Nikolaus Feierabend

Aus Kloster-Engelberg
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Nikolaus (Josef) Feierabend (* 7. März 1779 in Engelberg; † 12. September 1859 in Küssnacht)

Lebensdaten

Profess: 26. April 1795

Priesterweihe: 19. März 1802

Primiz:

Ämter

Präfekt: 1803–1807

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Maurus Feyerabend, Kammerdiener und Chirurg, und der Anna Barbara Infanger.

Cousin: P. Bernhard Infanger

Lebensbeschreibung[1]

Die Feierabend sind ein altes Engelberger Geschlecht. In Engelberg wurde P. Nikolaus den Eltern Maurus Feierabend, dem bekannten Kammerdiener und Chirurgen und der Anna Barbara Infanger am 1. März 1779 geboren. In der Taufe erhielt er den Namen Joseph Bernhard. Als er 1794 mit der Bitte um Aufnahme ins Kloster ans Kapitel gelangte, war der Vater bereits gestorben. Er starb am 29. April 1792 im Alter von 41 Jahren. Josef Eugen Müller, der spätere Talammann, war Bernhards Vormund. Im Einverständnis mit Bernhard wollte Müller keine Mitgift in bar bezahlen, sondern in Gültbriefen, im Wert von 1650 Pfund oder 118 flor. Das Erbe des Vaters machte ca. 600 flor. aus. Es sollte sichergestellt werden, unter Pfand genommen und ans Kloster fallen, wenn der jüngere Bruder Joachim ohne Kinder sterben sollte.

Das Kapitel, das über den Eintritt Feierabends befinden musste, sagt von ihm, er sei hervorragend begabt und fleissig, aber noch ein Kind im Denken und Handeln sowie körperlich, er sei eigentlich kaum reif für das Noviziat, ausserdem erst 15 Jahre alt. Er wurde aber doch angenommen und legte am 26. April 1795 als Fr. Nikolaus Profess ab.[2] Die Befragung der helvetischen Kommission am 2. November 1798 ergab, dass er alle Studien, die Inferiora und Superiora, im Kloster absolvierte.[3] Über die Weihen fehlen die Zeugnisse, die er wohl später noch brauchte. Die Priesterweihe empfing er am 19. März 1802.

Er kam schon bald an die Klosterschule und wurde deren Präfekt. Am 3. Februar 1804 machte er eine Kur in Zug.[4] Am 28. Oktober 1807 gelangte Schultheiss und Rat von Luzern an Abt Karl Stadler mit dem Ersuchen, "dem Herrn Nikolaus Feierabend, dasigen Kapitularen, mit der Professorenstelle für Physik am hiesigen Lyzeum zu belehnen".[5] Die Regierung hatte die freie Lehrstelle zur Bewerbung ausgeschrieben und stellte den Bewerbern freie Wohnung im Kollegium, die Anwartschaft auf ein Kanonikat im Hof und eine jährliche Besoldung von Fr. 955 in Aussicht. Der Engelberger Konventuale Nikolaus Feierabend wurde gemäss Berichten als vorzüglicher Physiker und Mathematiker anerkannt. Daher erhielt er die Physikprofessur.[6]

Bereits 1809 verliess P. Nikolaus Luzern wieder, offenbar weil er sich noch besser ausbilden wollte.[7] Tatsächlich war das nur eine Ausrede. Denn er hatte sich in Luzern wegen anstössigen Benehmens unmöglich gemacht. Er pflegte eine sonderbare Freundschaft mit einem Studenten. Weil dieser Fall auf unfaire Weise gelöst wurde und der unschuldigen Professorenmagd Feierabends von Seiten der Regierung und des Erziehungsrates Thadäus Müller Unrecht widerfuhr, reichte Präfekt Füglistaller am 22. Oktober 1809 aus Protest und verletzten Ehrgefühl seine Demission ein. Gügler und Widmer, beide als Professoren Feierabend nahestehend, rieten ihm, auf Ende des Schuljahres zu demissionieren. Feierabend suchte statt dessen, Rückhalt bei Thadäus Müller. Die Professorenmagd war nämlich seine Cousine. Rosa Infanger war die Schwester des Engelberger Paters Bernhard Infanger und Base Feierabends. Dieser brachte dem Stadtpfarrer Müller bei, Rosa Infanger sei von dem betreffenden Studenten belästigt worden. Müller berief darauf Rosa Infanger zu sich, sie erklärte jedoch, sie habe sich nicht nur gegenüber dem Studenten erwehren müssen, sondern auch gegen ihren Cousin. Trotzdem setzte sich Müller für P. Nikolaus ein und forderte die Magd auf, das Professorenheim zu verlassen. Feierabends Verfehlungen dagegen glaubte er geheim halten zu können. Gügler und Widmer hatten die Auffassung, die Haltung Müllers sei gegen sie gerichtet und drohten Feierabend, sodass er seine Demission einreichte. Er begründete sie aber, damit, "er wolle sich weiterer Ausbildung widmen".[8] Er war zwar sonst in Luzern gut angeschrieben. So rühmte am 24. August l807 Schultheiss Vinzenz Rüttimann seine vorzüglichen Kenntnisse in Physik und Mathematik.[9]

