Johann Baptist Troxler

Aus Kloster-Engelberg
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Fotografie von P. Johann Baptist Troxler.

Johann Baptist (Jakob) Troxler (* 24. Dezember 1834 in Hohenrain; † 22. Juni 1904 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 17. November 1860

Priesterweihe: 28. Juni 1863

Ämter

Lehrer in der Stiftsschule: 1863–1869

Spiritual in Sarnen: 1869–1879

Grosskellner: 1879–1880

Administrator in Disentis: 1879–1884

Pfarrer von St. Urban: 1884–1887

Missionar in den USA: 1888–1904

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Peter Troxler und der Elisabeth Studer.

Paten: Jakob Studer und Anna Bütler.

Firmpate: Prof. Alois Schnyder.

Lebensbeschreibung[1]

P. Johann Baptist wurde als Sohn des Peter Troxler und der Elisabeth Studer, am 24. Dezember 1834 im luzernischem Ober-Ebersol, Hohenrain geboren und in der Pfarrkirche Hohenrain auf den Namen Jakob getauft. Taufpaten waren Jakob Studer und Anna Bütler.[2] Gefirmt wurde er am 29. April 1849 durch Bischof Josef Anton Salzmann von Basel in der Kirche zu Hochdorf. Firmpate war Prof. Alois Schnyder. 1854 und 1855 absolvierte er in Beromünster die Schule, die 5. Klasse machte er 1857/58 in Einsiedeln und die 6. Klasse 1858/59 in Luzern. Er war auch schon Mitglied des Schweizerischen Studentenvereins. 1859 trat er in Engelberg ins Kloster ein, machte das Noviziat und konnte am 17. November 1860 als Fr. Johannes Baptist die einfache Profess ablegen. Die Ewige Profess folgte am 28. März 1864. Wo er die philosophischen und theologischen Studien absolvierte, ist nicht nachzuvollziehen, wahrscheinlich aber in Engelberg selbst. Am 19. Oktober 1862 wurde er zum Diakon geweiht und am 28. Juni 1863 erhielt er in der Gnadenkapelle in Einsiedeln durch den St. Gallner Bischof Karl Johann Greith die Priesterweihe, nachdem ihn Abt Plazidus Tanner am 18. Mai 1863 dafür empfohlen hatte.

Von 1863 bis 1869 war er Lehrer am Stiftsgymnasium für Englisch und die 4. Klasse und Präses der Marianischen Sodalität. Er wirkte auch unermüdlich für den Schweizerischen Studentenverein, dem er selber beigetreten war. Mit weiteren Mitgliedern des Studenten-Vereins, besonders mit dem Walliser Camille Mengis von Visp, dem Neugründer der Engelberger Sektion, bemühte er sich um die Wiedererrichtung der alten Sektion.[3] Es gelang ihm, sechs Schüler zu begeistern, welche schliesslich am 21. März 1865 die Sektion Engelberg neu konstituierten. Diese stellten sie, allen Anschein nach, auf Anleitung von P. Johann Baptist Troxler in möglichster Unabhängigkeit von den statutarischen Bestimmungen der ersten Sektion, selbstständig fest.[4] Mit Unterstützung der Schulleitung und im Kontakt mit anderen StV-Sektionen entstand ein blühendes Vereinsleben. Er kann als der erste Sektionspapa bezeichnet werden, denn er war der Mentor der Jungen.[5] In Engelberg übernahmen, im Gegensatz zum Kloster Einsiedeln, auch die Mitglieder der Sektion literarische und rhetorische Arbeiten. Am 26. Juli 1867 wurde ihm auch per Beschluss, das Vereinsarchiv übergeben.[6] "Es ist bemerkenswert, dass P. Johann Baptist Troxler selber 1868/69 eine Art literarischen Zirkel hielt, in dem neben Oden Kloppstocks auch der Roman 'Simplicissimus' von Grimmelshausen vorlas, ferner Lessing und Goethe würdigte und einige ihrer Werke behandelte. Am 15. Juli 1869 berichtet Korrespondent Cattani (Wilhelm, später Pfr. in Küssnacht) an die Sektion Innsbruck: "Pater Baptist besucht jedes Mal unsere Versammlung und unterstützt uns mit Rat und Tat."[7] Der Wegzug von P. Johann Baptist – er kam 1869 als Spiritual ins Frauenkloster nach Sarnen – kann einen Grund für den Untergang der Sektion Engelberg gesehen werden.

