Leodegar Salzmann

Aus Kloster-Engelberg
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Porträt von Abt Leodegar Salzmann, gemalt von Johann Melchior Wyrsch, 1778.

Leodegar (Franz Anton) Salzmann (* 22. Februar 1721 von Luzern; † 14. Mai 1798 in Engelberg)

Lebensdaten

Absolvent der Stiftsschule Engelberg: 1736–1737

Profess: 2. November 1738

Priesterweihe: 30. Mai 1744

Ämter

Kustos: 1744–17?

Lehrer der Fratres: 1745–17?

Grosskellner: 1750–1754

Prior: 1754–1759

Brüderinstruktor: 1754–1759

Abt: 1769–1798

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Gastwirts Leodegar Salzmann und der Katharina Meyer.

Lebensbeschreibung[1]

Franz Anton wurde am 22. Februar 1721 in Luzern als Sohn des Stadtbürgers und Gastwirts Leodegar Salzmann und der Katharina Meyer geboren. Nach dem Besuch der Jesuitenschule kam er 1736 in die Rhetorik nach Engelberg, begann im Jahr darauf das Noviziat und legte am 2. November 1738 die Gelübde ab. Die höheren Studien absolvierte er im Kloster und empfing am 30. Mai 1744 die Priesterweihe. Am 24. November des gleichen Jahres wurde er Kustos, 1745 Philosophieprofessor, 1750 Grosskellner, 1754 Prior und Brüderinstruktor, 1759 Küchenmeister, 1763 «Seiden­herr» für die Seidenkämmelei, 1767 Pfarrer und Ökonom in Sins.[2] Am 5. Juni 1769 wurde er unter dem Vorsitz des Nuntius zum Abt gewählt und am 29. Juni in Luzern geweiht.[3] Abt Leodegar erwies sich als umsichtiger Klo­stervorsteher. Er unternahm bauliche Erneuerungen in Grafenort[4], 1770 bis 1772 im Engelbergerhaus zu Luzern[5] und in Engelberg[6], wo ein schweres Erdbeben vom rn. September 1774 viel Schaden angerichtet hatte.[7] 1775 liess er für die Klosterkirche ein neues Geläut von acht Glocken giessen.[8] Die Sakristei erhielt eine Reihe von Paramenten und Silbersachen.[9] Unter ihm wuchs die Seidenkämmelei zu einer bedeutenden und gut organisierten Erwerbsmöglichkeit für die Talbewohner.[10] Der Handel mit Käse wurde zu einem Grossunternehmen ausgebaut.[11] Zusammen mit dem Luzerner Musi­ker und Klosterfreund Josef Leonz Meyer von Schauensee gründete er 1768 die Konkordia-Gesellschaft - ein katholisches Pendant zur Helvetischen Gesellschaft von Schinznach -, die indes nur von kurzfristiger Bedeutung war.[12] Abt Leodegar, bekannt durch seine liebenswürdige, weltoffene Art und seine Gastfreundschaft, genoss auch im Kreis der Äbte-Kongregation hohes Ansehen. 1779 wurde er beauftragt, die Möglichkeit eines Wiederauf­ stiegs des bedrohten Klosters Disentis zu studieren.[13] Am 1. Juni 1794 konnte er das goldene Priesterjubiläum und zugleich das silberne Abtsjubiläum feiern.[14] In die Regierungszeit des Abtes Leodegar fielen zwei einschneidende Ereignisse für das Kloster: Am 6. März 1774 ging auf Betreiben des bischöflichen Kommissars in Luzern die Ausnahmestellung des Abtes inner­halb des Bistums, sein «Jus quasi-episcopale», verloren; Engelberg wurde wieder dem Bischof von Konstanz unterstellt.[15] Am 30. März 1798 wurde - im Zuge der neuen Freiheitsbewegung - auf Verlangen der Engelberger Tal­leute die Klosterherrschaft aufgelöst. Leodegar Salzmann war somit der letzte Abt der freien Herrschaft Engelberg.[16] Er starb kurz danach am 14. Mai 1798.[17] Die Unsicherheit der politischen Lage verhinderte die Wahl eines Nachfolgers. Die französische Besatzungsmacht verbot Abtswahl und Novizenaufnahme in den Schweizer Klöstern. Erst mit der Mediationsver­fassung Napoleons von 1803 wurde die Neuwahl möglich.

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von der Helvetia Sacra (III I, S. 647f) übernommen.
  2. StiArEbg Personalakten Salzmann.
  3. StiArEbg Wahlakten 1769.
  4. Durrer, Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden, S. 335.
  5. KDLuzern 3, S. 226.
  6. StiArEbg cod. 257, S. 234.
  7. StiArEbg cod. 257, S. 232; Acta capituli 4, S. 325ff.
  8. StiArEbg cod. 257, S. 234.
  9. Hess, Goldschmiedearbeiten, S. 18.
  10. Fassbind, Schappe-Industrie, S. 45 und 103-125.
  11. StiArEbg Rechnungsbücher. Einzelheiten bei Heer, Vergangenheit, S. 335-338.
  12. Schweizer Nachrichten, 1779, S. 70-76, 103-105. Koller, Franz Josef Leonti Meyer v. Schauensee 1720-1789, Diss. Zürich 1922, S. 38-42.
  13. StiArEbg cod. 314, S. 257. Müller, Die Fürstabtei Disentis im ausgehenden 18. Jahrhundert, Münster/Westfalen 1963 (Beiträge zur Geschichte des alten Mönchtums und des Benediktinerordens 25), Reg.
  14. StiArEbg Acta cap. 1794.
  15. StiArEbg Fellmann, Die kirchenrechtliche Stellung des Klosters Engel­berg. Diss. Fribourg 1918, ungedruckt. Heer, Vergangenheit, S. 327-330.
  16. StiArEbg cod. 227-279. Egger, Aus den letzten Tagen der freien Herrschaft Engelberg, in Angelo­ montana, Gossau 1914, S. 431-461.
  17. StiArEbg cod. 277, S. 237ff.

Bibliographie

  • De Kegel, Rolf: Leogegar Salzmann, in e-HLS.
  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense, Luzern 1882, S. 50.
  • Heer, Gall: Aus der Vergangenheit von Kloster und Tal Engelberg 1120–1970, S. 321-366.
  • Helvetia Sacra III I, S. 647-649.