Nikolaus Frei

Aus Kloster-Engelberg
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P. Nikolaus Frei ca. 1874.

Nikolaus (Julius Eugen) Frei (* 4. Juli 1841 in Mellingen; † 15. August 1902 in Kalkutta)

Lebensdaten

Profess: 17. November 1860

Priesterweihe: 7. August 1867

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1867–1874

Lehrer der Fratres: 1874–1877

Missionar in Conception: 1880–1882

Missionar in Mount Angel: 1882–1902

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Josef Anton Frei, Flachmaler, und der Kreszenzia Näfeli.

Paten: Nikolaus Anton Frei/Heinrich Frei und Luise Frei, geborene Iten.

Lebensbeschreibung[1]

P. Nikolaus wurde als Sohn des Josef Anton Frei, Flachmaler, und der Kreszenzia Näfeli, am 4. Juli 1841 in Mellingen geboren und wahrscheinlich am 5. Juli auf den Namen Julius Eugen getauft.[2] Seine Eltern stammten beide aus Mellingen. Taufpate war Nikolaus Anton Frei von Mellingen, Kanonikus und Pfarrer von Peterzell und Jona, wohl ein Onkel von Julius.[3] An dessen statt werden gennant Heinrich Frei und Luise Frei, geborene Iten, Baden und Mellingen.

Das Gymnasium absolvierte er an der Stiftsschule Engelberg. Im Herbst 1859 trat er ins Noviziat ein und konnte am 17. November 1860 auf den Namen Nikolaus einfache Profess ablegen. Die theologischen und philosophischen Studien machte er in Einsiedeln. Am 30. Juni 1863 erhielt er in der Gnadenkapelle zu Einsiedeln durch Bischof Karl Johann Greith von St. Gallen den Subdiakonat. Am 18. März 1864 legte er feierliche Profess ab und am 23. April gleichen Jahres wurde ihm durch den Bischof von St. Pölten in der Einsiedler Gnadenkapelle die Diakonatsweihe erteilt. Am 7. August 1867 wurde er in der Hofkapelle des Münchners Erzbischofs, Gregor von Scherr OSB, zum Priester geweiht. Er studierte zu dieser Zeit an der Universität in München teilweise Geschichte und wohl auch Archäologie, wie es scheint aber beide Fächer nur kurze Zeit. Hauptsächlich absolvierte er aber in München den 3. Kurs in Theologie. Nach seiner Rückkehr unterrichtete er von 1867 bis 1874 an der Engelberger Stiftsschule fast alle Fächer, dazu auch Französisch. Von 1874 bis 1877 war er Lehrer für Theologie an der Klosterschule. Zwecks Erlernung der französischen Sprache schickte ihn Abt Anselm Villiger vom November 1877 bis November 1878 nach Lunéville und anschliessend bis zum Frühling 1879 ins Kloster Solesme. Im Herbst 1878 war er mit P. Karl Anderhalden an der Weltausstellung in Paris. Ende April 1879 reiste P. Nikolaus nach Schottland ins am Südende des Loch Ness gelegene und drei Jahre zuvor gegründete Benediktinerkloster Fort Augustus. Die dortigen Mönche hatten den Engelberger Abt um die Entsendung eines Professors für Französisch und Deutsch für ihr Gymnasium gebeten. Dort unterrichtete er bis zum Sommer 1880.

P. Nikolaus in die USA zu senden war für Abt Anselm ein Ausweg aus einer grossen Schwierigkeit. Denn P. Nikolaus trug sich mit den Gedanken, aus dem Kloster auszutreten und sich säkularisieren zu lassen. Er distanzierte sich immer mehr von seinen Mitbrüdern, da er sich von ihnen nicht verstanden fühlte. Darum wohl der "Ausweg" in die weite Ferne von Schottland, dann in die USA. Das war für ihn ein Mittel "zur eigenen Ruhe" und er war bereit, wieder nach Engelberg zurückzukommen, wenn man ihn brauchen würde.[4] Zum Grund, warum sich P. Nikolaus von seinen Mitbrüdern nicht verstanden fühlte und sich deshalb von ihnen zurückgezogen hatte, macht P. Gall Heer die Bemerkung: "Das dabei auch eine fingierte Erhebung eines Mitbruders in den preussischen Adel mitbeteiligt gewesen sein dürfte, da er vielleicht ein besonders 'eifriger Verehrer der Preussen' war. Die Urkunde, die in ihrer ganzen Aufmachung und kalligraphisch schön gestaltet, vermutlich von P. Emmanuel Wagner stammt, mit 'Erhebung in den Adelsstand, des Doktorhuts der Philosophie und Theologie, Aufnahme in die Königliche Familie und mit einer Pension von 50000 Mark.' Kurz gesagt, ein Spass witziger Mitbrüder, den P. Nikolaus, vermutlich als sehr sensibler und, wie oben gehört, als sehr schüchterner Mensch, nicht verstand."

