Maurus Müller

Aus Kloster-Engelberg
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Maurus (Josef Maria) Müller (* 8. Mai 1733 in Ursern; † 16. Juni 1804 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 23. Januar 1752

Priesterweihe: 9. Mai 1756

Ämter

Lehrer der Fratres: 17?–1762, 1772–1775

Küchenmeister: 1762–1764

Prior: 1764–1772, 1775–1803

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Jodok Anton Müller (1679–1760) und M. Dorothea Müller.

Burder: Josef Anton (1749–1810), OCap, 1792 Provinzial der Schweizer Kapuziner

Cousin: P. Konrad Christen.

Pate: Johann Jakob Müller und Anna M. Schmid.

Lebensbeschreibung[1]

P. Maurus war Urner und wurde den Eltern Jodok Anton Müller und M. Dorothea Müller am 8. Mai 1733 geboren. In der Taufe erhielt er den Namen Josef Maria. Pate standen Johann Jakob Müller und Anna M. Schmid. Die Firmung erhielt er durch Bischof Josef Benedikt von Rost von Chur. Pate war dabei Ratsherr Franz Joseph Nager. Den Taufschein stellte Pfarrer P. Josef von Muri, Pfarrer in Hospenthal, am 10. Januar 1751 aus. Der Vater, ein einflussreicher Mann, war dreimal Talammann. Aus seinen drei Ehen[2] entsprossen 16 Kinder.

Ein Bruder, Josef Anton (1749–1810) legte als Fr. Anton bei den Kapuzinern Profess ab und wurde 1792 Provinzial der Schweizer Kapuziner. Ein anderer Bruder war apostolischer Protonotar und 1742 zum Pfarrer von Flüelen gewählt.[3]

Bevor Joseph Müller nach Engelberg kam, hatte er das Gymnasium der Jesuiten in Luzern besucht, von 1747 an bis zur Rhetorik. Hier wird bemerkt: "Abiit cum testimoniis." Er stellte sich am 2. Januar 1751 dem Kapitel und bat um Aufnahme ins Noviziat. Er wird hier als junger Mann geschildert, der zu den besten Hoffnungen berechtigt, der gute Studien gemacht hat und reiche Fähigkeiten besitzt. In der Musik habe er noch wenig Möglichkeiten gehabt, sich hervorzutun, würde sich aber den Choral noch aneignen können, vielleicht auch den Figuralgesang. Von der Aussteuer hatte der Vater noch kaum gesprochen. Aber am 19. Januar 1771 teilte der Abt mit, dass Ammann Jost von Hospenthal 1500 flor. verspreche, dazu ein Leibgeding von 15 gld. auf Lebenszeit und eine anständige Kirchenzierde, natürlich auch die erforderlichen Kleider.[4]

Bei der Befragung durch die helvetischen Behörden vom 2. November 1798 wird von ihm gesagt: "P. Maurus Müller, Prior, mit dem Taufnamen Josef, von Ursern gebürtig und Bürger allda ist 65 Jahre alt, hat einen offenen Fuss und ist schon lange krank. Die Minora studierte er in Luzern, tat Profess in Engelberg, wohnte immer im Kloster. Ausserhalb des Klosters bekleidete er keine Stellen. Die Superiora machte er in Engelberg. Als Professor lehrte er viermal die Rhetorik, Philosophie und Theologie."[5] Bei dieser Befragung von 1798 gab P. Maurus dem Abgeordneten Gloggner aus Luzern erst Auskunft, nachdem dieser sich genauer ausgewiesen hatte. Dem Kommissar Krauer, ebenfalls von Luzern, stellte er die Frage, ob das Kloster aufgehoben werden sollte.[6]

P. Maurus wurde schon 1753, als junger Professe Subkustos.[7] Er kam schon bald an die Schule als Lehrer der Philosophie und Theologie und widmete sich eifrig dem Unterricht der jungen Leute. So war es für ihn ein schweres Opfer, als er 1762 zum Küchenmeister ernannt wurde und deshalb sich von der Schule zurückziehen musste.[8] Am 30. November 1764 ernannte ihn Abt Maurus Zingg zum Prior des Konventes. In diesem Amt blieb er bis 1772, da wurde er wieder Professor der Theologie für die Fratres.[9] Aber schon 1775 wurde ihm das Priorat von neuem übertragen. Er behielt das Amt bis 1803, ein Jahr vor seinem Tod. Am 2. Juli 1777 nahm er mit Abt Leodegar Salzmann an der Übertragung der Gebeine des seligen Bruder Konrad Scheuber in die neue Kirche von Wolfenschiessen teil. Am 27. November 1781 war er auf Einladung der Regierung von Nidwalden Ehrenprediger bei der 300-Jahr-Feier des Tages von Stans.[10]

Nach dem Tod von Abt Maurus Zingg gehörte er 1769 der Kommission an, die die äbtliche Verwaltung prüften und dem Konvent über den Stand der Finanzen Bericht geben sollten. Die Schuld belief sich auf 500'000 flor.[11] Bei dieser Wahl kam er ernstlich für die Nachfolge als Abt in Frage.[12] Nach dem Tod von Abt Leodegar Salzmann gehörte er neuerdings der Prüfungskommission an.[13]

