Karl Anderhalden

Aus Kloster-Engelberg
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P. Karl Anderhalden 1908.

Karl (Markus) Anderhalden (* 12. Mai 1842 in Sachseln; † 11. Mai 1916 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 17. November 1860

Priesterweihe: 10. Juni 1865

Primiz: 29. Juni 1865

Ämter

Lehrer in der Stiftsschule: 1865–1868

Grosskellner: 1868–1879

Spiritual in Sarnen: 1879–1891

Spiritual in Maria-Rickenbach: 1891–1899

Spiritual in Menzingen: 1899–1909

Spiritual in Melchtal: 1909–1913

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Ignaz Anderhalden und der M. Josefa Enz.

Lebensbeschreibung[1]

Das Geschlecht der Anderhalden (an der Halten) stammt aus Kerns wo es sich bis ins 15. Jahrhundert nachweisen lässt. P. Karl wurde als Sohn des Ignaz Anderhalden und der M. Josefa Enz am 12. Mai 1842 auf der "Bini" in Sachseln geboren und auf den Namen Markus getauft, weshalb er in seinen Jugendjahren der "Bini-Marx" genannt wurde. Taufpaten waren Markus Risi und M. Theresia Niederberger.[2] Er war das jüngste von 13 Geschwistern von denen 12 vor ihm starben.[3] Das Gymnasium besuchte Markus bis zur 5. Klasse im Kollegium in Sarnen und erhielt aufgrund der noch erhaltenen Zeugnisse fast immer die besten Noten. So bewarb er sich um ein Stipendium, welches Abt Karl Stadler 1815 auch für Obwalden, nach dem Anschluss Engelbergs an den Kanton, bestimmte und konnte an der Stiftsschule Engelberg die 6. Klasse absolvieren. Er war auch ein guter Zeichner und Kalligraph, dank Förderung durch den Regierungsrat, Arzt und Zeichenlehrer Simon Etlin.[4]

Am 6. September 1859 begann er das Noviziat und am 17. November 1860 legte er als Fr. Karl einfache Profess ab.[5] Nach der Profess ging er nach Einsiedeln ans Lyzeum wo er Philosophie studierte. Durch die Bemühungen von Abt Plazidus Tanner erhielt er die Altersdispens, weil er ein Jahr zu jung war. Sein Vater war bemüht, trotz seiner vielen Kinder, seinen Sohn anlässlich seiner Profess gut auszustatten.[6] Am 28. März 1864 konnte er die Ewigen Gelübde ablegen. Die Weihe zum Subdiakon erhielt er am 28. Juni 1863 durch Bischof Karl Johann Greith von St. Gallen in der Einsiedler Gnadenkapelle, die zum Diakon am 4. Dezember 1864 durch Bischof Eugen Lachat von Basel der ihm auch am 10. Juni 1865 die Priesterweihe mit Altersdispens in seiner Hauskapelle in Solothurn spendete. Die Primiz feierte er am 29. Juni 1865 in seiner Heimatpfarrei Sachseln. [7] Sein Bruder Franz schenkte ihm zur Primiz einen Kelch. Am 14. September gleichen Jahres erhielt er von Bischof Nikolaus Franz Florentini die Erlaubnis zur Ausübung der Seelsorge im Bistum Chur.

Von 1865 bis 1868 war er Lehrer am Gymnasium für den Vorkurs mit Zeichnen und Deklamationsunterricht, dem er besondere Aufmerksamkeit schenkte. Weiter lehrte er in der 1. Klasse Französisch und war dazu Subkustos und Leiter der Garderobe des Schultheaters. Um sich in das Sachgebiet der Kostüme einzuarbeiten, hat sich P. Karl auch wohl spezieller damit befasst. So ist heute in der Theaterbibliothek des Klosters noch ein Buch über Kostümkunde erhalten, welches seinen Namenseintrag enthält.[8] Unter ihm wurden die musikalisch-deklamatorischen Unterhaltungen im Kollegium ins Leben gerufen. Und unter seinen Antrieb wagte man sich an die Aufführung von Opern im Engelberger Schultheater. Im Schuljahr 1866/67 brachte er die erste Opernaufführung auf die Bühne des Kollegiums: Die türkischen Kadetten. Für die Theateraufführungen setzte er sich als Maler, Regisseur und Dirigent ein.[9] 1869 ist er als Verfasser des Stückes "Die beiden Brüder" (Regimentstochter) angegeben welches an Fasnacht aufgeführt wurde und welches P. Gall Morel von Einsiedeln bearbeitet hat.[10]

1868 wurde er Grosskellner und blieb bis 1879 in diesem Amt. Er wollte für die Pfarrei eine neue Erwerbsquelle schaffen und führte 1869 die Stickerei ein. Die Bevölkerung war anfangs dafür eingenommen, da er von St. Gallen eigens zwei tüchtige Lehrerinnen kommen liess die vom Kloster bezahlt wurden. Aber der Eifer für die gute Sache erkaltete immer mehr und viele Einheimische meinten, sie wollten lieber betteln gehen, sie würden dabei mehr verdienen. Eine ähnliche Erfahrung hatte schon Abt Anselm Villiger gemacht in der gleichen Frage.[11]

Von 1877 bis 1879 war er als Grosskellner auch bei der von Abt Anselm beauftragten Kirchenrenovierung mitverantwortlich wo er für ihn wichtiges in einem eigens dafür angelegten Tagebuch festhielt. Uneinig war man sich anfangs wie die Abteikirche neu renoviert und gestaltete werden sollte. Nach heftig geführten Diskussionen, in denen sich eine Gruppe von Konventualen um Grosskellner P. Karl energisch für einen radikalen Umbau samt Erhöhung des Chorbodens einsetzte, berief Abt Anselm eine Kommission ein, die die strittigen Punkte klären sollte. Aus Angst vor einer grossen Verschuldung und auch, weil ihm diese Einschnitte zu radikal waren, wies Abt Anselm Villiger aber die Forderungen der progressiven Gruppe um P. Karl, die u. a. eine Entfernung der Barockaltäre forderten, zurück. Im Juni 1877 wurden die weissen Deckenspiegel nach den Entwürfen des damals berühmtesten Schweizer Kirchenmaler Melchior Paul von Deschwanden, der damals aber schon 66 Jahre alt war, von seinen vier jüngeren Gehilfen ausgeführt, wobei Deschwanden selbst immer wieder korrigierend eingreifen musste. Am 30. August 1877 begutachtete Abt Anselm mit Deschwanden diese Arbeiten und befanden sie für gelungen. P. Karl als Grosskellner dagegen übte massive Kritik an Deschwanden: "Herr Deschwanden, es fehlt noch sehr viel. Sie haben jetzt immer in diesen ihren Skizzen gelebt, sie sehen die Mängel nicht, wie ja auch Eltern die Fehler ihrer Kinder nicht sehen." Die von P. Karl geforderte externe Expertise zur unabhängigen Beurteilungen der Malereien wurde jedoch nicht eingeholt.[12] P. Karl leistete jedoch, trotz Differenzen mit seinem Abt, einen wichtigen Beitrag zur Innenrenovierung des Chores der Kloster- und Pfarrkirche.