P. Nikolaus reiste 1880 nach Conception, Missouri, wo P. Frowin Conrad und P. Adelhelm Odermatt schon 1873 eine klösterliche Niederlassung gegründet hatten. P. Nikolaus zog zu P. Adelhelm, um in dessen Pfarrei Maryville in der Seelsorge mitzuhelfen. 1881 war Conception bereits eine selbstständige Abtei. Da es zu Spannungen zwischen P. Frowin und P. Adelhelm über den zukünftigen Klostertypus in Conception kam, wollte P. Adelhelm im Westen der USA selber eine klösterliche Niederlassung gründen. In P. Nikolaus fand er einen Engelberger Mitbruder, der ihm helfen sollte, dieses Pionierprojekt mit auszuführen. Im Juni 1881 verliessen die beiden das Kloster Coception und erkundeten in Kalifornien und Oregon die Möglichkeit einer weiteren Klostergründung. Die Enttäuschung, die diese Pläne bei P. Frowin hervorrief, ist in seinem Tagebucheintrag vom Frühjahr 1881 aufgezeichnet: "P. Adelhelm hat seine weltliche Gesinnung wachsen lassen und er trägt nicht einmal mehr die Kutte. Diese Trennung zwischen uns hat beim Bischof keinen guten Eindruck hinterlassen. (…) Ich glaube nicht, dass der Bischof, wenn er von allen Einzelheiten Kenntnis hätte, so leicht die Erlaubnis für dieses private Unternehmen gegeben hätte. (…) Meine Gespräche mit P. Nicholas (Frei) haben mich überzeugt, dass unsere Ansicht bezüglich religiöses Leben soweit auseinander liegt, dass wir nie einig werden könnten."[5] Der Erzbischof von Portland, Charles John Seghers, bot P. Adelhelm und P. Nikolaus die Pfarrei Gervais im Staat Oregon zur Betreuung an. Gervais liegt ganz in der Nähe des heutigen Klosters Mount Angel. Mit P. Adelhelm verliess P. Nikolaus am 9. Juni 1881 dessen Pfarrei Maryville, um ihn nach Gervais zu begleiten. Von Abt Anselm Villiger hatten sie die Erlaubnis erhalten, Gebiete im Westen Amerikas in Oregon auszukundschaften auf der Suche nach einem Ort für eine neue Gemeinschaft. Das war ein Plan, der zwar nie die formelle Zustimmung des Kapitels erhielt, aber P. Adelhelms anfänglicher Suche Schwung verlieh.[6]