In seinen ersten Jahren war P. Johann ein beliebter Prediger, dem die Bruderschaften besonders am Herzen lagen. So war er bereits seit seinen Jugendjahren Mitglied in verschiedenen Bruderschaften geworden: 1849 in der Bruderschaft "Maria vom guten Rathe" in Abtwil, 1861 im "geistlichen Bund des hl. Altar-Sakramentes" in Maria-Rickenbach, 1864 in der "Bruderschaft des hl. Franz Xaver" in Hochdorf, 1871 in der "Bruderschaft des hl. Joseph" in Giswil, 1872 in der "Bruderschaft zur Bekehrung der Sünder unter dem Schutz des hl. Franz Xaver" in Beromünster und 1876 im "Geistlichen Bund des hl. Altar-Sakraments" in Einsiedeln in der Au. Bei all diesen Bruderschaften hielt er an den Jahresfeiern auch einmal die Festpredigt.[8]

Nachdem Abt Anselm Villiger P. Konrad Fruonz als Spiritual der Benediktinerinnen in Sarnen Anfangs September 1869 ablösen musste, "nicht ohne grossen Wiederstand der Oberin", bestimmte er am 25. September P. Johann Troxler als Spiritual nach Sarnen. Wie aus dem Klostertagebuch des Klosters St. Andreas in Sarnen hervorgeht "musste P. Johann Troxler am Feste der Kreuzerhöhung 1869 das schwere Kreuz auf seine Schultern nehmen. Er wurde nur von wenigen Frauen mit freundlichem Willkomm empfangen, obwohl die meisten der Frauen diese Änderung sehnlichst gewünscht, hatten doch wenige den Muth, ihre Gesinnung offen an den Tag zu legen."[9] Am 25. Mai 1970 wurde die bisherige Äbtissin M. Justa Cäecilia wieder für drei Jahre gewählt. "Diese war in grosser Aufregung und fügte sich nur mit Widerwillen in ihre Wiederwahl. … Während der 3 Jahre, in welchen die Gnädige Frau noch regierte, herrschte eine grosse Missstimmung zwischen ihr und dem P. Beichtiger der leider, trotz dem besten Willen nicht die Gabe besass, Frieden zu stiften und die zerissenen Gemüther zu vereinigen; es waren also, für das Convent, drei lange Jahre voll bitterer Erfahrungen und langer Sorgen für die Zukunft. … Der Hochw. Beichtvater ertheilte den jungen Frauen einzelnen in wissenschaftlichen Fächern, Unterricht, da er aber nicht über die Zeit verfügen konnte, gelangte er damals zu keinem Resultate." Abt Anselm übergab dann zwei Schwestern-Lehrerinnen von Maria-Rickenbach die Leitung des Unterrichtes. P. Johann beauftragte er, zeitgemässe Statuten für das Kloster zu verfassen, die aber erst 1873 eingeführt werden konnten.[10] Am 25. Mai 1873 wurde die 42-jährige Sr. M. Benedicta Burch als neue Äbtissin gewählt. Der Konvent bestand damals aus 20 Chorfrauen und 8 Laienschwestern. Die neue Äbtissin "war vor ihrer Wahl 2 Jahre Aufwärterin beim P. Beichtiger."[11] P. Johann hatte wahrscheinlich die Schwestern bewusst darauf gedrängt, sie als Äbtissin zu wählen um mehr Einfluss auf deren Klosterleben zu gewinnen. So heisst es gleich nach der Wahl: "Im Convent war das übliche Gastessen & niemand fühlte sich recht heimelig oder froh dabei, ausser etwa die Neugewählte mit dem Herrn Beichtiger; (P. Johann Baptist) denn er hatte direct & indirekt die Wahl auf diese Person gelenkt. Man könnte nicht sagen, dass sie das Zutrauen ihrer eigenen Wählerinnen besessen habe. Sie war übrigens von jeher eine stille, ruhige & fromme Klosterfrau & dem Pater Beichtiger sehr zugethan." Am 11. Juli 1873 wurden die vom P. Johann verfassten und von Abt Anselm gutgeheissenen Statuten im Kloster eingeführt. "Der Beichtvater eiferte gegen die Übertreterinnen. Leider wurden die Herzen dadurch nicht gewonnen eher einander mehr entfremdet. Es herrschte große Missstimmung & großes gegenseitiges Misstrauen."

