Gall Wettach

Aus Kloster-Engelberg
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P. Gall Wettach (mitte) mit zwei Geistlichen ca. 1890.

Gall (Anton) Wettach (* 9. März 1853 in Tablat; † 9. November 1906 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 4. Oktober 1974

Priesterweihe: 25. März 1877

Primiz: 15. April 1877

Ämter

Lehrer in der Stiftsschule: 1877–1905

Kustos: 1900–1905?

Spiritual in Leiden Christi: 1905–1906

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Johann Baptist Wettach und der Josepha Grüninger von Berneck.

Lebensbeschreibung[1]

P. Gall Wettach wurde als jüngster Sohn von drei Kindern des Johann Baptist Wettach, geboren in Rotmonten und Metzger in Tablat, und der Josepha Grüninger von Berneck, am 9. März 1853 in Tablat (SG) geboren. Am 10. März wurde er in der Domkirche in St. Gallen auf den Namen Anton getauft.[2] Die Firmung empfing er am 23. Mai 1864 durch Bischof Karl Johann Greith von St. Gallen in der Domkathedrale.[3] Er besuchte die Primarschule in St. Gallen und zwei Kurse der St. Gallischen Kantonsschule, dann bis zum sechsten Kurs das Gymnasium in Mehrerau. Die zweite Rhetorik absolvierte er an der Klosterschule Engelberg und studierte im letzten Schuljahr die Philosophie am Kollegium Maria-Hilf in Schwyz. Wie es im Empfehlungsschreiben des bischöflichen Ordinariats zu Anton Wettach weiter heisst: "Schon seit Jahren fühlte er in sich die Neigung und den Beruf zum Klosterleben, von dem ihn nichts abzuhalten vermochte."[4]

1873 begann er mit Clemens Langenegger in Engelberg das Noviziat und konnte am 4. Oktober 1874 mit ihm (Fr. Walther) als Fr. Gallus Profess ablegen, die ewigen Gelübde mit ihm am 7. Oktober 1877. Die Weihen erhielt er ebenfalls zusammen mit Fr. Walther: Am 10. Oktober 1875 den Subdiakonat durch den Weihbischof von Chur, Kaspar Willi, in Engelberg, am 9. Juli 1876 den Diakonat durch Bischof Karl Johann Greith von St. Gallen und die Priesterweihe am 25. März 1877 durch Bischof Eugen Lachat von Basel. Seine Primiz feierte er am 15. April 1877 in der Klosterkirche Engelberg. Am 18. August 1877 erhielt er die Erlaubnis zur Ausübung der Seelosrge in der Diözese Chur.

Von 1876 bis März 1905 wirkte er 29 Jahre lang als Lehrer am Stiftsgymnasium. Der spätere Stiftsarchivar P. Ignaz Hess, der P. Gall als Lehrer hatte, schreibt in einem Aufsatz zum 75. Geburtstag seines einstigen Mitschülers, des späteren Staatsarchivars von Uri Eduard Wymann, zu ihm: "Wenn unser Klassenprofessor P. Gall Wettach selig vor uns Schüler gelegentlich ganz ohne genügenden Grund und undiplomatisch über seine Unzulänglichkeit im Deutschen äusserte, so hatte er doch ein lobenswertes Verständnis für die Goldader des Humors, die gar bald in den Zeilen der deutschen Aufsätze seines Schülers durchschimmerte. Als dessen Gipfel betrachtete er mit uns immer seine Versicherung, er und und seine Genossen hätten bei einer unliebsamen Arbeit mehr geschwitzt, als weiland unser Stammvater Adam beim Erdäpfelstecken."[5] Ein ehemaliger Schüler Can. Stalder, später Pfarrer von Beromünster, erzählt in seinem Bericht von 1938 "Vor 60 Jahren - Eine Plauderei" (1878) über seinem Lehrer P. Gall: "Noch habe ich ein Heft mit deutschen Aufsätzchen, die unter der Leitung P. Galls meiner Lehrlingsfeder entflossen. Unter eines davon hatte ich in meiner Latein-Begeisterung harmlos ein schönes 'Fiat' gesetzt. Damit bin ich bei P. Gall nicht gut angekommen. Der hat es mir kräftig durchgestrichen und mir dazu noch eine Extra-Belehrung erteilt."[6] Der spätere P. Franz Huber, der ihn 1871 als Lehrer hatte, hielt zu ihm fest: "Von den übrigen Professoren dieser beiden ersten Jahre sei besonders der für alle mütterlich besorgte P. Gall Wettach erwähnt, der Deutsch dozierte und dem die nahende Fastnachtszeit jeweils Gelegenheit gab, eine Kunstschneiderei zu errichten."[7]