Nach ihrer Abreise von Missouri durchquerten P. Adelhelm und P. Nikolaus einen Grossteil des amerikanischen Westens. Sie erkannten die unermesslichen Möglichkeiten, die sich einem neuen Kloster in diesem Land boten. Die Sicht, die P. Nikolaus von Amerika gewonnen hatte auf seiner Reise durch den Westen, unterschied sich nicht stark von der von P. Adelhelm. Sie bestand aus einer Mischung von Pessimismus über die Zukunftsperspektiven für das Mönchtum in der Schweiz und Optimismus bezüglich der Möglichkeiten in Amerika. In einem Brief aus Oregon an Abt Anselm Villiger drückte er diese zwei kontrastierenden Gefühle aus: "Ich möchte das Ganze so nüchtern wie möglich anschauen. Aber ich kann nicht umhin zu denken, dass Engelberg die augenblickliche Gelegenheit wahrnehmen muss. Im schlimmsten Fall werden die Schweizer Klöster und andere Häuser aufgehoben werden. Wenn das eintritt, dann könnte ich mir für unsere Mitbrüder keinen angenehmeren und geeigneteren Platz vorstellen als dieses Tal. Was für ein grosses Arbeitsgebiet den amerikanischen Klöstern zur Verfügung steht, das weisst du bereits."[7] Sowohl P. Nikolaus als auch P. Adelhelm, die sich mit einer Reihe von Bischöfen an der Westküste Amerikas getroffen hatten, fühlten sich gedrängt, sich seriös Gedanken zu machen über die verschiedenen Orte, die sie 1881 in Kalifornien und in Oregon angeschaut hatten. Im November 1881 bis 1882 verbrachte P. Nikolaus Zeit in San Francisco bei den Schulbrüdern, um dort sein Englisch zu verbessern und herauszufinden, wie es mit der Einladung stand, die die kalifornischen Bischöfe ausgesprochen hatten in Bezug auf ein Landstück und welche Erwartungen damit verbunden waren.[8]

Im Mai 1882 kehrte P. Adelhelm nach Engelberg zurück, um mit Abt Anselm das Unternehmen einer Neugründung in Oregon zu besprechen, während P. Nikolaus in Oregon in der Pfarrei Gervais blieb. Abt Anselm gab P. Adelhelm seine Zustimmung zu einer weiteren Klostergründung. Am 25. oder 26. September 1882 reiste die Missionsgruppe, die 52 Personen umfasste unter Führung von P. Adelhelm von Engelberg ab.[9] Zu ihr gehörten mit P. Beda Horat, P. Barnabas Held, P. Anselm Wachter und Br. Theodul Würsch vier Mönche aus Engelberg. Weiter waren es fünf Schwestern von Maria-Rickenbach, drei Sarner Schwestern, Sr. Johanna Zumstein, Sr. Rosalie Rubli, und Sr. Magdalena Suter, und einige Studenten der Stiftsschule, die später ins neugegründete Kloster "Neu Engelberg" in Oregon eintraten.[10]

Die Gruppe mit P. Adelhelm und der aus Engelberg kommenden Mitbrüdern und Schwestern kam also am 30. Oktober 1882 in Gervais (Portland) an und konnte am 1. November den ersten feierlichen Gottesdienst abhalten.[11] Der 30. Oktober aber gilt als das offizielle Gründungsdatum des Priorates und wird bis heute als Gründungstag gefeiert.[12] Diese erste Mönchsgemeinschaft, der auch P. Nikolaus angehörte, setzte sich aus fünf Priestern, einem Bruder, sieben Fratres und zwei Brüderkandidaten zusammen. Sie alle kamen nach Gervais und liessen sich am 31. Oktober dort nieder. Jahre später schrieb Abt Frowin Conrad in einem Brief an die Mitbrüder in Engelberg, dass die der Wegzug von P. Adelhelm und P. Nikolaus bei Oberen von Conception kein Vertrauen weckte: "Ich kann euch nicht sagen, wie schmerzlich es mich damals traf, und wie verlassen ich mich fühlte, als P. Adelhelm und P. Nicholaus mit dem Segen von Abt Anselm auszogen, um ihre eigene Gemeinschaft zu gründen. Und noch stärker im folgenden Jahr, als sie die volle Zustimmung und Unterstützung des Kapitels erhielten für ihr Unternehmen. Ich war fast sicher, dass sie scheitern würden, und ich machte Abt Anselm gegenüber auch kein Hehl daraus. (…) Ich kannte beide Männer zu gut, als dass ich – trotz ihrer auffälligen Begabungen – an den Erfolg ihres Unternehmens hätte glauben können."[13]

