Josef Moos

Aus Kloster-Engelberg
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Josef (Kaspar) Moos (* 18. Dezember 1842 in Zug; † 12. Juni 1916 in Oberdorf NW)

Lebensdaten

Profess: 29. September 1866

Priesterweihe: 3. Mai 1869

Ämter

Lehrer in der Stiftsschule: 1869–1875

Spiritual in Maria-Rickenbach: 1876–1878

Kaplan in Maria-Rickenbach: 1878–1884, 1886–1916

Pfarrer in Engelberg: 1884–1886

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Jakob Karl Leonz Moos, Kantonsrat, und der M. Anna Hotz.

Paten: Johann Caspar Brandenburg und Anna M. Binzegger.

Firmpate: Caspar Karl Joseph Moos.

Lebensbeschreibung[1]

Kaspar war der Sohn der Eheleute Jakob Karl Leonz Moos, Kantonsrat, und der M. Anna Hotz, aus der Obermühle in Baar stammend. Aus ihrer Ehe gingen acht Kinder hervor, wobei vier schon in den ersten Lebensjahren starben. Geboren wurde P. Josef am 18. Dezember 1842 im grossen Ratsherrenhause des "Rüschenhofes" im Lüssi bei Zug und am gleichen Tag in der U. L. Frau-Kapelle auf den Namen Kaspar getauft.[2] Er besuchte erst die Stadtprimarschule Zug und begann seine Gymnasialstudien am Kollegium Stella Matutina bei den Jesuiten in Feldkirch und setzte sie dann mit bestem Erfolg am Klostergymnasium Engelberg fort. Dort wählten ihn seine Mitstudenten auch zumVorsteher der marianischen Sodalität.[3] Die Lyzealkurse besuchte er in dann mit Auszeichnung in Einsiedeln. Kaspar widmete sich erst dem Studium der Medizin, wechselte dann aber zur Theologie über.

Wider Erwarten entschloss sich der lebhafte und lebensfrohe Student zum Eintritt ins Kloster. Am St. Michaelstag 1866 legte er in Engelberg die Gelübde ab, 1869 wurde er Priester. Danach war er Lehrer an der Klosterschule. Doch übernahm er bald mit Freude das Amt eines Forstaufsehers, das ihm mehr lag, berechtigte es ihn doch durch Wald und Berg und Flur zu streifen und so seiner Natur­freude einigermassen Genüge zu verschaffen.

1876 wurde er Spiritual in Maria-Rickenbach. Dort gab es erhebliche Schwierigkeiten zwischen ihm und der Oberin Gertrud Leupi. Abt Anselm Villiger musste oft vermitteln und führte auch eine ausserordentliche Visitation durch. Die direkte und mitunter auch recht hemdsärmelige Art gehörte zu P. Josefs Markenzeichen, ausserdem verbrachte er viel Zeit auf der Jagd. Für seine Eigenart zeigte man Kloster Engelberg aber wenig Verständnis. So empfahl Abt Anselm dem Nachfolger von P. Josef als Spiritual, P. Karl Anderhalden, am 28. Oktober 1891, den Kaplan nicht zu häufig als Stellvertreter anzufragen, weil dieser "im Beichtstuhl und ausserhalb ganz andere Grundsätze vertrete als er und die Frau Mutter."[4] Abt Anselm gestand sich dann Jahre später (1891) selbst ein, dass er mit der Entsendung von P. Josef Moos nach Maria-Rickenbach eine "grosse Dummheit" begangen habe, personalpolitische Verlegenheit habe ihn zu diesem Schritt damals gezwungen.[5] 1878 wurde er auf die Wallfahrts-Kaplanei versetzt. Nun war der rechte Mann am rechten Posten, auf dem er mit Ausnahme der Jahre 1884 bis 1886, als er Pfarrer in Engelberg war, bis zu seinem Tod blieb. Er betätigte sich als Beichtvater und gab Menschen Trost und Rat. Ausserdem war er ein begabter Prediger und verstand es, sein Publikum zu fesseln.

1904 hielt P. Josef in Engelberg die Exerzitien bei den Schülern. Auch in Maria-Rickenbach hat P. Joseph öfters Exerzitien gegeben und dabei viel Lob von den Teilnehmerinnen über den erfahrenen Exer­zitienmeister erhalten haben. Als treuer Hüter des Heiligtums der Gnadenmutter von Rickenbach wollte er die Kirche reich ausstatten. Mit Hilfe von Spenden war es ihm möglich, einige prächtige Kelche, eine Monstranz sowie kostbare kirchliche Gewänder anzuschaffen. In seinen letzten Jahren unternahm er die Renovation des Chores. Am Gnadenaltar wurde ein reichvergoldeter Tabernakel angebracht; die Transparente wurden durch Fenster mit Darstellungen aus der Wallfahrtsgeschichte er­setzt, der ganze Chor neu bemalt, und ein neuer Boden eingelegt. Die Erstellung einer neuen Kommunionbank, auf welche er sich gefreut hatte, erlebte nicht mehr. Er war zudem der Verfasser eines Wallfahrtsbüchleins.

