Sigisbert Cavelti

Aus Kloster-Engelberg
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Sigisbert (Georg) Cavelti (* 19. Mai 1885 in Gossau; † 25. Oktober 1918 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 8. Oktober 1905

Priesterweihe: 3. Juli 1910

Primiz: 3. Juli 1910

Ämter

Lehrer am Lyzeum: 1911–1918

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Johann Georg Cavelti und der Maria Elisabeth Hangartner.

Lebensbeschreibung[1]

P. Sigisbert Cavelti kam am 19. Mai 1885 in Gossau, St. Gallen, als Sohn der Ver­leger-Familie Cavelti-Hangartner zur Welt. Ursprünglich stammte die Familie Cavelti von Sagogn in Graubünden. Nachdem Georg - dies war sein Taufname - die Realschule seines Wohnortes besucht hatte, kam er 1900 in die dritte Klasse der Klosterschule Engelberg. Hier ragte er bald durch seine ausgezeichneten Talente hervor; nie brachte er ein Zeugnis heim, das nicht in allen Fächern die erste Note aufwies. Eine glänzende Laufbahn in der Welt war ihm sicher; aber das benediktinische Leben hatte auf sein idealveran­lagtes Gemüt einen solchen Eindruck gemacht, dass er nach Be­endigung der 6. Klasse beschloss, um die Aufnahme in den Or­den nachzusuchen. Seine Bitte wurde gerne gewährt und am 8. Oktober 1905 konnte er die Profess ablegen. Er besuchte nun zunächst das Lyzeum in Einsiedeln, das er mit einer glänzenden Matura abschloss. Danach absolvierte er in Engelberg und an der Bene­diktineruniversität Sant'An­selmo in Rom die theologischen und philosophischen Studien. In der Höhle des hl. Benedikt zu Subjaco feierte er am 3. Juli 1910 sein erstes Messopfer, erwarb 1911 den Doktortitel der Philosophie und übernahm das Lehramt dieses Faches am Lyzeum im Kloster Engelberg. Daneben hielt er an unserer theologischen Hausanstalt exegetische Vorlesungen und leitete ab 1917 Jahr die apologetische Sektion der Marianischen Sodalität. Als Violin- und Violaspieler wurde er auch für den Musikunterricht und das Orchester in Anspruch genommen.

P. Sigisbert war ein geborener Philosoph von genialer Veranlagung. Mit tiefdringender Spekulation verband er ein allgemeines Wissen von staunenswerter Vielseitigkeit und eine unermüdliche Schaffenslust, die auf die körperliche Leistungsfähigkeit nur zu wenig Rücksicht nahm. Konsequent und treu stellte er sich unter das Banner der Scholastik; aber gerade weil er in seinen Studien immer wieder auf die Väter des Systems, auf Aristoteles und Thomas, zurückging und sich nicht mit einem aus losen Zitaten zusammengebrauten Absud begnügte, lehnte er dies und jenes ab, was unter aristotelisch-thomistischer Flagge segelte. In strittigen Fragen liebte er nach eingehender Untersuchung klare Stellung zu beziehen. Seine Lehrstunden bedeuteten für die Schüler intensive Kopfarbeit, aber die geistsprühende Behandlung der sprö­desten Materien, die überlegene Auseinandersetzung mit modernsten Problemen bewirkte, dass, wie einer von ihnen anerkennend schreibt, "allen die Philosophie fürs Leben lieb und teuer wurde". Seine Darlegungen schlossen sich an ein von ihm verfasstes mehrbändiges Lehrbuch an, das autographisch vervielfältigt wor­den war.

Als es galt, dem verstorbenen Abt Leodegar Hunkeler eine Jubel­ gabe zu widmen, übernahm P. Sigisbert den Hauptteil der Arbeit, indem er eine Streitschrift des Abtes Berchtold herausgab und ihr eine eingehende Untersuchung zuteil werden liess. Daneben erschienen in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen Abhandlungen aus seiner Feder, so beispielsweise liturgisch-asketische und philosophische Artikel in den Titlisgrüssen. Aber diese Schriften zeigen auch, dass P. Sigisbert nicht bloss ein Mann der Wissenschaft, ein tüchtiger Professor war, sondern dass er grossen Wert darauf legte, ein guter Mönch zu sein. "Ich spreche aus Erfahrung an mir selber", schrieb er an einen Freund, "alle Exerzitien- und Ähnliches sind nach meiner Ansicht nicht von ferne imstande zu leisten, was die Feste des Kirchenjahres" tun. Darum ging ihm auch das Chorgebet über alles.

Die Berge waren ihm ans Herz gewachsen; furchtlos und ausdauernd hat er man­chen Gletscher durchquert, manchen Gipfel erklommen. Aber auch da war er nicht nur Sportsmann, sondern der Mönch. Er schrieb in der Schrift "Vorsehung, Übel, Weltkrieg": "O Gott, wie danke ich Dir, dass Du bist wie unsere Schweizerberge! Unendlich ist Deine Majestät."

Wie P. Paul Wymann und P. Benedikt Käslin starb P. Sigisbert am 25. Oktober 1918 an der Spanischen Grippe.

Werke[2]

  • Die Streitschrift des seligen Abtes Berchtold von Engelberg, in: Festschrift Angelomontana, S. 1-175.
  • Zur Frage der Sinnesqualitäten, in: PhJ 28, 1915, S. 514-530.
  • Ein mittelalterlicher Erzieher. (Hl. Anselm v. Canterbury), in: MSch I 1, 1915, S. 110-123.
  • Obediens usque ad mortem, in: Titlisgrüsse 1, 1915, S. 9-15.
  • Ein heiliger Choleriker (Kolumban aus Luxeuil), in: Titlisgrüsse 1, 1915, S. 89-96.
  • Henri Bergson, in: Titlisgrüsse 1, 1915, S. 50-58.
  • Eine Lektion bei den denkenden Tieren, in: MSch II 3, 1917, S. 17-20, 24-32.
  • Grundbegriffe der Philosophie in vier Bänden, Gossau 1914-1917; 2. Auflage 1920 bearb. v. P. Benedikt Bauer (Bd 3 Kriteriologie und Metaphysik); 3. Auflage 1936 Grundriss der Ethik. Bearb. v. P. Franz Sales Hess und P. Raphael Meile.
  • Kürzung der Studienzeit aus Gründen der Volkswirtschaft. SchwSch 4, 1918, S. 50-54.
  • Stille Freuden des Logikers, in: Schweizerische Kirchenzeitung 1918, S. 230-231, 245-247.
  • Amen - Alleluja, in: Chorwächter 43, 1918, S. 74f.
  • Mitarbeit DTh (Rezensionen).
  • Manuskript: Über Wesen und Zweck der Induktion. (Diss. 1911).

Professnummer

  • Nr. 693

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüssen 4, S. 130-133, übernommen.
  2. Aus dem Eintrag in der Benediktinischen Bibliografie.

Bibliographie

  • Nachruf P. Sigisbert Cavelti, in: Titlisgrüsse 4, S. 130-133.