1884 war P. Nikolaus in Gervais seelsorglich tätig. Am 11. Mai 1884 wurde in Fillmore der Grundstein für das neue Kloster gesetzt, und am 14. Juli wurde das Kloster offiziell von Gervais nach Mount Angel verlegt. Diese Zeichen des Fortschritts konnten aber nicht über die persönlichen Spannungen hinwegtäuschen, die in der Gemeinschaft entstanden waren. P. Nikolaus fühlte sich von P. Adelhelm ausgeschlossen, als er von seinem Prokuratorposten abgesetzt wurde. Auch Abt Anselm beklagte die Spaltungen in der Gemeinschaft in seinen Tagebucheinträgen.[14]

Von Bischof Ägidius Jünger wurde er dann im gleichen Jahr zum neuen Pfarrer von Uniontown im Staat Washington bestimmt. In der Stadt lebten fast ausschliesslich deutsche Katholiken, zur Hauptsache Bauern, die allerdings Englisch sprachen. Am 29. November 1884 kamen drei Sarner Schwestern in Uniontown an, wo sie eine Neugründung versuchen wollten und von P. Nikolaus als Spiritual betreut wurden.[15] Er gehörte zu den Patres, mit denen Sr. Johanna schon in Gervais ihre Mühe hatte. Die Schwestern wohnten anfangs im Pfarrhaus, während sich P. Nikolaus in einem Boarding-house bei einem Bauern ein Zimmer gemietet hatte, bis die Schwestern ihr eigenes Heim beziehen konnten.[16] Bereits nach einem Monat, am 8. Dezember 1884, schrieb Sr. Johanna an den Beichtiger von Sarnen, P. Karl Anderhalden über P. Nikolaus: "Ich weiss nicht, wie mit ihm fahren. Es macht mir bang und schwer für die Zukunft. Er ist eben ein Politiker durch und durch und kein Ordensmann; das beweist er jeden Tag. Ich hoffe, ich werde nicht schon zu viel gesprochen haben, doch Sie werden fein still sein. Es ist das Schlimmste für mich, dass ich eben absolut zum Schweigen verpflichtet bin, wenn ich ihn uns günstig erhalten will und einstwilen kann die Sache doch nicht geändert werden und ich fürchte sehr, die Seelen der Schwestern werden Schaden leiden." Die Sarner Schwestern gaben in Uniontown Schulunterricht. Am 10. August 1885 konnte der Grundstein für das neue Schwesternhaus gelegt werden und schon am 3. Dezember konnten sie dort einziehen. Am 5. Februar 1886 wurde es von P. Adelhelm Odermatt gesegnet.[17] Wie schwer sich die Schwestern mit der Art und Weise der seelsorglichen Betreuung von P. Nikolaus taten und wie kompliziert und verzweifelter für sie die Situation immer mehr wurde, macht ein weiterer Brief von Sr. Johanna vom 27. Dezember 1885 an Äbtissin Durrer deutlich: "Nun noch ein grosses, schweres Anliegen, in welchen Sie uns, trotz guten Willens, nicht anders werden Hilfe leisten können, als durch Gebet. Die Priesterfrage wird nämlich für uns immer ernster. Den ganzen Sommer über hatten wir so wenig Messe; beichten konnten wir, mit wenig Ausnahmen nur alle 14 bis 16 Tage oder noch länger nicht und dann gibt’s meistens nur Busse und Absolution; item, das ist ja die Hauptsache. Er (P. Nikolaus) hört uns manchmal nicht Beicht bis am Sonntag, wo wir Stunden lang warten und uns mit den Leuten herumschlagen müssen, um nur zuzukommen. (...) Hochw. P. Prior wird entweder auf Neujahr oder im Februar hierher kommen. Er kann uns auch nicht helfen, wenn der Gnäd. Herr (Abt Anselm Villiger) ihm keine Hilfe schickt; wenn wir nur P. Beda bekämen. Ich konnte noch bei allen äussern Schwierigkeiten den Muth bewahren; aber diese Verhältnisse, diese beraubung geistlicher Hilfe und der Gnadenmittel entmuthigt mich wirklich, besonders da ich sehe, dass der Priester nicht will und wenn er könnte. Was soll aus unserm geistlichen Leben werden? Ich fühle, wie viel es bei mir abwärts gegangen und sehe, wie es auch bei andern geht. Wenn sich nur der Gnäd. Herr entschliessen könnte, uns zu helfen! Es kann in die Länge nicht so gehen mit uns; oder sollen wir hier sein, um unsere Seelen zu verlieren?"

