Raphael Meile

Aus Kloster-Engelberg
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Raphael (Konrad) Meile (* 2. Februar 1887 in Mosnang; † 23. März 1966 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 7. Oktober 1917

Priesterweihe: 9. Juli 1922

Primiz: 16. Juli 1922

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1922–1929, 1935–1960

Grosskellner: 1929–1932

Lehrer der Fratres: 1935–1960

Seminarleiter und Lehrer in Yaoundé, Kamerun: 1932–1935

Küchenmeister: 1947–1960

Spiritual in Maria-Rickenbach: 1960–1964

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Johann Konrad, Kantonsrat, Landwirt und Sticker, und der Maria Theresia Brändle.

Bruder: Josef Meile, Bischof von St. Gallen

Onkel: Br. Konrad Wick

Lebensbeschreibung[1]

P. Raphael wurde am 2. Februar 1897 in Mosnang geboren. So stand es wenigstens im Heimatschein, der Vater aber sagte ihm einmal heimlich, es sei schon mehr der 3. Februar gewesen, doch habe er den Buben lieber der Muttergottes, dem Tag von Mariä Lichtmess, zueignen wollen. Der Vater, Kantonsrat Johann Konrad Meile, führte den Hof Lenzligen. Mit Konrad wuchsen drei Brüder und eine Schwester auf. Schon im Alter von drei Jahren verlor Konrad seine Mutter, Maria Theresia Brändle. Der Vater heiratete später ein weiteres Mal.

Mehrere Verwandte von P. Raphael waren in Klöstern tätig: Sein Onkel, Br. Konrad Wick, war in Engelberg in der Küche und in der Landwirtschaft tätig, in einigen Frauenklöstern wirkten Verwandte in leitenden Stellungen. Den Weg nach Engelberg und zum Priestertum ging sein älterer Bruder Josef voraus, der spätere Bischof von St. Gallen. Die einzige Schwester trat in Ingenbohl ein und einer seiner Neffen als Laienbruder im Kloster Einsiedeln.

In Engelberg kam Konrad schon in der 6. Klasse zum Entschluss, ins Kloster Engelberg einzutreten. Mit P. Karl Schmid, dem späteren Rektor und ersten Oberen der Missionsstation Otélé in Kamerun, trat er 1916 in das Noviziat ein. Nach der einfachen Profess holte Fr. Raphael in Engelberg die beiden Lyzealklassen nach, bestand 1919 die Maturitätsprüfung und durfte dann die Theologie am Ordenskolleg Sant' Anselmo in Rom studieren. Seine Liebe zur Kirche, vor allem zur Kirche der frühen Martyrer und Kirchenväter konnte er hier vertiefen; der Umgang mit Studiengenossen aus anderen Klöstern und Ländern weitete seinen Blick. Am 16. Juli 1922 feierte P. Raphael in Engelberg seine Primiz. Zwei Jahre später schloss er sein Studium mit dem Doktorat ab; seine Dissertation behandelte "Die Natur der theologischen Tugend der Hoffnung". Für die geistige Arbeit brachte P. Raphael einen klaren Verstand und ein zuverlässiges Gedächtnis mit. Aber es zog ihn mehr ins Leben als in die Wissenschaften; nicht einmal seine Dissertation sah er je gedruckt.

