Viktor Guldimann

Aus Kloster-Engelberg
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Viktor (Arnold) Guldimann (* 13. Februar 1899 in Olten; † 27. März 1959 in Luzern)

Lebensdaten

Profess: 18. Oktober 1921

Priesterweihe: 6. Juni 1925

Primiz: 7. Juni 1925

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1925–1931

Lehrer an der Realschule: 1928–1933

Unterpfarrer in Engelberg: ?

Professor am Priesterseminar in Yaoundé, Kamerun: 1933–1936

Pfarrer, Schul- und Seminarleiter in Otélé, Kamerun: 1936–1957

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Theodor Guldimann und der Anna Hengartner.

Lebensbeschreibung[1]

Der Solothurner Arnold Guldimann hatte in Lostorf seinen Heimatort, doch wurde er in Olten und wuchs da auf. Der Vater versah den Posten eines Weichenchefs. Seine Mutter war Ostschweizerin aus Waldkirch. Nach Aussage seiner jüngeren Schwestern soll sie ihren Arnold nicht nicht wenig verwöhnt haben. In Olten hatte der kleine "Guldi", wie die Kameraden den langen Namen zu kürzen beliebten, die Primar- und Bezirksschule durchlaufen und kam dann nach Beromünster in die Mittelschule. An diese Stätte sei er ersten Gymnasialjahre bewahrte P. Viktor zeitlebens eine dankbare Erinnerung, an seine Professoren, aber auch an das Kosthaus der Familie Räber, das ihm beim Fehlen eines Internats während dieser Jahre zum trauten Heim wurde und ihm die eigene Familie zu ersetzen suchte.

Die Übersiedelung an die Engelberger Stiftsschule am 4. Oktober 1916 bedeutete für den an das freiere Leben des "Meuschterers" gewöhnten Rhetoriker eine gewisse Umstellung. Das Heimweh plagte ihn. Aber seine umgängliche Art liess ihn bald in die Klasse hineinwachsen. Zudem fand er immer mehr Freude an Gesang und Musik, machte im Orchester und der Blechmusik der Schüler mit und beteiligte sich als geübter Violinspieler an dem "Bauernorchester", mit dem seine Klasse im Lyzeum viel zur Unterhaltung beitrug. Auch den grossen B-Bass meisterte er. Später war er im Kloster jahrelang eine willkommene Kraft im Orchester als Bratschist, und im Kirchengesang als Tenor. Auch der Debattierklub unter der Führung von P. Bonaventura Egger, dem späteren Abt, hatte es ihm angetan; hier erwies er sich als wortgewandten, temperamentvollen Verfechter seiner, vorab politischen, Ideen. Hatte er schon in Olten auf der Bühne debütiert, so stellte er, sich auch im Kollegitheater gern zur Verfügung, vor allem in der bekannten Rolle des Clarin in Calderons "Leben ein Traum". Nicht umsonst konnte er in seiner Freude über das abwechslungsreiche Leben am Kollegium gelegentlich schreiben: "Es ist halt doch schön in Engelberg."

In den geistlichen Exerzitien der achten Klasse entschied er sich nach reiflicher Überlegung für ein Leben im Kloster. Als Füsilier musste er in Liestal erst noch in die Rekrutenschule. Dann trat er am 6. Oktober 1920 in Engelberg ein. Ein Jahr später legte er in die Hand des Abtes Basil Fellmann die Profess auf den Namen des Solothurner Patrons Viktor ab und feierte am 7. Juni 1925 seine Primiz, nachdem er tags zuvor durch Erzbischof Raymund Netzhammer OSB in Einsiedeln die Priesterweihe empfangen hatte.

Die ersten Jahre klösterlichen Wirkens brachten dem vielseitig begabten und berufsbegeisterten jungen Ordensmann ein reiches Mass an Arbeit. 1925 bis 1931 war er Lehrer am Gymnasium, vor allem für Mathematik und Zeichnen, von 1928 bis 1933 auch an der Realschule. Daneben versah er die Ämter eines Sub-Bibliothekars und des zweiten Unterpfarrers in Engelberg, für kürzere Zeit auch des Gehilfen des P. Grosskellners und während eines Jahres die Seelsorge im Grafenort. Im Herbst 1932 zogen die ersten drei Missionare, die Patres Raphael Meile, Karl Schmid und Fidelis Beerli, nach Kamerun zur Übernahme des Priesterseminars in Yaoundé. Das weckte auch in P. Viktor die Begeisterung für die Mission und als sich im Herbst 1933 eine zweite Expedition für die grosse Reise rüstete, war auch P. Viktor dabei. Zusammen mit P. Beda Haag und den Brüdern Moritz Fritsche, Fridolin Geiger und P. Nikolaus Louis reiste er nach Kamerun. Dort fand er für über ein Vierteljahrhundert ein Feld der Betätigung.