Ein grosses Problem hinsichtlich der seelsorglichen Betreuung der Schwestern war natürlich auch dadurch bedingt, das P. Nikolaus selten in Uniontown war, weil er auch in anderen Stationen seelsorgliche Verpflichtungen hatte. Aber es lässt sich wohl nicht von der Hand weisen, dass P. Nikolaus nicht sehr gerne bei den Schwestern war, da sich die Situation mit P. Nikolaus als Seelsorger für die Schwestern ein Jahr später scheinbar noch um einiges verschlechterte.

Am 19. September 1887 teilte Sr. Johanna dem Spiritual vom Kloster Sarnen mit: "Die Missionen sind nun getrennt und Father Niklaus hat Colfax mit Umgebung. Es war für uns gut, dass er von hier wegkam. Er scheint so recht das Zeug zu einem ächten Geizhals zu haben. Item, er wird sein Glück wo anders suchen wollen, das er im Orden nicht zu finden scheint." 1887 erhielten die Schwestern dann einen neuen Spiritualen in der Person des Pfarrers von Uniontown, Rev. Father Anthony Joehren.[18] 1888 war P. Nikolaus in Colfax, Washington Territory. 1890 verliess er Mount Angel, um eine Pfarrei in der Nähe zu übernehmen.[19] Am 7. April 1891 bemerkte Sr. Johanna ihrer Äbtissin gegenüber, hinsichtlich der eigen veranlagten Priester und deren schlechte Gottesdienste: "Wir haben schon schlechtere Zeiten gesehen, es schaudert mir, wenn ich an P. Nicolaus zurück denke."

Heer schreibt in seinem Professbuch-Manuskript für die Zeit um 1890 ohne eine Quellenangabe zu nennen: "Inzwischen hatte P. Nikolaus und P. Adelhelm das Bürgerrecht der USA angenommen, da sie auf der Suche nach einen Platz für ein neues Kloster in Oregon bei Bodenschürfungen auch auf Gold und Silberminen gestossen waren und hofften, noch weitere Funde zu machen. Dafür bot ihnen das Bürgerrecht beste Möglichkeiten. Doch mussten sie sich mit bescheidenen Funden begnügen. Das Schweizer Bürgerrecht behielten sie aber beide, da sie 'Engelberger' bleiben wollten."

Trotzdem scheint sein Verhältnis zu den Schwestern sich mit der Zeit wieder etwas entspannt zu haben, wie die folgenden kurzen Briefauszüge von Sr. Johanna an ihre Äbtissin, über ihn erkennen lassen. Am 10. März 1901 schrieb sie zur Wahl von P. Leodegar Scherer zum Abt von Engelberg: "Sogar P. Nikolaus freut sich über dessen Wahl. (…) Heut Abend hat P. Nikolaus hier übernacht, was uns sehr freut." Am 25. März : "P. Nikolaus kommt nun öfter hierher und ist recht gemütlich. Er will die Sachen in Uniontown ganz im Alten bleiben lassen, da Rev. Joehren den Leuten gesagt, er werde nach 6 Monaten wieder kommen." Am 8. September, als Abt Frowin bei ihnen die Exerzitien hielt und sieben Kandidatinnen einkleidete: "Auch P. Nikolaus von Uniontown hatte eine grosse Freude." Am 6. November 1901: "P. Nikolaus ist heut auch hier! Ich weiss noch nicht, wann er von Uniontown los kommt; ich hoffe, er wird sie auch besuchen, wenn er heim kommt." Aus diesen Zeilen ist klar ersichtlich, dass P. Nikolaus schon seine Rückkehr in die Schweiz beschlossen hatte. Am 4. Juli 1902 schrieb Sr. Johanna u. a.: "P. Nikolaus will zuerst die Welt recht anschauen und auch das hl. Land besuchen, bevor er sich in die Zelle setzt. Er reiste am 17. Mai per Schiff von St. Franzisco ab. Später schrieb er eine Karte von Honolulu, kürzlich eine von Tokjo, Japan; er wird schon eines schönen Tages erscheinen und Ihnen was zum Lachen vorsetzen." Dazu sollte es aber nicht kommen. Am 30. September 1902 teilte Sr. Johanna mit: "Vor zwei Tagen kam die Nachricht, dass rev. P. Nikolaus Frei auf seiner Reise in Calcutta, Indien plötzlich gestorben sei an einem Herzleiden. Datum unbekannt. (…) Wegen P. Nikolaus muss es wahr sein, denn er hat seit Juni nicht mehr geschrieben. Der arme Tropf! Er sehnt sich sehr, das hl. Land vor seinem Tode zu sehen. Er wollte sich recht gut zum Tode vorbereiten und in der Zelle als Mönch sterben. Nun hat Gott es anders gefügt. Hier ist in der ganzen Diözese Seelengottesdienst für ihn gehalten worden. Ich denke, er hatte ziemlich Geld, es wird aber wohl schon einen Besitzer gefunden haben. Unser Rev. Father Frei schenkte ihm noch einen 'Pax', weil er dieses Buch so sehr liebte."

