Konrad Christen

Aus Kloster-Engelberg
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Grabplatte von P. Konrad Christen.

Konrad (Josef) Christen (* 16. Oktober 1739 in Ursern; † 11. September 1816 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 28. Oktober 1760

Priesterweihe: 17. Oktober 1762

Ämter

Pfarrer in Auw:

Archivar:

Grosskellner

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Johann Joseph Christen, ehemaliger Landammann und Bannerherr, und der M. Agatha Müller.

Cousin: P. Maurus Müller.

Paten: Nikolaus Christen und M. Ferdinanda Christen.

Lebensbeschreibung[1]

Die Christen sind ein Geschlecht aus Ursern. Hier wurde P. Konrad den Eltern Johann Joseph Christen, ehemaliger Landammann und Bannerherr, und M. Agatha Müller am 16. Oktober 1739 geboren. In der Taufe erhielt er den Namen Johann Joseph, Paten standen Nikolaus Christen und M. Ferdinanda Christen. Die Firmung erteilte ihm der Diözesanbischof von Chur Johann Benedikt von Rost am 13. September 1744. Das Zeugnis trägt den Namen des "P. Donatan von Uznach, Cap. indignus p.t. Missionar et Deputatus Episcopal" und ist datiert vom 5. März 1760. Unter Ursern wurde damals gewöhnlich Andermatt verstanden, als Hauptort des Tales. Joseph hatte die untern Klassen des Gynmasiums in Mailand besucht, wo der Vater wohl Handelsbeziehungen pflegte, veilleicht wohnte er auch zeitweise dort.

Joseph kam dann an die Klosterschule nach Engelberg. Am 1. September 1759 bewarb er sich um den Eintritt ins Kloster. Er wurde ihm allerdings nicht leicht gemacht. Denn das Kapitel hatte auf Ersuchen des Abtes Maurus Zingg beschlossen, für die nächsten zehn Jahre keine Novizen mehr aufzunehmen. Nun hatten sich nicht weniger als vier Novizen gemeldet. Einer von ihnen, der spätere P. Floridus Suppiger war von seinem Klosterberuf so überzeugt, dass er in den folgenden Tagen die Patres auf ihren Zimmern auf­ suchte und sie kniefällig bat, sie möchten ihren Beschluss zurücknehmen. Er erreichte tatsächlich sein Ziel. Christen war mit zwei der Kandidaten bereits abgereist, dann erhielt er bald darauf einen Brief mit dem Bescheid, das Noviziat werde nun doch eröffnet. Am 6. Oktober 1959 erteilten er und Suppiger die Zusage, am 28. Oktober 1759 wurden sie eingkleidet. Christen war ein guter Sänger, setzte sich sehr ein beim Choralgesang im Chor und hoffte, auch beim mehrstimmigen Gesang eine Stütze des Chores zu werden. Er war ein Cousin des P. Maurus Müller, der deswegen an der Abstimmung nicht teilnehmen konnte. An Christen wird besonders sein Eifer für das Opus Dei gelobt.[2] Auch sein Fleiss in den Studien, besonders der Philosophie, werden anerkannt. Im letzten Kapitel werden besonders seine Frömmigkeit, sein Eifer, seine Demut, sein Gehorsam und seine "Abtötung" hervorgehoben.

So kann er am 28. Oktober 1760 die Ordensprofess auf den Namen des Klostergründers Konrad von Sellenbüren ablegen. Die Philosophie hörte er im Kloster, ebenso die Theologie. Am 14. Dezember 1760 erhielt er den Subdiakonat durch Bischof Johann Anton Federspiel in Chur. Den Diakonat empfing er am 21. Dezember 1761 durch Nuntius Niccolò Oddi in Luzern, die Priesterweihe am 17. Oktober 1762. Die Primiz feierte er - es war eine besondere Vergünstigung aus Rücksicht auf die vielen Verwandten - in seiner Heimat Andermatt. Nach der Primiz musste er einige Studien zum Abschluss bringen.[3]

Am 30. September 1763 wurde er Präses der Rosenkranzbruderschaft[4], Lehrer an der Klosterschule und Lehrer der Philosophie für die Kleriker des Klosters. 1769 gehörte er als Vize-Sekretär des Kapitels der Kommission an, die nach dem Tod des Abtes Maurus Zingg die Verwaltung führen und die Finanzen des Klosters prüfen musste.[5] Im Juni 1772 war er Direktor Chori[6] Im Frühjahr 1774 wurde er Archivar und Kapitelssekretär.[7] Am 21. Januar 1775 wurde er Küchenmeister,[8] am 31. Oktober 1778 Grosskellner.[9] Im Februar 1783 erfolgte dazu seine Ernennung zum Unterpfarrer in Engelberg,[10]am 24. November 1786 zum Pfarrer von Auw.[11] Er blieb hier bis Juli 1809.[12]

Am 25. April 1775 war er Zeuge bei der Wahl des Abtes Bonaventura Lacher in Rheinau.[13] Als Grosskellner oblag ihm auch die Aufsicht über die Seidenkämmelei.[14] Am 21. Mai wird er nochmals in die Grosskellnerei berufen.[15] Von Auw kehrte er nämlich nach Hause zurück, wo er 1810 die Goldene Profess und 1812 das Goldene Priesterjubiläum feiern konnte.

