Joachim Brunner

Aus Kloster-Engelberg
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Joachim (Franz Xaver) Brunner (* 4. Mai 1808 in Rothenburg; † 29. Juni 1878 in Niederteufen)

Lebensdaten

Profess: 27. Januar 1828

Priesterweihe: 23. Mai 1831

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1831–1855

Küchenmeister: 1859

Kaplan in Maria-Rickenbach: 1859–1866

Spiritual im Kloster Wonnenstein: 1866–1878

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Alois Brunner und der Verena Meyer.

Paten: Franz Xaver Rusconi und Verena Sigrist.

Lebensbeschreibung[1]

Franz wurde in Rothenburg bei Luzern geboren und am 6. Mai 1808 auf den Namen Franz Xaver getauft. Seine Eltern, Alois Brunner und Verena Meyer, waren dort heimatberechtigt. Taufpaten waren Franz Xaver Rusconi, Professor in Luzern, und Verena Sigrist.[2] Das Gymnasium besuchte er in Einsiedeln, trat aber in Engelberg ein und begann 1827 mit vier weiteren Kandidaten das Noviziat. Am 16. Januar 1928 legte er mit Ihnen die Profess ab, wobei er seinen Ordensnamen Joachim erhielt.[3] Dann studierte er Theologie und Philosophie in Engelberg und empfing durch den Nuntius Philipp de Angelis am 13. März 1831 in dessen Hauskapelle den Subdiakonat, am 17. April den Diakonat und am 23. Mai die Priesterweihe mit Altersdispens. Am darauffolgenden 4. Juni erhielt er vom Bischof Chur-St. Gallen die Erlaubnis zur Ausübung der Seelsorge. Am Klostergymnasium begann er als Lehrer der unteren Klassen und blieb es 24 Jahre lang, von 1831 bis 1855. Der spätere Abt Leodegar Scherer war sein Schüler und schrieb über ihn in seinen Erinnerungen: "Zum Klassenunterricht zog Abt Plazidus Tanner auch ältere Lehrer herbei, so u. a. auch den P. Joachim Brunner, der mein Professor in der ersten Klasse wurde. Er war eifrig im Unterricht und ein gar freundlicher und wohlwollender Mann, den deshalb auch alle seine Schüler sehr liebten. Ich machte unter ihm gute Fortschritte, namentlich in der lateinischen Sprache, so dass ich im Katalog unter den Schülern, deren Zahl sich auf achtzehn belief, einen ehrenvollen Rang einnahm."[4]

Ab dem 11. Januar 1859 bis 15. Februrar 1866 wirkte er als Kaplan in Maria-Rickenbach wo er sich der Wallfahrt annahm und sie tatkräftig förderte. Die Gründerin vom Kloster Maria-Rickenbach, Sr. Gertud Leupi, bat ihren Bruder, Josel Leupi, der zwei Jungen von 14 und 15 Jahren hatte, ob er einen von ihnen, den er für fähig halte, als Brief- und Proviantboten entbehren konnte. Der Transport von Stans nach Maria-Rickenbach dauerte mehr als zwei Fussstunden und war aufgrund der Steigung beschwerlich, besonders zur Winterszeit. Josef Leupi hatte verständliche Bedenken, ob dieser die Strapazen ertragen könne, doch entsprach er ihrer dringenden Bitte. Und der Sohn Josef machte seine Sache sehr gut. P. Joachim erbot sich als Kaplan an der Wallfahrtskirche, Josef das Altardienen zu lernen. Der Knabe erfasste diese Aufgabe leicht und P. Joachim war froh, einen Altardiener zu haben. In ihrer Lebensgeschichte schreibt sie Sr. Gertrud Leupi: "Eines Tages wünschte P. Joachim mich zu sprechen. Jetzt eröffnete er seine Gedanken betreff Josef Leupi: 'Ich halte dafür, dass Josef studieren sollte. Er hat ein gutes Talent. Denken sie daran, Josef wird ein guter Priester, ja ein eifriger Priester werden, wenn er so weiterfährt mit seinem guten Eifer.' Gleichzeitig erbot sich P. Joachim, Josef Leupi Latein-Unterricht geben zu wollen, soweit er freie Zeit dazu finde. Hocherfreut über diese schöne Gelegenheit, begann Josef sein Lateinstudium. P. Joachim sprach sich über den Fortschritt Josefs sehr zufrieden aus. Deshalb empfahl P. Joachim sein Studentlein für das nächste Schuljahr der Klosterschule in Engelberg."[5] Josef Leupi studierte an der Engelberger Klosterschule von 1859 bis 1865 und wurde dann später Priester und der erste Direktor des von Sr. Gertrud Leupi gegründeten Benediktinerinnenklosters Marienburg bei Wikon.

