Leodegar Scherer

Aus Kloster-Engelberg
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Leodegar (Peter Josef) Scherer (* 29. Juni 1840 von Inwil LU; † 15. Oktober 1914 in Engelberg)

Lebensdaten

Absolvent der Stiftsschule Engelberg: 1850–1857

Profess: 10. November 1858

Priesterweihe: 21. Mai 1864 (Einsiedeln)

Ämter

Zeremoniar: 1864–18?

Unterpfarrer in Engelberg: 1864–1868?

Lehrer: 1864–1890?

Präfekt der Stiftsschule: 1868–1890

Spiritual in Wonnenstein: 1890–1898

Spiritual in Sarnen: 1898–1901

Abt: 1901–1914

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Josef Sebastian Scherer und der Aloisia Widmer.

Lebensbeschreibung[1]

Abt Leodegar wurde am 29. Juni 1840 als Peter Josef als Bürger von Inwil LU in Gerenschwil, Gemeinde Sins AG, geboren. Er war der Sohn des Josef Sebastian Scherer und der Aloisia Widmer. Sein Bruder Gottfried legte als P. Leo Scherer in Engelberg Profess ab und wurde später Prior im Kloster Conception. Peter Josef wuchs in Inwil auf, wo er die ersten vier Primarklassen besuchte.

Schon mit zehn Jahren kam er an die Klosterschule Engelberg, trat 1857 ins Noviziat ein und legte am 10. November 1858 Profess ab. Philosophie und Theologie studierte er in Einsiedeln und empfing dort am 21. Mai 1864 die Priesterweihe.[2] Zunächst wurde er Zeremoniar, zweiter Unterpfarrer in Engelberg und Lehrer an der Klosterschule, die er als Präfekt von 1868 bis 1890 leitete. In dieser Zeit setzte er sich unermüdlich für den inneren und äusseren Ausbau des Gymnasiums ein. Aus gesundheitlichen Gründen kam er 1890 als Spiritual ins Kloster Wonnenstein, 1898 nach Sarnen.

Eine Operation brachte nur vorüber­gehend Heilung.[3] So konnte er sich nur schweren Herzens zur Annahme der Wahl entschließen, als er am 23. Januar 1901 zum Abt erkoren wurde. Am 27. Ja­nuar erfolgte die Benediktion.[4] Der eng mit der Klosterschule verbundene Abt liess 1904/05 den alten Kollegiumsbau erweitern.[5] Er förderte die Aus­bildung der Lehrer, damit im Studienjahr 1907/08 das Lyzeum eröffnet werden konnte. 1908 beschlossen die ersten Maturanden das achtklassige Gymnasium. 1911 erfolgte die eidgenössische Anerkennung der Maturität.[6] Ab 1910 führte das Kloster auch eine Realschule, die allerdings von 1915 bis 1923 wieder aufgehoben wurde.[7]

Abt Leodegar sorgte aber auch für Kirche und Sakristei. 1902 beschloss er die Erstellung einer neuen Chororgel. 1905 wurde die alte Turmuhr durch eine elektrische ersetzt. Daneben wurde eine grosse Zahl von Ornaten und Messgewändern angeschafft. Zum golde­nen Professjubiläum des Abtes 1908 liess der Konvent das grosse Reliquien­kreuz restaurieren.[8] Der Abt nahm regen Anteil an der Entwicklung des Tales und kümmerte sich sehr um das Wohl der Bevölkerung. Bei der Überschwemmung von 1910 stellte er spontan Hilfskräfte von Kloster und Schule zur Verfügung.[9]

1908 löste er die letzte rechtliche und wirtschaftliche Bindung an Nidwalden, die Fischenzen in Stansstad.[10] Neben seinen Tage­büchern verfasste Abt Leodegar «Erinnerungen» und eine «Geschichte des Frauenklosters Wonnestein».[11] Er regte 1911 die Schaffung einer monatli­chen Hauschronik an, welche die auswärts weilenden Patres auf dem laufen­den halten sollte. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum erhielt er 1914 die von neun Mitbrüdern verfasste Festschrift «Angelomontana». Der seit seiner Wahl nie ganz gesunde Abt starb am 15. Oktober 1914.[12]

Professnummer

  • Nr. 628

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von der Helvetia Sacra (III I, S. 653f) übernommen.
  2. StiArEbg Personalakten Scherer.
  3. Ibidem, dazu «Erinnerungen» von Abt Leodegar Scherer.
  4. StiArEbg Wahlakten 1901.
  5. StiArEbg Tagebücher Scherer; P. Walter Langenegger, Protokoll über die Verhandlungen der Kollegiumsbau-Kommission, 2 Hefte.
  6. Acta capitularia IX (1851–1924), StiArEbg cod. 284/1; Tage­bücher Scherer.
  7. StiArEbg Tagebücher Scherer und Fellmann.
  8. StiArEbg Tagebücher Scherer. Bernhard Büsser, Die Restauration des Engelberger Reliquienkreuzes, in: Angelomontana, Gossau 1914, S. 471-483.
  9. StiArEbg Tagebücher Scherer; Hess, Abt Leodegar Scherer von Engelberg, Gedenkblätter, Luzern 1915, S. 113; Reznicek, Engelberg, passim.
  10. StiArEbg Cista Nidwalden.
  11. Ms. im StiArEbg.
  12. Hess, Abt Leodegar Scherer von Engelberg, S. 47.

Bibliographie

  • Heer, Gall: Aus der Vergangenheit von Kloster und Tal Engelberg 1120–1970, S. 456-470.
  • Hess, Ignaz: Abt Leodegar Scherer von Engelberg, Gedenkblätter, Luzern 1915.
  • Helvetia Sacra III I, S. 653f.

Weitere Informationen zum Leben von Abt Leodegar Scherer unter StiArEbg, Manuskript Br. Meinrad Haberl.