Er half zunächst in der Seelsorge aus, wirkte dann jahrelang als Beichtvater in der Klosterkirche; seine Sprachkenntnisse kamen ihm dabei zustatten. P. Raphael fühlte sich in der Klosterfamilie geborgen, nahm noch am letzten Tag am Chorgebet teil und zählte zu den "Säulen" der gemeinsamen Erholung. Nach der Primiz erbat er sich von seinen Angehörigen das Geld für einige Messstipendien und wollte so ausdrücklich Gott für die Berufung ins Kloster danken. Ihm lag das Gespräch im kleinen Kreis, er hielt mit, wenn es einen Scherz zu leisten gab. Er konnte weder im Gesang noch im Orchester dabei sein, die Gabe der künstlerischen Gestaltung ging ihm überhaupt ab, aber er schätzte gemeinsame Anlässe in Kloster und Schule. Mit seiner Maturaklasse blieb er eng verbunden und die Alt-Angelomontana übertrug ihm das Vizepräsidium. P. Raphael stellte seine gesellige Art gern anderen zur Verfügung: er nahm das Amt des Gastpaters ernst und betreute Gäste in Engelberg und in Maria-Rickenbach. Er war überzeugt, dass von der Gemeinschaft nur leben kann, wer der Gemeinschaft dient. Er übernahm daher manche Posten im Kloster, auch solche mit der Vorsilbe "Sub". Und weil bei ihm der praktische Sinn nicht zu kurz gekommen war, belud man ihn mehrmals mit der Sorge um das zeitliche Wohl seiner Mitbrüder. Von 1929 bis 1932 war er Grosskellner, von 1947 bis 1960 Küchenmeister. Er hielt sich dabei eher an Gewohnheit und Brauch, neuerte aber auch, wo die Zeit es forderte. Voraussetzung für dieses Wirken war zunächst das reiche Vertrauen, das ihm seine Äbte entgegenbrachten. In Engelberg waltete er nie als Konventoberer, aber sein Wort galt viel bei den Vorgesetzten. Schon Abt Basil Fellmann beriet sich gern mit ihm, doch besonders Abt Bonaventura Egger schätzte Talente und Charakter Pater Raphaels; den erst 32 jährigen ernannte er zu seinem Nachfolger als Grosskellner, und noch kurz vor seinem Tod versicherte er, er habe wichtige Fragen noch mit Pater Raphael besprechen können.

Diese Arbeit konnte P. Raphael auch deshalb leisten, weil er in jeder Hinsicht ein gesunder Mensch war. Er ging aber auch darauf aus, seine Kräfte frisch zu erhalten, im Sommer auf Spaziergängen, im Winter beim Skifahren. Ein beliebtes Ziel war ihm jeweils der Jungwald bei der Alp Gschneit, den er als Grosskellner hatte anlegen lassen. Seine forsche Art äusserte sich dabei in einem "beflügelten" Schritt. Noch als Beichtiger in Maria-Rickenbach schlug er auf seinen Gängen einen Takt an, dem selbst jüngere Jahrgänge nicht lange folgen konnten. In den Ferien unternahm er gerne Reisen. Seine grösste und wichtigste Fahrt trat aber P. Raphael im Herbst 1932 an: mit den Patres Karl Schmid und Fidelis Beerli hatte er von Abt und Kapitel den Auftrag erhalten, eine Klostergründung in Kamerun vorzubereiten. Es war nicht das Verlangen nach missionarischem Wirken, das P. Raphael seine Dienste anbieten liess, sondern die Bereitschaft, seine Erfahrungen in der Verwaltung für dieses Werk einzusetzen. Die Jahrgänge 1932 bis 1935 der Titlisgrüsse enthalten im Kameruner Tagebuch die Erlebnisse jener ersten Jahre: die Fahrt, die Mitarbeit mit den Vätern vom Heiligen Geist am Grossen Seminar in Yaoundé, dann die Übernahme der Seminarleitung und dazu die Suche nach einem günstigen Standort des geplanten Klosters. Neben der Leitung der Gemeinschaft und dem Unterricht besorgte P. Raphael Arbeiten in der Pastoration. Wie P. Fidelis im "Kameruner Boten" schreibt, trug der rötliche Bart P. Raphael bei den Franzosen den Namen "Barbarossa" ein.

Unter den Äbten Leodegar und Leonhard versah P. Raphael das Amt des Kapitelssekretärs und nicht selten wurde er mit heiklen Aufgaben betraut. Er folgte dann seiner Überlegung und Überzeugung, schaute mehr auf sachliche Gründe als auf persönliche Rücksichten, ging aber nicht auf den eigenen Vorteil aus. Vielen Mitbrüdern hat er durch seinen klugen Rat bei Konferenzen oder im privaten Bereich entscheidend geholfen.

Noch vor der ersten Kameruner Priesterweihe 1935 kehrte P. Raphael in die Heimat zurück; er hatte sich nur für ein befristetes Wirken verpflichtet, und das Klima setzte seiner Gesundheit zu. Er betreute dann in Engelberg die Missionssektion am Kollegium und leitete den Priester-Missionsbund der Schweiz. Wieder im Kloster arbeitete P. Raphael wie vor 1929 wieder als Lehrer an der Stiftsschule. Er lehrte Religion, Ethik, Theodizee und Italienisch sowie bei den Fratres Exegese. Nach dem Tod von P. Bonifaz Regli 1938 lehrte er am Hausstudium Moraltheologie. Da konnte er seine Erfahrungen aus der Seelsorge verwerten, und er suchte sich auch aus Artikeln in pastoraltheologischen Zeitschriften auf der Höhe zu halten.