P. Nikolaus ging zunächst nach Yverdon zu Johann Heinrich Pestalozzi, wo er vom November 1809 bis Februar 1810 weilte. Er wurde auch hier von den Zeitgenossen mit kritischem Vorbehalt beurteilt, so von Minister Mohr aus Luzern, der an Paul Usteri in Zürich schrieb, das Geschwätz über sein Verhalten in Luzern sei auch nach seiner Abreise nicht verstummt.[10] Nach solchen Misserfolgen wollte P. Nikolaus wieder ins Kloster zurückkehren und gelangte am 29. März an Abt und Kapitel. Das Kapitel aber sprach sich einhel1ig gegen eine Rückkehr aus, er habe ihm seit zwei Jahren den Rücken gekehrt.[11] Die Folge war, dass er sich säkularisieren liess.

Er war von 1809 bis 1813 Kaplan in Maria Rickenbach und wurde dann Pfarrhelfer in Ingenbohl. Am 3. April 1815 wurde zum Pfarrer von Küssnacht gewählt, wo schon früher mehrere Patres aus Engelberg gewirkt hatten. Am 10. Dezember 1814 wählte ihn der Kirchenrat zum Kaplan und übertrug ihm die Lateinschule von Küssnacht. Im folgenden Frühling wurde er als Pfarrer gewählt und durch den Bischofsverweser Bernhard Göldlin von Tiefenau bestätigt. Bisher war er nirgends als Dichter hervorgetreten. Nun aber begann er für die verstorbenen Pfarrangehörigen gereimte Grabinschriften zu verfassen. Vor allem aber schuf er hier ein Bruderklausenspiel unter dem Titel "Bruder Klaus oder die Tagsatzung in Stans, ein vaterländisches Schauspiel in fünf Aufzügen". Das Spiel wurde 1824 in der Sust von Küssnacht aufgeführt urld fand aJlgemein viel Anerkennung. Anfang Dezember 1847 erklärte er dem Bezirksammann, er würde auf die Pfarrpfründe resignieren, wenn er für sein weiteres Auskommen eine jährliche Pension erhalte. Man gab ihm aber mit Wendelin Elsener, Kaplan in Weggis, statt dessen einen Vikar zur Seite.

Den Pfarrer aber wollten die Bürger behalten. Am 24. Juli 1853 machte ihn die Bezirksgemeinde zum Ehrenbürger. Auch jetzt wollte die Mehrheit der Bürger von seiner Resignation nichts wissen. Sie meinte, dass er als Pfarrer bleiben möchte, bis es dem lieben Gott gefalle, ihn zu sich abzuberufen. Mit seinem Vikar Elsener war er aber nicht in allem zufrieden und fand durch ihn keine Entlastung in den Pfarrarbeiten. An der Früh1ingsgemeinde 1855 erklärte er selber, er überlasse die Frage einer Pension dem Ehrgefühl der Gemeinde und reiche seine Resignation ein, damit man einen Nachfolger wäh1en könne. Man war mit dieser Lösung einverstanden. Als aber 1855 der 77-jährige Roncakaplan starb und die sogenannte Runggsche Familienpfrund in Gefahr stand, aufgehoben zu wedden, meldete sich Pfarrer Feierabend, und die Familie Ronca wählte ihn auf den 1. Januar 1865 zum Ehrenkaplan, der die Lateinschule zu führen hatte. Nach dreieinhalb Jahren starb er am 12. September 1859 an Altersschwäche.[12] P. Nikolaus hatte noch einen Bruder, Joachim (1780–1842), den Abt Karl Stadler dem bekannten Historiker Johann von Müller empfohlen hatte, der damals Kustos der kaiserlichen Hofbibliothek in Wien war.[13] In der Frage, ob er Anspruch auf die Rückzahlung der seiner Zeit geleisteten Aussteuer habe, wandte er sich an den Landammann Franz Nikolaus Zelger in Stans. Dieser war dem Kloster wohlgesinnt und mit Abt Karl Stadler befreundet, sodass ihm diese Frage peinlich sein musste.

