Leontius Zurlauben

Aus Kloster-Engelberg
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Leontius (Beat) Zurlauben (* 1666 in Zug; † 1. September 1724 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 23. April 1684

Priesterweihe: 23. Dezember 1690

Primiz: 14. Januar 1691

Ämter

Grosskellner: 1705–1709

Spiritual des Klosters St. Andreas: 1709–1714

Subprior: 1710–1718?

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Heinrich Ludwig Zurlauben und der Regina von Roll.

Lebensbeschreibung[1]

P. Leonz Zurlauben stammte aus der Stadt Zug, doch fehlt sein Tauf- und Firmzeugnis in den Personalien. Diese lassen sich jedoch indirekt erschliessen. Es liegt ein Brief seiner Mutter, Frau Regina von Roll, vom 19. Januar 1684 vor, der adressiert ist an: "Meinem lieben Sohn Beat Heinrich Franz Ignazi Zurlauben im löbl. Gotthaus Engelberg. Damit dürfte der Taufname gesichert sein. Die Mutter hatte nach dem frühen Tod ihres Gatten Heinrich Ludwig Zurlauben,[2] der schon 1678 gestorben war, in zweiter Ehe den Franz Ludwig Tschudi geheiratet. Sie nennt sich hier bereits M. Regina Tschudi von Glarus von Waserstelz. Sie selbst war eine von Roll von Solothurn.[3]

Beat Heinrich wurde 1666 in Zug geboren. Am 13. Juni 1680 zahlte für ihn Franz Stockli von Zug die Jahrrechnung für den jungen Studenten anstelle des verstorbenen Vaters. Da die Mutter genauere Auskunft über den Sohn wünscht, gab ihr P. Karl Troger ein Zeugnis über Fortschritt und Charakter des Schüler. Es lautet günstig. P. Karl schrieb auch in seinem Fragment des Tagebuchs von 1680, dass der junge Zurlauben bei der Fronleichnams­prozession am Oktavtag des Festes (27. Juni 1680) die Mater dolorosa darstellte. Beat war auch bei den Schülern, die am 27. Januar 1680 ihrem Präzeptor P. Gabriel Bircher zum Geburtstag gratulierten. Er scheint alle Schulklassen in Engelberg durchlaufen zu haben.

Am 23. April 1684 konnte er in Engelberg Profess ablegen. Den Subdiakonat empfing er am 4. Juni 1689 durch den Nuntius Bartolomeo Menatti in der Jesuitenkirche in Luzern, den Diakonat durch senselben Nuntius in der Kirche der Ursulinen am 24. September 1689, den Presbyterat in der Nuntiatur­kapelle in Luzern am 23. Dezember 1690. Die Primiz folgte am 14. Januar 1691, bei der sein Onkel P. Franz von Roll S. J. die Predigt hielt. Er war zunächst Präses der Rosenkranzbruderschaft und setzte sich als solcher eifrig für das tägliche Beten der einzelnen Geheimnisse ein. Als gern gehörter Prediger wurde er 1710 nach Einsiedeln zur Engelweihe berufen.[4] Im September 1710 wird er als Subprior bezeichnet, war aber gleichzeitig auch Grosskellner, schon seit 1705. Am 30. Oktober 1706 nahm er in Vitznau ein Verzeichnis der Engelberger Marchen auf.[5] Ende Juli 1711 erhielt er von Abt Joachim Albini den Auftrag, nach dem Kloster St. Blasien zu reisen, wegen, der 1361 verpfändeten Güter im Zürichgau zu verhandeln. Damals war Engelberg in grosser Notlage. St. Blasien wollte aber auf die Vorschläge des Abts Joachim Albini nicht eingehen. P. Leonz galt für eine solche Aufgabe als besonders geeignet. Nach P. Ildephons Straumeyer war P. Leontius redegewandt und tüchtig.[6]

1722 erhielt er aus Basel eine Sendung Taback, die gegen Reis verrechnet wurde.[7] Als im sogenannten Zwölferkrieg Nidwalden die Engelberger aufforderte, die Grenzen gegen die Berner zu besetzen, begleietete P. Subprior Leontius die Engelberger Mannschaft auf ihrem Zug zum Brünig als Feldprediger.[8] 1709 bis 1714 wird P. Leontius als Spiritual des Frauenklosters bezeichnet. Am 20. Dezember 1694 war er offizieller Zeuge beim Inquisitionsprozess nach der Wahl des Abtes Joachim Albini.[9]

Eine besondere Wertschätzung fand P. Leonz beim Zürcher Gelehrten Johann Jakob Scheuchzer in seinem "Iter Alpinum I" (1702) über seine Reise im Jahre 1699. Der Zürcher zeigte sich erstaunt über seine anatomischen Kenntnisse und schreibt darüber in seinem Werk: "1699 stieg eine Gemse, die doch zu den scheuesten Tieren gehört, ins Tal von Engelberg hinab, und weidete mit Kühen und Pferden und konnte auch durch Steinwürfe nicht vertrieben werden. Darauf erlegte ein Jäger das Tier mit Erlaubnis des Abtes, dem das Jagdregal zustand, und brachte es dem P. Leonz aus vornehmer Zuger Familie, der in natur­wissenschaftlichen Fragen sehr erfahren war. Dieser sezierte die Gemse und fand im Schädel eine Geschwulst, die sich im Gehirn gebildet hatte, voll Flüssigkeit und Sand."[10] P. Leonz erlitt am 29. August 1724 einen Schlaganfall, der ihn teilweise lähmte, ihm Gehör und Sprache raubte und dem er am 1. September nach Empfang der heiligen Ölung erlag.[11] Schon am 27. Mai 1718 hatte Abt Joachim Albini P. Ignaz Weber zum Subprior ernannt, da der bisherige, P. Leonz sehr leidend sei.

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Näheres vgl. Heer, Innerschweiz. Jahrbuch 19/ 20, 1959,1960, S. 189ff, Verkehr Gen. Zurlauben mit Abt Karl Stadler.
  3. Über die Eltern liegen nur wenige Angaben vor, vgl. Häberle Alfred in Festschrift K. Schib, 1968, S. 321ff.
  4. Druck, Einsiedeln 1711, S. 452 - 462.
  5. StiArEbg cista Luzern, Vitznau, 30. Oktober 1706.
  6. Straumeyer, Annales 2, StiArEbg cod. 222, S. 147 und 154.
  7. StiArEbg Rb 1717, 1722.
  8. P. Bonaventura Egger, Engelberg im Kriegsjahr 1712, Sarnen 1913, S. 13, dazu Theodor Wirz, Tagebuch des Hauptmanns Schmid als Kommandant auf dem Brünig im Jahr 1712, Obw. Volksfreund 1915, Nr. 81-88.
  9. StiArEbg Wahlakten 1694.
  10. Über die Besuche Scheuchzers in unserem Kloster vgl. Heer, Aus der Vergangenheit, S. 345 und Reg.
  11. Str. Nekrolog, S. 113.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 119.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.