Maurus Schlumpf

Aus Kloster-Engelberg
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Maurus (Franz) Schlumpf (* 15. Juli 1783 in Steinhausen; † 5. März 1860 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 27. Januar 1805

Priesterweihe: 11. Mai 1806

Primiz: 18. Mai 1806

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1807–1820?

Präzeptor: 1808–1820?

Zeremoniar: 1808–1820?

Pfarrer in Engelberg: 1820–1822, 1831–1832, 1835–1851

Küchenmeister: 1820–1822

Pfarrer in Sins: 1822–1827

Pfarrer in Abtwil: 1827–1831

Prior: 1832–1835

Novizenmeister: 1832–1835

Brüderinstruktor: 1832–1835

Grosskellner: 1851–1859

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Adam Schlumpf, Landwirt und Tierarzt, und der Anna Marie Fähndrich.

Bruder: Melchior Schlumpf, Pfarrer, Dekan, Domherr, bischöflicher Kommissar und päpstl. Geheimkämmerer

Neffen:

  • Pfarrer Karl Josef Schlumpf
  • P. Wolfgang Schlumpf im Kloster Einsiedeln
  • P. Alois Meier SJ von Cham (1831-1872)

Lebensbeschreibung[1]

P. Maurus wurde als Sohn des Landwirts und Tierarztes Adam Schlumpf und dessen Frau Anna Marie, geborene Fähndrich, am 15. Juli 1783 in Steinhausen ZG geboren und auf den Namen Franziskus getauft.[2] Die Familie zählte 13 Kinder von denen mehrere geistliche Berufe ergriffen.[3] Ein Neffe, P. Alois Meier SJ von Cham, kam nach der Ausweisung des Ordens aus Deutschland nach Engelberg, starb hier am 19. August 1872 und wurde in der Klostergruft beigesetzt. Wo P. Maurus seine Studien machte, ist nicht überliefert. Möglicherweise besuchte er mit oder vor seinem jüngeren Bruder Melchior die Schule der Jesuiten in Luzern, die als Staatsschule nach der Aufhebung des Ordens weitergeführt wurde.[4] Seine Studien hatte er zum grössten Teil schon vor seinem Klostereintritt abgeschlossen.

Wegen des von 1798 bis 1805 dauernden Verbots der helvetischen Regierung, Novizen aufzunehmen, konnte er mit seinem Mitprofessen Fr. Benedikt Bütler, erst am 27. Januar 1805 als Fr. Maurus Profess ablegen. Die heiligen Weihen erteilte ihm alle der Nuntius Fabricius Testaferrata in Luzern. Schon am 9. März 1805 erhielt er den Subdiakon, am 21. Dezember 1805 den Diakon und am 11. Mai 1806 in dessen Hauskapelle in Luzern die Priesterweihe mit Dispens wegen mangelden Alters. Die Primiz feierte er am 18. Mai 1806.

1807 wurde er Lehrer an der Klosterschule für die unteren Klassen und der Kalligraphie. 1808 wurde er Zeremoniar und Präzeptor (Präfekt) der Klosterschule, ein Amt, das er bis 1820 ausübte. In dieser Funktion führte er nach nach dem Morgengebet einen patriarchalischen Brauch weiter: Jeder einzelne Student musste vor ihm hintreten, worauf er ihm das Kreuz auf die Stirne zeichnete; der Senior der Studenten hielt ihm dabei das Weihwassergefäss hin. Es folgte eine kurze Lesung aus der hl. Schrift und eine Exhorte des Präzeptors. Nachher reichte er jedem die Hand zum Kuss, und wenn er einem diese Ehrenbezeigung verweigerte, konnte er damit rechnen, dass er beim Obern in Ungnade gefallen war und Strafe zu gewärtigen hatte. Um 1817 waren es 21 Schüler. Diesen Brauch führte auch noch sein Nachfolger als Präzeptor, P. Beat Camenzind weiter.[5]

Vom 12. Januar 1820 bis 1822 war er das erstmals Pfarrer von Engelberg, Leiter der Talschule und zugleich auch Küchenmeister. Am 13. Dezember 1822 wurde er als Pfarrer und Statthalter nach Sins berufen, wo er bis 1827 wirkte.[6] Von der Sinser Bevölkerung wurde er nicht P. Maurus, sondern einfach Pfarrer Schlumpf genannt, wie es im Aargau für die Engelberger Geistlichen üblich war.[7] Als Pfarrer von Sins nahm er sich gleich von Anfang an besonders um die Schule an und suchte manche Misstände zu beseitigen. Vor allem bedrückten ihn, wie schon seinen Vorgänger, der unhaltbare Zustand der kleinen und überfüllten Klassenzimmer und er versuchte, diese Missstände zu verbessern. Noch in hohem Alter liess er sich von dem berühmten Pädagogen Pater Girard in Freiburg, in der sogenannten Lankasterschen Methode unterrichten, die Deutsch als Unterrichtssprache vertrat und die schwächeren Schüler durch die besseren förderte. Er führte diese Lehrweise in den Schulen zu Ättenschwil und Alikon ein, um den kleinen Raum besser benutzen und die Schüler gleichzeitig lehren und beschäftigen zu können. P. Maurus war, wie ehedem sein Engelberger Mitbruder P. Berchtold Villiger, ein tätiger und einsichtsvoller Förderer der Schule.[8]

