Konrad Lötscher

Aus Kloster-Engelberg
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Konrad (Urban) Lötscher (* 19. Mai 1874 in Schüpfheim; † 26. April 1958 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 5. September 1892

Priesterweihe: 27. Mai 1897

Primiz: 11. Juli 1897

Ämter

Lehrer in der Stiftsschule: 1902–1940

Kustos: 1906

Zeremoniar: 1910–1917

Unterpfarrer in Engelberg: 1914–1915

Bibliothekar: 1931–1932

Prokurator der Kamerunmission: 1932–1943

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Urban Lötscher und der Catharina Bucher.

Lebensbeschreibung[1]

P. Konrad Lötscher kam am 19. Mai 1874 in seiner Heimat Schüpfheim zur Welt und wurde auf den Namen Urban getauft. Seinen heimischen Dialekt behielt er zeitlebens und auf seinem Ferienprogramm fehlte nie ein Gang ins Entlebucher Dorf. Sein Vater, früher Dachdecker, stand im Dienst der Bahn. Beide Söhne fanden den Weg zum Priestertum: Urban im Kloster und Jakob, nach seinen Studien in Engelberg und im Luzerner Seminar, als Weltpriester, der fast sein ganzes Leben als Vikar und Pfarrer in Jurastadt Biel verbrachte.

Urban kam mit 13 Jahren an die Engelberger Klosterschule. Sein Freund, der spätere Domdekan Augustin Zöllig von St. Gallen (1952), ein Jahr älter als Urban, soll erzählt haben, wie sie beide im Herbst 1887 in Engelberg einrückten und er, der kräftig gewachsene St. Galler, den kleinen Lötscher fragte: "Wie, du kommst auch schon in die erste Klasse?", worauf auf sich dieser in die schmale Brust warf und stolz erklärte: "Was meinst du denn; ich komme in die dritte Klasse!" Urban gehörte in der Klasse zu den besten Schülern. Nach der sechsten Klasse trat Urban, erst 17-jährig, ins Noviziat ein und legte am 5. September 1892, zusammen mit dem späteren langjährigen Prior Eugen Wehrle und P. Augustin Benziger auf den Namen des Klostergründers Konrad von Sellenbüren die heiligen Gelübde ab. Die Philosophie absolvierte er, wie die meisten damaligen Mitbrüder, in Einsiedeln, die Theologie dagegen in Engelberg. So konnte er am 27. Mai 1897 die heilige Priesterweihe von Bischof Johannes Fidelis Battaglia von Chur empfangen und am folgenden 11. Juli seine Primiz feiern.

Seine erste klösterliche Tätigkeit fand der 23-jährige Neupriester als Lehrer an der Klosterschule, zur Hauptsache in den Naturfächern. Abt Anselm Villiger schickte ihn nach zwei Jahren an die noch junge Universität Freiburg zum Studium der Naturwissenschaften. 1904 schloss er seine Studien mit dem Doktorat auf dem Gebiet der Botanik ab. Von 1902 bis 1940 widmete er seine Kräfte der Stiftsschule.

Waren ihm vor allem die Naturfächer anvertraut, so hatte er aber im Laufe dieser Jahrzehnte fast alle Disziplinen irgendeinmal zu lehren: Latein und Griechisch als Klassenlehrer, Religion, Deutsch, Geschichte, Geografie, wo gerade eine Lücke auszufüllen war. Während eines Jahres leitete er 1904/05 die Marianische Akademie; mit sprachlichen und musikalischen Freifächern war er indes nie belastet.

Zu dieser vielseitigen Tätigkeit in der Schule kamen aber für P. Konrad noch verschiedene weitere Aufgaben. 1906 war er für kurze Zeit Kustos, 1910 bis 1917 Zeremoniar, 1914/15 Unterpfarrer von Engelberg. Und als 1924 in Grafenort regelmässiger Gottesdienst an Sonn- und Festtagen und an den Monatsfreitagen eingeführt wurde, eröffnete er die Reihe dieser sogenannter Grafenortspfarrer. 1931/32 war er Bibliothekar und 1932 bis 1943 stellte er sich als Prokurator der Kamerunmission zur Verfügung. Schon im Schuljahr 1907/08 hatte P. Konrad überdies die Sektion "Titlis" der Abstinenten Studentenliga ins Leben gerufen und blieb bis zu seinem Rücktritt von der Schule die Seele dieses Vereins. Für seinen "Titlis" setzte er sich mit voller Kraft ein in Vorträgen, Mitgliederwerbung, Förderung der Wanderbewegung etc., so dass die Sektion zeitweise die grösste und aktivste der ganzen Liga war. Er betonte aber auch stets das Apostolat der Abstinenz als religiöse Tat und empfahl sie als Sühne für den so häufigen Alkoholmissbrauch.

Von Anfang aber galt sein intensivstes Interesse dem katholischen Missionswesen. Bereits 1913 veranstaltete er erstmals eine Ausstellung über die verschiedenen Missionsunternehmungen in Afrika, Asien und Amerika, die später mehrfach wiederholt und erweitert wurde. Im Rahmen der Abstinentensektion begründete P. Konrad zudem im Schuljahr 1912/13 eine eigene Missionsgruppe, die kurz darauf der Marianischen Sodalität eingegliedert wurde. Als Leiter sorgte P. Konrad dafür, dass die Arbeitsgebiete der Missionäre einem grösseren Kreis bekannt gemacht wurde und "mancher seiner Schüler hat durch seine Anregungen den Weg zum Missionsberuf gefunden", wie es in seinem Nachruf heisst. Als dann 1932 das Kloster Engelberg in Kamerun das Priesterseminar von Yaoundé und eine Missionsstation übernahm, war er Missionsprokurator und besorgte als solcher während elf Jahren den Verkehr zwischen den Mitbrüdern in Afrika und dem Kloster.