In Engelberg bestand damals bereits der Ortspiusverein, eine religiöse Männergruppe, die bestrebt war, durch karitative Tätigkeiten die Härten der Armut zu bekämpfen und soziale Institutionen zu schaffen, die den allgemeinen Lebensstandard heben könnten. Am 30. Mai 1878 wurde P. Karl zum Präsidenten der Ortsgruppe gewählt. Er nahm nicht nur die Wahl an, sondern überraschte die Versammlung gleich mit dem Vorschlag, eine Spar- und Leihkasse zu gründen.[13] Die Versammlung stimmte dem Vorschlag des neuen Präsidenten P. Karl einstimmig zu und beauftragte ihn und den Vorstand, die Vorbereitungen zu dieser Gründung einzuleiten. P. Karl machte sich mit seiner ganzen Energie ans Werk, er wurde dabei von seinem Abt, Anselm Villiger, tatkräftig unterstützt. Der Einsatz dieser beiden Männer erinnerte an die Zeiten, in denen die Klosterherrschaft noch die Seidenkämmelei, die Heimarbeit und ähnliche Hilfsaktionen für die Bevölkerung startete. Am 23. Juli 1878 konnte er bei der Vorstandssitzung des Piusvereins bereits den provisorischen Statuten-Entwurf vorlegen. Aber andere Unternehmungen schoben die Gründung der Sparkasse noch hinaus. Erst am 6. Januar 1879 konnte er an der Vereinsversammlung bekannt geben, dass die Obwaldner Regierung am vergangenen 24. Dezember die Statuten der neuen Sparkasse bestätigt habe. Damit waren alle Vorrausetzungen zur eigentlichen Gründung geschaffen.[14] 1878 war er auch an der Gründung der Volksbibliothek der Pfarrei beteiligt. Als Abt Anselm Villiger den bisherigen Eigenbetrieb der Ökonomie mit dem Pachtsystemvertauschte, ging P. Karl an eine Vermessung der Klostergüter.

1879 wurde er zum Spiritual in Sarnen ernannt.[15] "1879 am 29. Mai traf der Hochw. P. Carl Anderhalden als Beichtvater bei uns ein. Er wurde von der größern Zahl der Klosterfrauen mit freundlichem Willkomm empfangen. Sein heiteres liebevolles Wesen wirkte wohltuend auf die leidenden Gemither. Man fühlte sich heimeliger, als ehedem. Die meisten Klosterfrauen schenkten ihm volles Zutrauen. Nur die Gnäd. Frau M. Benedicta war niedergedrückt. Sie hatte ihren Rathgeber u. Tröster (P. Johann Bapt. Troxler) verloren. Weil der neue P. Beichtiger in mehreren Dingen eine von seinem Vorgänger verschiedene Handlungsweise befolgte, so wurde sie bald misstrauisch gegen ihn. Sie bat ihn weder um Hilfe noch um Rath; wohl aber liess sie sich von dem ehemaligen Beichtvater P. Bapt. (Troxler) schriftlich unterweisen, wobei es an Verdächtigung und Intriguen nicht fehlte. Die Oberin beschenkte denselben noch reichlich. Dies gab Anlass zu neuen Verdrieslichkeiten u. Klagen." Am 6. Juni hielt Abt Anselm eine Visitation "die im allgemeinen gut ablief".

Wie Pfarrhelfer Anton Küchler über P. Karl Anderhalden schreibt, "genoss er keinen anderen Unterricht wie den an der (Engelberger) Zeichenschule von P. Adelhelm (Frey) am Gymnasium.“ Das P. Karl aber ein detaillierter Zeichner war, geht aus mehreren Plänen zu Bauten hervor. So beispielsweise bei der Erweiterung des Kollegiums um 1900, als man eine umfangreiche Erweiterung plante und man deshalb Varianten prüfte, welche den bestehenden Bau als Westflügel in einem Neubau weiter nutzen konnte. Die Pläne wurden offenbar vom damaligen Grosskellner P. Walther Langenegger und P. Karl initiiert und die Projektstudien dann von P. Karl in sauberer Ausführung gezeichnet.[16] Auch als Spiritual in Sarnen "leitete er in Sarnen als Architekt Renovationen und einen Neubau für die Kosttöchter(des Klosters St. Andreas). Das 300-jährige Haus von Herrn Stockmann wurde mit Beibehaltung des alten Stiles nach seinen Plänen umgebaut."[17]

