Josef Zwyssig

Aus Kloster-Engelberg
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Br. Josef Zwyssig 1908.

Josef Eugen (Josef Alois) Weibel (* 21. Mai 1857 in Seelisberg; † 5. Januar 1913 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 21. Oktober 1886

Ämter

Konventbruder: 1886–?

Oberaufwart: ?–1893

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Michael Zwyssig und der Maria Huser.

Lebensbeschreibung[1]

Josef Alois wurde als Sohn des Michael Zwyssig und seiner Frau Maria, geborene Huser, am 21. Mai 1857 in Seelisberg (Kt. Uri) geboren. Schon in jungen Jahren war er Mitglied des Gemeinderates in Seelisberg. Sein Pfarrer H. Gisler schrieb über ihn, "dass Jüngling Herr Josef Zwyshig von Seelisberg durch seinen sittenreinen, religiösen sehr erbaulichen Lebenswandel von Jugend auf sich ausgezeichnet, und ich demselben zu den besten Jünglingen in meiner Pfarrei gerechnet u. ihn nur ungerne wegen seines guten Beyspieles aus der Gemeinde scheiden sehe."[2] 1877 besuchte er die Rekrutenschule und in den folgenden Jahren mehrere Wiederholungskurse. Er war "wegen seines musterhaften Betragens, seiner Ordnungsliebe u. Pünktlichkeit sowie auch wegen geduldiger Ertragung vorkommender Strapazen bei seinen Obern und Kameraden sehr beliebt."

Mit 28 Jahren begann er in Engelberg das Noviziat und konnte am 21. Oktober 1886 auf den Namen Josef Profess ablegen, die ewigen Gelübde folgten am 7. April 1890. Die ersten Jahre versah Br. Josef den Posten eines Konventbruders ("Curator refectorii et conventus"). Dann wurde ihm von seinen Oberen der mühevolle Vertrauensposten eines Oberaufwartes im Kollegium der Stiftsschule anvertraut. Das hiess, für die 80 Konviktoren täglich den Tisch decken, bei den Mahlzeiten servieren, die Schlafstätten, das Museum, die Schulzimmer und Gänge in guter Ordnung zu halten und vieles mehr. Also eine Menge an Arbeit Tag für Tag. Dabei unterstützte ihn ein weltlicher Gehilfe, Alois Wyrsch von Emmetten, der ganze 60 Jahre diese Aufgabe treu erfüllte. So hielt P. Bernhard Büsser, der während dieser Jahre Student im Kollegium war, fest: "Mit welcher Exaktheit Br. Josef Eugen seiner Arbeit nachging, mag man daraus ersehen, dass sogar auf dem Spielplatz des Kollegiums kein abgebranntes Zündholz liegen blieb, was jugendlicher Mutwille, um den Diensteifrigen zu necken, gern auf ökonomische Gründe zurückführte. Im übrigen hatte die junge Schar vor dem Br. Aufwart nicht geringen Respekt, haftete ihm doch vom ehemaligen Ratsherrn noch immer ein gutes Stück gemessenen, feierlichen Ernstes an. Als der ältere Pultnachbar dem Schreibenden am Vorabend seiner ersten geistlichen Exerzitien im Kollegium ein heftiges Gruseln davor einjagen wollte und ihn mahnte: 'Wenn's dann zum Geisseln kommt, schau ja, dass es dich zu Alois und nicht zu Br. Josef trifft, denn dieser haut kräftiger drein.', da zweifelte der Gewarnte immerhin stark an der Wirklichkeit des Falles, nicht im Geringsten aber an der Stichhaltigkeit der Begründung, auf welche der fromme Rat sich stützte: das asketische Aussehen und die kräftig entwickelten Hände Br. Josephs bürgten ja hinlänglich dafür."

Br. Josef zog 1893 mit einer Reisegruppe in die Vereinigten Staaten. Dies geht sicher aus einem ausführlichen Brief an Abt Anselm Villiger vom 1. Oktober 1893 hervor, in dem er "seine zwei Mitgefährten Moser und Wyrsch" nennt. Darin berichtet Br. Josef genau über ihre Schiffsreise und die Zwischenaufenthalte bis zu ihrem Ziel Portland, so u. a., dass "sie in Chicago Gelegenheit fanden, der Weltausstellung einen Besuch zu machen". Er berichtete über das klösterliche Leben in Mount-Angel, über seine Arbeiten und warum er nun Br. Josef Eugen heisse: "In Mount Angel, wo das Kloster steht, ist eine sehr schöne Lage u. ein gutes Klima, welches mir sehr gut anschlägt, denn ich bin gesünder als in der Schweiz. Ich gehe fast alle Tage auf das Feld oder auf die Getreidemühle, denn das Kloster hat hier eine sehr schöne Mühle erbaut. Auch hat es eine gute Dreschmaschine." Er lobte das Kloster, "welches arm und klein ist, aber alles schön angeordnet. Trotz die Brüder sehr hart arbeiten müssen, hört man weder murren noch klagen. Hochw. P. Prior (P. Adelhelm Odermatt) sagte mir letzter Tage, es sei ihm in den Sinn gekommen, da er gerade Eugeniuswasser getrunken habe, er müsse mir den Namen Eugenius geben, da schon ein anderer Bruder hier Joseph heisst. Somit will er dass ich in Zukunft 'Eugen' heissen möchte. P. Prior bittet Sie auch inständig um eine Reliquie des hl. Eugen, da diejenige die früher hier war, beim grossen Brande verbrannte." Seinen Brief unterschrieb er auch das erste Mal mit Br. Joseph Eugen Zwyssig.[3]

In einem fünf Jahre später geschriebenen Brief berichtete er ausführlich über die anfänglich verschwenderische Misswirtschaft bei Vieh, Lebensmittel und Landbesitzt. Erst "seit vier Jahren ist unser Haushalt ein geordneter u. regelmässiger was wir meistens dem H. H. P. Prior Benedikt zu verdanken haben". Er kritisierte dann aus seiner Sicht ausführlich den wirtschaftlich fatalen Bauplan, das Kloster auf einen schönen Hügel zu bauen und warum dies nur falsch sein könne.[4]

1899 kam er mit P. Benedikt Gottwald nach Engelberg zurück. Seine Betätigung in der Ökonomie des Tochterklosters, besonders sein oftmals längerer Aufenthalt beim Vieh auf dem Berg bei ungenügenden Schutz gegen die Witterung, schädigten seine Gesundheit derart, dass er gezwungen war, sich dem nach fünf Jahren zurückkehrenden P. Benedikt auch wieder anzuschliessen. Nach seiner Rückkehr wurde ihn dann die Obsorge für den Tisch der Klosterangestellten anvertraut, welches Amt er, obwohl stets kränkelnd, pflichteifrig bis zu seinem Tode versah." Er starb am 5. Januar 1913 mit 55 Jahren.

Professnummer

  • Nr. 672

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Professbucheintrag nach Br. Meinrad Haberl übernommen.
  2. StiArEbg Personalakten Br. Josef Zwyssig, Bescheinigung vom 24. August 1885.
  3. StiArEbg Personalakten Br. Josef Zwyssig, wo von ihm drei sehr interessante Briefe an Abt Anselm – 1893, 1897 und 1898 – vorhanden sind.
  4. StiArEbg Personalakten Br. Josef Zwyssig, Brief v. 28. April 1898.

Bibliographie

  • StiArEbg Professbucheintrag nach Br. Meinrad Haberl.
  • StiArEbg Personalakten Br. Josef Zwyssig.
  • Ein Stündchen bei den ehrw. Laienbrüdern, Titlisgrüss 18, 1932, S. 79-81.