Gabriel Bircher

Aus Kloster-Engelberg
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Gabriel (Jakob) Bircher (* 27. Januar 1640 in Luzern; † 17. August 1709 in Auw)

Lebensdaten

Profess: 16. Oktober 1656

Priesterweihe: 19. Mai 1663

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1663–1670

Präzeptor der Stiftsschule: 16?–1670

Pfarrer von Engelberg: 1670–1672, 1676–1682

Pfarrer von Sins: 1681–1685

Subprior: 1686–16?

Prior:?

Pfarrer von Auw: 1695–1697

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Johann Bircher und der Mutter Barbara Bühlmann.

Paten: Johann Jakob Bircher und Anna Imholz.

Lebensbeschreibung[1]

Die Bircher gehören zu den alteingesessenen Ratsherrenfamilien Luzerns. Der Vater von P. Gabriel war Johann Bircher, die Mutter Barbara Bühlmann. Ihnen wurde er am 27. Januar 1640 geboren und auf den Namen Johann Jakob in der Pfarrkirche im Hof zu Luzern getauft. Taufpaten waren: Johann Jakob Bircher und Anna Imholz. Der Taufschein wurde am 13. September 1655 vor dem Eintritt ins Noviziat durch Jakob Bislig, S. Theol. Doctor, Kommissar und Pfarrer in Luzern. Vor der Priesterweihe stellte Pfarrer Jakob Schwendimann einen gleichlautenden Taufattest aus. Ein undatiertes Zeugnis über die Firmung durch den Bischof von Konstanz liegt durch den Paten Martin Marzohl vor.

Das Abgangszeugnis des Jesuitengymnasiums stellte ihm der Präfekt am 23. September 1655 vor dem Klostereintritt, resp. vor der Profess aus. Er war sechs Jahre an der Schule gewesen, stets als einer der Klassenersten. Am 11. September 1655 kam Johann Jakob ins Noviziat nach Engelberg an den "Nachtisch", wie die Rechnung sagt. Der Vater, Ratsherr in Luzern, verspricht als Zahlung je Woche zwei Gulden, macht 57 Wochen, im ganzen 114 Gulden, die er bar bezahlte. Für die Austeuer sollte das Gotteshaus am väterlichen und mütterlichen Erbe, an fahrendem und liegendem Gut rechter Erbe sein.[2] Bircher legte die Profess am 16. Oktober 1656 auf den Namen Gabriel ab. Er gehörte auch als eifriges Mitglied der Sodalität in Luzern an, deren Präfekt Johann Rudolf von Sonnenberg und der Sekretär Jakob Pfyffer ihm zum Titularfest der Kongregation am 2. Juli l655 ein rühmendes Gedenken widmeten. Am 6. April erhielt er von Papst Alexander VII. die Dispens für die Priesterweihe weil er noch nicht alt genug war. Er hatte am 2. April 1661 in der Kapelle der päpstlichen Nuntiatur durch den Legaten Federico Borromeo den Subdiakonat erhalten, 1662 ebenda den Diakonat, während P. Franz von Sonnenberg gleichzeitig zum Subdiakon geweiht wurde. Abt Ignaz Betschart hatte am 21. September 1662 ein entsprechendes Gesuch gestellt. Der Nuntius ging auf die Bitte ein und erteilte P. Gabriel am 19. Mai 1663 in der Jesuitenkirche in Luzern die Priesterweihe.[3]

Seine Tätigkeit war zunächst der Klosterschule gewidmet, deren Leiter er bald wurde. Bei den Schülern war er sehr beliebt. Es ist eine "tabula gratulatoria", eine Glückwunschadresse der damaligen Schüler erhalten, die ihrem Präzeptor zum 40. Geburtstag eine geistige Blumenspende überreichten, bestehend aus 34 Litaneien, 34 Psaltern, 34 Ministrantendienste bei der heiligen Messe sowie 34 Abtötungen. Diese Art, Geburtstage zu ehren, war in der Stiftsschule bis ins 20. Jahrhundert üblich. Sieben Schüler unterzeichneten mit ihrem Namen. P. Gabriel wird hier als Präzeptor und Subprior bezeichnet. Die Schule zählte also damals sieben Schüler. 1670 bis 1672 war P. Gabriel Pfarrer in Engelberg, wiederum 1676 bis 1682, von 1681 bis 1685 war er Pfarrer in Sins. Zum Subprior wurde er 1686 bei der grossen Mutation unter Abt Ignaz Burnott ernannt, da P. Karl Troger Prior wurde.