Am Freitag den 16. September 1881 wurde unter dem Vorsitz von Abt Anselm Villiger, P. Benedikt Gottwald und P. Walther Langenegger die 32-jährige Sr. Nicola Durrer zur neuen Äbtissin gewählt. "Ihre erste Tätigkeit unter Anregung von Beichtiger P. Carl Anderhalden war die Aenderung der Abborte der Klosterfrauen, derselbe bildete einen offenen Raum, ähnlich einem Gange, ohne jeglichen Abschluß, was immer mehr und weniger ein Gegenstand des Anstosses war. Dieser wurde von Schreiner Wirz von Kirchhofen Sarnen in 4 Zellen eingetheilt."[18] Im Laufe der Jahre veränderte P. Karl auch einiges im täglichen Klosterleben der Schwestern und in der Liturgie, so 1882 hinsichtlich der Orndung von Büchern: "Gegen Ende des Jahres regte P. Beichtiger an, eine neue Bibliothek einzurichten. Es wurden zwei Locale für die Bibliothek eingerichtet. Eines war eine ärmliche Zelle einer Laienschwester, das andere ein Lokal zur Aufbewahrung von Möbeln, Fenstern etc. Letzteres war das frühere Sprech- und Beichtzimmer der Klosterfrauen. Die alte Bibliothek war eine kleine Zelle, im obern Gange. Die Bücher lagen durch- u. übereinander. Sie wurden unter Anleitung des Hochw. Herrn P. Beichtigers geordnet, catalogisiert. Es wurde ein Leih-Buch angelegt, wie auch Eines für geschenkte Werke u. ein doppeltes Verzeichniss von allen Werken angefertigt.[19] Bei einer Kapitelsitzung am 20. Oktober 1883 veranlasste P. Karl "nach Rücksprache mit der Äbtissin, dass die Schwestern ihre, in ihren Zellen befindlichen Bücher, die oftmals neuere und schönere Werke besassen, dass nun alle ascetischen Bücher, die Legenden der Heiligen, profane Bücher etc. für die Bibliothek abgegeben werden sollen, mit Ausnahme der hl. Regel, der Nachfolge Christi u. der Gebetbücher. Diese Verordnung tat mancher Schwester sehr weh."[20]

Im Dezember 1883 war P. Karl in der Frage der Postulation eines Abtes für die Abtei Disentis im Vordergrund. Im Streit zwischen den Klöstern Einsiedeln, Muri-Gries und Engelberg solle die Diplomatie entscheiden, hielt Abt Anselm Villiger in seinem Tagebuch fest. Er sei nicht dafür, sein Kloster sei zu klein.[21] Von Engelberg wurde schliesslich P. Johann Baptist Troxler als Administrator nach Disentis geschickt.

Auch die Tischlesung optimierte P. Karl in St. Andreas: "Im Sommer 1884 wurde durch P. Beichtiger die Tischlesung geregelt und eingeübt, namentlich bezüglich der Betonung, damit dies von Allen in gleicher Weise geschehe."[22] "Am 24. Aug. 1884 musste P. Beichtiger P. Carl auf Wunsch von Abt Anselm sich nach Maria-Rickenbach zur Betreuung der Wallfahrt begeben, da P. Josef Moos zum Pfarrer von Engelberg bestimmt wurde und bis die Pfründe wieder besetzt sei. Man hatte viel Kummer und betete viel, weil man fürchtete, P. Beichtiger werde vielleicht gar nicht mehr wiederkehren. Aber am 29. September kam er nach Sarnen zurück."[23] 1886 veranstaltete er bei Anlaß der Tagung des fünförtigen Vereines im Rathaus zu Sarnen zusammen mit P. Benedikt Gottwald, "eine prächtige Ausstellung, die allgemein eine grosse Bewunderung erregte".[24] 1887 war P. Karl bei den grossen Feiern zu Ehren von Br. Klaus, vom 19. bis 21. März, Präses des Festkomitees.[25] 1890 beging P. Karl sein Priesterjubiläum: "Am 10. Juni feierte unser P. Beichtiger Carl Anderhalden sein 25-jähriges Priesterjubiläum. Nur durch inständige Bitten u., um dem Convente eine kleine Freude zu bereiten, liess er sich endlich dazu bewegen, dass das Fest in der Kirche und im Convente auf bescheidene Weise gefeiert werde. Nach Aussen aber durfte man es nicht bekannt werden lassen. Der Hochw. Jubilat war bei der stillen Feier sichtlich gerührt."

Von P. Karl ging die Initiative aus, dass auch Schwestern aus Sarnen in die Amerika-Mission gesendet wurden. Nach der Gründung von Conception durch P. Frowin Conrad und P. Adelhelm Odermatt 1873, welches 1881 schon eine selbstständige Abtei war, wollte P. Adelhelm, dem der Erzbischof von Portland die Pfarrei Gervais im Staat Oregon zur Betreuung an. Gervais liegt ganz in der Nähe des heutigen Klosters Mount Angel. Nachdem P. Adelhelm in Engelberg von Abt Anselm Villiger die Erlaubnis dazu bekommen hatte, wollte er mit einigen Patres und Schwestern aus Maria-Rickenbach, von welchen schon in den siebziger Jahren einige in die Amerika-Mission ausgereist waren, nach Oregon zurückkehren. Dieser Umstand erregte aber so etwas wie Eifersucht in Sarnen. Tagebuch am 24. Febr. Um diesen Vorwurf zu entkräften war Abt Anselm bereit, auch Schwestern von Sarnen an der Amerika-Mission zu beteiligen. Abt Anselm bemerkt in seinem Tagebuch Jahre später, "dass P. Karl einer der wenigen seiner Mitbrüder sei, die den einmal gefaßten Beschluss für die Mission in Amerika auch bereit seien, mit aller Konsequenz durchzutragen."[26] Dieses Interesse wird auch belegt durch die intensive Korrespondenz, die später die Schwestern mit P. Karl unterhielten und in der immer wieder konkrete Fragen der Gestaltung der Gründung zur Sprache kamen. Hinzu kam, dass Sarnen 1881 die erst 31-jährige Schwester Maria Nikola Durrer zur Äbtissin wählte, die sich "durch rasche Entschlossenheit und unermüdliche Schaffenskraft" auszeichnete. Diese Eigenschaften liessen in ihr bald den Entschluss reifen, dem Wunsch von P. Karl zu entsprechen und Schwestern nach Amerika zu schicken. Am 19. November hielt P. Karl einen längeren Vortrag über die Neugründung in Amerika an die Klosterschwestern, welchen die Chronistin wörtlich über mehrere Seiten zitiert.[27] Die drei Schwestern kamen am 1. November in Gervais, Oregon an. Im Kloster Sarnen hatte man am 19. November noch keine Nachrichten von den drei Missionaren erhalten, ob sie gut an ihrem Zielort angekommen waren. Schon nach kurzer Zeit zeigte sich, dass das ganze Unternehmen übereilt und die Schwestern auf die neue Situation und ihre Aufgaben total unvorbereitet waren. Anfang 1885 wurden die Vorbereitungen für eine zweite Schwesterngruppe von Sarnen nach Amerika getroffen.[28] Mit den drei Schwestern reiste auch noch eine Novizin mit,[29] deren Name aber in den Berichten nicht genannt wird. Am 15. März kamen sie nach einer 33-tägigen, beschwerlichen und gefahrvollen Reise, in Union-Town an. Sr. Albertina Anderhalden hat diese Reise sehr ausführlich und unterhaltsam beschrieben.[30]

