Frowin Christen

Aus Kloster-Engelberg
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Grabplatte von P. Frowin Christen.

Frowin (Kaspar) Christen (* 8. April 1666 in Buochs; † 22. Mai 1743 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 23. April 1684

Priesterweihe: 20. Mai 1690

Primiz: 28. Mai 1690

Ämter

Lehrer der Philosophie und Theologie: 1690–1697

Pfarrer in Engelberg: 1696–1700, 1704–1707

Küchenmeister: 1697

Subprior: 1700–1709

Bibliothekar: 1704

Prior: 1709–1743

Krankenbruder: 1725

Kellermeister: 1729–?

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Theodor Christen und Katharina von Wil.

Paten: Caspar Brüggermann und Barhara Thöny (Töngi).

Lebensbeschreibung[1]

Die Familie von P. Frowin stammte aus Buochs in Nidwalden, wo er am 8. April 1666 den Elteren Theodor Christen und Katharina von Wil geboren wurde. Er erhielt den Taufnamen Kaspar Theodor. Die Taufurkunde nennt als Paten Caspar Brüggermann und Barhara Thöny (Töngi). Pfarrer Johann Caspar Jakob unterschrieb die Urkunde.

Er vermerkte seinen Eintritt ins Kloster an die Klosterschule am 3. Dezember 1679.[2] Aus dem Tagebuchfragment des P. Karl Troger ist zu entnehmen, dass er bei der Fronleichnamsprozession 1680 einer der beiden "angeli cantores" war und am 27. Januar 1680 einer der sieben Schiller war, die ihrem Präzeptor P. Gabriel Bircher zum Geburtstag gratulierten. Auch die Philosophie und Theologie studierte er im Kloster. So konnte er am 23. April 1684 die Ordensprofess ablegen. Die Weihe als Subdiakon erhielt er am 4. Juni 1689 in der Jesuitenkirche in Luzern durch Nuntius Bartolomeo Menatti, die Diakonatsweihe in der Kirche der Ursulinen in Luzern durch den denselben Nuntius, den Presbyterat ebenfalls durch den Nuntius in seiner Residenzkapelle in Luzern. Hier sei auch gleich beigefügt, dass er als Professor der Philosophie und Theologie am 3. Mai 1695 durch den Nuntius Marcello d'Aste zum Apostolischen Notar erhoben wurde.

P. Frowin war ein überaus vielseitiger und vielbeschäftigter Mann, der fast alle Klosterämter irgendwann einmal versah. Von ihm sagt Straumeyer[3]: "Nach dem Tode des Abtes Joachim Albini habe man seinem künftigen Nachfolger nahegelegt, es sollten nicht alle Ämter in einer Hand vereinigt sein, wie bei P. Frowin, der zugleich Prior, Archivar, Kapitelssekretär, Bibliothekar und Apotheker gewesen sei. Diese Ämter sollten an verschiedene Inhaber aufgeteilt werden, sonst werde dem Nichtstun Vorschub geleistet." 1697 wurde er im Fastenkapitel zum Küchenmeister ernannt und war zugleich Katechet der Pfarrei. Bisher war er Pfarrer von Engelberg gewesen und Leiter der Klosterschule.

Am 30. November 1694 kam er mit P. Prior Gabriel Bircher nach Einsiedeln und blieb mehrere Monate bis zum 26. April 1695, um dort Unterricht in Orgel und Violine zu nehmen.[4] Von 1696 bis 1700 und nochmals von 1704 bis 1707 war er als Pfarrer von Engelberg nachgewiesen. Er bekleidete auch die Ämter des Subpriors und Novizenmeisters. Am 15. September 17ll nahm er mit Abt Joachim Albini an einem Augenschein teil im Streit um die Alp Fang mit Nidwalden, das damals auf weitere Forderungen verzichtete. 1709 wurde er Prior. Am 13. Mai 1704, wohl als Bibliothekar, bezog er Bücher von Johann Ludwig König in Basel, laut Rechnung im Betrag von 27 gld.[5]

