 18. Dezember 1712 in Ägeri; † 2. Januar 1769 in Auw)

Lebensdaten

Profess: 20. Februar 1729

Priesterweihe: 17. Dezember 1735

Primiz: 1. Januar 1736

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1735–1737

Kapellmeister: 1737–17?

Lehrer der Fratres: 1738–1743

Vestiar: 1741–1743

Präzeptor: 1743–17?

Krankenbruder: 1746–1754

Subprior: 1746–1754

Pfarrer in Engelberg: 1744–1749

Brüderinstruktor: 1744–1749

Pfarrer in Auw: 1759, 1762–1769

Pfarrer in Sins: 1759–1762

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Johann Franz Iten, Advokat, und der Anna M. Hasler.

Paten: Pfarrer Wolfgang Hasler und Anna M. Iten.

Firmpate: Jakob Iten.

Lebensbeschreibung[1]

Die Iten stammen zu einem grossen Teil aus Unterägeri. Hier wurde P. Wolfgang am 18. Dezember 1712 den Eltern Johann Franz Iten, Advokat in der Furen, und der Anna M. Hasler, Schwester des Pfarrers Wolfgang Hasler, geboren und in der dortigen Pfarrkirche auf den Namen Vital getauft. Der Taufschein nennt als Paten: Pfarrer Wolfgang Hasler und Anna M. Iten. Die Firmung spendete, der Internuntius Bataglino am 9. Juli 1715 in Einsiedeln, wobei Jakob Iten Pate war. Der Taufzettel wurde am 17. Februar 1729 von Pfarrer Wolfgang Hasler, Kammerer, auf die Profess hin ausgestellt. Mit einem gewissen Stolz schreibt er: "Dedi ad Aquas Regias" (lat. Name für Aegeri).

Dass Vital den Weg in unsere Klosterschule fand, geht auf Abt Maurus Rinderli zurück, der mit Pfarrer Hasler als Zuger Landsmann eng befreundet war. Der Onkel Pfarrer war es auch, der zu einem guten Teil für die Studienkosten des Neffen aufkam. So zahlte er am 17. November 1717 an Kostgeld 62 gld.[2] Ein Bruder Vitals, Maurus Franz Iten machte seine Studien ebenfalls in Engelberg und feierte seine Primiz am 29. September 1749 in Engelberg. Vital blieb bis 1728 an der Schule, trat dann ins Noviziat ein und legte am 20. Februar 1729 die Gelübde ab. Am 23. Februar 1729 zahlte der Vater 100 gld als Aussteuer und die Auslagen für das Noviziat im Betrag von 17 gld 36 s.[3]

Nach dem Brand von 1729 kam er mit anderen Fratres und P. Emanuel Crivelli nach Muri zum Studium der Theologie und kehrte 1733 von dort zurück. Den Subdiakonat erhielt er am 19. Dezember 1733 durch den Nuntius Giovanni Battista Barni in dessen Hauskapelle, den Diakonat am 5. März 1735 ebendort und den Presbyterat am 17. Dezember 1735 mit Dispens wegen mangelnden Alters, ausgestellt von Papst Clemens XII. P. Wolfgang feierte die Primiz am 1. Januar 1736 in Aegeri, weil die Klosterkirche in Engelberg nach dem Brand erst noch im Bau begriffen war. Das Pfarrbuch von 1735 sagt darüber: "Am folgenden Sonntag, also am Neujahrstag, wird der wohlehrwürdige P. Wolfgang Iten zu Weil oder Unterägeri seine erste Messe halten. Von unsern Patres wird P. Subprior - Plazidus Fuchs, der gegenwärtig hier weilt, und P. Gross­kellner Karl Breni und Br. Konrad Iten teilnehmen, sowie zwei Vertreter der Behörden des Tales".[4] Am 8. Januar hielt er dann im "Holzhaus", der damaligen Ersatzkirche, eine Nachprimiz für Kloster und Tal. Geistlicher Vater war Patritius Hasler, wohl ein naher Verwandter.[5]

