Matthias Müller

Aus Kloster-Engelberg
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Matthias (Jakob) Müller (* 7. Juli 1904 in Ricken; † 7. Mai 1960 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 3. Ok­tober 1927

Ämter

Konventbruder: 19?–1933

Sakristan: 1933–1936

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Jakob Müller und der Maria Rüegg.

Lebensbeschreibung[1]

Jakob Müller kam 1904 in Ricken SG zur Welt als drittes von zwölf Geschwistern, von denen eines schon im Alter von zehn Wochen starb. Sein Vater, früh verwaist und protestantisch erzogen, wurde von einem Onkel angenommen. In Fischingen erhielt er Unterricht in der katholischen Religion. Der Vater und die Mutter, eine Verwandte von Bischof Ferdinand Rüegg von St. Gallen, trugen sich mit Klostergedanken, die aber erst in der folgenden Generation Wirklichkeit wurden: drei Kinder wählten den Ordensstand, ein Bruder von Br. Matthias wirkte als Benediktiner von St. Ottilien in Ostafrika, eine Schwester als Franziskanerin von Tübach in Kolumbien.

Es war keine leichte Jugend auf dem kleinen Bauernhof „Schwantlen". Br. Matthias erzählte, wie er als Elfjähriger, während der Vater im Militär und die Mutter krank war, mit der Schwester für Haus und Stall und Kinder sorgen musste. Eines Morgens habe er die letzten 15 Halme Heu mit einer Handvoll Streue vermischt den Kühen gefüttert und den armen Tieren versichert, sie können selber ins Tenn hinaus kommen und sehen, das sei jetzt alles.»

Nach der Schulentlassung 1919 führten allerlei Wanderfahrten Jakob auf zahlreiche Bauernhöfe im St. Gallischen und im Thurgau, wo er arbeitete. Dabei zeichnete er sich nach seinem eigenen Bericht nicht durch besondere Frömmigkeit aus. Aber Vater und Mutter hatten eine solide religiöse Grundlage gelegt, zum Beispiel durch den täglichen Rosenkranz in der Familie. Br. Matthias sah in seinem Weg zum Kloster Gottes Fügung und das Gebet einer lieben, stillen Mutter. Eine seiner ersten Erinnerungen war, wie die Mutter ihm Bilder erklärte von Mönchen, die mit Handarbeit beschäftigt waren: "Das liess in mir ein Etwas zurück, gleich wie Heimweh, das später meine Rettung war, mich vor dem Untergang bewahrte und mir nicht mehr Ruhe liess, bis ich Profess gemacht hatte." Er hatte auch einmal ans Heiraten gedacht und schrieb von einem braven, etwas scheuen Mädchen, Erbtochter eines schönen Heimwesens, das ihn liebte und auf ihn hoffte: "Das musste ich zugeben, wenn d' da nit zugreifst, bist ein Esel. Aber das Etwas in mir gab nicht zu, und so konnte ich mich nicht entschliessen." In den Ferien vor dem Noviziat begegnete er ihr noch einmal auf der Strasse: 'Grüezi, Jakob, so, chusch wieder? - Ja, aber i goh wieder!' Und Emilie fing schmerzlich zu weinen an, stieg aufs Velo und fuhr ab."

Während der erwogene Eintritt bei den Kapuzinern sich verzögerte, brachte ein Besuch in Einsiedeln und in Engelberg bei einem Cousin, Bruder Lorenz, die Entscheidung. Br. Matthias trat am 3. November 1925 in Engelberg ein, legte am 3. Oktober 1927 die einfachen und 1930 die feierlichen Gelübde ab. Zuerst arbeitete er kurz in der Landwirtschaft, dann im Haus als Konventbruder und in der Sakristei.

1933 bis 1936, während Br. Moritz in Kamerun weilte, versah er dessen Posten als Sakristan. Weil er aus gesundheitlichen Gründen nicht, wie er es gewünscht hätte, in die Mission ziehen konnte, wollte er umso intensiver von Engelberg aus mitarbeiten.

Später, als die Kräfte abnahmen, erledigte er allerlei kleine Arbeiten, Anfertigen von Schriftplakaten, Restaurieren von Bildern. Insbesondere flickte er bis in die letzten Wochen alle möglichen Dinge: Uhren, Brillen, Rosenkränze Füllfedern, Drehbleistifte, Kugelschreiber. Vielen Studenten stellte er für wenig Geld das Schreibeisen oder das Bätti wieder instand.

Als Kind schon klein und von schwacher Gesundheit, durch die Verhältnisse überbeansprucht, war Br. Matthias früh von der Krankheit gezeichnet. Eine schwere Angina mit Gelenkrheumatismus und Herzklappenentzündung warf ihn mit 15 Jahren zum erstenmal nieder. Die Angriffe wiederholten sich, und schon mit dreissig Jahren war er ein gebrochener, schwer herzkranker Mann. Grippe-Erkrankungen in den drei letzten Wintern vor seinem Tod verschlimmerten seinen Zustand. Doch fand er jeweils wieder Besserung in der St. Anna-Klinik in Luzern.

Professnummer

  • Nr. 750

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüssen 46, 1959/60, S. 67-69, übernommen.

Bibliographie

  • Nachruf von Br. Matthias Müller in: Titlisgrüsse 46, 1959/60, S. 67-69.