Als Pfarrer von Sins organisierte P. Maurus die Translation des Katakombenheiligen Felix von Rom.[9] Am 23. November 1827 wurde er von der Pfarrei Sins auf die Pfarrei Abtwil am Lindenberg als Pfarrer geschickt, wo er bis zum 23. Dezember 1831 wirkte.[10] 1831 wurde er das zweite Mal für ein Jahr Pfarrer von Engelberg. Dort war er auch Beichtvater der damals zeitweise von Baldegg 1851 als Lehrschwester nach Engelberg gekommenen Schwester Gertrud Leupi. Sie war die Gründerin des Frauenklosters Maria–Rickenbach sowie der Frauenkonvente von Yankton in den USA und anschliessend des Institutes Marienburg bei Wikon.[11]

P. Maurus versah dann in kurzfristigen Wechseln mehrere Ämter. Von 1832 bis 1835 war er Prior des Konventes sowie Novizenmeister und Brüderinstruktor. Ab 1835 wurde er dann zum dritten Mal, diesmal für 16 Jahre, Pfarrer von Engelberg. Von 1851 bis 1859 war er Grosskellner und in dieser Eigenschaft auch als Seidenmeister für die Seidenkämmelei und Fergerei zuständig.[12] 1859 zieht er sich von seinen Ämtern und Geschäften zurück. Am 5. März 1860 starb er nach einer längeren Krankheit, nachdem er viermal die Sterbesakramente mit Kommunion empfing, mit 76 Jahren.[13] Er war von grosser Statur und kräftigem Körperbau, dabei von aszetischer Lebensweise und strenger Regeltreue.[14] Der Nekrolog zum Todestag sagt von ihm: "Disziplinae regularis tenacissimus et omnibus fere Monasterii officiis functus" - er war von strenger Regeltreue und bekleidete fast alle Klosterämter.

Professnummer

  • Nr. 592

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Iten, Tugium-Sacrum I, S. 352.
  3. Sein Bruder Melchior wurde u. a. auch vom Engelberger Mönch P. Gregor Strebel, damals Pfarrer von Abtwil, in die ersten Lateinkenntnisse eingeführt. Er wurde 1821 Priester und dann 1837 Pfarrer von Steinhausen, dann Dekan, Domherr, bischöflicher Kommissar und päpstl. Geheimkämmerer (vgl. Iten, Tugium-Sacrum I, S. 352–353.)
  4. Leisibach, Die Aufhebung des Luzerner Jesuitenkollegiums 1774, S. 70 ff.
  5. Heer, Unsere Klosterschule vor 150 Jahren, in: Titlisgrüsse 56/1, Dezember 1969, S. 19.
  6. Hess, Pfarrgeistliche, S. 109, Nr. 68.
  7. Hess, Das geistliche Engelberg, S. 31, Nr. 57.
  8. Rohner, Schule Sins, S. 62-63.
  9. Rohner, Leben und Werk, Bd. 2, 1985, S. 170-173.
  10. Hess, Pfarrgeistliche, S. 118, Nr. 16.
  11. Jäger, Sr. Gertrud Leupi, 1974, S. 58-60 und 100 Jahre Schwestern Institut Heiligkreuz Cham, Festschrift 1962, S. 30.
  12. Fassbind, in: Geschichtsfreund 108, 1955, S. 33.
  13. Nachruf in der Schweizerischen Kirchen-Zeitung, Beil. Nr. 21, 14. März 1860.
  14. Acta capitularia IX (1851–1924), StiArEbg cod. 284/1, 5. März 1860. Vogel, Catalogus biogr., S. 222.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 140, Nr. 592.
  • Nachruf in der Schweizerischen Kirchen-Zeitung, Beil. Nr. 21, 14. März 1860.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.

Weitere Informationen zum Leben von P. Maurus Schlumpf, insbesondere zur Translation des Katakombenheiligen Felix nach Sins und seiner Rolle als Beichtvater der Sr. Gertrud Leupi, unter StiArEbg, Manuskript Br. Meinrad Haberl.