Eine besondere Aufgabe erhielt er 1709, als Nidwalden von Engerlingen schwer heimgesucht wurde. P. Frowin wurde nach Stans gerufen, um mit dem Stab des heiligen Magnus das Land an verschienen Orten zu segnen. Der Landrat von Nidwalden hatte eine Prozession angeordnet. Zu seinem Empfang leistete ihm Landammann Stulz, Statthalter Zelger, Obervogt Odermatt und Kommissar Zelger in der "Krone" zu Stans Gesellschaft.[6] In der Nidwaldner Büntichronik wird P. Frowins Einsatz im Kampf gegen die Engerlingsplage 1709 ebenfalls erwähnt: "Uf welches Reverendus Pater Frovin Christen, dermahlen Suprior, mit den Reliquien angelangt [ist; er] hat alhier zu Stanß, item zu Buochß, bey St. Anthoni und St. Jost am Bürgen vil Wasser, item Erden und hasslene Ruothen benediciert und gesägnet, so hernach mit sunderer Frucht und meiste Verthrybung der Yngeren gebraucht worden [sind]. […] Diser Pater ware 3 Tag alhier, logierte bei den Herren Vätern Capucineren und auch hernach z Buochß wurde ihme von 2 wältlichen Herren abgewartet, mit wenigem Kosten meiner gnädigen Herren. [Es wurden] ihme 2 Dublen verehrt."[7]

1715 wurde P. Frowin als Prior in die Priesterbruderschaft Uri aufgenommen.[8] Es war bereits oben davon die Rede, dass P. Frowin sich um seine Weiterbildung in der Musik im Kloster Einsiedeln bemühte. Er muss sich auch später noch in Kompositionen versucht haben. Denn P. Benedikt Deuring schrieb in der Orgelstimme seiner gedruckten Cantilene[9], er habe vor ca. 7 Jahren von dem "perillustrissimus Patronus noster" eine Cantilene zur Abschrift erhalten, "Proserpina" genannt, die er abschrieb und wieder zurückgab, die aber dann verloren ging. Der Patronus habe sie aber von ihm zurückverlangt, sonst werde er ihm keine Unterstützung mehr für seine musikalischen Bestrebungen leihen. Er habe dann einen Teil seiner 10. Motette (dieses Bandes) mit diesem Namen belegt. Der Name dieses Patrons ist nicht genannt. Aber es kann damals nur Prior Frowin gewesen sein.

Im September 1714 begleitete P. Frowin als Prior vier Fratres nach Chur zu den heiligen Weihen. Die Reise ist insofern von Bedeutung, weil sie ein Bild davon gibt, mit welchen Umständen eine solche Bergfahrt damals verbunden war. Man kann sie bis ins einzelne verfolgen, weil über sie eine kurze Rechnung vorliegt. Die Fratres waren Nikolaus Artho, Magnus Langenstein und Benedikt Deuring, die zu Priestern geweiht, und Fr. Josef Kälin, der Subdiakon wurde. Die Reise ging durch das Tal hinaus, dann zu Schiff nach Flüelen, zu Pferd nach Andermatt, wo sie einen Wegmacher in Dienst nahmen, der den Weg über den Oberalppass von Schnee freischaufeln musste. Am 20. September waren sie in Disentis, wo sie Pferde entlehnten für 20 s. und im Kloster eine "Letze" von einem Taler gaben. In Chur mussten sie dem Torwächter wiederum einen Obolus entrichten. Den Heimweg nahmen sie über Pfäfers, Glarus, wo die Eltern des P. Benedikt Deuring wohnten, von dort über den Pragelpass nach Brunnen und über den See nach Buochs. P. Frowin, der offenbar die Seele des damaligen Konventes war, erhielt von Abt Albini den Auftrag, den Verkehr mit den Maurinern unter P. Johannes Mabillon zu übernehmen.[10] Aber noch 20 Jahre später, als P. Bernhard Pez von Melk einen Katalog der Werke der Benediktiner anzulegen versuchte und P. Apronian Hueber von Mehrerau (damals noch OSB) für ihn als Mittelsmann sich einsetzte, tritt im Verkehr mit diesem Prior Frowin wieder auf.[11] Hueber hatte sich nach den Handschriften des Abtes Frowin von Engelberg erkundigt und schrieb am 24. Januar 1718, diese lägen im Stiftsarchiv Einsiedeln, wohin sie Abt Andreas Herrsch, der von Einsiedeln kam, einst in sein Stammkloster entführt habe. Diese Version der Geschichte war damals sehr verbreitet, lässt sich aber nicht belegen. In einem späteren Brief, vom 2. September 1719, konnte aber Hueber doch den "liber de laude liberi arbitrii" Frowins verdanken, der von Einsiedlen herausgegeben wurde.[12]

