Frowin

Aus Kloster-Engelberg
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Abt Frowin mit dem Abtstab und der Schreiber Richene mit dem Schabmesser vor dem Pult. StibiEbg cod. 5, f. 1r – Biblia latina vulgatae versionis cum prologis (https://www.e-codices.ch/de/list/one/bke/0005).

Frowin (* unbekannt; † 17. März 1178 in Engelberg)

Lebensdaten

Übertritt aus dem Kloster St. Blasien: ca. 1143

Ämter

Abt: ca. 1143–1178

Lebensbeschreibung[1]

Die älteren Annalen aus dem frühen 13. Jh. nennen als Nachfolger Adelhelms drei lasterhafte Äbte, die sogenannten Ababbates. Aber erst die Annalen von 1484 erwähnen ihre Namen. Sie sprechen von einem Luitfried, Welfo und Hesso, die unwürdig lebten, die Güter des Klosters verschleuderten und daher abgesetzt und vertrieben wurden.[2] Diese dunkle, verworrene Zeit von 1131 bis 1143 (1147) wurde vermutlich vom Streit reformeifriger und reformgegnerischer Strömungen innerhalb des Konvents geprägt.[3] In der offiziellen Liste der Äbte von Engelberg erscheint Frowin von St. Blasien[4] als zweiter Abt. Er gehört zu den bedeutendsten Vorstehern des Klosters. Über sein früheres Leben ist lediglich bekannt, dass er am 10 April 1141 als Mönch von St. Blasien mit seinem Abt am Königshof in Strassburg als Zeuge auftrat.[5] Vermutlich 1143 wurde er zum Abt des reformbedürftigen Klosters Engelberg berufen.[6] Er führte wieder ein klöster­liches Leben nach der Regel St. Benedikts ein und ließ das Kloster mit Mauern umgeben.[7] Um die materielle Wohlfahrt des ihm anvertrauten Gotteshauses sicherzustellen, ließ er am 20. Dezember 1148 durch den Bischof von Konstanz[8] und am 8. Juni 1157 durch Papst Hadrian IV.[9] die Rechte der Pfarrei Engelberg, die kirchliche Selbständigkeit der Abtei, die Ansprüche auf die Pfarreien von Stans und Buochs sowie den päpstlichen Schutz und die Freiheit der Abts- und Vogtswahl urkundlich bestätigen. Eine besondere Aufgabe seiner Reformtätigkeit sah Frowin in der Pflege von Kunst und Wissenschaft. Durch seine Maler- und Schreiberschule legte er den Grund­stein zur Stiftsbibliothek[10] Noch sind über 40 Codices aus seinem Skripto­rium vorhanden. Frowin war auch selber als theologischer Schriftsteller tätig, indem er ein Werk über das Lob des freien Willens und eine Erklärung des Vaterunsers schrieb.[11] Auf Frowin dürfte zudem die Begründung der Klosterschule zurückgehen.[12] In seine Zeit muss auch der Beginn des Frauenklosters Engelberg angesetzt werden.[13] Am 14. Oktober 1164 amtete er als Schiedsrichter zwischen den Äbten von St. Blasien und Schaffhausen.[14] Der hochverdiente Abt starb am 17. März 1178[15] im Ruf der Heiligkeit.

Werke

  • Bauer, Frowin von Engelberg (1147–1178), S. 27-75 und S. 269-303.
  • Explanatio dominicae orationis, hg. von S. Beck, 1998.

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von der Helvetia Sacra (III I, S. 610f) übernommen.
  2. Jahrbücher Engelbergs, S. 103 und 109.
  3. Güterbock, Gründung, S. 27-31. Heer, Vergangenheit, S. 26-29.
  4. Zur Behauptung, Frowin sei von Einsiedeln hergekommen, siehe die kurze Zusammenfassung bei Güterbock, Gründung, S. 40-43.
  5. Gerbert I, S. 422f. In seinem Mutterkloster stand er in bestem Ansehen. Sein Name steht im «Liber constructionis», einer der wichtigsten Quellen des alten Schwarzwaldklosters, Mone 4, S.105 und 121-123.
  6. Güterbock, Gründung, S. 38-40, nimmt 1147 an. Zum Datum 1143 vgl. ibidem, S. 38, Anm. 35, und Heer, Vergangenheit, S. 27f.
  7. Jahrbücher Engelbergs, S. 109.
  8. QW I/1, S. 63f, Nr. 134. Güterbock, Gründung, S. 141f.
  9. QW I/1, S. 69, Nr. 146. Urkunden Engelberg, Nr. 7.
  10. Durrer, Maler- und Schreiberschule, S. 43-55. Durrer, Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden, S. 188-200. Bruckner 8, S. 19-45. Güterbock, Gründung, S. 49-55 und S. 69-75.
  11. Bauer, Frowin.
  12. Lehmann, Paul, Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz 1, München 1918 (Nachdruck 1969), 30, sieht in einem Bücherverzeichnis des 12. Jhs. ein Verzeichnis von Schulbüchern. Bruckner 8, S. 43, weist diese Behauptung zurück. Vgl. auch Hess, Klosterschule.
  13. In ein er undatierten Frowin-Urkun­de ist von Klosterschwestern und Klosterbrüdern die Rede, QW I/1, S. 63, Nr. 132. Urkunden Engelberg, Nr. 82.
  14. QW I/1, 70 Nr. 152. Urkunden Engelberg, Nr. 8.
  15. StiBiEbg Cod. 26, f. 9r. Jahrzeitbücher Engelbergs, S. 249. Jahrbücher Engelbergs, S. 103 und 109.

Bibliographie

  • Bauer, Otmar: Frowin von Engelberg (1147–1178), De laude liberi arbitrii libri VII, Diss. Freiburg, Teildruck in: Recherches de théologie ancienne et médiévale 15, Louvain 1948, S. 27-75.
  • Die Bilderwelt des Klosters Engelberg, hg. von C. Eggenberger, 1999.
  • De Kegel, Rolf: Frowin, in e-HLS.
  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense, Luzern 1882, S. 23f.
  • Güterbock, Ferdinand: Engelbergs Gründung und erste Blüte 1120–1223, Zürich 1948 (ZSG Beiheft 6), S. 32-56.
  • Feiss, H.: Frowin of Engelberg, his Monastery, his Scriptorium and his Books, Part 1, in: The American Benedictine Review 56, 2005, S. 68-99.
  • Helvetia Sacra III I, S. 610f.
  • Hunkeler, Leodegar: Der selige Frowin von Engelberg, in: Titlisgrüße 29, 1943, S. 33-73.
  • Steinmann, M.: Abt Frowin von Engelberg (1143–1178) und seine Hs., in Geschichtsfreund 146, 1993, S. 7-36.

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