Plazidus Hartmann

Aus Kloster-Engelberg
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Plazidus (Franz Josef Robert) Hartmann (* 4. Juni 1884 in Luzern; † 10. Januar 1965 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 5. Oktober 1908

Priesterweihe: 15. Oktober 1911

Primiz: 13. November 1911

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1914–1948

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Robert Hartmann und der Anna Meyer.

Lebensbeschreibung[1]

Am 4. Juni 1887 kam P. Plazidus Hartmann in Luzern als ältester Sohn des Robert Hartmann und der Anna, geborene Meyer, zur Welt. Es erfüllte schon den jungen Franz Josef Robert mit Stolz, dass er Spross einer alten regimentsfähigen Stadtfamilie war, wenn auch seine Vorfahren weniger als politische Führer, denn als kunstsinnige Goldschmiede sich einen Platz in der Luzerner Geschichte gesichert haben. Von seinem Vater, dem Offizier und Zeughausverwalter, hatte er die Begeisterung für das Militär und Sinn für Ordnung und Disziplin geerbt. Im Kreis von fünf weiteren Geschwistern wuchs er heran. Wahrscheinlich war die Krankheit der Mutter Anlass, dass Franz im Herbst 1900 das Gymnasium Luzern mit der Stiftsschule von Engelberg vertauschte. Er trat hier in die zweite Klasse ein, zog nach fünf Jahren nach Schwyz und schloss 1906 mit der Matura die Mittelschule ab. Schon ein Jahr vorher wurden ihm kurz nacheinander Mutter und Vater durch den Tod entrissen: Eine ehemalige Hausangestellte, Anna Brun, später Haushälterin in der Kaplanei Melchtal, sorgte für die verwaisten Kinder wie eine zweite Mutter.

Eigene Kränklichkeit veranlasste den Maturanden, seinen Eintritt ins Kloster um ein Jahr zu verschieben und zuerst in Innsbruck Theologie zu studieren. Am 5. Oktober 1908 legte er nach bestandenem Noviziat die ersten Gelübde ab und erhielt dabei den Tagesheiligen St. Plazidus als neuen Namenspatron. Am 15. Oktober 1911 wurde er zum Priester geweiht und am St. Eugenitag darauf durfte er Primiz feiern. Gleich nach der Primiz schickte Abt Leodegar Scherer den jungen Priester zum Studium der Geologie an die Universität Fribourg. Die Schule, die 1909 erstmals die eidgenössische Maturität abnehmen konnte, verlangte nach weiteren ausgebildeten Lehrkräften. Wahrscheinlich war die Liebe zu den Bergen und seine Tätigkeit als Mitglied des SAC mitbestimmend, dass P. Plazidus trotz seiner literarischen Begabung sich den Naturwissenschaften zuwenden sollte. Schon im Frühjahr 1914 schloss er sein Studium mit der Dissertation "Zur Geologie des kristallinen Substratums der Dents des Morcles" summa cum laude ab.

Ab Ostern 1914 war P. Plazidus an der Schule tätig. Er übernahm Geologie in der 7., dazu Mathematik in der 4. und Geografie in der 3. Klasse. Schon im Jahr darauf wurde das Pensum bedeutend erweitert: Mathematik in der 2., 3., 5., 7. Klasse; Geologie und Mineralogie in der 7. und Geografie in der 1. und 3. Klasse. Dazu kam die Leitung des Schultheaters und der Unterhaltungen im Grossen Saal. 1916/17 war er Subpräfekt. Als Pater Leodegar Hunkeler im Jahr der Spanischen Grippe Pfarrer von Engelberg wurde, musste er auch den Deutschunterricht in den oberen Klassen und die Lyzeumsakademie übernehmen. Zwei Jahre später verlangte seine angegriffene Gesundheit während des Winters einen Kuraufenthalt im Kloster Gries in Südtirol. Einige Gedichte in seinem ersten Sammelbändchen erinnern an diese Zeit. Dann nahm er den Unterricht wieder auf. Erst 1930 konnte er den Deutschunterricht und die Theaterleitung abgeben. Elf Jahre später gab er auch den Unterricht in Mathematik auf, die er in den letzten Jahren wenigstens in den unteren Klassen doziert hatte. Zum letzten Mal war P. Plazidus im Schulkatalog von 1947/48 als Lehrer der Geografie der 1. und 3., und der Geologie in der 7. Klasse erwähnt. Dann ersuchte er den Abt wegen seiner angegriffenen Gesundheit um Befreiung vom Schuldienst. Er stand damals im 61. Altersjahr.