Während seiner Zeit als Spiritual in Sarnen wurde P. Johann nach dem Tode von Landamman Simon Etlin Anfang Mai 1871 als Redakteur der neugegründeten Zeitung "Obwaldner Volksfreund“ berufen. Aber schon auf Neujahr 1872 trat er auf Wunsch von Abt Anselm von diesem Posten zurück, der in jener Zeit des Kulturkampfes für einen Ordensmann gefährlich werden konnte. Es traten eine Reihe geistlicher und weltlicher Herren für sein Verbleiben ein aber Abt Anselm blieb bei seinen Entschluss. Er begründete diesen hauptsächlich mit Klagen über mangelhafte Führung der Primarschule durch das Frauenkloster Sarnen und deren mangelhafte Ausbildung der Lehrerinnen. Abt Anselm hatte P. Johann als Spiritual in Sarnen auch zur Pflicht gemacht, nicht nur selber einige Unterrichtsfächer an der Mädchenschule zu übernehmen, sondern sich auch einzusetzen für die fachgerechte und seriöse Vorbereitung der Klosterfrauen auf ihre Lehrtätigkeit. So heisst es dazu: "Der Hochw. Beichtiger war nun mit grossem Eifer bemüht, eine neue Generation heranzubilden. Wir sehen Jahr für Jahr 2 Professinnen an den Altar treten. Er sparte weder Zeit noch Mühe ihnen wissenschaftlichen Geist einzupflanzen. Bei gewöhnlichen & beschwerlichen Arbeiten durften seine Zöglinge nicht mithelfen, da mussten leider nur die älteren Frauen & überhaupt diejenigen, welcher einer wissenschaftlichen Bildung weniger fähig waren, eingreifen & viele Anstrengungen sich gefallen lassen; daher grosser Missmuth & viele Klagen jeglicher Art. Das alte Kosthaus liess P. Beichtiger so gut es die Räumlichkeiten gestatteten mit grossen Kosten in ein Institut umwandeln. Daher neue Unruhe & neue Unzufriedenheit bei Vielen, wozu nicht wenig beitrug, dass die Klosterfrauen erst aus den Zeitungen erfuhren, was eigentlich im Plane liege."[12] Festgehalten wurde, dass trotz aller "Verwirrungen und Unzufriedenheiten die Disciplin vom Jahre 1873 an durch die neu eingeführten Statuten bedeutend verbessert wurde."[13] 1875 wurde das Töchterpensionat mit 7 Töchtern eröffnet. In dieser Hinsicht waren die Lehrschwestern mit ihren Beichtiger gut bedient.

1871 machte er eine grössere Reise nach Paris, London, Oxford und zu den Klöstern Englands.[14] Vom 29. August bis 8. September 1874 begleitete er Abt Anselm Villigerauf seiner Reise nach Gries zur Sekundiz von Abt Adalbert Regli.[15] Am 6. September 1875 wurde er von der Äbtissin vom Kloster Rathausen, welches 1848 von der Regierung in Luzern aufgehoben wurde, ersucht, sie nach Lothringen zu begleiten, um ihr auf der Suche nach einem neuen, geeigneten Platz für ein Kloster behilflich zu sein. Abt Anselm hatte ihm dazu auch den Auftrag gegeben zu helfen. Er hatte im Vezelise bei Nancy einen Platz mit Kirche und Schule ausfindig gemacht. Am 26. Januar 1876 kehrte P. Johann wieder zurück.[16] Im September 1875 begleitete er die Klosterschwestern von St. Maria in Fulda, welche ebenfalls aus ihrem Kloster vertrieben wurden und in Sarnen Aufnahme gefunden hatten, in ihr Exil, in das Kloster in Vionville bei Nancy.[17]