Nach der Rückkehr von Muri und nach dem Abschluss der Studien wurde P. Wolfgang 1733 zweiter Archivar. P. Ildephons Straumeyer rühmte ihn, er sei unermüdlich im Helfen, beim Sammeln und Kopieren von Urkunden und Musikalien, sodass er nie müssig war.[6] Als 1735 die Schule wieder eröffnet war, ernannte ihn der Abt zum Lehrer der Philosophie.[7] Am 15. Juli 1735 war er Lehrer der Physik, am 27. Oktober 1737 Lehrer der Rhetorik, dazu erster Kapellmeister. Am 7. November 1738 erfolgte seine Ernennung zum Lehrer der Philosophie der Fratres, am 15. April 1741 zum Lehrer der Moral und zum Musiklehrer an der Schule, am 8. Juni des gleichen Jahres noch zum Director chori und Vestiar. Am 31. Mai 1743 wurde er auch Präzeptor oder Leiter der Schule. 1746 bis 1754 war er Subprior, Präses der Rosenkranzbruderschaft, Krankenbruder und Musiklehrer der Fratres. 1744 bis 1749 war er Pfarrer von Engelberg und Brüderinstruktor.

Am 14. Juni kam er als Pfarrer nach Auw, im Dezember 1759 als Pfarrer und und Ökonom nach Sins; 1762 war er nochmals Pfarrer in Auw, wo er am 2. Januar 1769 starb. Als Pfarrer in Sins und Auw wirkte er eifrig und soll bei der Bevölkerung sehr beliebt gewesen sein. Er war tüchtig als Mann der Wissenschaft wie als Musiker. Zeugen dafür sind seine Predigten und seine Leistungen in der Schule. Er muss seit 1740 ein Beinleiden gehabt haben, das ihn mehrfach zu ärztlicher Behandlung nötigte, so bei Dr. Stulz in Stans und dem Chirurgen Viktor Alois Businger in Stans,[8] der ihm eine künstliche Fontanelle machte. Schon am 5. August 1742 war er in Behandlung beim Chirurgen Bodenmüller in Einsiedeln.[9] Vielleicht als eine Art Rekonvaleszenz wurde ihm 1740 und nochmals 1742 eine Vakanz gewährt.

Am 30. Juni 1742 nimmt er an der Schule der Jesuiten in Luzern an einer theologischen Disputation teil. Am 11. August 1742 wirkt er bei der Sekundiz von Kommissar Andermatt in Stans, zusammen mit Fr. Leodegar, dem spätern Abt, als Trompeter mit. Am 21. August 1742 bezog er vom Chirurgen Bodenmüller in Einsiedeln Heilpflaster und zahlte in der anschliessenden Vakanz am 14. Oktober den Kapuzinern 6 Mass Wein.[10] Am 23. Februar vertrat er das Kloster beim Grossen Rat in Stans am Schmutzigen Donnerstag. Am folgenden 4. Oktober hielt er am Fest des heiligen Franz die Ehrenpredigt und zahlte den Kapuzinern 6 Mass Wein.[11] 1740 machte er als Subprior in Einsiedeln eine Kur. 1749 war er Begleiter des Abtes Maurus Zingg zur Abtsweihe in Chur. Jede weitere Begleitung lehnte der neue Abt ab.[12] Im Januar 1769 hielt er die Leichenpredigt beim Tod des Sextars, Peter Mäder von Sins, in Beinwil.[13]

Von P. Wolfgang stammt der Bericht über die Kirchweihe in Engelberg von 1745.[14] P. Wolfgang war aber auch eifriger Komponist und Musiker.[15] Über seine Kompositionen gibt P. Franz Huber in der Festschrift Angelomontana 1914, S. 419 f beste Aufschlüsse. Er zählt insgesamt 44 Nummern auf, die zum Teil in der Musikbibliothek Engelberg, 63 im Frauenkloster Sarnen liegen. Von P. Wolfgang ist in Cod. 294 der Stiftsbibliothek erhalten: "Unseres Heylands Jesu Christi bitteren Leidens und Sterbens lebhaft und anmüthige Vorstellung in einem geistlichen Trauerspihl auf den heiligen Charfreytag, gehalten in der Pfarrkirche zuo Auw anno 1757, den 8. Aprill. Verfasst nach den vier Evangelisten von R. P. Wolfgang Iten, Pfarrer in Auw. 45 fol. in 4t. Auch die "Tragödia gennanice de Passione Domini" in Cod. 215 der Stiftsbibliothek stammt von P. Wolfgang.[16] Die Umarbeitung der italienischen Texte für die vierzig Arien des Luzerner Komponisten Meyer von Schauensee in lateinisch-kirchliche Poesie besorgte der mit Meyer befreundete P. Wolfgang 1748, damals Subprior.[17] In Cod. 784 der Stiftsbibliothek ist eine "Logicaminor" überliefert, die er als Professor der Philosophie bei den Fratres vortrug. Sie ist datiert: 1738. Am 30. März 1956 (Karfreitag) wurden unter der Leitung von Musikdirektor Kasimir Zayak in Altdorf "Drey kurtze Gesänge" von Radio Basel zur Aufführung gebracht, die in der Musikbibliothek im Frauenkloster Sarnen liegen.[18]

