Ulrich Stalder

Aus Kloster-Engelberg
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Ulrich Stalder (* unbekannt von Bern; † 28. Oktober 1489 in Engelberg)

Ämter

Pfarrer in Brienz: vor 1478

Abt: 1478–1489

Lebensbeschreibung[1]

Ulrich Stalder stammte aus der Stadt Bern.[2] Zunächst war er Dominikaner in Zürich und wurde 1454 für die Seelsorge und den Unter­richt der jungen Mönche nach Engelberg berufen. Da die päpstliche Dispens zum Ordenswechsel fehlte, verfiel er der Exkommunikation. Auf einer Rom­ reise erlangte er 1455 von Papst Calixt III. die Lösung vom Bann und die Erlaubnis, nach der Benediktinerregel zu leben.[3] Vermutlich versah er eine Zeitlang die Pfarrei Brienz.[4] Er wurde wohl von den Schirmorten als Abt nominiert.[5] Am 10. August 1478 entrichtete er die Taxen an die bischöfliche Kurie.[6] 1479 wurde er nochmals exkommuniziert, diesmal wegen Nichtteilnahme am Ordenskapitel in Nürnberg.[7] Abt Ulrich erwies sich als "träge, sorglos und unfähig für die Verwaltung"[8], so dass die Schirmorte leichtes Spiel hatten, sich in die klösterlichen Angelegenheiten einzumischen. Engelberg befand sich wirtschaftlich und finanziell in einer Zwangslage. Überschwemmungen und Stürme hatten schweren Schaden angerichtet. Viele Güter mussten ver­kauft werden.[9] Am 21. Februar 1481 riefen die Schirmorte im ganzen Lande zu einer großen Sammelaktion auf.[10] 1479 gestattete Nuntius Gentilis von Spoleto den beiden Klöstern, an den kirchlichen Fasttagen Milchspeisen zu geniessen.[11] In Alpstreitigkeiten auf Gerschni-Trübsee 1481[12] und Arni 1488[13] musste der Abt nachgeben. Im Jahr 1488 erhoben sich die Talleute von Engelberg unter Jenny Schwaderauer gegen das Kloster. Die Schirmorte rückten mit 300 Mann ins Tal und schlugen den Aufstand nieder.[14] Schon am 18. Dezember 1486 wollten die Schirmorte in Rom die Absetzung des Abtes betreiben; es kam aber nicht dazu.[15] Ulrich Stalder starb am 28. Oktober 1489.[16]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von der Helvetia Sacra (III I, S. 627f) übernommen.
  2. Durrer, Familiennamen, S. 148. Die Annalen nennen ihn "de Berna", Jahrbücher Engelbergs, S. 113. Eine Zeichnung aus dem Jahre 1480 zeigt ihn mit seinem Familien- und dem Klosterwappen, StiBiEbg cod. 327, letzte Seite. Gottwald, Catalogus, S. 232. Placidus Hartmann, Die Ex-libris des Stiftes Engelberg, in Angelomontana, Gossau 1914, S. 463 und Tafel 2.
  3. Wirz, Regesten 1, Nr. 209.
  4. Die von Ulrich Stalder erhaltene Schrift "De miraculis BMV" trägt auf der letzten Seite den Eintrag: "Opus Udalrici Stalder, Curati in Brienz", StiBiEbg cod. 316. Gottwald, Catalo­gus, S. 325.
  5. Jahrbücher Engelbergs, S. 113: "... sumitur et Abbas constituitur", von einer kanoni­schen Wahl ist nicht die Rede.
  6. Manfred Krebs, Die Annatenregister des Bistums Konstanz im 15. Jh., in FDA 76, 1956, Nr. 2351. Er hatte wohl die Bestätigung des Bischofs, nicht aber die Abtsweihe, Jahrbücher Engelbergs, S. 107.
  7. StiArEbg cod. 319, p. 47-51; cod. 281, p. 285. Raphael Molitor, Aus der Rechtsgeschichte benediktinischer Verbände 1, Münster in Westfalen 1928, S. 244.
  8. Jahrbücher Engelbergs, S. 107 und 113.
  9. StiArEbg cod. 281, p. 317.
  10. Ib. cod. 239, p. 453; Cod. 224, p. 577.
  11. Ib. cod. 239, p. 450, ed. in Urkundliche Ährenlese (Nr. 14), in Geschichtsfreund 24, 1869, S. 342.
  12. StiArEbg cod. 281, p. 290.
  13. Ib. cod. 239, p. 485.
  14. Ib. cod. 281, p. 318.
  15. StiArEbg cod. 281, p. 237.
  16. StiBiEbg cod. 26, f. 44r. Jahrbücher Engelbergs, S. 107.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense, Luzern 1882, S. 36.
  • Heer, Gall: Aus der Vergangenheit von Kloster und Tal Engelberg 1120–1970, S. 145-149.
  • Helvetia Sacra III I, S. 627f.