Als P. Johann Baptist 1879 wieder ins Heimatkloster zurückkehrte, dankte ihm der Schulinspektor, dass er sich so generös und "fortwährend für die Aus- und Weiterbildung der Lehrfrauen und für die Hebung der Klosterschule" eingesetzt habe.[18] Im September 1878 hielt P. Johann den Schwestern die Exerzitien. Wie es heisst, war er "von dieser Zeit an milder und schonungsvoller und es ging von dieser Zeit an bedeutend besser." Am 12. Mai 1879 liess ihn Abt Anselm nach Grafenort rufen, wo er weilte, und übertrug ihm das Amt des Grosskellners. Nachdem die Priorin den Brief mit dieser Entscheidung des Abtes den Schwestern vorgelesen hatte "da flossen reichlich Thränen. Den 22. Mai, am Himmelfahrtsfeste richtete er (P. Johann) zum Abschiede mit tiefbewegtem Herzen seine letzten Worte an das versammelte Convent, & es blieb kein Auge trocken; er selbst weinte, so dass er die Ansprache kaum zu Ende führen konnte. Seine Lieblings-Idee: - Das Institut - empfahl er mit tiefergriffenen Herzen. In Folge dieses schnellen Wechsels näherten sich ihm viele, die ihm sonst ferner standen. Er wurde mit vielen & bedeutenden Geschenken bedacht. Auch wurden von innen & aussen Versuche gemacht den Hochw. Herren Abt zu bewegen diese Mutation nicht vorzunehmen." Die Oberin M. Benedicta war sehr niedergedrückt. "Sie hatte ihren Rathgeber und Tröster verloren." Am 23. Mai reiste P. Johann von Sarnen ab. Als neuer Spiritual kam P. Karl Anderhalden nach Sarnen. Wie es heisst, wurde er von den meisten Klosterfrauen freundlich empfangen. Nur die Oberin war sehr misstrauisch gegen ihn. "Sie bat ihn weder um Hilfe noch um Rat. Sie ließ sich von dem ehemaligen Beichtvater J. Bapt. schriftlich unterweisen, wobei es an Verdächtigung & Intrigen nicht fehlte. Die Oberin beschenkte denselben noch reichlich. Dies gab Anlaß zu neuen Verdrießlichkeiten & Klagen." Am 6. Mai kam Abt Anselm zur Visitation "und rügte hauptsächlich das Benehmen der Oberin & legte es ihr eindringlich ans Herz, sich Rath beim Beichtvater (P. Karl) einzuholen." Sie versprach es zwar hielt sich aber nicht daran. Nach seiner Rückkehr von Sarnen war P. Johann von 1879 bis 1880 Grosskellner im Kloster Engelberg.

Um dem vom Untergang gefährdeten Benediktinerkloster Disentis wieder aufhelfen zu können, beschloss die Schweizerische Benediktinerkongregation dabei zu helfen. [19] Abt Anselm Villiger war diesem Anliegen günstig gesinnt. Er bemühte sich sofort um Novizen für das Bündnerkloster. Er wollte die Restauration aber nicht alleine übernehmen. Er versprach jedoch, seinen Grosskellner, P. Johann Baptist Troxler, "der für Disentis besondere Lust und Liebe zeige, nebst dem auch ernst, bedächtig, haushälterisch, überhaupt gar schöne Eigenschaften für Ökonomie und Verwaltung an den Tag lege."[20] Vom Abt Adalbert Regli in Gries erwartete man P. Benedikt Prevost als einen Oberen und Novizenmeister. Als dritter sollte ein Subprior als "rechte Hand des Obern" kommen.

