Robert Löhrer

Aus Kloster-Engelberg
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Robert (Leo) Löhrer (* 8. Juli 1893 in Gossau; † 6. März 1960 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 29. April 1917

Priesterweihe: 7. Oktober 1920

Primiz: 17. Oktober 1920

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1925–1960

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Jakob Löhrer, Lehrer und Gemeindeammann, und der Amelie Riedener.

Lebensbeschreibung[1]

P. Robert wurde als Leo Löhrer am 8. Juli 1893 im Haus des Lehrers und Gemeindeammanns in Gossau geboren. Er blieb ein Fürstenländer schon in seiner Mundart. Auch der Klostername der ihm bei der Profess am 29. April 1917 zu Ehren des St.Galler Bischofs Robert Bürkler gegeben wurde. Obwohl Altphilologe unternahm er nie eine Auslandreise. Es zog ihn eben in den Ferien stärker zu seiner Familie, zu seinen Brüdern nach Gossau und Wil, zu P. Fidelis in Einsiedeln, und gern erzählte er von seiner Schwester, die in den Missionen Kolumbiens und Panamas wirkte.

Das Gymnasium durchlief er an der Stiftsschule Einsiedeln. Er lernte tüchtig, war begabt in der Redekunst, aber auch zu guten Streichen aufgelegt. Bevor Leo sich entschloss, in Engelberg ins Noviziat einzutreten, verbrachte er ein Semester an der Universität Genf beim Studium der Rechte und war ein strammer Fuchs der Verbindung "Salevia". Dort und bei Ferienaufenthalten in St. Maurice gewann er die Sicherheit im Französischen. Nach dem Theologiestudium in Engelberg und nach der Primiz am 17. Oktober 1920 betreute P. Robert aushilfsweise eine Klasse an der Engelberger Schule, dann wurde er nach Fribourg zum Studium der klassische Philologie gesandt. Bei Professor Anton Piccardt lernte er die peinlich genaue Kleinarbeit seines Fachs, zugleich eignete er sich den Sinn für die kultur- und geistesgeschichtlichen Werte der antiken Schriften an. 1925 brachte den Abschluss der Studien mit der Doktoratsthese: "Mienenspiel und Maske in der altgriechischen Tragödie."

35 Jahre lang erteilte P. Robert Unterricht, zuerst als Klassenlehrer am Gymnasium in den alten Sprachen, in Deutsch und Französisch, ab 1930 am Lyzeum. Fast in allen Klassen betreute er ferner die Religionslehre, kurze Zeit auch alte Geschichte und Englisch. Er hatte die Gabe, gründliche Kenntnisse geschickt mitzuteilen: die Regeln etwa der lateinischen Grammatik und Stilistik leitete er aus den einfachsten Überlegungen und aus dem Geist der Sprache ab; er wusste den Wortschatz durch Hinweise auf verwandte deutsche Ausdrücke oder Fremdwörter leicht einzuprägen. Besonders in den ersten Jahren machte er seinen Schülern die Prüfungen nicht leicht; er setzte auch am Lyzeum voraus, dass man Formen und Syntax kannte. Im Deutschunterricht zog er die Rhetorik der Literaturgeschichte vor. Die Vorliebe für das Zwiegespräch machte P. Robert auch geeignet, von 1927 bis 1933, und wieder von 1936 bis 1943 die Rhetoriker-­Akademie zu betreuen. Er hielt bei den Debatten mit seiner Ansicht nicht zurück und wusste den Gegner mit spöttischem Bedauern oder mit Entrüstung zu erledigen. Es war die Zeit, da gewisse "Fronten" sich auch in der Schweiz bemerkbar machten, sogar innerhalb der Kollegimauern. Aber gerade da erwies sich P. Robert als Mann von Grundsätzen. Der Sinn der Akademie erschöpfte sich für ihn nicht in Wortgefechten, sie sollte die Teilnehmer in jeder Hinsicht bilden. Das zeigten die Themen, die er in den öffentlichen Sitzungen durchführte: er übernahm vorerst die Tradition, den Stoff hauptsächlich aus der Kirchengeschichte zu wählen, in der Kriegszeit aber wusste er auch diesen Anlass in den Dienst der geistigen Landesverteidigung zu stellen.

P. Robert wirkte auch seelsorgerlich als Prediger, als Katechet und Exerzitienmeister und als Beichtvater. Vor allem in seinen Predigten konnte P. Robert ebenso aus dem Vollen schöpfen wie in seiner Philologie, denn er war auch im theologischen und aszetischen Schrifttum belesen. Seelsorge und Lehramt waren bei P. Robert nicht zu trennen: als Lehrer sah er sich jenem christlichen Humanismus verpflichtet, der Beruf und Würde des Menschen in der Hingabe an das Göttliche sieht. Deshalb fügte er in das Studium der alten Sprachen auch die Lektüre christlichen Schriftums, des Evangeliums nach Lukas, altchristlicher Hymnen, einzelner Werke der Kirchenväter, der Mönchsregel des heiligen Benedikt. Erst recht wurden für P. Robert Katechese und Religionsunterricht Herzensanliegen.

