Pius Reichlin

Aus Kloster-Engelberg
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Pius (Eduard) Reichlin (* 19. Au­gust 1884 in Schwyz; † 6. März 1960 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 10. Oktober 1907

Priesterweihe: 19. Juni 1910

Ämter

Lehrer an der Stifts- und Realschule: 1910–1915, 1920–1930

Kaplan in Maria-Rickebach: 1916–1919

Unterpfarrer in Engelberg: 1919–1920

Pfarrer in Engelberg: 1920–1930

Seelsorger am Mädcheninstitut "Stella Maris" in Rorschach: 1930–1933

Spiritual im Kloster St. Katharina in Wil: 1933–1941

Spiritual im Kloster St. Niklaus von Flüe: 1941–1947

Erziehungsheim St. lddazell in Fischingen: 1947–1949

Seelsorger des Kinderheim Seltisberg bei Liestal: 1949–1954

Spiritual im Benediktinerinnenkloster Maria-Rickenbach: 1954–1960

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Martin Anton Reichlin und der Maria Camenzind.

Lebensbeschreibung[1]

Eduard Reichlin wurde am 19. August 1884 als achtes von vierzehn Kindern zu Schwyz geboren. Dort besuchte er auch die Volksschule und das Gymnasium. Nach der Matura trat er ins Kloster Engelberg ein, machte als Frater Pius im Oktober 1907 Profess und wurde 1910 vom Churer Bischof Fidelis Battaglia zum Priester geweiht.

Im Herbst 1910 wurde in Engelberg eine interne Realschule eröffnet, zu der sich neun Schüler gemeldet hatten. Als deren Betreuer wurde der autoritäre und für praktische Dinge veranlagte P. Pius bestimmt. Er war Klassenlehrer im vollsten Sinn des Wortes: im ersten Jahr lehrte er Religion, Deutsch (6 Stunden), Französisch (4 Stunden), Mathematik (6 Stunden), Buchhaltung, Geschichte, Stenographie und Kalligraphie erteilte die Stenographie auch in der zweiten Gymnasialklasse. Er führte ausserdem den ersten Kurs für die italienische Sprache. Er war ein Verfechter der Ideen der Alkoholabstinenz zu einer Zeit, wo man für die "Temperenzler" oft nur ein mitleidiges Lächeln übrighatte. Im folgenden Jahr war P. Pius Hauptlehrer beider Realklassen, allerdings mit einer etwas reduzierten Stundenzahl, und blieb es bis zum Juli 1915. Am Ende dieses Schuljahres stand im 64. Jahresbericht der Stiftsschule zu lesen: "Um bei den immer zahlreichem Anmeldungen für das Gymnasium den verfügbaren Raum ausschliesslich für dasselbe verwenden zu können, sehen wir uns veranlasst, mit dem nächsten Schuljahr unsere zweiklassige Realschule aufzugeben." Der anschliessende Passus dieses Jahresberichtes 1914/15 lautete: "Nach gemeinsamem Beschluss der katholischen Kollegien der Innerschweiz und Appenzells, wird in Anbetracht der stark gestiegenen Lebensmittelpreise der Pensionspreis vorläufig um monatlich 5 Fr., also für das Jahr von 580 auf 630 Fr. erhöht." Im Juni des Jahres 1916 war der langjährige Wallfahrtskaplan von Maria-Rickenbach, P. Josef Moos, gestorben. Abt Basil Fellmann bestimmte P. Pius zu dessen Nachfolger. Doch schon 1919 wurde P. Pius ins Kloster zurückgerufen. Er wurde Unterpfarrer, Religionslehrer an der Stiftsschule und schon im nächsten Jahr Pfarrer von Engelberg. Er gab das Pfarrblatt heraus und errichtete eine Lourdesgrotte an einem idyllischen Plätzchen am oberen Horbisweg.

Nach zehn Jahren Arbeit in dieser Funktion bat P. Pius den Abt, ihn von seinem Posten zu entheben. Es begann nun von 1930 bis 1954 eine Periode der Wanderjahre in einer Reihe von Arbeitsgebieten, die ihn weit in der Schweiz herumführten. So war er 1930 bis 1933 Spiritual am Mädcheninstitut "Stella Maris" in Rorschach, wo er Kardinal Pacelli kennen lernte. 1933 bis 1941 war er Spiritual im Kloster der Dominikanerinnen zu Wil SG, 1941 bis 1947 in gleicher Funktion im Frauenkloster Melchtal. 1947 bis 1949 unterstützte P. Pius seine Mitbrüder im Erziehungsheim St. lddazell in Fischingen. 1949 bis 1954 seelischer Betreuer der Schwestern und Zöglinge im Kinderheim Seltisberg bei Liestal. Maria-Rickenbach, wo P. Pius nach seinem Schuldienst 1916 seinen ersten Seelsorgsposten als Wallfahrtskaplan übernommen hatte, sollte auch die letzte Stätte seines Wirkens sein. 1954 nämlich zog er wieder hinauf zu den Fluren bei der Musenalp, doch diesmal nicht ins Kaplanenhaus, sondern als Spiritual ins Benediktinerinnenkloster Maria-Rickenbach.

"In seltener Rüstigkeit trat P. Pius an den Altar und sang mit kräf­tiger Stimme das Hochamt." So schrieben die Titlisgrüsse anlässlich des Goldenen Priesterjubiläums von P. Pius Reichlin am 26. Juni. Nach der Jubelfeier war P. Pius wieder nach Maria-Ricken­bach hinaufgestiegen, um Abschied zu nehmen und nachher zum ver­dienten "otium cum dignitate" ins Kloster zurückzukehren. Wie alle Jahre benützte er die Ferientage dazu, zusammen mit seinem Bruder P. Gregor aus Disentis seine grosse Verwandtschaft zu besuchen. Im Vaterhaus zu Schwyz wollte er sich von den Reisestrapazen noch etwas erholen, da ereilte ihn der Tod beim Mittagschlaf am 28. August 1960.

Professnummer

  • Nr. 699

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 47, 1960/61, S. 2-5, übernommen.

Bibliographie

  • Nachruf P. Robert Löhrer, in: Titlisgrüsse 47, 1960/61, S. 2-5.