Nach mehreren weiteren Gesprächen der beiden Äbte über die Bedingungen, die Kreis und Gemeinde Disentis zu erfüllen hätten, um die Rechte des Klosters zu wahren, legte man das sogenannte Regulativ, also die zukünftige Ordnung für das Klosterleben fest. Aber die Sache verzögerte sich weil der Abt von Muri-Gries sich weigerte, Aushilfe zu senden und meinte, Einsiedeln sollte nochmals alles auf sich nehmen, was Abt Basil ablehnte. Abt Basil nahm dann P. Johann B. Troxler als künftigen Obern in Aussicht. Es folgten weitere Verhandlungen mit den Disenter Kreisgerichten und Gespräche der Äbte Basil und Anselm. Unter den schweizerischen Klöstern selbst stiftete ein Artikel des Obwaldner Volksfreundes am 18. September 1880 Unzufriedenheit. Dessen Redaktor, Altnationalrat Franz Wirz (+ 1884), plauderte darin aus, P. Johann Baptist Troxler werde als Subprior und Administrator nach Disentis gehen, um dort die Restauration durchzuführen. Dazu bemerkte der Engelberger Abt Anselm am 8. Oktober1880 in seinem Tagebuch: „Als Superior wurde P. Joh. B. vorgeschoben vom Abt in Einsiedeln, während es doch am Bischof von Chur als Superior des Klosters Disentis war, den Superior zu ernennen. Es war somit diese Publikation gegenüber dem Bischof eine Grobheit. P. Johann B. wurde vom Abt Basil als Superior vorgeschoben zur Zeit, als der Abt von Muri-Gries standhaft die Absendung eines Paters verweigerte. Als er sich schliesslich entschloss, P. Benedikt Prevost abzusenden, so hätte man vielleicht in Einsiedeln lieber diesen zum Superior gehabt. Abt Basil kam durch diese unzeitige Publikation tüchtig nach zwei Seiten in den Hag, einmal gegen den Bischof, sodann auch gegen Muri-Gries. Bei der ganzen Geschichte stand ich zur Seite und lachte auf den Stockzähnen."[21] Am 24. September 1880 schrieb Abt Basil an Abt Anselm u. a.: "Diese heillosen Zeitungen wünschte alle samt und sonders in den Ofen, haben fürwahr mehr Unheil gestiftet als sie werth sind." Er wies auch auf den schlechten Eindruck hin, den man in Disentis habe. Zudem hielt der Abtpräses aus Unkenntnis P. Johann Baptist für den Verfasser der Einsendung. Er wollte nun von einer Vorzugsstellung Troxlers nichts mehr wissen.[22] Vorläufig sollten Troxler und Prevost in gleicher Weise regieren. Am 26. bzw. 27. September 1880 schrieb P. Johann Baptist an Abt Anselm: "Am guten Willen fehlt es nicht, aber er weiss nicht, was er will."[23]

So sandte Abt Anselm Villiger P. Johann Baptist Troxler als Administrator und Subprior nach Disentis. Mit P. Johann Baptist gingen noch vier Kandidaten von Engelberg, die späteren Patres Bonaventura Elsener, Anselm Waser, Sigisbert Otten, und Karl Hager. P. Benedikt Prevost von Gries wurde Prior und Novizenmeister. P. Johann führte offiziell nach dem Willen des Bischofs von Chur den Titel eines Administrators, dem die ganze äussere Verwaltung unterstand, neben P. Martin Gander von Einsiedeln. Im Dezember 1880 gab P. Johann Baptist zusammen mit Prior Benedikt Prevost, einen zweiseitigen Prospekt heraus, der auf die Notlage von Disentis hinwies und um Gaben für die Restauration, besonders der Klosterkirche, bat. Fast zur gleichen Zeit – das Jahr ist nicht genannt – gab er in französischer Sprache einen ähnlichen doppelseitigen Prospekt heraus.

"1882 wurde er vom Pfarrer von Disentis als energisch bezeichnet, der für seine Sache einzustehen wage, stehe über Lob und Tadel, sei aber von der Bevölkerung weniger beliebt als der gutmütigere Prior P. Benedikt; viele betrachten das Kloster als gute Milchkuh, die man beliebig melken könne."[24] Im August 1883 klagte P. Johann Baptist, er habe in Disentis einen schweren Stand, werde aber vom dortigen Pfarrer Nadig und den dort wirkenden Mitbrüdern von Einsiedeln und selbst vom Bischof unterstützt.[25] Abt Anselm hatte von Pfarrer Nadig von Disentis bei einem Besuch die Bestätigung der Klagen des P. Johann erhalten, ebenso von P. Coelestin Muff von Einsiedeln, der ebenfalls in Disentis war. Abt Anselm erklärte, dass hier der Bischof einschreiten müsse, sonst werde P. Johann heimgerufen. Im September 1884 reichte P. Johann beim Bischof seine Demissio als Administrator von Disentis wegen innerer Schwierigkeiten ein. Abt Anselm hatte ihn bereits heimgerufen. Am 26. November kam er von Disentis zurück mit den besten Zeugnissen von den dortigen Stellen über seine Verwaltung.[26]

