Konrad von Sellenbüren

Aus Kloster-Engelberg
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Portrait (Öl auf Leinwand) des Konrad von Sellenbüren, ca. 1740. Das Bild zeigt den Ritter Konrad im Harnisch mit der Märtyrerpalme der linken und mit der Darstellung des Klosters (barocker Neubau nach 1729/30) in der rechten Hand.
Die Darstellung im Zentrum der Scheibe beschreibt die Heimkehr des toten Konrad von Sellenbüren. Die Mittelachse führt geradewegs zum Familienwappen und zum Namen des Klosterstifters: "D(ominus) Conradus Baro de Seldenbüren Monasterii Fundator". Konrad wurde der Legende nach von seinen Verwandten umgebracht, die mit der Investition des Familienvermögens in die Errichtung und Stiftung eines Klosters nicht einverstanden gewesen sein sollen. Die Konventscheibe hält den Moment fest als Konrads Sarg, zugedeckt mit einem schwarzen Sargtuch (Tumbatuch), auf einem von Ochsen gezogenen Karren zur Klosterhalle geführt wird. Geführt von Engeln, deren einer in der rechten Hand die Märtyrerpalme hält in Anspielung auf Konrad gewaltsamen Tod. Auf den Treppenstufen warten kniend Frauen (Klosterfrauen) und etwas weiter treppauf der Abt (Adelhelm). Die linke Hälfte des Bildes zeigt eine mit Engeln besetzte Barke, die aus dem Hafen ausläuft und einen Toten an Bord hat. Das könnte ebenfalls noch auf Konrad gemünzt sein. Die Engel, die Konrad den rechten Ort für seine Klosterstiftung kundgetan hatten, geleiten ihn nun ins "himmlische Engelberg".

Konrad von Sellenbüren (* unbekannt; † 2. Mai 1126)

Lebensbeschreibung

Konrad ist der letzte Spross der möglicherweise von den Freiherren von Regensberg abstammenden von Sellenbüren. Seine kleine Burg stand auf dem Üetliberg bei Zürich. 1120 stiftete er auf eigenem Grund das Kloster Engelberg. Er stattete es mit Streubesitz in Nidwalden, im Reppischtal und im Knonaueramt aus und berief Mönche aus Muri. Es ist auffallend, dass nicht nur Konrad für seine Gründung in Engelberg, sondern auch Verwandte von ihm ihre Güter den Klöstern St. Blasien und Muri übertragen haben.[1] Die Beziehungen und Kontakte Konrads zum Kloster Muri dürften wohl auch darauf zurückzuführen sein, dass Konrads Güter im oberen und unteren Engelbergertal oftmals an Alpbesitzugen der Benediktinerabtei Muri grenzten.[2] Die Rechte des Klosters (Unterstellung des Klosters unter die kirchliche "libertas", freie Abt- und Vogtwahl) wurden 1122 im sog. Stifterbrief festgehalten und 1124 von Papst Calixt II. und Kaiser Heinrich V. bestätigt. Auch sicherte er seiner Gründung das Taufrecht, was darauf hinweist, "dass die Errichtung der Pfarrei Engelberg noch auf Bitten des Gründers selbst durch Bischof Ulrich I. von Konstanz erfolgte".[3]

Konrad trat ins Kloster ein, "in Gehorsam und Demut gegenüber dem Abt und als Geringster unter den Brüdern" wie es in den um 1200 entstandenen "Grösseren Engelberger Annalen" heisst[4] und soll gemäss den "Kleineren Engelberger Annalen" von Verwandten in Erbstreitangelegenheiten 1126 ermordet worden sein.[5] Aus diesem Grund wird Konrad von Sellenbüren in der klösterlichen Haustradition als Seeliger verehrt.[6] Daran erinnert eine Konventscheibe von 1646/48, auf welcher die Rückführung des toten Konrad in sein Kloster dargestellt wird.[7] Konrads Todstag ist im ältesten Engelberger Nekrolog von 1345 auf den 2. Mai eingetragen.[8]


Einzelnachweise

  1. Kläui, Paul: Hochmittelalterliche Adelsherrschaften im Zürichgau, in: Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich 40 (1960), S. 29.
  2. Bürgisser, Eugen: Der Besitz des Klosters Muri in Unterwalden, in: Festgabe Hans Nabholz zum 70. Geburtstag, Aarau 1944, S. 123f.
  3. Heer, Aus der Vergangenheit, S. 19.
  4. Pertz, G. H. (Hg.): Annales Engelbergenses, in: MGH SS 17 (Hannover 1861), S. 278 (Notat 1120).
  5. Tanner, Placidus (Hg.): Die ältesten Jahrbücher Engelbergs, in: Der Geschichtsfreund 8 (1852), S. 108f.
  6. Vgl. Acta Sanctorum zum 2. Mai, Brüssel 1686, S. 309f.
  7. De Kegel, Rolf: Konventscheibe von 1646/48 – wieder daheim, in: Titlisgrüsse 98 (2012), S. 13-21, hier S. 15.
  8. StiBi Engelberg, cod. 26, fol. 11r: "Chůnradus fundator loci"; der spätere Eintrag im Jahrzeitbuch von 1491, StiBi Engelberg, cod. 11, fol. 16v, 2. Mai ist ausführlicher: "Dominus Chůnradus de Seldenburen miles et fundator huius monasterii orate fideliter pro eo, quia fuit occisus".

Bibliographie

  • De Kegel, Rolf: Konrad von Sellenbüren, in e-HLS.
  • Kläui, Paul: Hochmittelalterliche Adelsherrschaften im Zürichgau, in: Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich 40 (1960), S. 28-32.
  • Heer, Gall: Aus der Vergangenheit von Kloster und Tal Engelberg, 1120-1970, 1975, S. 17-19.