Ein Zeugnis des Eifers, mit dem P. Konrad an seine Weiterbildung dachte, ist durch P. Benedikt Deuring überliefert in seiner "Preface" zu den "Lettres critiques et controverses",[16] schrieb er am 14. Juni 1764, P. Konrad habe ihn gebeten, ihn in seinen Bemühungen um die Erlernung der französischen Sprache zu unterstützen. Er habe die Aussprache und das Verständnis des Französischen sich angeeignet. Er möchte aber auch lernen, wie man französische Briefe schreiben und formulieren müsse. P. Benedikt sei auf den Wunsch des Mitbruders eingegangen. Sie hätten sich vereinbart, eine gegenseitige Korrespondenz zu führen über die damals viel diskutierte Gnadenlehre Molinas. Mehr als 40 Briefe sind so durch P. Konrad geschrieben und verbessert worden, während P. Benedikt jeweils darauf geantwortet habe. P. Benedikt glaubte auch, dass P. Konrad das Verständnis für die Sprache in Mailand auf dem Gymnasium sich erworben hat.[17] Dieser Briefwechsel erfolgte in den Jahren 1763 und 1764. P. Benedikt lernte das Französische bei seinem Aufenthalt in Mariastein.

Am 9. November 1787 erhielt P. Konrad in einer Audienz bei Papst Pius auf seinen Wunsch weitgehende Ablassverleihhungen, vor allem einen vollkommenen Ablass in der Todesstunde für sich und seine Verwandten bis zum dritten Grad, sowie für weitere 100 Personen seiner Bekannten, die er bestimmen konnte. Überdies erhielt er die Vollmacht, Kreuze oder Bilder oder geweihte Medaillons mit dem Segen der hl. Birgitta, auch Rosenkränze zu verleihen. Die Verehrung der hl. Birgitta war bis zur französischen Revolution auch in Rom noch lebendig.[18]

Erwähnenswert ist der Brief, den P. Konrad am 1. Juni an P. Karl Stadler, damals Küchenmeister, richtete. Die Neuwahl des Abtes (nach dem Tod von Abt Leodegar Salzmann) war bereits auf den 18. Juni angesetzt. P. Thomas Weber, Pfarrer in Sins, war eben von Engelberg ins Freiamt zurückgekehrt und sollte die dortigen Mitbrüder anfragen, ob sie an der Wahl teilnehmen wollten und könnten. Er selber konnte mit einem Pass die Reise wagen.[19] P. Konrad war mit den übrigen Patres im Freiamt bereit, an der Wahl teilzunehmen, doch erwarteten sie eine offizielle Einladung und Bekanntgabe des Termins. Er meinte dazu, nun werden auch die "Wahlmänner" der Helvetik wie ihre Bauern, nur ohne Schärpe, die damals mit Stolz getragen wurde. Wie P. Thomas berichtet, habe man in Engelberg dem P. Konrad vorgeworfen, er schreibe zu wenig. Er meinte dazu, der Muribote, der sonst die Korrespndenz nach Luzern bringe, versehe seinen Dienst nicht mehr, eine Luftmaschine habe er selber nicht zur Verfügung. Er hätte auch das "Guraschi" dazu nicht.

Dass aber P. Konrad sonst keineswegs schreibfaul war, zeigt die Liste der von ihm erstellten Kopien. Es ist geradezu erstaunlich, wie er, besonders als Archivar und Grosskellner, unermüdlich die Feder führte. Alle seine Folianten sind in einer stets gleichmässig saubern, gut lesbaren Schrift und Anordnung erhalten. Das Engelberger Totenbuch nennt ihn denn auch: "Vir prudens et rectus", er war ein kluger und untadeliger Mann. Die Befragung durch die helvetischen Behörden am 2. November 1798 nannte ihn einen "Mann von schwacher Gesundheit". Ein oberflächliches Urteil, wie P. Gall Heer fand, denn P. Konrad war noch bis in seine alten Tage unermüdlich tätig und starb als Senior des Klosters am 11. September 1816.

Werke

  • 5 Bände Gerichtsprotokolle in Auszügen.(Stiftsarchiv, Cod. 271, 272, 273, 274, 275.)
  • Kopial­bände von Dokumenten und Akten des Stiftsarchivs 1124 - 1769 in 18 Foliobänden.(Stiftsarchiv, Cod. 273, 255, mit Begisterbänden)
  • Acta Capitularia, eigentlich eine Geschichte der französischen Revolution, soweit sie das Kloster betraf (Cod. 277 - 279).
  • Catalogus Manuscriptorum Abbatis Caroli Stadler, Stiftsbibliothek Cod. 172.
  • "Catalogus librorum impressorum"(Inkunabelkatalog Stadlers (Cod. 173).
  • "Notae et observationes in s. Regulam S.P.N. Benedicti von 1748" (Stiftsbibliothek Cod. 345).

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Acta capitularia IV (Juni 1754 – Dez. 1797), StiArEbg cod. 193, S. 115.
  3. Ibidem, S. 154.
  4. Ibidem, S. 174.
  5. Ibidem, S. 188.
  6. Ibidem, S. 215
  7. Ibidem, S. 318.
  8. Ibidem, S. 340.
  9. Ibidem, S. 395.
  10. Ibidem, S. 431.
  11. Ibidem, S. 443.
  12. Hess, Die Pfarrgeistlichen, S. 116.
  13. StiArEbg cod. 314, S. 243.
  14. Fassbind, Die Schappeindustrie in der Innerschweiz, 119.
  15. Acta capitularia VIII (1810–1842), StiArEbg cod. 280, S. 13.
  16. StiBiEbg cod. 56.
  17. StiArEbg cod. 278, S. 83.
  18. Lexikon für Theologie und Kirche II, Freiburg 1931, S. 367.
  19. Sie Artikel von P. Thomas Weber.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 134.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.