Joachim von Deschwanden

Aus Kloster-Engelberg
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Joachim (Melchior) von Deschwanden (* 19. März 1733 in Stans; † 24. August 1793 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 25. August 1754

Priesterweihe: 9. Mai 1756

Primiz: 23. Mai 1756

Ämter

Kustos: 1756–1769

Grosskellner: 1769–1778, 1786–1793

Küchenmeister: 1778–1783

Pfarrer in Auw: 1783–1786

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Johann Melchior von Deschwanden und Maria Katharina Odermatt.

Lebensbeschreibung[1]

Die Familie von Deschwanden ist in Kerns heimatberechtigt. P. Joachim wurde aber in Stans den Eltern Johann Melchior von Deschwanden und M. Katharina Odermatt am 17. März 1733 geboren. In der Taufe erhielt er den Namen Johann Melchior Josef. Die Paten sind nicht genannt. Die Firmung spendete Weihbischof Franz Karl Fugger von Konstanz am 7. August 1742. Das Zeugnis trägt die Unterschrift des Kommissars Franz Josef Kayser und ist datiert mit: "Stans, den 27. August 1753." Wo Melchior die Studien absolvierte, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall muss er einen Teil der Studien in Engelberg gemacht haben, da von ihm gesagt wurde, er sei schon seit langer Zeit in der Klosterschule gewesen, bevor er ins Kloster eintreten wollte.

Er gelanget am 22. März 1753 vor das Kapitel.[2] Hier wurde gesagt, er wohne in Stans, sei aber gebürtiger Kernser. Er stehe schon in reifem Alter, sei fromm und bescheiden, im Verkehr und im Handeln von sanfter Art, sodass er geradezu unter streitsüchtigen Studenten durch seine Ruhe auffiel. Wissenschaftlich sei er nicht hervorragend, aber ein guter Sänger, Violinspieler und Organist. Er wurde denn auch als Kandidat angenommen. Im Kapitel vom 11. August 1753 wurde von ihm gerühmt, dass er wahrhaft Gott suche und Eifer für den Gottesdienst habe. Am 25. August 1753 morgens um 6 Uhr erhielt er das Ordensgewand im Kapitelsaal. Im Kapitel vom 27. Oktober wurde sein Eifer im Gehorsam, auch im Ertragen von unangenehmen Dingen betont, dagegen sei er ein schlechter Tischleser. Auch die Fortschritte in der Schule liessen zu wünschen übrig. Man glaubte aber, das mangelhafte Lesen komme von einer Schwäche der Augen. Er wurde mit knapper Mehrheit zur Fortsetzung des Noviziates zugelassen, vor allem, weil immer wieder betont wurde, das Kloster sei finanziell nicht in der Lage, mehr Mitglieder zu erhalten.[3]

Er konnte aber doch am 25. August 1754 die Profess auf den Namen Joachim ablegen. Alle drei heiligen Weihen spendete ihm der Nuntius Giovanni Ottavio Bufalini, den Subdiakonat am 25. Mai 1755 in der Kirche der Ursulinen in Luzern, den Diakonat am 4. April 1756 in seiner Hauskapelle in Luzern, den Presbyterat am 9. Mai 1756 ebendort mit Dispens wegen mangelnden Alters und Nichteinhalten der Interstitien. 1770 erhielt P. Joachim die Zulassung zur Seelsorge durch den Bischof von Konstanz in seiner Diözese. Die Primiz beging P. Joachim am 23. Mai 1756. Für die beiden Fratres Maurus Müller und Joachim von Deschwanden gab Abt Maurus Zingg am 6. Mai eine eigene Empfehlung an den Nuntius Bufalini mit.

Am 15. Oktober 1756 trat er seine erste Stelle als Kustos an und blieb es bis 1769.[4] Im Mai gleichen Jahres starb die Mutter von Joachim. Am 26. September 1769 wechselte er in die Grosskellnerei.[5] In diesem Amt war er tüchtig und sehr beliebt. 1778 wurde er Küchenmeister und vom 4. Februar 1783 bis 24. November 1786 war er Pfarrer von Auw.[6] Auch hier ist er sehr beliebt. 1786 kehrte er ins Kloster zurück und wurde wieder Grosskellner. Schon im September 1768 hatte er Abt Maurus zur Äbteversammlung nach St. Gallen begleitet[7] Als Grosskellner stand er auch an der Spitze der Seidenkämmelei, die vom späteren Abt Leodegar Salzmann so organisiert war, dass der jeweilige Grosskellner die Oberaufsicht führte.[8]

Er wird von den Zeitgenossen als Mann von sanguinischem Temperament geschildert, von kräftiger, gesunder Gestalt mit rotem Gesicht, dem man das Alter von 61 Jahren nicht ansah. Er sei klug und reif an Sitten gewesen, wie die heilige Regel es verlangt. Er suchte stehts die Finanzen des Klosters zu bessern. Er war allgemein beliebt, nicht zuletzt bei den Angestllten, die ihn wie einen Vater verehrten.[9] Tragisch und für die Mitbrüder eindrucksvoll war sein rasches Ende. Am 24. August 1793 hatte er um 5 Uhr zelebriert, scheinbar gesund, ohne Anzeichen von Krankheit. Um 6 Uhr wollte er im Namen des Konventes dem P. Subprior zum Namenstag gratulieren (P. Floridus Suppiger). Er fing während des Sprechens zu stottern an und fiel bewusstlos in seine Arme. Der Kammerdiener des Abtes und Chirurg Faller kamen zu Hilfe. Sie nahmen ihm Blut ab. Aber P. Joachim erlag dem Schlaganfall.[10] Hier wird besonders seine Tüchtigkeit als Grosskellner gerühmt und seine grosse Beliebtheit bei den Mitbrüdern "omnibus charus".

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Acta capitularia III (Jan. 1747 – Juni 1754), StiArEbg cod. 192, 22. März 1754.
  3. Ibidem, 14. Juni 1754.
  4. Acta capitularia IV (Juni 1754 – Dez. 1797), StiArEbg cod. 193, S. 45.
  5. Ibidem, S. 198.
  6. Hess, Die Pfarrgeistlichen, S. 116.
  7. Rechnungsbuch StiArEbg cod. 37, September.
  8. Fassbind, Die Schappeindustrie in der Innerschweiz, Stans 1950. P. Joachim stand auch mit den Zürchern in Korrespondenz, wie auch P. Benedikt Utiger. Sie waren vor allem mit dem Zürcher Pfarrer Rudolf Schinz freundschaftlich verbunden. Vgl. Zürcher Taschenbuch 1910, S. 149 und 154.
  9. Acta capitularia IV (Juni 1754 – Dez. 1797), StiArEbg cod. 193, S. 552 ff.
  10. StiArEbg cod. 397 (Pfarrbuch 1778-1851), Tabula Defuctorum V, 24. August 1793.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 133.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.