Lange Jahre hindurch betreute P. Robert auch einen Beichtstuhl in der Engelberger Klosterkirche; Sonntag für Sonntag suchten ihn vor allem die Männer auf. Von 1926 bis 1932 redigierte er die "Mittelschule", die philologisch-historische Beilage zur "Schweizer Schule". Seine eigenen Artikel befassten sich aber nicht nur mit seinem engeren Fachgebiet, sondern auch allgemein mit Schulfragen, gerne auch mit dem Thema der religiösen Unterweisung. Auf die Linie seines Unterrichts waren ferner die Bändchen ausgerichtet, die er in der Sammlung "Verpflichtendes Erbe" herausgab; auf ein Vorbild des christlichen Humanismus wies das Werk "Abt Ludwig Blosius. Grundriss des christlichen Lebens", das 1948 in der Sammlung "Licht vom Licht" erschien. Weit häufiger als auf dem Titelblatt von Büchern stand sein Name unter Rezensionen: er arbeitete an verschiedenen Blättern unter verschiedenen Siglen, einheitlich aber blieb seine Stellungnahme: wenn er die kirchliche Lehre, das sittliche Empfinden oder das Ansehen des Priesterstandes nur leicht gefährdet glaubte, lehnte er eine Neuerscheinung ab, obwohl er gewiss ihre stilistischen Vorzüge gelten liess. Wegen dieses Urteilvermögens wurde er auch in die literarische Kommission der Schweizer Volksbuchgemeinde berufen. In den letzten Jahren besprach er häufig Jugendbücher; da er auch in den unteren Klassen noch Religion oder Deutsch lehrte, blieben ihm die Anliegen der jungen Leser bekannt. Diese Jugendbücher bildeten für manche Leseratten eine willkommene Ergänzung, besonders weil es hier weder strenge Fristen noch Bussen gab.

Der Grund, warum P. Robert so viel Vertrauen fand, lag sicher in seinem Wissen und in seiner Erfahrung, aber mehr noch in seinem Verständnis für diejenigen, die sich an ihn wandten. Statt durch Distanz sich die nötige Achtung zu sichern, kam er seinen Schülern so weit wie möglich entgegen. Die Schüler neckten ihn wegen seiner rundlichen Finger, wegen des Schnupfens oder wegen seiner Spezialitäten auf dem Speisezettel. Er wusste ferner Kritik und Tadel geschickt anzubringen, besonders bei den Aufsätzen, wo er sein Urteil gern in einen treffenden Vers formte. Die Schüler konnten auch damit rechnen, dass er in einem Konflikt mit den Hausoberen zu Gunsten der Schüler vermittelte. Natürlich konnte er sich dabei täuschen, konnte weiter entgegenkommen, als allen Beteiligten lieb oder dienlich war, und seine Güte wurde bisweilen auch ausgenützt oder nicht verstanden.

Seit dem Eintritt ins Kloster machten ihm Kreislaufstörungen zu schaffen. Sie erschwerten ihm das Gehen, machten ihm die Teilnahme am gemeinsamen Chorgebet unmöglich; er war schon früh auf ein rasches Ende gefasst. "Wenn ich die Schule aufgeben muss, werde ich nicht mehr lange leben." Im Sommer vor seinem Tod äusserte sich P. Robert so zu den Maturi. Früher als er angenommen hatte, musste er im Herbst auf den Unterricht verzichten. Eine Herzlähmung bereitete ihm dann unvermutet rasch ein ruhiges Ende am 6. März 1960.

Werke[2]

  • Zur Charakteristik des römischen Volkes. MS I 8, 1922, S. 20-23, 28-32.
  • Willensbildung am Gymnasium. MS I 9, 1923, S. 30-32, 38-40.
  • Mienenspiel und Maske im Text und Aufbau der attischen Tragödie. (Diss.) Pad 1927.
  • Heil der Völker - volkseigenes Heil, in: Schweizer Rundschau 37, 1937/1938, S. 45-50.
  • Gedanken über antikes und christliches Gebetsleben, in: Chorwächter 64, 1939, S. 67-76.
  • Brief ins Feld, in: Titlisgrüsse 26, 1939/1940, S. 63-66.
  • Philologie und Philosophie am Lyzeum, in: SchwSch 28, 1941, S. 28-31.
  • Kardinal John Henry Newman. Cs 1, 1945/1946, S. 290-297.
  • Antike Erziehungsweisheit. Ethische Unterweisungen aus Seneca, Luzern 1947.
  • Cicero, Kleine Sittenlehre, Luzern 1948.
  • Abt Ludwig Blosius: Grundriss des geistlichen Lebens, Einsiedeln 1948.
  • Freundschaft in der Antike, Luzern 1940.
  • Priestertum im Zeugnis der Kirchenväter, Luzern 1951.
  • Christlicher Humanismus, in: Cs 7, 1951/1952, S. 565-578, 640-652.
  • Mitarbeit (Rezensent) an der Tageszeitung Vaterland u.a.

Professnummer

  • Nr. 719

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 46, 1959/60, S. 53-59, übernommen.
  2. Aus dem Eintrag in der Benediktinischen Bibliografie.

Bibliographie

  • Nachruf P. Robert Löhrer, in: Titlisgrüsse 46, 1959/60, S. 53-59.