Walter Mirer

Aus Kloster-Engelberg
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Walter Mirer (* unbekannt; † 12. November 1420 in Engelberg)

Ämter

Pfarrer in Küssnacht: 1377–?

Abt: 1398–1420

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Konrad und der Hemma Mirer.

Lebensbeschreibung[1]

Sohn des Konrad und der Hemma Mirer.[2] Die Familie wird seit Mitte des 14. Jahrhunderts unter den Luzerner Stadtbür­gern aufgeführt, stammt aber ursprünglich aus Uri.[3] 1377 wurde Walter als Mönch von Engelberg von Abt und Bischof auf die Pfarrei Küssnacht SZ berufen. Aber erst eine Verfügung Papst Urbans VI. verschaffte ihm bei den Kirchgenossen Anerkennung.[4] Die Wahl zum Abt von Engelberg erfolgte zwischen dem 9. Februar und 15. März 1398.[5] Er war sehr darauf bedacht, das Kloster wirtschaftlich zu heben und seine Rechte zu wahren. Am 1. Januar 1400 bestätigte ihm Papst Bonifaz IX. die Patronatsrechte von Lungern, Brienz BE, Stans, Buochs, Kerns und Küssnacht.[6] Am 25. Februar 1402 liess er die Rechtsansprüche im Vierwaldstättersee klären.[7] Am 15. November 1406 gab er das Rebgelände am Bielersee in Erbpacht, da der Eigenbetrieb bei der weiten Entfernung er­schwert war.[8] Am 10. Juli 1418 kaufte er die Herrschaft und den Turm von Merlischachen bei Küssnacht.[9] In der Amtszeit Walter Mirers musste sich das Kloster heftiger Angriffe von seiten der Nidwaldner erwehren, die ihre Grenzen auf Kosten des Klosters ausdehnen wollten.[10] Die Verhängung des Kirchenbannes über die Leute von Stans bildete den Höhepunkt des ganzen Streites.[11] Um sich vor weiteren Übergriffen zu schützen, liess Abt Walter am 26. Januar 1415 von König Sigmund alle Rechte und Freiheiten des Klosters bestätigen.[12] Der in Konstanz gewählte Papst Martin V. nahm am 17. Januar und 28. Februar 1418 die beiden Konvente in seinen besonderen Schutz.[13] Der Abt nahm an einigen Sitzungen des Konzils von Konstanz persönlich teil.[14] Walter Mirer hat sich auch literarisch betätigt. Mit zwei Mitbrüdern ver­ fasste er ein Osterspiel oder eher eine liturgische Osterfeier mit Musik, die 1372 in der Klosterkirche uraufgeführt wurde.[15] Als Pfarrer von Küssnacht kopierte er ein Handbuch der praktischen Moral von Bartholomäus von Pisa.[16] Abt Walter Mirer starb am 12. oder 13. November 1420.[17]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von der Helvetia Sacra (III I, S. 621f) übernommen.
  2. Kirchenlade Küssnacht SZ, Jahrzeitbuch von 1639, f. 274 zum 2. Oktober. StiBiEbg cod. 26, f. 17r (1. September).
  3. Durrer, Familiennamen, S. 146.
  4. Thomas Stocker, Die ältesten kirchlichen Verhältnisse der Gemeinde Küssnacht zu dem Gotteshause Engelberg, in Geschichtsfreund 24, 1869, S. 246-300, bes. S. 253-270.
  5. 9. Februar: Todestag des Vorgängers; am 15. März Quittung über von Abt und Konvent bezahlte Zinse an die apostolische Kammer, s. Urkunden Engelberg, Nr. 413.
  6. Ib., Nr. 420.
  7. Ib., Nr. 429, vgl. auch Nr. 440.
  8. Ib., Nr. 441 (rechts- und wirtschaftsgeschichtlich bedeutsamer Vertrag).
  9. Ib., Nr. 479. Hess, Merleschachen, S. 152-158.
  10. Urkunden Engelberg, Nr. 433 (zur Datierung vgl. Anm. 1), S. 453, 455f.
  11. REG 3, Nr. 8203. Heer, Vergangenheit, S. 110-121.
  12. Urkunden Engelberg, Nr. 469.
  13. Ib., Nr. 472f.
  14. StiArEbg cod. 257, p. 64.
  15. StiBiEbg cod. 314, f. 75-78. Gottwald, Catalogus, S. 219. Wolfgang Hafner, Das Engelber­ger Osterspiel, in Gossauer Tagblatt "Der Fürstenländer", 1957, 20. April.
  16. StiBiEbg cod. 262. Gottwald, Catalogus, S. 198.
  17. StiBiEbg cod.11, f. 41v. (12. November) Jahrbücher Engelbergs, S. 112 (13. November).

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense, Luzern 1882, S. 32.
  • Heer, Gall: Aus der Vergangenheit von Kloster und Tal Engelberg 1120–1970, S. 115-122.
  • Helvetia Sacra III I, S. 621f.
  • Stauffacher, Mathias: Walter Mirer, in e-HLS.