Die drei Gesänge von 1956:

  • 1. Gesang vor dem Hohen Donnerstag, nemblich die Sterkung Christi durch den Engel.
  • 2. Andechtig-geistlich Gesang zu Christo an den Creutz.
  • 3. Andechtig-geistliche Aria von dem leidenden Heyland.[19]

P. Wolfgang wurde besonders bekannt durch seine zwei Passionsspiele, die ihn unter die letzten Vertreter der Engelberger Bühnenkunst des 18. Jahrhunderts einreihen. Den Philosophen und Theologen verleugnete P. Wolfgang auch auf der Bühne nicht, wenn er seine Argumente oft in die strenge Form der Dialektik kleidete und mit Vorliebe allegorische Figuren auftreten liess, die in reicher Symbolik und bildhafter Sprache reden. Der Dichter war ja auch selber Komponist, dem die Melodien überaus leicht aus der Feder flossen und der darum seine eigenen Spiele durch gefällige musikalische Einlagen bereichern konnte. Sein Lehrer auf dem Gebiet der Musik war P. Benedikt Deuring. Ob er die von ihm verfasste Kompositionslehre vor allem für P. Wolfgang bestimmte, ist nicht sicher, aber wahrscheinlich.[20]

Abschliessend sei noch die überaus wohlwollende Würdigung beigefügt, die P. Wolfgang in den "Viri illustres" des Abtes Karl Stadler gefunden hat: "In ihm leuchtete eine ausserordentliche Schärfe des Geistes, eine unglaubliche wissenschaftliche Vielseitigkeit und, was ihn besonders vor andern auszeichnete, eine wunderbare Leichtigkeit hervor, sich in Wort und Schrift auszudrücken. Dazu kam, dass er alle diese vorzüglichen Talente nicht zu eitlem Schein und Ruhm benützte, sondern zu dem, was der Gehorsam und die Liebe zum Heil der Seelen von ihm verlangte. Er war so glücklichen Geistes, dass es ihm ein Spiel war, Verse zu schreiben. Hätte er in seinem späteren Leben dieses Talent mehr ausgebildet, so würde er ohne Zweifel den nächsten Preis der Dichtkunst erreicht haben. P. Wolfgang war mit so vielen anziehenden Eigenschaften ausgestattet, dass niemand hätte liebenswürdiger sein können. Niemals war er traurig, immer sich selbst gleich: freundlich und dienstfertig, zugänglich für jedermann, fesselte er durch diese seine angeborene Leutseligkeit alle an sich."[21]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. StiArEbg Rechnungsbuch 1717, 17. November 1717.
  3. StiArEbg Rechnungsbuch 1717, 23. Februar 1729.
  4. StiArEbg Pfarrbuch 1735.
  5. Iten, Tugium sacrum I, 215.
  6. Straumeyer, Annales 6, StiArEbg cod. 226, S. 4f.
  7. Ibidem.
  8. StiArEbg, cod. 43/33 (Rechnungsbuch 1729-1749), S. 455, Eintrag zum 24. Januar 1744.
  9. StiArEbg Rechnungsbuch 1742.
  10. StiArEbg Rechnungsbuch 1742.
  11. StiArEbg Rechnungbuch 1743.
  12. StiArEbg, cod. 244, Copiarium monasterii Angelomontani VIII, S. 393.
  13. StiArEbg Rechnungsbuch Sins 1768 ff.
  14. Hess, Schriften zur Heimatkunde 13, 1945.
  15. Hess, J. H. P. Marian Rot, Basel, 1927, S. 55, 56 und 241.
  16. Hess J. H. P. Marian Rot a. a.O. 55.
  17. Vgl. Koller, Franz Josef Leonti Meyer von Schauensee, Frauenfeld, 1922, S. 21 und 56.
  18. Vgl. Obw. Volksfreund 1956, Nr. 52. Vgl. auch Vogel, Adalbert, Catalogus biographicus, Stiftsbibliothek Engelberg, S. 123.
  19. Obw. Volksfreund 1956, Nr. 25. Über W. Iten cf. auch Iten, Tugium sacrum II, S. 35.
  20. Heer, Aus der Ver­gangenheit.
  21. Stadler, Viri illustres, S. 287.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 127.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.