In seinem priesterlichen Wirken unterstützte ihn nicht wenig seine Leutseligkeit. Wer mit P. Josef verkehrte, war von seiner Persönlichkeit angezogen und schenkte ihm unwillkürlich Vertrauen. Kein Wunder, dass das kleine Kaplanenhäuschen viel besucht war von Ein­heimischen, Wallfahrern und Kurgästen. Im trauten Jägerstübchen zeigte sich P. Josef in seinem ganzen Frohmut als geistreicher, heiterer Gesellschafter. In früheren Jahren war er Gämsjäger gewesen und verfügte bis zm Jahr vor seinem Tod über das Jägerpatent.

In frühen Jahren interessierte sich P. Josef für Medizin und erwarb sich einige Kenntnisse auf diesem Gebiet, die ihm in seiner abglegenenen Wohnlage nützlich waren. Trotz eines schlimmen Augenleidens las er viele Werke aszetischen und profanen Inhaltes. Noch in den letzten Jahren begeisterte er sich für Dante, Horaz und auch für moderne Dichter. Er verfasste auch selbst einige Gedichte. Eine bis heute nicht geklärte Rolle spielte P. Josef Moos als Wallfahrtskaplan im Zusammenhang mit dem Doppelmord auf der Gruobialp, der damals in der ganzen Schweiz für Schlagzeilen sorgte. Kannte P. Josef Moos den des Mordes beschuldigten Adolf Scheuber aus Wolfenschiessen? Scheuber hatte nach seiner Flucht nach Südamerika zwei Briefe seiner Frau nach Hause geschickt, die wahrscheinlich an P. Josef Moos gerichtet waren.[6] Diese Vermutung wird erhärtet durch in den Briefen enthaltene Bezüge zur Jagd und Verskunst. Verwunderlich wäre es jedenfalls nicht, wenn sich Scheuber in seiner seelischen Not an den Jagdfreund gewendet hätte.[7]

Nachdem P. Josef seit Jahren gegen Arterienverkalkung zu kämp­fte, aber doch körperlich und geistig rüstig und frisch den Win­ter überdauert hatte, knickte ihn plötzlich eine akute Krankheit. Anfangs Mai 1916 packte den 74-jährigen Greis infolge einer Erkältung ein Blasenleiden. Mit grosser Geduld ertrug er die Schmerzen und starb schliesslich am darauffolgenden 12. Juni. Begraben wurde P. Josef, wie er es sich gewünscht hatte, im Schiff der Gnadenkapelle vor der neuen Kommunionbank.

Erwähnenswert ist vielleicht noch ein bemerkenswertes historisches Reliefstück, welches heute in der Altertumssammlung des Klosters Engelberg zu sehen ist und zu den ältesten Stücken gehört. Angeblich soll es von P. Josef aus Büren erworben oder ihm geschenkt worden sein.[8] Es handelt sich sich um eine 1587 datierte und 55 cm hohe Relieffigur des Bruders Klaus und war Bestandteil eines Fensterpfosten. Nach Durrer stammt diese aus dem alten, völlig umgebauten Rickenbacher Pilgerwirtshaus und wurde zweifellos vom gleichen Meister verfertigt wie die Fensterpfosten im Wolfenschiesser Höchhaus. P. Karl Anderhalden soll es später in die Engelberger Alterumssammlung einverleibt haben.[9]

Professnummer

  • Nr. 643

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüssen 2, 1916, S. 113-116, und vom Manuskript von Br. Meinrad Haberl,übernommen.
  2. Chronik Moos, S. 29, 40.
  3. Nachruf im Vaterland, Nr. 143.
  4. StiArEbg Villiger, Korr. 6. Februar 1912.
  5. StiArEbg Villiger, Korr., 10. Dezember 1891 und De Kegel, Spirituale, S. 95.
  6. De Kegel, Spirituale, S. 169.
  7. De Kegel, Spirituale, S. 82.
  8. Titlisgrüsse 1917, S. 70.
  9. Nach P. E. Omlin, Titlisgrüsse, 23 Jg. Dez. 1936, S. 61 u. R. Durrer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden, 1928, Nachträge, S. 1155.

Bibliographie

  • De Kegel, Rolf: Spirituale von 1864 bis 1918, in: Das Benediktinerinnen-Kloster Maria-Rickenbach in Geschichte und Gegenwart.
  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 153.
  • Nachruf P. Josef Moos, in: Titlisgrüssen 2, 1916, S. 113-116.
  • StiArEbg Manuskript Br. Meinrad Haberl.

Weitere Informationen zum Leben von P. Josef Moos unter StiArEbg, Manuskript Br. Meinrad Haberl.