Ignaz Hess

Aus Kloster-Engelberg
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Ignaz (Alois August) Hess (* 4. Juni 1871 in Kerns; † 14. Februar 1963 in Engelberg), Dr. phil. I

Lebensdaten

Profess: 10. September 1893

Priesterweihe: 31. Mai 1896

Primiz: 14. Juni 1896

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1896–1897, 1898–1905, 1935–1952

Spiritual in St. Katharina: 1908–1919

Archivar: 1919–1925, 1936–1963

Grosskellner: 1919–1925

Spiritual in St. Andreas: 1932?–1936

Spiritual in Wikon: 1952–1956

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Franz Josef Hess und der Franziska Amrhein.

Lebensbeschreibung[1]

Engelberg war der Heimatort von P. Ignaz Hess. Geboren und aufgewachsen ist er allerdings in Kerns, wo seine Eltern, Franz Josef Hess und Franziska, geborene Amrhein, die Wirtschaft zum Rössli und die damit verbundene Bäckerei betrieben. Am 4. Juni 1871 wurde Alois August als Sonntagskind seinen Eltern in die Wiege gelegt. Er war das zehnte in der Reihe seiner Geschwister, drei folgten ihm noch nach. Früh verlor die Familie ihren Vater und die Mutter führte das Gewerbe weiter und brachte die grosse Familie selbständig durch. Im Herbst 1884 kam Alois August an die Klosterschule, und nach der 6. Klasse meldete er sich zum Eintritt ins Noviziat. Er war schmächtig und schien zu wenig widerstandsfähig. Er studierte zunächst am Lyzeum Einsiedeln Philosophie. Dann aber konnte er ins Kloster Engelberg eintreten und nach bestandenem Prüfungsjahr legte er am 10. September 1893 als Frater Ignaz vor Abt Anselm Villiger die monastischen Gelübde ab. Am 31. Mai 1896 wurde er von Bischof Johannes Fidelis Battaglia von Chur zum Priester geweiht, und am 14. Juni feierte er seine Primiz. Josef Ignaz von Ah war sein geistlicher Vater. Das Fest fiel auf den Geburtstag seines Grossvaters mütterlicherseits, Karl Amrhein in Engelberg, der damals als 92-jähriger Greis der Feier in der Klosterkirche beiwohnte.

Wie die meisten der Patres begann er als Lehrer am Kollegium. Diese Tätigkeit wurde schon nach einem Jahr unterbrochen, denn von 1897 bis 1898 war P. Ignaz aushilfsweise Vikar für die Deutschsprechenden in Montreux. Nach seiner Rückkehr unterrichtete er wieder Geschichte, Biologie, Mathematik und Französisch, bald auch Deutsch, Latein und Griechisch und nebenbei in Physik. Zudem war er Musiklehrer in Geigenspiel und Flöte. 1905 belegte er während fünf Semestern an der Universität in Freiburg i. Ue. Kunstgeschichte, Geschichte und historische Hilfswissenschaften. Dann sandte ihn der Abt nach St. Katharina in Wil, wo der Spiritual, P. Benedikt Gottwald, leidend war. Er wurde sein Nachfolger und blieb es bis 1919. In diese Zeit fällt sein Doktorat 1913 mit der Dissertation über den Klosterbau in Engelberg nach dem Brand von 1729. Seine kunsthistorischen und praktischen Fähigkeiten konnte er in Wil unter Beweis stellen, indem er beim Neubau des Instituts tatkräftig mithalf.

Abt Basil Fellmann bestimmte P. Ignaz 1919 zum Grosskellner, ein Amt, das er bis 1925 ausübte. Auch hier verband er umsichtige Sorge mit geschichtlichem Interesse und stellte die rechtlichen Dokumente für die einzelnen Klostergüter zusammen. Bei den Erweiterungsplänen des Klosters konnte ihm allerdings die Mehrheit des Konventes nicht folgen. So übernahm er einen Lehrauftrag am Mädchengymnasium und am Lehrerinnenseminar Ingenbohl und wirkte dann vier Jahre lang als Spiritual im Frauenkloster Sarnen.

Als 65-Jähriger kehrte P. Ignaz an die Schule zurück. Von neuem führte er zahlreiche Schüler in die Kunst des Geigenspiels ein und dozierte für zehn Jahre den oberen zwei Klassen Ästhetik. Auch als er sich mit 75 Jahren vom Schuldienst zurückzog, wollte er nichts von einem „oti um cum dignitate " wissen. Schliesslich war ihm schon 1898 die Betreuung des Archivs übertragen worden. Sein Vorgänger, P. Adalbert Vogel, hatte ihm sein ganzes Zutrauen geschenkt und führte ihn persönlich in sein neues Amt ein. Auch als Grosskellner besorgte er diese Aufgabe und übernahm sie von neuem, als er 1936 ins Kloster zurückkehrte. Selbst als er 1952 nochmals für vier Jahre das Amt eines Spirituals in Wikon versah, blieb er dem Archiv treu. Dabei betrachtete er sich nicht nur als Horter der historischen Dokumente, sondern suchte sie in zahlreichen Schriften nutzbar und einem weiteren Publikum zugänglich zu machen.