1933 bis 1936 war P. Viktor Professor der Theologie am Priesterseminar in Yaoundé, doch drängte er schon bald auf Übernahme einer Missionsstation im nahen Otélé und wurde ihr eigentlicher Gründer und auf Jahre ihr erster Oberer. Er betreute die ausgedehnte Pfarrei des Ewondostammes, anfänglich von einer einfachen Lehmhütte aus, und leitete längere Zeit die dortige Primarschule. Er übernahm die Planung und Leitung von gegen 30 Neubauten auf seiner Station. So entstanden unter ihm das Patres- und das Schwesternhaus, eine kleine Krankenstation und ein Mädcheninternat, die Primarschule, verschiedene Werkstätten, der imposante Seminarbau und nicht zuletzt die geräumige Kirche. Nach der Verlegung des Priesterseminars von Yaoundé nach Otélé übernahm er wieder eine theologische Professur und leitete das Seminar 1952/53 als stellvertretender Direktor. Daneben besorgte er die Buchhaltung für die ganze Mission und nahm auch Anteil an deren finanzieller Betreuung.

P. Viktor war eine schlichte, unkomplizierte Natur. Einer seiner Seelsorger meinte über ihn: "Er war gerade, ehrlich, fromm und besass eine ausgesprochen humorvolle Ader. Nichts war ihm so zuwider wie unaufrichtiges Wesen. Seine Frömmigkeit hatte fast etwas kindlich Selbstverständliches und doch Kernhaftes an sich. Seine heitere, stets zu Schalk und Scherz neigende Art nahm jedermann für ihn ein. Darum war er schon bei seinen Mitschülern beliebt; darum schätzten ihn später seine Mitbrüder. Darum gewann er auch leicht die Herzen seiner Schüler, denen er ein strenger, aber stets gerechter Lehrer war, der auch Gemüt und Humor in die Schulstube mitbrachte."

Müssiggang war P. Viktor zuwider. Wo eine Lücke auszufüllen war, half Viktor, sei es für Seelsorgsaushilfen oder für zusätzliche Aufträge im Kloster. Als er 1939, nach Ausbruch des zweiten Weltkriegs, wegen der Besetzung Kameruns seinen Heimaturlaub auf unbestimmte Frist verlängern musste, folgte er mit Freuden einem Ruf als Lehrer an das Kollegium in Altdorf. Und als auch die Schweizerferien von 1949 sich hinzogen, konnten ihn die Mitbrüder in Fischingen leicht dafür gewinnen, ihre Primarschule, die durch häufigen Lehrerwechsel gelitten hatte, als Schulinspektor zu unterstützen. Dann aber zog er für ein Semester nach dem kantonalen Technikum in Fribourg, um sich als Bauführer ausbilden zu lassen und sich auf die weitere Bautätigkeit in Kamerun vor­zubereiten. Und als Anfang dieses Jahres die Anfrage auf Abhaltung eines Exerzitienkurses für Ordensschwestern an ihn erging, sagte er nochmals bereitwillig zu.

Am 16. September 1957 kehrte P. Viktor zum Urlaub ins Kloster zurück. Noch hoffte er anfänglich, nach gründlicher Erholung seine Arbeit in der Mission wieder aufnehmen zu können. Doch die geschwächte Gesundheit erlaubte ihm das nicht mehr. Nach längeren Spital- und Kuraufenthalten führte er ab Herbst 1958 im Kloster die Missionsprokura und freute sich, wenigstens in dieser Stellung noch für Kamerun arbeiten zu können. Aber schon in den ersten Wochen des neuen Jahres traten die alten Beschwerden wieder auf, und neue Störungen meldeten sich, von denen er Heilung in der Klinik St. Anna in Luzern erhoffte. Er sollte Engelberg aber nicht mehr sehen. Er starb am Karfreitag, am 27. März 1959 und wurde am nächsten Tag nach Engelberg gebracht.

Werke

  • Aus dem Kameruner Tagebuch, in: Titlisgrüsse 26, 1939/1940, S. 87-89.

Professnummer

  • Nr. 729

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 45, 1958/59, S. 53-57, übernommen.

Bibliographie

  • Nachruf P. Viktor Guldimann, in: Titlisgrüsse 45, 1958/59, S. 53-57.