1891 wurde P. Karl aus Sarnen abberufen: "Am Sonntag den 18. Okt. machte uns unser Hochw. Herr P. Beichtiger die erschütternde Mittheilung, dass er vom Hochw. Gn. Herrn von hier abberufen u. als Beichtiger nach Maria Rickenbach bestimmt sei. An seine Stelle werde der Hochw. Herr P. Placidus Wissmann (gegenwärtiger Beichtiger beim Leiden Christi in Gonten) treten. Wie tief uns diese Nachricht betrübte, lässt sich kaum denken, wussten wir ja wohl, was wir alle an ihm verlieren. Doch der gute Hirte ging uns mit seinem schönen Beispiele voran u. brachte muthig u. willig dieses schwere Opfer, u.so mussten auch wir nach seinem Wunsche, wenn auch nicht freudig, doch willig, ein Gleiches thun. Nach 10 schmerzlichen, trüben Tagen (am 28. October) nahm der gute Vater unter Thränen im Convente von und Allen Abschied. Seine letzten Worte waren: 'Kindlein liebt einander!' Er war während der 12 Jahre seines Hierseins ein grosser Wohlthäter unseres Gotteshauses, ein wahrer Vater für jede Einzelne wie für das ganze Kloster, u. zwar nicht nur in geistlicher, sondern auch in materieller Hinsicht. Gott lohne ihm alles tausendfach schon hier auf Erden u. besonders einst in der Ewigkeit. Das Einzige, was uns diese schwere Trennung erleichterte, war der Gedanke: 'Gott will es.'"[31]

Wie aus den weiteren Chronikaufzeichnungen der späteren Jahre hervorgeht, kam P. Karl auch als Spiritual des Klosters Maria-Rickenbach jedes Jahr für einige Tage nach Sarnen. Noch als P. Karl schon einige Jahre Spiritual in Maria-Rickenbach war, liess er es sich nicht nehmen, den Sarner Schwestern in Amerika mit Geldmitteln zu helfen. 1893 begannen die Schwestern in Colton mit dem Bau des Klosters. Unglücklicherweise fiel die Bauzeit mit einer wirtschaftlichen Krise des Landes zusammen. Den Schwestern ging das Geld aus, der Bau sollte aber nicht gestoppt werden. Die Schwestern waren ernstlich besorgt um ihre Fortexistenz. Schliesslich interventierte P. Karl beim Abt von Engelberg. Auf diese Weise gelang es, das Kloster Einsiedeln um Hilfe zu bewegen, das ein Darlehen von 50 000 Franken gewährte.[32] Auch danach setzte er sich weiter ein, wie aus einem Brief von Priorin Sr. Johanna an ihn vom 6. März 1894 hervorgeht, wo es u.a. heisst: "Wir haben erfahren, dass Ew. Hochw. sich um uns sehr grossmüthig angenommen und dass wir es zum grossen Theil Ihren Bemühungen verdanken, dass uns die so ersehnte und desshalb so willkommene Hilfe einer Geldanleihe zukam. Wir erhielten das Geld Freitag den 2. Inst. Nämlich 9592 Dollar."[33] Sr. Johanna hielt ihm auch sonst immer wieder auf dem Laufenden mit ihren Schwierigkeiten in Amerika.

P. Karl zog am 29. Oktober 1891 ins Spiritualenhaus in Maria-Rickenbach ein.[34] Er war das schiere Gegenteil seines Vorgängers P. Fintan Fäh. War dieser ein ruhiger und eher kontemplativer Typ, kam mit P. Karl, ein lebhafter Spiritual ins Kloster. Obwohl er damals erst 39 Jahre zählte, gehörte er zu dem am vielseitigsten erprobten und erfahrenen Seelsorger, die der hiesige Frauenkonvent bis dahin erhalten hatte. Sein bau- und finanztechnischer Sachverstand sollte dem Konvent bald zugute kommen. P. Karl scheint nur ungern von Sarnen nach Maria-Rickenbach gewechselt zu haben. So äussert er sich in seiner Antrittsrede, dass er eigentlich "heute lieber in Sarnen bei Wasser und Brot gefastet hätte, als hier bei reich besetzter Tafel zu erscheinen". Abt Anselm musste ihn darum zu Beginn Mut machen und Ratschläge erteilen. Vor allem empfahl er ihm, die Beichtpraxis im Kloster zu reformieren, insbesondere sollte er die "Beichtprozedure" abkürzen. Der Umgang mit den Klosterfrauen sollte sich immer nur auf das notwendigste beschränken. P. Karl beherzigte den "Beichtreformat", wie er überhaupt seine seelsorgliche Aufgabe sehr ernst nahm. So führte er mit Abt Anselm eine intensive Diskussion über die Frage des täglichen Kommunionempfangs beim Konventgottesdienst. Abt Anselm vertrat die Ansicht, der Spiritual hätte das Recht, einzelne Schwestern von der täglichen Kommunion auszuschliessen, was P. Karl aber als undurchführbar ablehnte.

P. Karl verspürte überall, wo er gerade war, Appetit aufs Konstruieren, Organisieren und Bauen. Seine ökonomische Prägung aus der Zeit als Großkellner konnte und wollte er nicht verbergen. Im Kloster Maria-Rickenbach konnte sich diese seine Neigung besonders gut entfalten. Im Oktober 1891 beauftragte Abt Anselm Villiger P. Karl mit der Erarbeitung von Plänen und deren Ausführung zur südlichen Erweiterung des Klosters, den Neubau der Klosterkirche und einer gleichzeitigen Neuorganisation der Räume. Mit grösstem Eifer machte er sich an die Organisation dieses Unternehmens. Als erstes musste die Finanzierung organisiert werden. Parallel zur Finanzbeschaffung liefen seine Überlegungen und Anstrengungen, für den Baubeginn genügend Holz zur Verfügung zu haben. Aus diesem Grund beantragte er bei Abt Anselm den Kauf einer grösseren Waldparzelle zur Deckung des Bedarfs an Schlagholz. Aber in Rickenbach gehörten die Waldungen fast alle zu den Alpen. Deshalb war es ein Glücksfall, dass im Juli 1891 die Besitzer der Alp Ahorn an die Oberin herantraten und ihr die Alp mitsamt zugehöriger Waldparzelle zum Verkauf anboten.