P. Ignaz war auch ein unermüdlicher Münzsammler. Der Grundstock war schon von Abt Eugen von Büren gelegt worden. P. Ignaz hat die Sammlung um ein Beträchtliches vermehrt und geäufnet. Dabei verstand er es vorzüglich, Spender aufzustöbern. Schon im Jahresbericht der Schule von 1901/02 führte er 24 Wohltäter namentlich auf und wies auf Lücken hin, die z. B. bei der Sammlung der Papst-Medaillen noch zu schliessen waren. Wie war er stolz, wenn ein Kenner vom Fach ihm gestand, diese oder jene Münze hätte er hier zum ersten Mal gesehen.

Bei P. Ignaz war Religiosität kein Schaustück, das er der Öffentlichkeit bot. Wohl beobachtete er bis in seine alten Tage hinein die klösterlichen Vorschriften und Regeln gewissenhaft. Aber gerade seine Liebe zum Wahren und Echten liess ihn alles Absonderliche vermeiden. Darum suchten ihn die Mitbrüder gerne als Beichtvater auf. Vielleicht lag nicht zuletzt auch darin das Geheimnis, dass P. Ignaz bei seinem Aarauer Freundeskreis ein gern gesehener Gast war. Zu diesem Freundeskreis gehörten Dr. Merz, Direktor Deppeler und Oberstdivisionär Birchler.

P. Ignaz erreichte unter allen Konventualen von Engelberg die grösste Zahl an Lebensjahren bis dahin. Für drei Monate war er auch Senior des Tales geworden. Im Alter von fast 92 Jahren zog er sich dann durch einen Sturz einen Schenkelhalsbruch zu. Der Spitalaufenthalt und das regungslose Liegen behagten ihm wenig. Er wollte ins Kloster heim. Aber bevor sein Wunsch sich erfüllte, starb er am 14. Februar 1963.

Werke[2]

  • Grenzstreit zwischen Engelberg und Uri. Historisch-topographische Studie, in: Jahrbuch f. Schweizer. Gesch. 25, 1900, S. 32-42, 363.
  • Zwei Abtswahlen (1721 und 1724) unter schwierigen Verhältnissen, in: KSBl 17, 1901, S. 50-62.
  • Geschichte der Klosterschule Engelberg mit Schülerverzeichnis von 1803-1900, Luzern 1902.
  • Worte der Erinnerung an P. Benedikt Gottwald. Wil 1908.
  • Der Klosterb Augsburg in Engelberg nach dem Brande von 1729. (Diss.) Festschrift Angelomontana 275-393.
  • Die Responsorien des heiligen Otmar. Anzeiger, f. Schweizer. Gesch. 16, 1918, S. 162-168.
  • Die biblische Geschichte an unsern Mittelschulen, in: MS I 4, 1918, S. 22-24.
  • 1120-1920 (Die Weihe der Klosterkirche.), in: Titlisgrüsse 6, 1920, S. 21-26.
  • Die Samnung in Wil, in: ZSKG 14, 1920, S. 1-27.
  • Ein Missionsbrief des Jesuiten P. Alois Conrad Pfeil, in: ZSKG 18, 1924, S. 166-172.
  • Die Herrschaft Merleschachen, in: GFd 82, 1927, S. 80-103.
  • Die Pfarrgeist-lichen von Sins, Auw und Abtwil im Kanton Aargau, in: Festschrift Walther Merz, Aarau 1928, S. 96-119.
  • Der Numismatiker Karl Gustav Ritter von Schulthess-Rechberg in seinen Briefen an Abt Eugen von Büren in Engelberg, in: Revue numismatique Suisse 25, 1931, S. 120-205.
  • Das Wiler Jahrzeitbuch. Wilermappe. Wil 1936.
  • Unsere Münzsammlung, in: Titlisgrüsse 24, 1937/1938, S. 17-20, 44-47, 62-66.
  • Handel und Gewerbe in Engelberg, in: Titlisgrüsse 24, 1937/1938, S. 85-91.
  • Der heilige Karl Borromäus und das Kloster Engelberg, in: Titlisgrüsse 25, 1938/1939, S. 11-18.
  • Die Kunst im Kloster Engelberg. SHkE 4/6, 1942/1946.
  • Das geistliche Engelberg I/II. SHkE 8/9, 1943/1945.
  • Aus dem kirchlichen und bürgerlichen Leben im alten Engelberg I/IV. SHkE 10, 12/14, 1943/1946.
  • Die Entstehung der Korporationsrechte und der Privatalpen in Unterwaldenin: ZSG 25, 1945, 320-350.
  • (Eduard Wymann) Studienzeit in Engelberg, in: Festschrift Eduard Wymann, Hist. Neujahrsbl. Uri 1944/1946, I, S. 10-15.
  • Urner Notizen im Stiftsarchiv Engelberg, in: Hist. Neujahrsbl. Uri 1944/1946, II, S. 75-88.
  • Der Kampf gegen die Viehseuche im alten Engelberg, in: SHkE 15, 1947.
  • Emanuel Crivelli, Abt von Engelberg (1731-1749), in: SHkE 16, 1950.
  • Schloss Wikon und Töchterinstitut Marienburg. Engelberg 1954.
  • Fremdländische Münzen, in: OwGBl 6, 1956, S. 45-59.
  • Das alte Säckelmeisterbuch von Engelberg, in: OwGBl 6, 1956, S. 107-121.

Professnummer

  • Nr. 678

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 47, 1960/61, S. 57-62, übernommen.
  2. Aus dem Eintrag in der Benediktinischen Bibliografie.

Bibliographie

  • Nachruf P. Ignaz Hess, in: Titlisgrüsse 47, 1960/61, S. 57-62.