Christen war bei allen Vorzügen im Grund doch eine umständliche, ja ängstliche Natur, voller Bedenken; er konnte sich nicht leicht entschliessen. Wenn gesagt wurde, Straumeyer habe erklärt, Frowin habe zuviele Ämter in seiner Hand vereinigt, so trifft das für die Zeit dem Klosterbrand von 1729 zu. Nach dem Brand hatte Abt Maurus Rinderli verfügt, dass die Konventualen in den verschiedenen Klöstern der Kongregation ein Asyl suchen sollten.[13] So mussten in Engelberg die Klosterämter auf die wenigen im Tal verbliebenen Patres verteilt werden. So erhielt auch P. Prior Frowin zu seinen bisherigen Ämtern noch das des "praefectus cellae vinariae" d.h. des Kellermeisters.[14] Im übrigen war er als Oberer sehr beliebt und während 34 Jahren, von 1709 bis 1743 bis zu seinem Tod Prior des Klosters. Er war ein Beispiel klösterlicher Disziplin, des Stillschweigens, der Nüchternheit, der Wachsamkeit, vorbildlich im Chorbesuch und im Beichtstuhl. Er half mit Vorliebe den Kranken des Tales mit Medizinen aus, spendete Rat und Trost. Er war von starkem Körperbau, wie eine Eiche, war aber mit einem jahrelangen Steinleiden behaftet, das seine Todeskrankheit werden sollte. Er starb am 23. Mai 1743 nach langem schmerzhaften Leiden.

Prior Frowin war ein unermüdlicher Schaffer, der nie untätig bleiben konnte. So leistete er immer neben seinen Amtspflichten Aushilfe in der Kanzlei und schrieb zahlreiche Protokolle. So war er auch bei der Mitarbeit beteiligt, als Abt Joachim Albini 1707 die Helvetische Chronik des Ägidius Tschudi durch seine Patres abschreiben liess.[15] Am 26. September l710 hielt er in Einsiedeln die Predigt zum Engelweihfest.[16] Seine leibliche Schwester Anna Regina war seit 1728 im Kloster verpfründet und starb im Dezember 1742.[17] Er selber wurde am 19. Februar 1725 vom neuen Abt Maurus Rinderli als Prior bestätigt und noch zum Krankenbruder ernannt.[18] Eine grosse Freude erlebte P. Frowin, als er im Frühling 1740 seine Sekundiz feierlich begehen konnte.[19] Soviel er in seinem langen Leben geschrieben hatte, so wenig nahm er sich Zeit zu einer grösseren Arbeit. Doch ist aus seiner Feder ein bedeutsames Buch erhalten, das hier nicht übergangen werden soll. 1720 widmete er seinem Abt Joachim Albini den Band "Fragmenta limitanea, ne penitus pereant, id est Urkunden gründlich, wahrhafft und treuwlich verfasste zusammenschreibung aller Marchbrieffen und Instrumentorum so zwüsched den Kantonen Ury und Unterwalden und dann dem Gotthaus Engelberg aufgrichtet".[20] Dies ist eine bedeutende rechtsgeschichtliche Quelle für die Geschichte des Klosters.

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. StiArEbg Rückseite Professurkunde P. Frowin Christen.
  3. Straumeyer, Annales 9, StiArEbg cod. 229, S. 31
  4. Diarium Dietrich, Stiftsarchiv Einsiedeln A.H.B. 9.
  5. StiArEbg Mappe 1694–1724.
  6. Zelger, Chronik, S. 92 und Odermatt, Schematismus von Nidwalden, S. 73. Über die gleichzeitigen Massnahmen in Obwalden, vgl. Ettlin Leo, Johann Baptist Dillier, in Obw. Geschichtsblätter II, Sarnen 1969, S. 219ff, mit Lit. besonders E. Wymann, in Obw. Geschichtsblätter II, S. 123.
  7. Referenz: Chronik des Johann Laurentz Bünti Landammann 1661-1736, in: Beiträge zur Geschichte Nidwaldens 34, 1973, S. 181.
  8. Mitteilung von Pfarrresignat J. Müller, Altdorf an P. Gall Heer.
  9. Engelberger Musikbibliothek KM 60.
  10. Heer, Joh. Mabillon, Reg. besonders S. 287ff.
  11. darüber Heer, P. Bernhard Pez von Melk: Festschrift O. Vasella, Fribourg 1964, S. 445.
  12. Archiv Mehrerau, Band 193, Nr. 5.
  13. Heer, Aus der Vergangenheit, S. 281.
  14. Cod. 202, S. 118.
  15. StiBiEbg cod. 189, S. 1-188.
  16. Druck, Einsiedeln 1711, S. 439 und 45l, vgl. darüber Obw. Geschichtsblätter II. 1904, S. 13.
  17. Acta Cap. II., S. 192.
  18. StiArEbg Korr. Rinderli.
  19. Acta Cap. II, S. 156.
  20. StiArEbg cod. A. 1720.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 119.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.