P. Karl plante bereits den nächsten Schritt: die Erstellung einer klostereigenen Säge. Die Baumstämme mussten für die Verwendung auf den Bau zugeschnitten werden. Der Stanser Alt-Regierungsrat Josef Bircher konstruierte ihm das Modell eines Sägewerks. Des Weiteren machte sich P. Karl Gedanken über die Lieferung der Steine für den Bau. Deshalb liess er italienische Gastarbeiter einen Steinbruch eröffnen. Ein Schienenrollwagen beförderte das Steinmaterial zum Bauplatz des Sägewerks. Der schlechte und regnerische Sommer verzögerte die Fertigstellung des Baus. Aber im Herbst 1894 stand das Sägewerk. Als Dank haben die Klosterschwestern P. Karl eine 12-teilige "Bildergallerie" geschenkt, in welcher sie mit Zeichnungen und in Versform die verschiedenen Szenen aus dieser Zeit dokumentierten.[35] Als drei Jahre später die neue Kirche gebaut und das Kloster erweitert war, notierte Abt Anselm in sein Tagebuch kurz und bündig: "Was P. Karl gebaut hat, ist schön, solid, sauber und ansprechend."

Den Fortgang der Arbeiten an Kloster und Kirche beschrieb P. Karl selber sehr anschaulich. Die Geschichte des Baus der zweiten Klosterkirche und des Erweiterungsbaues, sowie des teilweisen Umbaus der Kirche und des ersten Klosters von den Anfängen 1891 bis zum Aufrichtefest 1896 beschreibt P. Karl in einer Urkunde vom 12. November 1896, die er in die das Kreuz tragende Turm- oder Helmkugel einschliessen liess. Bei der Renovierung des Klosterdaches 2001 wurde die Kugel geöffnet. Eine Aufnahme, die gemäss der in der Turmkuppel gefundenen Urkunde am 9. September 1896 gemacht wurde, zeigt P. Karl inmitten seiner Bauarbeiter die mit Namen und ihrer Nationalität versehen sind, vor sich auf einem Tischchen das von einer Schwester aus Karton gefertigte Klostermodell sowie ein Foto des ganzen Gebäudes.[36] Aus dieser Urkunde sei jene prägnante Stelle von P. Karl widergegeben, welche Kritik er von Aussenstehenden zu gewärtigen hatte: "Trotzdem alles gut ging, hatte ich doch eine unsägliche Kritik zu bestehen. Man warf mir vor, ich werfe das Geld zum Fenster hinaus und sei reif für das Irrenhaus. Jetzt aber, nachdem schon so viele Arbeiten glücklich vollendet sind und sich alle Einrichtungen bestens bewährt haben, wagt niemand mehr, etwas dagegen einzuwenden."[37]

Neben seinen Bauunternehmungen half er den Schwestern auch anderweitig mit seinen Begabungen. So heisst es im "Schweizer Künstler-Lexikon" zu seiner Zeit im Kloster Maria-Rickenbach: "Er machte er auch Zeichnungen für die Arbeiten der Kloster-Frauen, z. B. Messgewänder, Fahnen und dergl. Er ist auch ein guter Kalligraph."[38] Dankbar „für die vielen und grossen Mühen und Arbeiten“, die P. Karl als Spiritual "in geistiger Beziehung und als Bauleiter" dem Kloster erwiesen hatte, stiftete die Oberin Johanna Gretener einige Jahre später eine Jahrzeit zu Ehren von ihm. Eine persönliche Spezialität von P. Karl soll hier nicht übergangen werden: sein vehementer Kampf gegenden Alkohol, namentlich gegen den Weingenuss. Diesem Ziel hatte er sich schon früher als Präsident des "Engelberger Piusvereins" verschrieben, daran sollte sich nichts ändern. Die Schwestern bekamen dies sehr schnell zu spüren, als er ihnen längere Vorträge über den Weinkonsum hielt. "Er bewies aus medizinischen Schriften, dass der Genuss des Weines unnütz, schädlich, Gaumenlust, Luxus, Gift sei und drängte sie mit asketischen Gründen zur Entsagung desselben." Die Schwestern, "die am Tage ja nicht mehr als ein einziges Glas trinken" seien zu bemitleiden, notierte Abt Anselm in sein Tagebuch. Bei fünf bis sechs Schwestern begann es zu rumoren, es gab "etwas Aufruhr", wie Abt Anselm Villiger schreibt. Er machte sich sogleich zum Anwalt dieser Gruppe und er erklärte P. Karl, dass er diesen Frauen "den Weingenuss weiterhin erlauben" werde. Klosterfrauen, die ohne Wein sein wollen, "können darauf verzichten". Die Intervention bewirkte nicht viel. P. Karl hatte sein persönliches Kampffeld, davon liess er sich nicht abbringen. 1897 musste der Abt ihn wieder ermahnen: "Dass Sie bei jedem gegebenen Anlass wieder auf das ‘Wenigli‘ Wein, das die Klosterfrauen bekommen, zu sprechen kommen schadet mehr als es nützt, indem die Treiberei für Abstinenz doch gewissermassen eine Scission (Spaltung) unter den Schwestern gebracht hat." Im Übrigen sei ein kleines Quantum Wein von den Ärzten nachgerade empfohlen, und ausserdem werde der Wein in der Hl. Schrift gelobt, argumentierte Abt Anselm. Als 1894 für den bevorstehenden Klosterbau italienische Gastarbeiter nach Rickenbach kamen, sah sich P. Karl auch in hier in seinem Abstinenz-Eifer gefordert. So nahm er sich einmal zwei Italiener vor, die am Sonntag Dallenwil "gar zu tief ins Gläschen geguckt hatten und abgestürzt waren." Spät in der Nacht kamen sie in ihre Unterkunft nach Hause. Sr. Ida Fäh, die während mehr als 30 Jahren zur großen Zufriedenheit der jeweiligen Seelsorger den Haushalt im Spiritualenhaus besorgte, bemerkte am anderen Morgen den "Katzenjammer". Die beiden Italiener hatten vor dem Spiritual zu erscheinen, dem Alkohol abzuschwören und zu versprechen, fortan nur Quellwasser zu trinken.

