Johannes Fischer

Aus Kloster-Engelberg
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Johannes Fischer (* ca. 1567; † nach 1601)

Ämter

Kustos: 1600–1601

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Christoph Fischer und der Anna Knude.

Brüder:

  • Kaspar Fischer, Landweibel und Tagsatzungsgesandter.
  • Martin Fischer, Dorfvogt von Altdorf.

Lebensbeschreibung[1]

Die Heimat von P. Johannes ist Uri, wohin die Familie im 15. Jahrhundert aus der badischen Bodenseegegend eingewandert war. Er wurde 1567 als Kind von Christoph Fischer und der Anna Knude geboren. Sein Bruder Kaspar war Landweibel und 1596 Tagsatzungsbote. Ein anderer Bruder, Martin, wird 1594 und 1595 als Dorfvogt von Altdorf erwähnt.[2] Johannes kam vermutlich 1584 nach Engelberg. Damals erklärten die Schirmorte auf der Jahrrechnung mit Engelberg, es seien jetzt im Gotteshaus 13 Knaben. Damit sei es "überladen", habe also zuviele Schüler. Man sollte daher Knaben, "so dem Gottshus nicht dienlich noch um die Kosten verbürgt sind", wieder wegschicken, also Schüler ohne Begabung, die kein Tischgeld bezahlen könnten. Über Profess und weitere Studien ist nichts bekannt. Wir vernehmen von ihm erstmals, als er von 1592 bis 1594 als Pfarrer in Attinghausen wirkte und zwar aus einem Buch der Stiftsbibliothek Engelberg,[3] dem Sommerteil der Postille des Franziskaners Johann Wild, Dompredigers in Mainz, eines der besten Kanzelredner des 16. Jahrhunderts. Der Eintrag auf dem Titelblatt des 1561 in Mainz gedruckten Bandes lautet: "Sum fratris joannis Fischeri, conventualis Engelbergensis, tune temporis indignus pastor in Attinghusen, 1594."[4] Ich gehöre dem Johannes Fischer, Konventherr von Engelberg, derzeit Pfarrer in Attinghausen. Im Jahre 1600 ist er als Seelsmesser in Altdorf beglaubigt. Schon hier muss er davon gesprochen haben, er möchte wieder aus dem Kloster austreten. Doch Abt Andreas Herrsch konnte ihn zur Rückkehr bewegen, da man keine Leute zur Verfügung habe, um die nötigsten Aufgaben, vor allem das Chorgebet, zu besorgen. Er unter­zeichnet hier bei der Inquisition des Neugewählten mit der Bemerkung, er sei jetzt 33 Jahre alt, woraus sich das sonst nicht bekannte Geburtsjahr 1567 errechnen lässt. Abt Melchior Rizzi machte ihn zum Kustos der Sakristei, wie die Rechnungsbücher ergeben. Der Abt war gegen den schwierigen Mitbruder viel zu nachsichtig, was er ihm später zu schwerem Vorwurf machte. Schon 1601 sprach er wieder von Klosteraustritt, wobei er von seinem Bruder Kaspar unterstützt wurde. Er liess sich in diesem Jahr mit seinem Mitbruder Johannes Georg Ortolf in unsittliche Beziehungen zu zwei Klosterfrauen des unteren Klosters ein. Als die Sache ruchbar wurde, machte Fischer dem Abt Vorhalte, er habe ihn nicht rechtzeitig gewarnt. Aus Furcht vor strenger Bestrafung flüchteten die beiden mit den Nonnen nach Küssnacht, um in Zürich Unterkunft zu suchen. Sie hatten auch vorsorglich ihre Habe in Kisten verpackt und nach Zürich geschickt, wurden aber unterwegs aufgegriffen und als Gefangene nach Luzern gebracht. Nuntius della Torre führte einen einlässlichen Prozess gegen die vier Inhaftierten, worauf Ortolf und Fischer ihrer priesterlichen Würde beraubt und zu fünf Jahren Galeerenstrafe verurteilt wurden.[5] Sie gelangten unter polizeilichem Geleit über Chur, Splügen und Como nach Venedig. Während Johannes Georg Ortolf wieder heimkehren konnte, erlag Fischer den Strapazen der Galeerenbehandlung, nach dem Nekrologium an einem 7. November.[6]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Urner Neujahrsblätter 16, 1910, S. 196 und Urner Neujahrsblätter 54, 1953, S. 153.
  3. StiBiEbg H 94 a.
  4. Hurter, H.: Nomenclator lit. 2, 1899, S. 1266 ff.
  5. Das Aktenmaterial des Prozesses findet sich in Collectanea Tanner 3 (1600-1619), StiArEbg cod. 283, S. 37 ff.
  6. StiBiEbg cod. 10, f. 40v.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 102.
  • Heer, Gall: Urner als Konventuale und Klosterschüler in Engelberg bis 1800, in: Geschichtsfreund 124, 1971, S. 238-240.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.