Jakob Benedikt Sigerist

Aus Kloster-Engelberg
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Jakob Benedikt Sigerist (* 1566 von Kerns; † 10. März 1619 in Luzern)

Lebensdaten

Absolvent der Stiftsschule Engelberg: 1582–1583

Profess: 1584

Ämter

Schaffner des Klosters Engelberg: 1588–1593

Pfarrer von Giswil: 1593–1596

Pfarrer von Sachseln: 1596–1602

Abt: 1603–1619

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Bartholomäus Sigerist.

Grossvater: Heini Sigerist.

Lebensbeschreibung[1]

Jakob Benedikt Sigerist wurde 1566 in Kerns OW als Sohn des Bartholomäus Sigerist und Enkel des Regierungsrates Heini Sigerist geboren.[2] 1582 kam er an die Klosterschule Engelberg, trat 1583 ins Noviziat ein und legte am Pfingstfest 1584 die Profess ab.[3] 1588 wurde er Schaffner.[4] 1593 entfernte ihn Abt Andreas Herrsch aus dem Kloster und übertrug ihm die Pfarrei Giswil, 1596 die Pfarrei Sachseln.[5] Hier liess er 1600 über dem Grab des seligen Bruder Klaus eine Kapelle errichten.[6] Am 24. April 1602 ernannte ihn der Nuntius zum Administrator des Klosters.[7] Am 8. September 1603 wurde er vom Nuntius zum Abt gewählt,[8] am 8. Oktober proklamiert,[9] am 27. Oktober vom Bischof bestätigt und am 16. November vom Nuntius in Luzern geweiht.[10] Als Abt war ihm vor allem an der inneren Reform des Konventes gelegen. Er gilt als Restaurator und zweiter Gründer des Klosters. Er nahm wieder Novizen auf, liess einzelne Fratres an der Jesuitenhochschule Dillingen ausbilden, holte aber auch tüchtige Lehr­kräfte aus anderen Klöstern nach Engelberg.[11] Von entscheidender Bedeu­tung war der Beitritt zur schweizerischen Benediktinerkongregation im Jahre 1604.[12] Im Interesse der Seelsorge führte er die Rosenkranzbruder­schaft ein.[13] Im Dienste seines klösterlichen Aufbauwerkes standen auch einige Neubauten: das Kapitelshaus, Klausurmauern, äussere Mauern, die Friedhofkapelle sowie Tabernakel und Altäre in der Kirche.[14] Am 27. August 1613 erhielt er vom Papst das Recht auf Mitra und Stab.[15] 1617 liess er durch einen Konstanzer Goldschmied einen prunkvollen, spätgotisch-barocken Abtsstab anfertigen.[16] Schon 1587 hatten die Schirmorte verlangt, man solle das Frauenkloster Engelberg aufheben, da es oft Anlass zur Ärgernissen gäbe. Auch Abt Sigerist erwog die Aufhebung, gab aber schliesslich 1615 die Zustimmung zur Übersiedlung des Klosters nach Sarnen.[17] Die Regierungs­zeit dieses Abtes war lange Jahre hindurch getrübt durch hartnäckige Rechtshändel mit den Talleuten von Engelberg, bei denen er die alten Herrschaftsrechte der Abtei wieder zur Geltung bringen wollte,[18] und durch den «Landmarchenstreit» und den Streit um den «nassen Zehnt» mit Nidwalden.[19] Während der letzten zwei Jahre seines Lebens litt der Abt an schmerzhaften Krankheiten, denen er am 10. März 1619 im Engelbergerhaus in Luzern erlag.[20]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von der Helvetia Sacra (III I, S. 635f) übernommen.
  2. Hess, Ignaz: Die Sigeriste von Kerns, in: Obwaldner Geschichtsblätter 4, 1928, S. 65f., 69 und 70. StiArEbg cod. 397, Abtsliste.
  3. Seine Lebensdaten hat Sigerist selber in einem Brevier von 1599 eingetragen, StiBiEbg L 85.
  4. StiArEbg cod. 282, p. 141.
  5. Küchler, Anton: Geschichte von Sachsein, in: Geschichtsfreund 53, 1898, S. 256-260.
  6. Durrer, KDUnterwalden, S. 468. Durrer, Bruder Klaus 2, S. 940.
  7. StiArEbg cod. 242, p. 1 ff.
  8. Ib., Wahlakten 1603.
  9. BiAChur, Kopie in StiArEbg cod. 283, p. 175.
  10. StiArEbg Urkunden.
  11. Ib. cod. 283, p. 199, 404; Cod. 227, p. 558.
  12. Ib. cod. 310, p. 6.
  13. Ib., Urkunden.
  14. Durrer, KDUnterwalden, 121, 151, 160f.
  15. StiArEbg Doc. A 29, 29a und b.
  16. Durrer, KDUnter­walden, 160.
  17. EA 5/1, 1809, 1815-1822. Gedenkschrift 350 Jahre Frauenkloster St. Andreas in Sarnen, Sarnen 1965 (Obwaldner Volksfreund 12, 1965).
  18. StiArEbg, E. Ledergerber, Die Engelber­ger Wirren zu Beginn des 17. Jh. (ungedruckte Freiburger Liz.-Arbeit 1968).
  19. StiArEbg cod. 283, p. 509, 512 ; Cod. 217, Litteralia. EA 5/2, 2017. Zum «nassen Zehnt» vgl. oben Abt Jakob Suter, 1576-1583.
  20. StiBiEbg cod. 11, f. 10.

Bibliographie

  • De Kegel, Rolf: Jakob Benedikt Sigerist, in e-HLS.
  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense, Luzern 1882, S. 41f.
  • Helvetia Sacra III I, S. 635f.
  • Heer, Gall: Aus der Vergangenheit von Kloster und Tal Engelberg 1120–1970, S. 203-210.