P. Gabriel hatte im Frauenkloster Sarnen eine Schwester, die offenbar krank war, denn 1676 wird eigens eine Frau Salome Tiller angestellt, "des P. Gabrielis Schwester abzuwarten".[4] 1679 wird eine Barbara Zettel für die Schwester des P. Gabriel in Dienst genommen. Die Schwester Anna Bircher starb am 11. April 1681.[5] Als P. Gabriel 1661 zur Subdiakonatsweihe in Luzern weilte, musste er im Auftrag des Abtes eine Barbara Krebs auszahlen, die für das Kloster "ein Wäpplein ausbessern und sechs wäpplein sticken musste",[6] vermutlich für die Sakristei. Dass Abt Ignaz Betschart ein genauer Rechner war, erfuhr P. Gabriel, als er für den Klosterschüler Bernhard Lochinger als Präzeptor das Tischgeld bereinigen musste. Dazu schrieb der Abt eigenhändig: "P. Gabriel hat übel zahlt, war minder ein gulden etliches."[7]

Inzwischen war er, nachdem er 1676 bis 1682 Pfarrer in Engelberg gewesen war, zum Prior aufgestiegen und wird als solcher bei der Wahl des Abtes Plazidus Hess in den Wahlakten eigens erwähnt. Eine besondere Vorliebe hatte P. Gabriel für Reliquien. So erhielt er am 26. September 1685 von Johann Georg Muoth in Konstanz Reliquien, welche dieser vom Sekretär Jakob Massuno erhalten hatte. Am 16. September 1678 wurde er in einer Frage betreffend Reliquien beigezogen: P. Adam Schiess S.J. in Luzern besass einen Splitter von der Dornenkrone, der von jenem Dorn stammte, der im Besitz der Familie Pfyffer in Luzern war und an das Kloster Engelberg gelangte. Doch zweifelte man an der Echtheit der Reliquie. Die Familien Pfyffer und ihre Verwandten waren in Rom Inhaber mehrerer hoher Offiziersstellen und vermittelten mit Vorliebe heilige Leiber aus den Katakomben in die Schweiz.[8] So wurde P. Gabriel ersucht, ein Zeugnis beizubringen, ob dieser Dorn tatsächlich mit dem pfyfferschen identisch sei, der an das Kloster geschenkt wurde, ob er öffentliche Verehrung geniesse und gnadenbringend sei. Das Zeugnis darüber sollte vom Abt unterzeichnet sein. Wenige Tage später, am 23. September, erfolgte die Prüfung der Reliquie in Luzern in Gegenwart des P. Adam Schiess S. J. und des P. Melchior Blättler durch den apostolischen Protonotar und bischöflichen Kommmissar Dr. Jakob Schwendimann. Jungfrau Marie Wegmann, die den Dorn dem P. Gabriel übergeben hatte, wurde einlässlich über acht Punkte befragt, welche die Reliquie betrafen.[9] Die Beglaubigung stellte Abt Ignaz Betschart am 25. März 1679 aus. Eine besondere Freude erlebte P. Gabriel, als er am 12. September 1680 als Vertreter seines Klosters an den Translationsfeierlichkeiten der heiligen Sergius, Bachus, Hyacinthus und Erasmus in St. Gallen abgeordnet wurde.[10]

1694 war P. Gabriel mit P. Frowin Christen für acht Tage in Einsiedeln.[11] Am 19. Oktober 1695 bat P. Gabriel, "Ex-Prior von Engelberg für seine Pfarrkirche Auw" um eine Reliquie des heiligen Nikolaus von Mira, die er auch erhielt.[12] P. Gabriel war 1681 und 1685 Pfarrer in Sins, 1695 bis 1697 in Auw. Am 9. Juni 1700 kehrte er nach Sins zurück und blieb bis dort bis zu seinem Tod am 17. August 1709. Von dieser Tätigkeit im Freiamt wird gerühmt, "er war unermüdlich in der Ausschmückung der Kirchen von Sins und Auw"[13] 1685 kehrte er als Prior nach Engelberg zurück. Gesundheitlich scheint er lange keine Beschwerden gelitten zu haben. Schon früh musste er den Wundarzt Melchior Keller in Stans konsultieren wegen eines "Gewächs am Knüe". Dieses wurde am 2. Juli herausgeschnitten.[14]