Als er das Alter nahen fühlte, wünschte er 1960 als Spiritual die Mitschwestern in Maria-Rickenbach zu betreuen. Er übernahm auch den Auftrag, die Seligsprechung des Alt-Engelbergers P. Lukas Etlin, der als Spiritual des Frauenklosters Clyde in Amerika gestorben war, als Vizepostulator den Churer Diözesanprozess vorzubereiten. Nach einem schweren Herzinfarkt vom Dezember 1964 litt P. Raphael am schwersten unter dem Gedanken, auf sein Seelsorgeamt in Maria-Rickenbach verzichten zu müssen. Im Herbst 1964 meldete er von Maria-Rickenbach aus wachsende Beschwerden und ein Herzinfarkt vor Weihnachten liess damals schon sein Ende befürchten. Er erholte sich in Luzern und in der Oberwaid bei St. Gallen, konnte nochmals die Arbeit als Spiritual aufnehmen. Dann aber schwächten ihn eine Lungenentzündung und eine Operation, so dass der Arzt von der Rückkehr nach Rickenbach entschieden abriet. In Engelberg schien er wieder zu Kräften zu kommen und auch eine starke Grippe in der Fastnachtszeit gut überwunden zu haben. Am 23. März 1966 feierte Pater Raphael morgens die heilige Messe in der Brüderkapelle wie an allen Tagen, seitdem er sich wieder erholt hatte. Dann schrieb er einige Briefe, wie er überhaupt noch gern kleinere Arbeiten ausführte; so lagen Blätter auf seinem Pult, auf denen er noch kurz zuvor die Ereignisse der Grippeepidemie 1918 in Kloster, Schule und Dorf möglichst genau dargestellt hatte. Nach dem Mittagessen unternahm er wie immer, wenn es das Wetter erlaubte, einen Spaziergang. Er sah sich die neue Kapelle des St. Josefshauses an und ging dann zur Schwandstrasse hinüber. Nach dem Nachtessen nahm er an der Moralkonferenz teil, ergriff noch das Wort, spürte aber bald Schwindel und Unwohlsein. Er verliess das Zimmer und auf dem Weg zu seiner Zelle sank er aus den Armen der ihn begleitenden, und stützenden Mitbrüder zu Boden. Sein Lebenstag auf dieser Welt war beendet.

Werke[2]

  • Aus dem Kameruner Tagebuch, in: Titlisgrüsse 19, 1932/1933, S. 71-77, 93-98; 20, 1933/1934, S. 15f., 36-40, 59-61, 82-88; 21, 1934/1935, S. 13-17, 32-35, 64f., 90-92; 22, 1935/1936, S. 12-14.
  • Die Benediktiner von Engelberg in Yaoundé (Kamerun), in: Kath. Missions-Jahrbuch d. Schweiz 3, 1936, S. 65-68.
  • Les premiers pretres indigenes du Cameroun. Annales de la propagation de loeuvre de S. Pierre pour la Suise Romande. 1936.
  • Die nationale Erziehung, in: Schweizer Rundschau 36, 1936/1937, S. 333-338.
  • Geistige Grundlagen und wesentliche Merkmale des Bolschewismus, in: SchwStV 81, 1936/1937, S. 190-203.
  • Die Engelberger Benediktiner in Kamerun. Kath. Missions-Jahrbuch d. Schweiz 4, 1937, S. 98-100.
  • Martin Heideggers Existentialphilosophie im Aufriß. Annalen d. Philos. Ges. d. Innerschweiz 2, 1945, S. 4-10.
  • Die Bantu-Philosophie, in: NZM 2, 1946, S. 283-288.
  • Séminaristes Noirs, Annales de la propagation de la foi. 1946. no 2.
  • 50 Jahre Philosophie in Engelberg, in: Titlisgrüsse 45, 1959/1960, S. 78-83.

Professnummer

  • Nr. 720

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 52, 1965/66, S. 81-85, übernommen.
  2. Aus dem Eintrag in der Benediktinischen Bibliografie.

Bibliographie

  • Nachruf P. Raphael Meile, in: Titlisgrüsse 52, 1965/66, S. 81-85.