Noch am 28. November 1884 kehrte P. Johann Baptist wieder nach Engelberg zurück, von wo er aus zügig seine neue Pfarrstelle aufsuchte. Von Abt Anselm Villiger wurde er als Pfarrer von St. Urban bestimmt, nachdem die Regierung des Kantons Luzern ihn dringend um Übernahme dieser Pfarrei ersucht hatte. Während dieser Zeit liess er die Muttergotteskapelle beim Berghof in St. Urban, vom Volk "Ludliger-Chäppeli" genannt, wieder renovieren. Diese wurde früher vom Landvolk aus den Kantonen Luzern und Solothurn fleissig besucht. Das Kirchlein trägt die Jahreszahl 1685. Nach Auflösung des Klosters St. Urban kam der Berghof mit der Kapelle in protestantische Hände, die Kapelle wurde verwüstet und verfiel immer mehr.[27] Während seiner dortigen seelsorglichen Tätigkeit liess er sich in "unsauberer Weise" – heute wohl als sexueller Missbrauch gedeutet - mit einem Knaben der Pfarrei ein, der seine sofortige Entfernung von dieser Stelle zur Folge hatte und er am 21. Oktober 1887 die Pfarrei verlassen musste.

Nach einem Aufenthalt im Kloster Wonnenstein reiste er im März 1888 als Missionar nach Amerika. Durch den Vorfall in St. Urban begünstigte man deshalb seine Abreise. Zunächst wirkte er bei den dortigen Mitbrüdern, die in Conception ein neues Kloster gegründet hatten, in der Seelsorge. So war er 1890 zunächst Pfarrer in Verena in Missouri unter Abt Frowin Conrad. Später schloss er sich dem Kloster New Subiaco in Arkansas an, ein Tochterkloster des von Einsiedeln aus gegründeten St. Meinrad in Indiana. Zuletzt war er bis zu seinem Tod am 22. Juni 1904 Pfarrer in Lindsay in Texas. Er wurde 69 Jahre alt.[28]

Werke

Manuskript

  • Geschichte des Cistercienserinnenkloster Rathausen-Luzern, nach den Quellen bearbeitet, 1888.[29]