Zur Fastnachtfeier 1887 studierte er mit den Studenten für das Theater ein Lustspiel ein.[8] Von 1883 bis 1890 war P. Gall auch Subpräfekt. Er war ein sehr guter Sänger (Tenor). Ab 1900 war er Kustos. Nachdem er mehr gesundheitliche Probleme hatte, wie anhaltende Kopfschmerzen und Magenprobleme, musste er seine Tätigkeit in der Schule aufgeben. So ging er als Spiritual nach Gonten (Kt. Appenzell) ins Frauenkloster Leiden Christi, wo er zeitweise zusammen mit P. Beda Horat, der bei den Schwestern sehr unbeliebt war, seelsorglich wirkte. Während dieser Zeit sind sieben Briefe an Abt Leodegar Scherer erhalten, in denen er immer wieder seine gesundheitlichen Probleme wie Nerven-, Nieren- und Magenleiden darlegt. Vom 16. September 1906 an machte er eine 61-tägige Behandlungskur in Ebnat-Kappel. Von dort berichtet er detailliert von den ärztlichen Behandlungen und von der eintönigen Kost, die er zu sich nehmen musste. Laut Rechnung betrugen die dafür anfallen Kosten 485 Franken. Danach scheint es ihm kurze Zeit etwas besser gegangen zu sein.

Ähnlich wie sein kurz vorher verstorbener Mitbruder P. Walther Langenegger, wurde er wohl von Todesahnungen geplagt, wie er in einem Brief vom 27. Oktober 1906 an seinen Abt schreibt: "Es ergreifen mich in der Nacht bisweilen recht ängstigende Todesgedanken u. ich bin infolge meines Zustandes oft recht gedrückter u. ernster Stimmung." Sieben Tage vor seinen Tod machte er in seinen letzten Brief seinen Ärger über die Situation im Schwesternkloster ordentlich Luft: "Einige Schwestern hier sind furchbar launenhaft u. querköpfig, am unbegreiflichsten aber ist mir der Unverstand, ich weiss nicht, was für eine Geistesrichtung der Frau Mutter, die gegen mich wohl freundlich, aber gegen sie wird tüchtiger Fr. Helfmutter hier unbegreiflich kopflos u. leidwertig ist."[9] P. Gall starb drei Tage nach einem Gehirnschlag am 9. November 1906 um halb 10 Uhr mit 53 Jahren, acht Tage nach seinem Mitprofessen P. Walther Langenegger.[10]

Professnummer

  • Nr. 652

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom StiArEbg Professbucheintrag nach Br. Meinrad Haberl übernommen.
  2. Taufschein vom 12. Oktober 1866 von Johann Anton Eberle, Pfarr–Rektor; die Geburtsorte der Eltern stehen im Empfehlungsschreiben des Bischöflichen Ordinariats vom 24. September 1873, wo allerdings als Tauftag der 9. März angegeben ist.
  3. Firmbescheinigung von 2. September 1871 von Pfarrer J. A. Eberle, Can. et parochia sector.
  4. StiArEbg Personalakte P. Gall Wettach.
  5. Hess, Die Studienzeit in Engelberg, in: Festgabe zum 75 Geburtstag von Dr. Eduard Wymann - Staatsarchivar von Uri, 1944, S. 10.
  6. Titlisgrüsse 24, Juni 1938, S. 71.
  7. Titlisgrüsse 16, September 1930, S. 71.
  8. Paulus, Oper in der Klosterschule Musik und Theater im Kloster Engelberg, 2010, S. 86.
  9. Brief vom 2. November 1906.
  10. Obwaldner Volksfreund Nr. 89, 14. November 1906 und ein knapper in den Zuger Nachrichten Nr. 132 vom 15. November 1906.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 155.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach Br. Meinrad Haberl.