P. Nikolaus hatte also, nachdem er einige Zeit in Kalifornien und in den Dakotas verbracht hatte, sich entschlossen, wohl vom berühmten "Schweizer-Heimweh" gepackt, nach Engelberg zurückzukehren. Die Rückreise über den Pazifik im Jahr 1901 brachte ihn nach Kalkutta, wo er am 15. August 1902 starb.[20] Erst am 8. September 1902 bekam Abt Leodegar und der Konvent von Engelberg vom Hauptbüro des Verkehrsbüros in London die überraschende Nachricht, dass P. Nikolaus an den Folgen eines Pockenanfalls[21] aber noch durch einen Pfarrer mit den Sterbesakramenten versehen, unerwartet gestorben sei.[22] Hierin hiess es, dass seine Fahrt auf den kürzesten Weg von San Francisco an die Küste des Stillen Ozeans, hinüber nach Japan und Indien ging, wo ihn in Kalkutta der Tod einholte. P. Nikolaus wurde 61 Jahre alt.

Hier soll der Nachruf zu ihm aus der Schweizerischen Kirchenzeitung vom 7. November 1902, Nr. 45, angeführt werden, den diese aus der Katholischen Rundschau von Texas zugesandt bekam. Er enthält Nachrichten, die in den oben angegebenen Quellen nicht enthalten sind: "Trauriger Tod eines Missionärs. (…) Durch die bekannte Cook-Agentur langte die traurige Nachricht an, dass P. Nikolaus Frei, OSB, in Indien an der Cholera gestorben ist und zwar ganz allein und verlassen. P. Frei kam von Engelberg, Schweiz, in den siebziger Jahren nach Amerika und war einer der Gründer des Klosters Mount Angel, Oregon. - Bei dem zu damaliger Zeit herrschenden Priestermangel musste der Verstorbene bald Missionen übernehmen und verlassene Plätze versehen und zwar unter den allerschwierigsten und undankbarsten Verhältnissen. P. Frei war kein geborener Missionär, sondern ein geborener Gelehrter. Er hatte ausgezeichnete theologische Studien gemacht, so auch an der Universität in München, wo er Haneberg, Döllinger, Friedrich und andere bekannte Grössen als Professoren gehabt. Er widmete sich besonders der Kirchengeschichte und Archäologie und besass auf diesem Gebiete grosse und tiefe Kenntnisse, die er auch in Amerika, in einem neuen Kloster, verwenden zu können hoffte. Seine Hoffnungen wurden getäuscht, er musste wie die andern hinaus aus dem lieben Kloster ins harte Missionsleben, das ihm doppelt schwer fiel. Nichtsdestoweniger stellte er seinen Mann, arbeitete viel, baute Kirchen und Schulen, war viel auf Reisen, logierte einmal einen ganzen Winter im kalten Norden in einem elenden Stalle, fror oft in der Kirche und in seinem Hause, weil er zu schüchtern war, Holz zu betteln oder zu verlangen, war überhaupt viel zu bescheiden, zu ruhig und zu gut in den schwierigen amerikanischen Verhältnissen, in die er sich nie recht fügen konnte. Kein Wunder, sehnte er sich immer nach der stillen Zelle, nach dem Mutterkloster, nach der schönen Bibliothek desselben. Er wäre schon längst dorthin zurückgekehrt, aber in seiner angeborenen Schüchternheit wollte er nicht darum bitten, auch wollte er sich das Geld zur Rückkehr selber verdienen. Endlich, nach 22-jährigem, hartem Arbeiten hatte er so viel erspart, dass er die Reise wagen konnte, und auf Erlaubnis seiner Obern hin verliess er Amerika, um in sein Mutterkloster Engelberg in der Schweiz müde zurückzukehren. Da er an der pazifischen Küste wohnte, wählte er den Weg über den pazifischen Ozean, um auf dem Heimweg das heilige Land, Monte-Cassino und Rom zu berühren und um seine Kenntnisse in Kirchengeschichte und Archäologie so noch zu bereichern und später in seinem Mutterkloster zu verwenden."