P. Maurus war stets von schwächlicher Gesundheit und musste für seine offenen Beine häufig Heilmittel anwenden. So wurde er schon 1775 vom Arzt ins Walliserbad geschickt, am 17. Juni 1792 abermals, ob Leukerbad oder Brigerbad ist ungewiss, und brauchte dafür 36 gld. Eine Heilung trat aber nicht ein. Am 15. September 1803 wurde er von Dr. Blättler in Stans behandelt.[14] An der Abtwahl vom 24. Mai 1803 konnte er wegen heftiger Schmerzen in den Füssen nicht teilnehmen. Er konnte sein Zimmer nicht verlassen, gab aber seine Stimme vom Bett aus ab.[15] Im Herbst 1793 ging er nach Sins zur Erholung, konnte aber erst nach acht Monaten, im Mai 1794, ins Kloster zurück­kehren.[16] 1803 dankte er als Prior ab, nachdem er insgesamt 38 Jahre lang die Last des Amtes getragen hatte. Er erlag dem zunehmenden Kräftezerfall nach langem schmerzhaften Leiden am 18. Juni 1804.

Wie sehr er bei Oberen und Mitbrüdern in Ansehen stand, kommt schon im Sterbebuch zum Ausdruck. Am 16. Juni 1804 heisst es: "Adm. Rev. P. Maurus Müller, olim per 38 annos Prior dignissimus et per annos fere 13 valetudenarius. Tandem immensis doloribus exhaustus et hydrope consumptus finem miserarum sortitus est, aetatis suae 72."[17] Von seinen Predigten, die er auf namhaften Kanzeln hielt, sagt sein Zeitgenosse P. Karl Stadler, er habe sie ganz aus der heiligen Schrift geschöpft,[18] also ganz nach damals neuer Methode. Die Predigt zum Bruderklausenjubiläum ist gedruckt unter dem Titel: "Jubelrede an dem Gedächtnistage der durch den seligen Einsiedler Nikolaus von Flüe geretteten Eidgenossenschaft, als der Hohe Senat zu Stanz das dritte Jahrhundert feierlich begehen liess, gehalten von dem hochw. Herrn P. Maurus Müller, Prior des freyen Stiftes Engelberg, den 27. Wintermonat 1781. Luzern, gedruckt bey Joseph Alois Salzmann, 32 Seiten."[19]

Werke

  • Jubelrede an dem Gedächtnistage der durch den seligen Einsiedler Nikolaus von Flüe geretteten Eidgenossenschaft, als der Hohe Senat zu Stanz das dritte Jahrhundert feierlich begehen liess, gehalten von dem hochw. Herrn P. Maurus Müller, Prior des freyen Stiftes Engelberg, den 27. Wintermonat 1781. Luzern, gedruckt bey Joseph Alois Salzmann.

Professnummer

  • 561

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Dorothea war ab 1711 die dritte Frau.
  3. Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte 21, 1927, S. 20.
  4. Acta capitularia III (Jan. 1747 – Juni 1754), StiArEbg cod. 192, S. 265.
  5. StiArEbg cod. 278, S. 82.
  6. StiArEbg cod. 287, S. 53.
  7. Acta capitularia III (Jan. 1747 – Juni 1754), StiArEbg cod. 192, S. 437.
  8. Acta capitularia IV (Juni 1754 – Dez. 1797), StiArEbg cod. 193, S. 215.
  9. Ibidem, S. 407.
  10. StiArEbg cod. 250, S. 23.
  11. Acta capitularia IV (Juni 1754 – Dez. 1797), StiArEbg cod. 193, S. 188.
  12. Ibidem, S. 193.
  13. Acta capitularia V (1798), StiArEbg cod. 277, S. 242.
  14. StiArEbg cod. 53.
  15. StiArEbg cod. 279, S. 22.
  16. Acta capitularia IV (Juni 1754 – Dez. 1797), StiArEbg cod. 193, S. 567.
  17. Zu deutsch: Er erlag nach einer priörlichen Amtszeit von 38 Jahren, von denen er 13 Jahre krank war, durch schmerzhafte Wassersucht aufgerieben, im 72. Altersjahr.
  18. StiArEbg cod. 257, S. 294.
  19. Zur Biogafie siehe: Heer, Urner als Konventualen und Klosterschüler in Engelberg bis 1800, in: Geschichtsfreund 124, 1971, S. 290 ff; Vogel, Catalogus biogr., S. 161; Luzern, Verzeichnis der Jesuitenschüler III, S. 30 ff.

Bibliographie

  • Egger, Bonaventura: Aus den letzten Tagen der freien Herrschaft Engelberg, Seperatdruck aus: Angelomontana – Jubiläumsgabe für Abt Leodegar II. von Engelberg, 1914, S. 6, 7, 16, 17, 27–28.
  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 132, Nr. 561.
  • Heer, Gall: Urner als Konventualen und Klosterschüler in Engelberg bis 1800, in Geschichtsfreund 124, 1971, S. 290 ff.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.

Weitere Informationen zum Leben von P. Maurus Müller, insbesondere seiner Rolle zur Zeit der Helvetik, unter StiArEbg, Manuskript Br. Meinrad Haberl.