Veröffentlichungen

  • Rundschreiben an die Sodalen auf Maria Empfängnis, 1868.
  • Der hl. Joseph, der Schutzpatron der katholischen Kirche, Predigt gehalten in Giswil am Titularfest der St. Josephsbruderschaft den 19. März 1871, Luzern.
  • Von Obwalden nach England, in: Obwaldner Volksfreund 1871, Nr. 41-54.
  • Ins Deutsche übersetzte er: P. Augustin Baker. Ein Bild benediktinischen Wirkens und Geisteslebens aus der Reformationszeit Englands, von P. J. Norbert Sweney OSB.
  • Aus Tyrol heim nach Obwalden, in: Obwaldner Volksfreund 1874, Nr. 45-52.
  • Exil und Asyl der Klöster Mariastein und Rathausen in der Schweiz und St. Maria zu Fulda in Preussen, nebst Reisenotizen und einer kurzen Geschichte des Berges Syon, Solothurn 1879.
  • Der allgemeine Weidgang im Kanton Graubünden, eine national-ökonomische Studie, Chur 1883, 32 S.
  • Die Regel des heiligen Benedict. Im deutschen Originaltexte einer Engelberger Handschrift des XIII. Jahrhunderts (Cod. 72), in: Geschichtsfreund 29, 1884.[30]
  • Trauerrede auf S. Exz. den Hochs. Herrn Eugenio Lachat, Erzbischof von Damiette, Apost. Administrator des Kt. Tessin, gewesener Bischof von Basel. Gehalten in der Pfarrkirche von Altishofen, Kt. Luzern den 12. Nov. 1886 von P. Joh. Baptist Troxler, Kapitular von Engelberg, d. Z. Pfarrer von St. Urban, Räber, 18 S.
  • Die Mariahilfkapelle beim Berghof in St. Urban – Ein Gedenkblatt zu deren Wiedereinweihung am 11. September 1887, 24 S.[31]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Manuskript von Br. Meinrad Haberl (StiArEbg Professbucheinträge, mit Vorarbeiten von P. Gall Heer) übernommen.
  2. Taufschein von Pfarrer Anton Dahinden vom 24. August 1860.
  3. Lusser, Geschichte der Angelo-Montana, S. 12 und Angelomontana 1857–1957, S. 14 - 15.
  4. Lusser, Geschichte der Angelo-Montana, S. 14.
  5. Angelomontana 1857–1957, S. 15.
  6. Lusser, Geschichte der Angelo-Montana, S. 21.
  7. Ibidem, S. 24.
  8. So war er 1864 Festprediger beim Xaveriusfest in der Bruderschaft des hl. Franz-Xaver in Hochdorf, am 29. Aug. 1869 Festprediger in seiner Heimat Hohenrain, 1869 bei der Bruderschaft Maria vom Guten Rat in Abtwil, 1871 am 19. März beim Titularfest der St. Josephsbruderschaft in Giswil und bei der Bruderschaft des hl. Altarsakraments in Maria-Rickenbach, 1873 am 3. Dez. wieder beim Xaveriusfest in Hochdorf, und 1873 bei der Bruderschaft des hl. Franz Xaver in Beromünster; 1878 beim Geistlichen Bund im Kloster in Au-Einsiedeln; 1878 in der Bruderschaft des hl. Franz-Xaver in Hochdorf.
  9. Archiv Kloster St. Andreas in Sarnen, Chronik, Sign. X2, S. 5; daraus auch die folgenden Zitate.
  10. Ibidem, S. 8-9.
  11. "Sie war eine gutmüthige & disciplinirte Klosterfrau, dagegen fehlten ihr sowohl die natürlichen Gaben als auch die Gaben des Geistes, welche eine Oberin nothwendig haben muss. Sie war sehr beschränkten Verstandes woraus grosse Mangelhaftigkeit im geselligen & geschäftlichen Verkehr folgen mußte; auch besass sie gar keine wissenschaftliche Bildung; sie konnte kaum lesen & nur mühsam ein einfaches Briefchen schreiben. Dies war begreiflich hemmend & sehr niederdrückend sowohl für sie als auch für alle, welche mit ihr verkehren mussten. Sie zog sich also sehr gerne, überall, wo es möglich war, zurück. Sie war nur dem Namen nach Äbtissin. So zu sagen alle Verordnungen innerhalb & ausserhalb des Klosters wurden durch den P. Beichtiger getroffen, & sie kam sogar seinen Wünschen zuvor." Ibidem, S. 11-13.
  12. Ibidem, S. 14.
  13. Ibidem, S. 15.
  14. StiArEbg Tagebuch Abt Villiger, Bd. I, S. 84.
  15. StiArEbg Tagebuch Abt Anselm Villiger, Bd. II, S. 39.
  16. StiArEbg Tagebuch Abt Anselm Villiger, Bd. II.
  17. Vgl. Schrift von P. Johann Baptist Troxler: Exil und Asyl der Klöster Mariastein und Rathausen in der Schweiz und St. Maria zu Fulda in Preussen, nebst Reisenotizen und einer kurzen Geschichte des Berges Syon. Solothurn 1879.
  18. Schulbericht 1878 und bei Röthlin, St. Andreas und seine Mädchen-Primarschule in Bewegung in der Beständigkeit, Zur Geschichte u. Wirken d. Benediktinerinnen von St. Andreas/Sarnen, 2000, S. 52.
