Johannes Kummer

Aus Kloster-Engelberg
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Johannes Kummer (* unbekannt von Zürich; † 16. März 1444 in Konstanz)

Ämter

Prior: 1415–1418?

Grosskellner: 1418–1421?

Abt: 1421–1429, 1431–1435

Lebensbeschreibung[1]

Abt Johannes war möglicherweise Zür­cher Stadtbürger[2] und begann seine bewegte Laufbahn als Johanniterprie­ster[3]. Am 30. August 1415 erscheint er bereits als Prior[4], am 10. Juli 1418 als Schaffner oder Ökonom[5] des Klosters Engelberg. 1421 wurde er zum Abt erhoben.[6] Noch im gleichen Jahr bemühte er sich um die Schutzherrschaft der eidgenössischen Orte.[7] Am 18. Februar 1422 liess er sich von Heinrich von Hünenberg das Patronatsrecht der Kirche in Sins AG übertragen und kaufte den dortigen Kirchensatz und Zehnten.[8] Im übrigen aber verkaufte er in grossem Ausmass von den Gütern des Klosters, um für sein aufwendiges Leben die nötigen Mittel zu beschaffen, so am 9. Januar 1422 das Erbrecht der Talleute von Engelberg[9] und am 6. Dezember 1427 jenes der Leute in Grafenort[10] und am 25. April 1428 den Zehnten in Brienz BE.[11] 1429 verzichtete er auf die Abtei, da er nach seinen eigenen Worten dem Kloster mehr schade als nütze.[12] Für seinen Nachfolger hatte er selber gesorgt.[13] Nach seiner Abdankung soll sich Kummer die Propstei lnterlaken verschafft haben.[14] Am 18. Juni 1431 wurden ihm vom Konvent von Engelberg die Rechte und der Nutzen, den er früher als Abt auf dem Hof von Merlischachen hatte, bestätigt.[15] Seine Rückkehr auf die Abtei Engelberg muss bald danach erfolgt sein. 1433 verkaufte er eine Reihe von Gütern[16] im Bernischen, in Ob- und Nidwalden und das Reb­gelände bei Twann am Bielersee[17] und erwarb dafür die bischöfliche Quart in Küsnacht ZH mit Rebbergen, Haus und Hofstatt.[18] Kummer verstand es, sich bald allenthalben wieder in ein günstiges Licht zu setzen. Am 11. Mai 1432 wurde er auf dem Provinzkapitel in Augsburg zum Visitator gewählt.[19] Im folgenden Jahr visitierte er das Kloster Rheinau[20] und gab den Klosterfrauen von St. Agnes in Schaffhausen Reformverordnungen.[21] Am 28. Mai 1434 wurde er als Teilnehmer dem Konzil von Basel inkorporiert.[22] Bei einer zweiten Visitation in Rheinau Ende 1434 erreichte er, dass Abt Hugo auf sein Amt verzichtete. Kummer selbst bemächtigte sich der Abtei.[23] Kurz danach, jedenfalls vor dem 1. April 1435[24] resignierte er zum zweitenmal als Abt von Engelberg. In Rheinau wurde er bald von einem Statthalter verdrängt und von seinem Amt suspendiert; am 4. August 1441 verzichtete er auf die dortige Abtei; er zog sich nach Konstanz zurück, wo er im Schottenkloster St. Jakob noch ein drittesmal zur Abtswürde gelangte.[25] Am 16. März 1444 beschloss er sein unruhiges Leben.[26]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von der Helvetia Sacra (III I, S. 622f) übernommen.
  2. Heer, Vergangenheit, S. 125f.
  3. Jahrbücher Engelbergs, S. 112.
  4. Manfred Krebs, Die Annaten-Regi­ster des Bistums Konstanz aus dem 15.Jahrhundert, Freiburg i.Br. 1956 (FDA 76), S. 42, Nr. 184. StiArEbg cod. 281, p. 65.
  5. Urkunden Engelberg, Nr. 479: Kauf von Merlischachen.
  6. Jahrbücher Engelbergs, S. 106 und 112.
  7. EA 2, S. 10, Nr. 13, S. 45, Nr. 701.
  8. Urkunden Engelberg, Nr. 488-497.
  9. Ib., Nr. 485.
  10. Ib., Nr. 503f.
  11. Ib., Nr. 505.
  12. Jahrbücher Engelbergs, S. 112.
  13. Ib., S. 106 und 112.
  14. StiArEbg, Benedikt Keller, Annalen, p.67.
  15. Ib. cod. 281, p. 99f.
  16. Ib. cod. 281, p. 111-114 sowie 116-120.
  17. Jahrbücher Engelbergs, S. 112.
  18. StiArEbg Urkunden, Kopie in cod. 239, p. 293ff. Vgl. Heer, Engelberg und der Wein.
  19. StiArEbg cod. 319, p. 6 und 44.
  20. Franz Josef Mone, Urkunden zur Geschichte des Kirchenrechts, in FDA 7, 1873, S. 305-308.
  21. Johann Jakob Rüeger, Chronik der Stadt und Landschaft Schaffhausen 1, Schaffhausen 1884, S. 284.
  22. Johannes Haller, Concilium Basiliense 3, Basel 1900, 106f. StiArEbg cod. 223, p. 564.
  23. S. Rheinau, Äbte.
  24. Wahl seines Nachfolgers Rudolf Kaufmann, REG 3, Nr. 9647.
  25. S. Rheinau, Äbte.
  26. Ib. StiBiEbg cod. 26, f. 17v, gibt den 15. September an.

Bibliographie

  • Folini, Christian: Johannes Kummer, in e-HLS.
  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense, Luzern 1882, S. 33.
  • Heer, Gall: Aus der Vergangenheit von Kloster und Tal Engelberg 1120–1970, S. 125-132.
  • Helvetia Sacra III I, S. 622f.