Am 19. Januar 1859 schrieb er Kaplan P. Challemel, er sei Ende November Küchenmeister geworden dann aber wenige Wochen später am 10. Januar 1859 als Wallfahrtskaplan nach Rickenbach versetzt worden. 1866 wurde er als Beichtiger für das Frauenkloster Wonnenstein bestimmt.[6] P. Joachim nahm sich der Schwestern an, die ihn schätzten und sein Wirken unterstützten bis er nach kurzer Krankheit mit 70 Jahren am 29. Juni 1878 verstarb und dort auch begraben wurde. Es war das Jahr seiner Goldenen Profess. Er war der erste Engelberger Pater seit mehr als 120 Jahren, der die Seelsorge bei den Schwestern im Kloster Wonnenstein ausübte. Die Erlaubnis dazu stammte bereits vom Bischof von St. Gallen. Von Papst Pius IX. hatte P. Joachim die Erlaubnis erhalten, Kreuze, Medaillen und Rosenkränze zu segnen und mit Ablässen zu versehen.

In einem Nachruf im Luzerner Vaterland vom 6. Juli 1878 (Nr. 185) wird ergänzend erwähnt, dass er als junger Pater als Lehrer an der Primarschule des Tales Engelberg tätig war, welche das Kloster errichtet hatte und unentgeltlich besorgte und als Katechet für die Schuljugend. Erst dann unterrichtete er an der Klosterschule. Wie P. Adalbert Vogel in seinem "Catalogus biogr. 265" berichtet, war P. Joachim ein grosser Verehrer des hl. Altarsakramentes, der auch die nächtliche Anbetung pflegte. Dabei kam es mit der Zeit zu allerlei "Teufelsspuk", der ihn in seinem Vorhaben stören sollte. "P. Adalbert sagt, es seien unglaubliche Dinge vorgekommen, die man fast nicht glauben möchte, hätte man nicht den untadeligen Charakter und die Wahrheitsliebe des P. Joachim gekannt." Abt Anselm Villiger schrieb von ihm nach seinem Tod: "Er war kein Gelehrter, aber in allem Nötigen wohl unterrichtet. Er studierte fleissig, liebte das Kloster und seine Mitbrüder und war ein guter Religiose."[7]

Professnummer

  • Nr. 608

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Manuskript von Br. Meinrad Haberl (StiArEbg Professbucheinträge, mit Vorarbeiten von P. Gall Heer) übernommen.
  2. Der Taufschein von 16. Oktober 1827 ist ausgestellt von Pfarrer und Kommissar F. A. Brunner, seine Firmung ist nicht attestiert.
  3. Acta capitularia VIII (1810–1842), StiArEbg cod. 280, S. 69.
  4. Hess, Abt Leodegar Scherer von Engelberg – Erinnerungen, in: Gedenkblätter für die Freunde u. Zöglinge der Stiftsschule, 1915, S. 13.
  5. Jäger, Sr. G. Leupi, S. 101-102.
  6. Bisher war die Fürsorge der dortigen Klosterfrauen und der Dienstboten der Umgebung dem aufgehobenen Kloster Fischingen anvertraut gewesen, wo noch bis 1866 ein Pater von dort als Beichtiger wirkte.
  7. StiArEbg Tagebuch Abt Anselm Villiger Bd. III., S. 209. Im Nachlass von P. Joachim befinden sich noch vier Briefe an Kaplan Pierre Challemel in St. Wolfgang bei Düddingen zwischen 1859/60. P. Gall Heer fand dort nicht mehr zu seiner Biografie.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 144, Nr. 608.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach dem Manuskript von Br. Meinrad Haberl (mit Vorarbeiten von P. Gall Heer).