Wissenschaftliche Interessen, vor allem der Drang nach Erweiterung und Vertiefung seiner Kenntnisse, führten ihn häufig mit bedeutenden Männern seines Faches zusammen, so mit P. Karl Hager, dem Alt-Engelberger und seinem Entlebucher Landsmann P. Emmanuel Scherer in Sarnen. In diesen Kreis gehörten ferner P. Aurelian Roshardt, OCap, in Stans, der Basler Botaniker Dr. Hermann Christ, der Kenner der Engelberger Flora, Apotheker und Talammann Dr. Karl Amberg und der junge Jürg Bieder, Professor der ETH.

Als Abt Leodegar Hunkeler in den 1930er-Jahren das Skifahren auch für die Patres gestattete, übte sich P. Konrad noch mit 60 Jahren in dem für ihn völlig neuen Sport und pflegte ihn bis in den Winter 1958. So konnte man den über 80-jährigen Greis noch oft im warmen Sonnenschein auf der Ochsenmatt beim Kloster bei seinen mit der Zeit allerdings immer vorsichtigeren Abfahrten beobachten. In frühen Jahren dagegen tummelte er sich fast täglich mit Mitbrüdern und Schülern auf dem Eisfeld des Kollegiums und war bis ins hohe Alter von guter geistiger und körperlicher Gesundheit.

Treue im Kleinen, Gewissenhaftigkeit, Genauigkeit das waren die kennzeichnendsten Züge P. Konrads als Lehrer und als Ordensmann. Als Ordensmann war P. Konrad ein Vorbild treuer Pflichterfüllung, die sich mit zunehmendem Alter bis zur Ängstlichkeit steigerte. Für ihn wurde das tägliche religiös-monastische Leben nach den Satzungen St. Benedikts so zur Selbstverständlichkeit, von dem er sich auch in kranken Tagen nicht dispensieren wollte. Und als ihn ein erster Schlaganfall am 10. Februar des Orientierungssinnes beraubte, wollte er nach einiger Zeit doch wenigstens auf dem Bänklein neben dem Hochaltar dem Amt beiwohnen.

Werke

  • Über den Bau und die Funktionen der Antipoden in der Angiospermen-Samenanlage. Mit zwei Tafeln in der Zeitschrift Flora oder Allg. Botanische Zeit­schrift B. 94, München, Höfling 1905. (Dissertation)
  • Das Goldene Priesterjubiläum Abt Leodegar Scherers bot ihm Gelegenheit zu einer neuen grundlegenden Arbeit: Die Erforschung der Flora von Engelberg, in Angelomontana, Festgabe 1914.
  • Aus dem Leben eines stillen Gelehrten (P. Karl Hager, Disentis), in: SchwSch 4, 1918, S. 513-515.
  • Die Erde und ihre Geschichte. MS II 6, 1920, S. 22-24.
  • Die Benediktiner und ihre Missionen in der Gegenwart, in: Titlisgrüsse 8, 1922, S. 21-24, 42-49, 71-73 und Titlisgrüss 9, 1923, S. 1-4.
  • Es folgten Einheimische Riesenpflanzen in: Schweizer Schule, Beilage Mittelschule, math.-natw. 1925.
  • Die Erforschung der Flora von Engelberg. Festschrift Angelomantana, S. 485-501.
  • Die Erforschung der Flora von Engelberg (gekürzt) in: Schweiz. Apotheker-Zeitung 1928, Nr. 36.
  • Kath. Schweizer­missionen im Band: Schweizer im Ausland, hg. von der Schweiz. Helv. Gesellschaft, Genf, Sadag 1931.
  • Kath. Schweizer Missionäre, in: Schweizer Echo, Olten 1931.
  • Zum 100. Todes­tag von Ing. Joachim Eugen Müller von Engelberg im Obwaldner Volks­freund 1933, Nr. 8.
  • J. E. Müller und seine Reliefs in Zürich, in: Zürcher Monatschronik, 2. Jahrgang 1933, Nr. 4.
  • Die Benediktiner von Engelberg in Kamerun, in: Kath. Missionsjahrbuch der Schweiz 1934.
  • Die naturwissenschaftliche Fakultät Freiburg und die Klosterschulen, in: Schweizer Schule 1940, Nr. 5.
  • Die naturwissenschaftliche Fakultät Freiburg und die Klosterschulen, in: SchwSch 27, 1940, S. 181-184.
  • Von unsern Missionen, in: Titlisgrüsse 28, 1941/1942, S. 37f., 66-68.
  • Der Diener Gottes Prof. Dr. Max Westermaier 1852-1903. Ein katholischer Naturforscher, Fribourg 1943.
  • Prof. Alfred Ursprung. Academia Friburgensis 1952, S. 55-58.
  • Engelberg in Amerika, in: Titlisgrüsse 43, 1956/1957, S. 50-52, 79-81.
  • Mitarb. Titlisgrüsse, Rezensent in Zss. und Tagespresse.
  • Nachrufe: P. Heinrich Schiffmann 1839-1912, in: Verhandlg. der Schweiz. Naturforschenden Gesellschaft, Altdorf 1912; Professor Dr. Alfred Ursprung, in: Academia Fribourg 1952; Der Diener Gottes Prof. Dr. Max Westermaier 1852-1903, ein katholischer Naturforscher, 168 S., Freiburg, Kanisius-Verlag 1948.

Professnummer

  • Nr. 676

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 44, 1957/58, S. 53-59, übernommen.

Bibliographie

  • Nachruf P. Konrad Lötscher, in: Titlisgrüsse 44, 1957/58, S. 53-59.