In jüngeren Jahren war er ein gerühmter Kanzelredner, der bei verschiedensten Gelegenheiten die Festpredigt halten musste. Er sammelte er Exlibris und Stiche und war ein Kenner der Wappenkunde, nahm sich auch der Inkunabeln an und vertrat die Stiftsbibliothek während Jahren bei den Tagungen der Bibliophilen Gesellschaft. P. Plazidus erlebte mehrere Jubiläen. Den Auftakt bildete 1955 die Veteranenehrung im Schweizerischen Studentenverein. 1957 später erlebte er die Jubelfeier der fünfzigjährigen Angelomontana, dann folgten goldene Profess und Sekundiz. Im vergangenen Jahr wurde ihm anlässlich des Dies academicus das Doktordiplom von der Universität Freiburg erneuert. Damals war er aber schon ein kranker Mann; nur in seiner Zelle konnte er dieses Tages gedenken.

Der Berggänger, das eifrige Ehrenmitglied des SAC, der militärbegeisterte Wanderer und Skifahrer wurde durch Jahre hindurch von Rheuma und Ischias geplagt. Auch mit seinem Magen stand es nicht zum Besten. So musste P. Plazidus zeitlebens für seine Gesundheit Sorge tragen, und er hat es mit einer gewissen Ängstlichkeit getan. Er litt unter Herzproblemen und im Frühling 1964 erlitt er eine weitere heftige gesundheitliche Störung. P. Plazidus war nun ein gezeichneter Mann. Nur mit Mühe konnte er sich noch so weit erholen, dass es ihm möglich wurde, einige Ferientage bei alten Freunden zu verbringen. Der Herbst brachte eine neue Verschlimmerung seines Leidens, und mit dem Jahresende ging auch sein Leben zur Neige. Am 10. Januar 1965 hat ihn der Tod von seinen irdischen Gebrechen erlöst.

Werke[2]

  • Die Exlibris des Stiftes Engelberg. Festschrift Angelomontana. S. 463-469.
  • Die Entstehung der kristallinischen Schiefer in der Anschauung der modernen Petrographie. MS II 1, 1915, S. 49-57, 65-70.
  • Zur Geologie des kristallinen Substratums der Dents de Mordes. (Diss.) Bern 1915.
  • Der Weltkrieg als geologisches Problem der Zukunft, in: Titlisgrüsse 1, 1915, S. 16-20.
  • Gundoldingen. Schauspiel, Luzern 1916.
  • Calderon als Deutschlektüre an der Oberstufe. MS I 5, 1919, S. 54f.
  • Bergkinder. Luzern 1920.
  • Firnenglühn, Luzern 1922.
  • Sühneblut. Oper. Musik v. P. Adalbert Häfliger. 2. Auflage 1922.
  • Passionsspiel Selzach. Selzach 1927, 3. Auflage 1949.
  • Der liber amicorum des Chorherrn Johann Ratzenhofer in Beromünster, in: GFd 82, 1927, S. 276-291.
  • Zehn Jahre Exlibris-Sammlung, in: Titlisgrüsse 17, 1931, S. 82-86.
  • Bucheinbände aus dem 12. Jahrhundert (in Engelberg). Stultifera navis 2, 1943, S. 98-101.
  • Engelberg, Land und Leute, Engelberg, 2. Auflage 1946.
  • Aus der Werkstatt des Luzerner Kupferstechers Josef Schwendimann. Innerschweizer. Jahrbuch f. Heimatkunde 11/12, 1948, S. 185-191.
  • Gedenkspiel zur Feier der Aufhebung des Klosters St. Urban 1848, St. Urban 1948.
  • Initialen aus Wiegendrucken der Stiftsbibliothek Engelberg, in: Stultifera navis 9, 1952, S. 37-41.
  • Heraldische Denkmäler im Kloster Fischingen, in: Schweizer. Archiv f. Heraldik 67, 1953, S. 20-30.
  • Wie ist unsere Heimat entstanden?, in: Obwaldner Heimatbuch 1953, S. 12-15.
  • Im Banne des Titlis, in: Die Alpen 35, 1959, S. 5-12.
  • Mitarbeit bei: Archivum Heraldicum Helveticum/Schweizer. Archiv f. Heraldik (82 Beiträge).
  • Gedichte in Titlisgrüsse u.a.

Professnummer

  • Nr. 700

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 51, 1964/65, S. 37-39, übernommen.
  2. Aus dem Eintrag in der Benediktinischen Bibliografie.

Bibliographie

  • Nachruf P. Plazidus Hartmann, in: Titlisgrüsse 51, 1964/65, S. 37-39.