Professnummer

  • Nr. 634

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. P. Gall Heer nennt den 5. Juli als Geburtsdatum.
  3. Rothenflue, Toggenburger Chronik, Bütswil, 1887, S. 117.
  4. StiArEbg Tagebuch Abt Villiger, 1. August 1877.
  5. Rippinger, Struggle and Ascent: The History of Mount Angel Abbey, S. 9.
  6. Ibidem, S. 13.
  7. Ibidem, S. 13. Es ist ungewöhnlich, dass der Abt mit "du" angesprochen wird.
  8. Ibidem, S. 14.
  9. SMGB 4, 1. Bd., S. 151–152, wo auch P. Nikolaus fälschlicherweise unter den Engelberger abreisenden Patres genannt wird. Der Verfasser ist nicht angegeben, aber wohl P. Adalbert Vogel; P. Barnabas Held nennt den 26. September als Abreisetag, vgl. SMGB 5, Heft 1, 1884, S. 482; Nach Altabt Leonhard Bösch, Benediktinerinnen von Maria-Rickenbach, S. 85-86, reisten sie am am 23. September 1882 ab. Nach Aufzeichnungen von Sr. Johanna am 26. September; P. Gall Heers Angaben können nicht stimmen, wenn er schreibt: P. Nikolaus trat die Reise in die USA nach Conception resp. Marywille am 16. Oktober 1884 mit einigen Gefährten und sechs Schwestern von Maria-Rickenbach an. Nach einer zehntägigen Schiffahrt kamen sie am 26. Oktober 1885 in New York an, und nennt als Quelle P. A. Vogels Notizen.
  10. Bösch, Benediktinerinnen von Maria-Rickenbach, S. 85–86; Bürcher, Robert: Das Ausgreifen in die Welt: Tochtergründungen in den USA: Missionsaufgaben in Kamerun, in: De Kegel, Rolf (Hg.): Bewegung in der Beständigkeit: zu Geschichte und Wirken der Benediktinerinnen von St. Andreas, Sarnen Obwalden, S. 63-86, gleich wie bei Bösch, und Rippinger, Struggle and Ascent: The History of Mount Angel Abbey, S. 15-17.
  11. Bürcher, Manuskript, S. 4.
  12. Struggle and Ascent: The History of Mount Angel Abbey, S. 18.
  13. Ibidem, S. 18.
  14. Ibidem, S. 21.
  15. Archiv Kloster St. Andreas, Sarnen, Brief vom 23. November 1884 von Sr. Johanna an Äbtissin M. Nikola Durrer.
  16. Archiv Kloster St. Andreas, Sarnen, Brief v. Sr. Johanna an Äbtissin Durrer vom 1. Dezember 1884.
  17. Archiv Kloster St. Andreas, Sarnen.
  18. Bürcher, S. 5.
  19. StiArEbg Tagebuch Abt Anselm Villiger, Bd. V., S. 156.
  20. Rippinger, Struggle and Ascent: The History of Mount Angel Abbey, S. 21, Anm. 3.
  21. Laut Schweizerischen Kirchenzeitung an Cholera.
  22. Mitteilung durch die Cook Sons.- Agentur London 30. Okt.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 151.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.