P. Gabriel war vielfach der Vertrauensmann seines Abtes in rechtlichen Fragen. Schon am 25. März 1689 war er als Subprior wegen des Frauenklosters in Sarnen.[15] Am 5. Dezember 1689 wurde er mit P. Athanas a Ca­stanea vom Abt wegen dieser gleichen Frage zum Nuntius nach Luzern geschickt und noch im gleichen Monat nach Einsiedeln in dieser Sache.[16] Im Oktober 1690 weilte er mit P. Plazidus Hess in Sarnen.[17] Am 9. Oktober 1690 besuchte er von Sarnen aus in Stans eine "comedi".[18] Bei diesem Anlass predigte dort P. Karl Troger.[19] Bald darauf, am 5. Oktober 1690, weilte er zur Besprechung des Sarner Handels in Einsiedeln mit dem Ergebnis, es soll sofort eine Konferenz der Äbte nach Muri berufen werden. P. Gabriel reiste daher sofort von Einsiedeln nach Muri, damit die Angelegenheit in Fluss komme, da der Nuntius ungeduldig dränge.[20] Noch am 24. März weilte er wegen Sarnen in Luzern und nahm am eben fälligen Museggrundgang teil, als Begleiter des P. Prior von St. Urban.[21]

Mehrere Jahre nach dem Tod von P. Gabriel, am 27. Mai 1718, berief sich Abt Johannes Albini darauf, Bircher sei gleichzeitig Subprior in Engelberg und Pfarrer in Sins gewesen. Man glaubte, es gehe nicht an, dass P. Ignaz Weber gleichzeitig Subprior und Spiritual im Frauenkloster Sarnen sein könne.[22] Nach P. Ignaz Odermatt[23] war P. Gabriel kurze Zeit auch Beichtiger in Sarnen gewesen. Für eine literarische Tätigkeit blieb dem vielbeschäftigen P. Gabriel wenig Zeit. Von ihm ist ein Büchlein bekannt: "Von dem heiligen Berg Calvaria" für die Bruderschaft der Sieben Schmerzen Mariae.[24] Von ihm ist noch ein Brevier erhalten, das ihm seine Mutter beim Buchhändler Businger in Luzern gekauft hatte.[25] Er starb als Pfarrer in Auw und Senior des Kapitels ehe er Monate vor dem Tod litt er schwere Schmerzen und war schliesslich geistigen Fähigkeiten beraubt.[26]


Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Es wurde insbesondere betont gegen die sog. "Tote Hand", die auch in Luzern galt vgl. StiArEbg cod. 42 a, S. 68.
  3. StiArEbg Personalakten P. Gabriel Bircher.
  4. Rechnungsbuch 1676, 22. Januar, S. 22.
  5. Vgl. Verkündbuch der Pfarrei.
  6. StiArEbg cod. 42, S. 62.
  7. StiArbEbg cod. 42, S. 214.
  8. Zu diesem Thema, siehe: Achermann, Hansjakob: Katakombenheiligen und ihre Translationen, Stans 1980, hier besonders die Kapitel: Bittsteller und Vermittler, S. 26-32.
  9. Stückelberg, Reliquiengeschichte I, S. 186.
  10. Vgl. Bischof, J. A.: in "Studien zur St. Gallischen Geschichte, Festschrift 1934, S. 237f, dazu Achermann, Katakombenheiligen und ihre Translationen, S. 116f.
  11. Diarium P. Josef Dietrich, Stiftsarchiv Einsiedeln A HB, 9.
  12. Ibid.
  13. Straumeyer, Annales 2, StiArEbg cod. 222, S. 280.
  14. StiArEbg cod. 44, S. 652.
  15. StiArEbg Konrad Christen, Band X, S. 182.
  16. Ibidem, S. 200.
  17. Ibidem, S. 309.
  18. Nach Eberle, Theatergeschichte, war es ein Muttergottesstück.
  19. Ibidem, S. 315.
  20. Ibidem, S. 350.
  21. StiArEbg Konrad Christen XI, S. 170.
  22. Ibidem, S. 170.
  23. Odermatt, Collectanea Bd. 2, StiArEbg cod. 211, S. 700.
  24. Zug, F.K. Moos, 1681.
  25. StiArEbg cod. 42, S. 109.
  26. StiArEbg cod. 394 (Pfarrbuch 1692–1728), Tabula Defunctorum II, S. 241.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 114.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.