Er kam denn auch in seiner Antwort nicht über vertröstende Worte hinaus.[14] In Rickenbach (Reichenbach) erhielt Feyerabend im Sommer 1811 den Besuch eines ehemaligen Schülers von Yverdon, des preussisch-polnischen Ms. Michael Ksyoneek, der auf der Heimreise aus der Innerschweiz war und mit dem Pestalozzi noch in Korrespondenz stand.[15] Literarisch ist P. Nikolaus nicht stark hervorgetreten, doch schrieb er das Büchlein "Gebet-und Betrachtungsbuch zur Verehrung der hochheiligen Familie Jesus, Maria und Josef, zum Gebrauch der hochlöblichen im Stande Unterwalden nid dem Wald errichteten Josephsbruderschaft, dann auch der dasigen Bruderschaft unter dem Titel der sieben Schmerzen Mariä eingeführt, endlich zur Erbauung aller Verehrer der hochheiligen Familie Jesus, Mariä und Josef".[16] Ausserdem schrieb er ein praktisches Büchlein "Das ausgerechnete Heumass oder der schnelle und sichere Heurechner" Schwyz 1822. Über den Fall Feierabend - Gügler - Füglister vgl. auch Boesch-Kottmann, 400 Jahre Höhere Lehranstalt Luzern. Luzern 1974, 289. Hier wird beigefügt, die Regierung habe Feierabend sogar noch ein Stipendium für sein Weiterstudium im Ausland gewährt. Von Küssnacht aus stand Feyerabend auch in Korrespondenz mit dem stark liberali­sierenden Pfarrer Alois Fuchs[17] für sein Ansehen spricht die Aufmerksamkeit, die man ihm wegen seines Eintretens gegen ein Bistum unter dem Abt von Einsiedeln schenkte. Er setzte sich für ein Bistum Luzern ein. Mit Alois Fuchs war Feyerabend noch 1832 in Kontakt, ihm sandte er wie auch andern liberalen Führern seine Schrift: nner grosse Abfall vom Vaterland" (Hier ist Dr. Pfyl ein Lapsus unterlaufen, wenn er vom11Arzt Joachim Feyerabend in Küssnacht" schl!iiübt. Joachim war der Bruder, aber nie in Küssnacht. Pfyl, 130, Anm. 22). Cf. Heer, Aus 11ba.xJm:xgKFI.gium.Rn Festschrift Boesch 1980, 161 f·

Ein sehr anerkennender Nachruf auf den am 12. Sep. 1859 verstorbenen P. Nikolaus Feyerabend erschien in der Schweiz. Kirchenzeitung 1859, 391. Hier wird erwähnt, er sei seit längerer Zeit kränklich gewesen und von heftigen Schmerzen heimgesucht worden, er sei zweimal mit den heiligen Sterbesakramenten versehen worden und in frommer Hingabe gestorben, am Montag,i um zwölf Uhr, als Greis von 81 einhalb Jahren, der bis zuletzt ohne Brille 1esen konnte und ein erstaunliches Gedächtnis bewahrt habe,

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Acta capitularia IV (Juni 1754 – Dez. 1797), StiArEbg cod. 193, S. 563.
  3. StiArEbg cod. 278, S. 85.
  4. StiArEbg cod. 53, 3. Februar 1804.
  5. Stiftsarchiv Engelberg, Personalia.
  6. D. Leisibach, Die Aufhebung des Luzerner Jesuitenkollegiums 1774. Baldegg, Selbstverlag 1978, S. 22l, Vgl. Stiftsarchiv Engelberg, Coll. Odermatt IV, 161 ff, 301.
  7. Odermatt IV, 165 ff.
  8. Kaspar, Alois Gügler, S. 87.
  9. Odermattrn Coll. Cod. 213, S. 161. Über Rüttimann, vgl. Dommann H. in Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte, ebenso in Gfr. 77 und 78 (1923).
  10. Brief von Dr. E. Dejung, Winterthur, 12. Mai 1965 an P. Gall Heer. Vgl. auch seine Ausgabe der Briefe Pestalozzis, Zürich, Orell Füssli, 1965.
  11. Acta Cap. Cod. 280, S. 4.
  12. Wyrsch, Pfarrkirche St. Peter und Paul in Küssnacht a.R. S. 51ff.
  13. Heer., Aus der Vergangenheit 387.
  14. Beck Peter, Franz Nikolaus Zelger als Landammann, in: Beiträge zur Geschichte Nidwaldens, Heft 27, Stans 1961, S. 58.
  15. Brief von Dr. E. Dejung, Winterthur, vom 12. Mai 1965.
  16. Gedruckt in Einsiedeln, bei Benziger und Eberle, Kantonsbuchdrucker 1813, 381 S. (ohne Register).
  17. vgl. Pfyl, Alois Fuchs. Dissertation. Freiburg 1971, S. 155.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 138.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.