Nachdem am 18. Oktober 1899 P. Beda Horat als Spiritual das Kapuzinerinnenkloster zu Maria-Hilf auf dem Gubel bei Menzingen von seinem Posten zurückgerufen wurde wechselte P. Karl Anderhalden auf diesen Posten. P. Karl erwarb sich während dieser Jahre ganz besondere Verdienste um die Ausstattung der Kirche mit Paramenten und Leuchtern. Für den Konvent schaffte er zwei Bilder von Kunstmaler Georg Kaiser in Stans an, eines vom seligen Br. Klaus und eines vom hl. Karl Borromäus. Er verhalf den Schwestern auch zu einer neuen Orgel und verschaffte ihnen eine kleine Bibliothek. Durch ihn kamen 1902 neue Kreuzwegstationen in die Kapelle und 1908 schaffte er eine Weihnachtskrippe für die Kirche an. Als er am 18. Mai 1909 zum grossen Bedauern als Spiritual nach Melchtal gehen musste, kam für kurze Zeit nochmals P. Beda.[39]

Nach dem Tod von P. Berchtold Fluri ernannte Abt Leodegar Scherer am 19. Mai 1909 P. Karl zum neuen Spiritual des Benediktinerinnenklosters Melchtal und zum Direktor des dazugehörigen Töchterpensionates. Hatte er vorher bei seinen Posten als Spiritual seine Fähigkeiten in baulicher Hinsicht stark einbringen können, waren in Melchtal die verschiedenen Bauten schon fertiggestellt. Er kam nach Melchtal als "recht bedächtiger alter Herr". Er schenkte sogleich der Pensionats-Bibliothek ein Kirchen- und Konversations-Lexikon in 24 Bänden.[40] Schon im folgenden Jahr konnte er am 17. November 1910 sein goldenes Priesterjubiläum feiern. Er liess sich auch nicht mehr Direktor sondern Spiritual nennen; Geld und Rechnungsbücher übergab er der Frau Mutter M. Salesia Kuhn. Diese Massnahmen gingen offensichtlich auf Weisungen von Abt Leodegar zurück, der der Oberin nach dem Tod von P. Berchtolds jene Rechte und Pflichten übergeben wollte, die ihr kraft ihres Amtes nach dem Kirchenrecht zustanden. Unter P. Karl wurde das Dekret des Papstes Pius X. vom 20. Dezember 1905 über die öftere und tägliche Kommunion verwirklicht, indem die Schwestern nun täglich kommunizieren durften, während sie bisher nur fünf Mal die Woche kommuniziert hatten. War P. Karl auch nicht mehr Direktor des Klosters, so behielt er nach Weisung seines Abtes das Amt eines Direktors des Institutes. P. Karl nahm dieses Amt sehr ernst und leistete Bestes zur Hebung des Institutes. Er liess einzelne Schwestern als Lehrerinnen ausbilden. P. Karl selber gab Unterricht in Latein, Mathematik und Zeichnen, schaffte Lehrmittel, Schulbücher, Karten und Apparate an. Als ehem. Großkellner regte er auch in der Ökonomie Neuerungen an. So wurde 1911 der Balmwald und der Drittwald gekauft. Im gleichen Jahr schaffte das Kloster Vieh an, um sich selber mit Milch zu versorgen. Es waren anfangs fünf Kühe und ein Rind. 1912 wurde das "Ried" gekauft, das als Heu- und Streuland diente. 1912 wurde vom Bischof von Chur für den kränklichen Abt Leodegar, der Abt von Einsiedeln Thomas Bossard zum ausserordentlichen Visitator bestimmt. Dieser führte eine Neuwahl einer Oberin durch aus der M. Ignatia Waldesbühl hervorging. Mit diesem Amtswechsel wurden als Frucht der Visitaion einige Neuerungen von Abt Thomas eingeführt. So gab er u. a. die Weisung heraus: "Der hochw. Spiritual wird also – und er ist damit sehr zufrieden – nie mehr Kapitel halten und natürlich dem Kapitel auch nicht beiwohnen. Die wohlerwür. Frau Mutter aber soll wenn immer möglich alle Wochen oder doch alle 14 Tage Schuldkapitel halten. Die bisherigen Verhältnisse im Kloster Melchtal haben es mit sich gebracht, das die Frau Mutter als Oberin vor dem Herrn Direktor zurücktreten musste und das sie so nicht das volle Bewusstsein der Verantwortung hatte. Die Frau Mutter ist die von Gott gesetzte Oberin; sie soll deshalb auch das Kloster leiten. … Damit war der neuen Oberin Ignatia die volle Verantwortung für das Kloster überbunden. Der Spiritual P. Karl wird auf seine eigentliche geistliche Aufgabe verwiesen." Aus dieser Anordnung von Abt Thomas geht hervor, dass P. Karl bei seinem Amtsantritt wohl auf den Namen eines Direktors des Klosters verzichtet hat, nicht aber auf alle mit diesem Amt verbundenen Privilegien. Da es P. Karl schwer fiel, sich plötzlich solche Beschränkungen seiner eifrigen Tätigkeit aufzuerlegen, berief ihn Abt Leodegar 1913 nach Engelberg zurück.[41]

Neben seinen seelsorglichen- und baulichen Tätigkeiten als Spiritual war P. Karl auch in der Kunstgeschichte sehr bewandert. Im Herbst 1878 war er mit P. Nikolaus Frei an der Weltausstellung in Paris. Schon 1866 trat er dem "fünförtigen Historischen Verein" in Sarnen bei. Er war auch längere Zeit Präses des historisch antiquarischen Museums in Sarnen. Mit P. Benedikt Gottwald zusammen war er in den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts der Begründer der Altertumssammlung des Klosters. Er erwarb nicht wenige Kunstwerke für diese Sammlung.[42]