  19. Die folgenden Passagen stammen aus der Abhandlung von P. Iso Müller, Die Restauration des Klosters Disentis durch die Schweizer Benediktiner-Kongregation 1880/81, und beziehen sich hauptsächlich auf das Wirken von P. Johann Baptist Troxler. Der lange, komplizierte und schwierige Weg bis zur Restauration kann genau in der genannten Abhandlung verfolgt werden.
  20. Müller, Die Restauration des Klosters Disentis, S. 149.
  21. Müller, Die Restauration des Klosters Disentis, S. 154–155.
  22. Abt Basil an Abt Anselm am 25. September 1880.
  23. Ibidem, S. 156-157.
  24. StiArEbg Tagebuch Abt Anselm Villiger, Bd. IV, S. 168.
  25. Ibidem.
  26. Ibidem, S. 249. Weiteres Material über seine Tätigkeit in Disentis: Fry, Carl: Der Löwe von Truns, Zürich 1949, S. 128; Fry, Carl: Die Restauration des Klosters Disentis im 19. Jahrh., in: Jahresbericht der Hist.-Antiquar. Gesellschaft Graubünden, Jg. 1949, S. 67ff. - Anm. von P. Gall Heer: „In beiden Beiträgen kommt unser P. J. Troxler nicht gut weg. Ich hatte Fry auf seinen Wunsch hunderte von Briefen und Akten über ihm zur Verfügung gestellt, die in diesen Angaben kaum je erwähnt werden. (Damit) Die Mähne des 'Löwen von Truns' offenbar nicht zerzaust werde! Für das Ganze kann heute auf die 'Geschichte der Abtei Disentis' von P. Iso Müller, 1971 verwiesen werden."
  27. Dazu schrieb die "Schweizerische Kirchenzeitung" am 15. Oktober 1887, Nr. 42, S. 332 einen längeren Bericht der auszugsweise hier widergegeben wird: Man war daher vor die Frage gestellt, entweder die Ruine ganz abzubrechen oder sie wieder in einen würdigen Stand zu setzen. Hochw. P. Joh. Bapt. Troxler, Pfarrer in St. Urban, gab sich alle Mühe, das Letztere, nämlich eine gründliche Restauration zu erreichen, und es ist ihm gelungen. Er suchte und fand Wohlthäter, welche zum schönen Werk beisteuerten. Auch die protestantischen Eigenthümer des Hofes und der Kapelle übernahmen bereitwillig die Herstellung der Aussenseite. So ist es gelungen, diesem sonst vielbesuchten Wallfahrtskirchlein wieder ein freundliches Ansehen zu geben. Am 11. Sept. 1887 nachmittags ist dieselbe vom Hochw. Hrn. Dekan und päpstl. Kämmerer J. Meier, Pfarrer in Altishofen, unter Assistenz des Hochw. P. Joh. Baptist, OSB und Hochw. P. Eusebius, Guardian Ord. Cap. Feierlich eingeweiht worden. Das Volk war aus den umliegenden katholischen und reformierten Orten in grosser Zahl herbeigeströmt und hat mit grosser Freude und Sammlung der heiligen Handlung beigewohnt und die Predigt des Hochw. Hrn. Pfarrer Johann Baptist Troxler und diejenige des Hochw. Hrn. Dekan Meier angehört. Wer Mehreres über die Kapelle wissen will, kaufe die anziehend geschriebene Broschüre von P. Joh. Troxler, Luzern bei J. Schill. Sie kostet höchstens 20 Cts."
  28. StiArEbg Tagebuch Abt Anselm Villiger, Bd. V, S. 134. Von ihm ist in der Gemäldesammlung des Klosters Engelberg ein 30 x 46 cm grosses Ölportrait von 1879 vorhanden mit der Bildnr. 1006. P. Johann Baptist Troxler verfasste und hinterliess mehrere Schriften und Publikationen.
  29. Der Verfasser ist nicht genannt, auch nicht der Standort des Manuskriptes. Einzelheiten darüber gibt Abt Kassian Haid von Mehrerau in: Innerschweizerisches Jahrbuch für Heimatkunde, Bd. XI/XII, 1957/58, S. 27, wonach das Manuskript 376 Seiten umfasst. Dieses ist Eigentum des Konventes von Rathausen, und dürfte sich heute im niederbayerischen Kloster Thyrnau b. Passau, wohin die Schwestern gezogen sind, befinden. Im Geschichtsfreund 99, 1946, S. 193 schreibt Abt Kassian: "P. Johann Bapt. Troxler habe eine Geschichte des Cistercienserinnenklosters Rathausen 1888 nach den Quellen neubearbeitet, die aber Manuskript geblieben sei." Diese Arbeit ist handschriftlich vorhanden und diente Abt Kassian als Grundlage für andere Arbeiten.
  30. Dazu vergl. Max Konzelmann: Die Engelberger Benediktinerregel. Eine sprachgeschichtliche Untersuchung, Diss. Zürich, Frauenfeld 1919, 2ff.
  31. Siehe auch: Luzerner Volksblatt, 1887, Luzern.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 151.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach dem Manuskript von Br. Meinrad Haberl (mit Vorarbeiten von P. Gall Heer).