Heinrich I.

Aus Kloster-Engelberg
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Romanisches Kreuz von Abt Heinrich (Vorderseite).
Romanisches Kreuz von Abt Heinrich (Rückseite).
Romanisches Kreuz von Abt Heinrich, Detail. Abbildung des Stifterabtes Heinrich mit folgender Umschrift: «MEMENTO MEI DEUS HEINRICUS PECCATOR» (Gedenke meiner, Gott. Heinrich, der Sünder).

Heinrich I. (* unbekannt; † 1223 in Engelberg)

Ämter

Abt: 1197–1223

Lebensbeschreibung[1]

Die Herkunft von Heinrich I. ist unbekannt.[2] Noch im Jahr 1197 wurde er zum Abt gewählt. Um den Unterhalt der beiden zahlenmäßig stark angestiegenen Klöster[3] zu sichern, betrieb er eine gezielte Territorial­politik. Durch einen Tausch kamen die Grafenortsgüter an Engelberg[4] durch eine Schenkung die Rebberge am Bielersee[5]. Es gelang ihm, den Güterbestand in der engeren und weitem Umgebung abzurunden und die bereits von Frowin eingeleitete Grundherrschaft zu einem kleinen Kloster­staat auszubauen.[6] Das Streben des Abtes nach wirtschaftlicher und rechtli­cher Besserstellung seines Klosters führte ihn bald über die Grenzen seines Abteibezirkes hinaus. Er wurde vielfach als Zeuge und Vermittler in Rechts­händeln beigezogen[7] und unternahm im Interesse des Klosters weite Reisen: 1200 an den Königshof zu Eger in Böhmen,[8] 1208 zu König Otto nach Strassburg[9] und 1213 nach Hagenau zu Friedrich II., der ihm am 2. Januar alle Rechte und Privilegien feierlich bestätigte.[10] Daneben war Abt Heinrich ein großer Förderer der Kunst. In der Maler- und Schreiberschule wirkte noch immer der Engelberger Meister, und die Illustrationen der Manuskripte erreichten in dieser Zeit die höchste Qualität.[11] Seinem kunstsinnigen Abt verdankt das Kloster eines der hervorragendsten künstlerischen Werke die­ser Epoche, das silberne Reliquienkreuz.[12] Nachdem ein Brand große Teile des Klosters zerstört hatte, leitete er den Neubau und liess einen Kirchturm mit Glocken errichten.[13] Mit ihm endete die erste Blütezeit des Klosters. Er starb 1223.[14]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von der Helvetia Sacra (III I, S. 612f) übernommen.
  2. Die Herkunftsbezeichnungen «von Wartenbach» und «von Baldegg» beruhen auf Ver­wechslungen oder Lesefehlern. Siehe Durrer, Familiennamen, S. 140f.
  3. 40 Mönche und 80 Nonnen, QW I/1, S. 104f. Nr. 217f.
  4. Ibidem, S. 109-111, Nr. 234, vgl. Durrer, Einheit, S. 81-86.
  5. Jahrbücher Engelbergs, S. 109. QW I/1, S. 97, Nr. 202. Urkunden Engelberg, Nr. 20.
  6. Einzelheiten bei Güterbock, Gründung, S. 60-63, und Heer, Vergangenheit, S. 39-49.
  7. QW I/1, S. 102, Nr. 210; S. 105, Nr. 219; S. 106, Nr. 222; 30f, Nr.276; 133f, Nr. 282.
  8. Ibidem, S. 99, Nr. 206. Urkunden Engelberg, Nr. 22.
  9. QW I/1, S. 106, Nr.224. Urkunden Engelberg, Nr. 31.
  10. QW I/1, S. 115f, Nr. 245. Urkunden Engelberg, Nr. 35.
  11. Durrer, Maler- und Schreiberschule, S. 131-145. Güterbock, Gründung, S. 66f. und S. 85-115. Bruckner 8, S. 47-61.
  12. Ernst Günther Grimme, Das heilige Kreuz von Engelberg, in: Aachener Kunstblätter 35, 1968, S. 21-105. Zu anderen Resultaten kommt Hermann Fillitz, vgl. sein Referat, in: Basler Nachrichten vom 25. Februar 1971. Vgl. auch Durrer, Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden, S. 155-158, S. 1107-1111. Hess, Kunst, S. 38-50. Bernhard Büsser, Die Restauration des Engelberger Reliquienkreuzes, in: Angelomontana, Gossau 1914, S. 471-483. Siehe auch: Ernst Günther Grimme, Goldschmiedkunst im Mittelalter. Form und Bedeutung des Reliquiars von 800 bis 1500, Köln 1972, S. 50-52 und Corpus inscriptionum medii aevi Helvetiae IV, bearb. Von W. Ketteler und Ph. Kalbermatter, Fribourg 1997, S. 70-74.
  13. Jahrbücher Engelbergs, S. 104 und 109. Durrer, Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden, S. 103.
  14. Todestag war der 14. Okt. oder 29. Dezember, siehe StiBiEbg Cod. 26, f. 19r, 22v. Jahrzeitbücher Engelbergs, S. 256 und 258. Heer, Vergangenheit, 55f.

Bibliographie

  • Die Bilderwelt des Klosters Engelberg, hg. von C. Eggenberger, 1999.
  • De Kegel, Rolf: Heinrich I., in e-HLS.
  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense, Luzern 1882, S. 25.
  • Güterbock, Ferdinand: Engelbergs Gründung und erste Blüte 1120–1223, Zürich 1948 (ZSG Beiheft 6), S. 59-68.
  • Heer, Gall: Aus der Vergangenheit von Kloster und Tal Engelberg 1120–1970, S. 36-40.
  • Helvetia Sacra III I, S. 612f.
  • Reinle, A.: Die Kunst der Innerschweiz von 1200-1450, in: Innerschweiz und frühe Eidgenossenschaft 1, 1990, S. 342-346.
  • Frowin in Wikipedia.