P. Karl war noch 1890 abstinent geworden, zur grossen Freude von P. Konrad Lötscher, und bemühte sich, für diese Bewegung weitere Anhänger zu gewinnen. "Welche Begeisterung für sie in seinem Herzen lebte, zeigte der Umstand, dass er sofort bereit war, auf die ihm so teure Tabaksdose zu verzichten, als ein Pfarrer Miene machte, unter dieser Bedingung der Abstinenz beizutreten."[43] P. Gall schreibt aber in seinen Aufzeichnungen über P. Karl: "Aber auf das Schnupfen wollte er doch nicht verzichten. In diese Richtung denn dann auch die Glückwünsche zum Goldenen Priesterjubiläum am 29. Juni 1915, an dem er auch das Silberjubiläum als Abstinent begehen konnte." Dieses seltene Doppelfest wurde auf seinem Wunsch hin, in bescheidenen Rahmen gefeiert. Nach einigen Gedichten und musikalischen Einlagen von Mitbrüdern und Studenten hielt der Jubilar eine Ansprache an die Studenten, "welche in eine Apotheose seines Lieblingsdichters, des alten Horaz, hinauslief".[44] Am 1. November 1915 hielt er bei der "Abstinenten-Sektion" in Engelberg einen Vortrag über "Abt Leodegar Salzmann, der letzte Freiherr von Engelberg".[45] Im November gleichen veranstaltete er aus Anlass der Zentenarfeier die wertvolle Ausstellung in Engelberg, die er im Obwaldner Volksfreund in mehreren Nummern anziehend schilderte. Es war seine letzte Arbeit. Am Vereinsfest in Schwyz wurde er noch als Festpräsident des Festortes Engelberg erkoren, eine Ehre, die er aber ablehnte.[46] Bis zu seinem Tode gab er ein Beispiel pünktlichster Regularität.

P. Karl Anderhalden starb am 11. Mai 1916 um 2 Uhr Nachmittags, einen Tag vor seinen 76. Geburtstag, nachdem er noch am Aschermittwoch dem 8. März einen leichten Schlaganfall erlitten hatte an Arterienverkalkung.[47] "Er hatte sich schon am 29. April die Sterbesakramente reichen lassen, da er wegen mangelnder Blutzirkulation heftige Schmerzen in den Beinen litt, so dass ihm das Liegen im Bett zur Qual wurde. Das Beinleiden führte in kurzer Zeit zur völligen Ermattung, die am 11. Mai die Auflösung des Kranken herbeiführte."[48] P. Paul Wymann hielt in seinem "Kapellmeistertagebuch" zu ihm ergänzend noch fest: "Ausübender Musikant war er nie gewesen, zeigte aber stets grosses Interesse am musikalischen in Kirche und Schule." Wie schon oben gesagt, setzte er sich in seiner Anfangszeit als Lehrer sehr für die Theateraufführungen im Kollegium ein. "In den 35 Jahren, die er als Beichtiger in den verschiedenen Frauenklöstern tätig war, kam er stets in der Fastnacht ins Kloster zurück und verfolgte mit regem Interesse die Aufführungen." Weitere Erinnerungen erzählen: Die meisten Alt-Engelberger werden sich noch der gewichtigen Persönlichkeit erinnern die jeweilen an diesen Tagen gravitätischen Schrittes, mit feierlicher Geste die Tabaksdose klopfend, in der Garderobe erschien, um ihre gemessene Kritik über Kostümierung, Dekoration und Spiel abzugeben.[49] Noch in seinem Todesjahr 1916 verfolgte er die Oper "Joseph und seine Brüder" von Mehul mit kritischen Auge und Ohr aber mit massvollem Urteil."[50]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Taufschein vom 17. September 1866, Josef Imfeld, par. loci, Commissarius Episicopalis.
  3. Sein Bruder Franz Josef wurde Pfarrer von Lungern.
  4. Nidwaldner Kalender, 1981, S. 88.
  5. Laut der "Studien-Rechnung" für die 6. Klasse vom 15. Oktober 1857 bis 10. August 1858 betrug das Kostgeld pro Woche 6 Franken, machte also 255 Franken. Die Berechnung für das Noviziat 372 Fr. Davon gingen 200 Fr. für das Stipendium ab. Blieben also 271 Fr.
  6. Er versprach: "Ein aufgerüstetes Bett, Laubsack oder Laubkissen oder Federmatraze oder Federkopfkissen, Flaumdecke samt Kopfkissen, auch Sommerdecke mit Anzügen und 6 Leintüchern. An Waschzeug 12 neue weisse Hemden, rauh und gebleicht, 12 gebleichte Waschtuechli, 12 Handzwecheln, 12 Servitten von guter roher Zwilchen, alles Waschzeug in leinen. Auf die Profess 1000 Fr. in bar. Auf die Primiz, wie es den Verwandten beliebt, eine Kirchengabe. Engelberg, Plazidus Abt, Lungern 17. Sept. 1859: Franz Josef Anderhalden."
  7. Schweizerische Kirchenzeitung, Nr. 28, 15. Juli 1865, S. 229.
  8. Weiss, Hermann: Kostümkunde, Handbuch der Geschichte der Tracht, des Baues und des Geräthes der Völker des Alterthums, Stuttgart 1860; Paulus, Oper in der Klosterschule Musik und Theater im Kloster Engelberg, S. 86, Anm. 249.
  9. StiArEbg Kapellmeistertagebuch von P. Paul Wymann.
  10. Paulus, Oper in der Klosterschule Musik und Theater im Kloster Engelberg, S. 308.
  11. Heer, Engelberg, S. 448.
  12. Kloster- und Pfarrkirche Engelberg 2009, S. 67.
  13. In den ersten, handgeschriebenen Statuten legte er klar die Gründe dar, die ihn zu diesem Antrag bewogen: "Endlich beabsichtigt der Verein hiemit, durch den Vorschlag oder Zinsgewinn,insoweit derselbe zur Deckung der Auslagen, allfälliger Verluste und zur Errichtung eines Reservefondes nicht in Anspruch zu nehmen ist, gute und gemeinützige Unternehmungen und Anstalten der Gemeinde, welche von den Behörden nicht obligatorisch unterstützt werden müssen,nach Möglichkeit zu gründen und zu fördern. Der Verein bezweckt damit namentlich, der unbemittelten Arbeiterklasse Gelegenheit zu bieten, ihre auch geringsten Ersparnisse sicher und zinstragend anzulegen und dieselbe hiedurch zur Arbeitsamkeit, Mässigkeit und Nüchternheit anzuregen und aufzumuntern. Diese Tugenden befördern und bedingen die Wohlfahrt einzelnen Familie sowohl als auch der bürgerlichen Gesellschaft überhaupt. Sie sind ein besonderes Heilmittel der sozialen Übelstände der Gegenwart und zugleich der direkteste Gegensatz und Widerspruch zu jenen schwindelhaften Spekulationen, die in unseren Tagen so viel Unheil gestiftet haben. Der Verein bezweckt ferner durch dieses Unternehmen, den geldbedürftigen Thalleuten durch Wiederausleihen der eingelegten Gelder gegen gesetzlichen Zins behülflich zu sein."
  14. Dufner, 100 Jahre Sparkasse Engelberg 1879-1979, 1979, S. 4-6.
  15. Die folgenden Auszüge stammen aus: Archiv Kloster St. Andreas, Tagebuch des Klosters St. Andreas in Sarnen von 1843–1880 Sign. X 1.
  16. Eine Abbildung der Projektstudien vom "KLOSTER U. COLLEGIUM ENGELBERG, SCHEMA - Vergleichende Zusammenstellung mit u. ohne Mansarden" findet sich in dem Abschnitt über "Erweiterung des Kollegiums", auf S. 37 in Kapitel von W. Odermatt "Kloster und Dorf Engelberg – Zwischen Gründerzeit und Wirtschaftswunder“", Engelberger Dokumente, 39 Heft 2020.
  17. Brun, Schweizer Künstler Lexikon, Bd. 1, 1905.
  18. Archiv Kloster St. Andreas, Tagebuch des Klosters St. Andreas in Sarnen von 1881–1898 Sign. X 2, S. 7.
  19. Ibidem, S. 47r.
  20. Ibidem, S. 551.
  21. StiArEbg Tagebuch Abt Villinger, Bd. IV, S. 209.
  22. Archiv Kloster St. Andreas, Tagebuch des Klosters St. Andreas in Sarnen von 1881–1898 Sign. X 2, S. 59r.
  23. Ibidem, S. 59r-60.
  24. Geschichtsfreund 71, 1916, S. XIX.
  25. StiArEbg Acta capitularia IX (1851–1924), StiArEbg cod. 284/1, S. 194.
  26. StiArEbg Tagebuch Abt Anselm Villiger, Bd. V, S. 43, 3. August 1887.
  27. Archiv Kloster St. Andreas, Tagebuch des Klosters St. Andreas in Sarnen von 1881–1898 Sign. X 2, S. 33-44.
  28. Ibidem, S. 68.
  29. Die Schweizerische Kirchenzeitung nennt zwei Novizinnen, Nr. 8 den 21. Februar 1885.
  30. Broschüre "Nach den fernen Westen", die sehr nachgefragt war. Im Juli 1886 erschienen schon im Benziger Verlag in Einsiedeln die 6. Illustrierte Auflage dieser Schrift in 10 000 Exemplaren. Vgl. Schweizerische Kirchenzeitugn, Nr. 39 vom 26. September 1885, wo über die Broschüre und den Inhalt von S. 311–312 berichtet wird. Die Autorenschaft ist trotz der Angabe von Sr. Alberta Anderhalden nicht geklärt.
  31. Archiv Kloster St. Andreas, Tagebuch des Klosters St. Andreas in Sarnen von 1881–1898 Sign. X 2, S. 33-44.
  32. Bürcher, S. 68.
  33. Archiv Kloster St. Andreas Sarnen.
  34. Dieser Abschnitt über die Zeit in Maria-Rickenbach stammt grossteils aus dem Text: De Kegel, Spirituale von 1864 bis 1918, in: Das Benediktinerinnen-Kloster Maria-Rickenbach in Geschichte und Gegenwart, S. 85-91.
  35. Im Nachlass von P. Karl A., 3 Seiten davon sind im Abschnitt über P. Karl über die Spirituale in Maria-Rickenbach enthalten.
  36. Bösch, Die Benediktinerinnen von Maria Rickenbach, 2003, S. 37.
  37. Ibidem, S. 37-38.
  38. Ibidem, S. 37-38.
  39. Das Kapuzinerinnenkloster der Ewigen Anbetung zu Maria Hilf auf dem Gubel 1851-1951, S. 159.
  40. Jahresbericht des Töchter-Instituts Melchthal, Schuljahr 1908/09, S. 2.
  41. Jäger, 1866-1966 Benediktinerinnenkloster Melchtal, S. 83-87.
  42. So beispielsweise eine interessante Reliefschnitzerei mit der Darstellung von Br. Klaus von 1587. Diese 70 cm grosse, in Nussbaumholz geschnitzte Figur war ursprünglich Bestandteil eines Fensterpfostens. Wie die beigeschnittene Jahreszahl beweist, sollte diese eine Erinnerung an die hundertste Wiederkehr des Todestages des hl. Bruder Klaus sein. Diese stammt aus dem Pilgerhaus in Maria-Rickenbach und wurde dort beim Umbau des Hauses von P. Karl für Engelberg erworben. Vgl. Titlisgrüsse 19, Heft 2. Nach einem anderen Bericht kam das Stück von Büren her in den Besitz von P. Josef Moos, der als Beichtiger und Wallfahrtsdirektor in Niederrickenbach wirkte. Vgl. Titlisgrüsse 1917, Nr. 3, S. 70.
  43. Titlisgrüsse 2, Juni 1916, Nr. 3.
  44. Titlisgrüsse 1, August 1915, Nr. 3, S. 98.
  45. Obwaldner Volksfreund, 1915, Nr. 89.
  46. Geschichtsfreund 71, 1916, S. XIX.
  47. Nachrufe über ihn erschienen in: Zwei sehr ganzseitige ausführliche auf der Titelseite des Obwaldner Volksfreund Nr. 39, 13. Mai und Nr. 40, 17. Mai 1916; Schweizerische Kirchen-Zeitung Nr. 20, 18. Mai 1916; Geschichtsfreund 71, 1916, S. XIX.
  48. Klosterchronik „Strählplätzli“, 1916 Mai.
  49. Titlisgrüsse 1, 15. August 1915, S. 117.
  50. Ibidem.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 151.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.