Floridus Hartmann

Aus Kloster-Engelberg
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Floridus (Jodok) Hartmann (* 3. Juli 1698 in Luzern; † 29. November 1743 in Wattwil)

Lebensdaten

Profess: 26. Januar 1716

Priesterweihe: 19. Juli 1722

Primiz: 26. Juli 1722

Ämter

Bibliothekar: 1723

Präzeptor: 17?–1729

Zeremoniar: 17?–1729

Spiritual im Kloster Wattwil: 1734–1743

Spiritual im Kloster Maria Hilf in Altstätten: 1737

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Eltern: Franz Melchior Hartmann und A. M. Katharina Bur.

Bruder: Josef Hartmann.

Paten: Jodok Karl Rüttimann und Margaretha Göldlin.

Lebensbeschreibung[1]

P. Floridus Hartmann war Bürger der Stadt Luzern, wo die Familie zum Patriziat gehörte. Josef Hartmann, ein Bruder P. Floridus, hatte 1721 durch Kaiser Karl VI. den Adelsbrief erhalten. In Luzern wurde Jodok Karl, so war sein Taufname, den Eltern Franz Melchior Hartmann und A. M. Katharina Bur am 3. Juli 1698 geboren. Taufpaten waren: Jodok Karl Rüttimann und Margaretha Göldlin. Der Taufschein ist ausgestellt am 31. Dezember 1716 von J. B. Acklin, Pfarrhelfer im Hof. Neben dem erwähnten Jost Bernhard Hartmann[2], der eine ganze Reihe von Ämtern versah und 1742 Schultheiss wurde, hatte P. Floridus noch einen weiteren Bruder: Johann Jakob. Er war 1713 Grossrat und Stadtschreiber von Willisau.[3]

Über die Ausbildung des jungen Jodok ist nichts bekannt, es liegt aber für einen regimentsfähigen Luzerner nahe, dass er die dortige Schule der Jesuiten durchlief. Er trat 1715 in Engelberg ins Noviziat und legte am 26. Januar 1716 die Profess auf den Namen des Märtyrers Floridus ab. Den Subdiakonat empfing er am 22. Mai 1717 durch den Nuntius Giuseppe Firrao in dessen Residenzkapelle, am Tag, da P. Karl Breni Priester wurde. Den Diakonat spendete Nuntius Domenico Passionei am 20. Dezember in seiner Privatkapelle, den Presbyterat am 19. Juli 1722. Die Primiz machte er am darauffolgenden Sonntag, den 26. Juli.

Am 19. Februar 1725 wird er von Abt Maurus Rinderli zum Präses des Rosenkranzaltars und Director chori ernannt.[4] Am 20. Juni 1725 konsultierte er in Luzern Dr. Hermann, was 2 gld 16 s kostete.[5] Schon am 25. September 1723 hatte er auf Schloss Heidegg seinen Bruder, Junker Jost Bernhard, besucht und dabei 8 gld gebraucht.[6] In diesem Jahr 1723 war er Bibliothekar, als P. Marquart Herrgott von St. Blasien die von Nuntius Passionei entführten Bände von Luzern zurückbrachte. P. Floridus bekam darauf den ganzen Groll des Nuntius zu spüren.[7]

Bis 1729 war P. Floridus Präzeptor der Schule und erster Zeremoniar.[8] Der Brand des Klosters von 1729 wurde ihm zur Last gelegt, da er den Schülern vor ihrer Wegreise in die Ferien erlaubte, ein Feuerwerk abzubrennen, durch das Kloster und Kirche ein Raub der Flammen wurde. Die Folge war, dass P. Floridus im Kloster unmöglich wurde. Am 30. August 1729, am Tag nach dem Brand, wurde er von Abt Maurus Rinderli nach St. Gallen geschickt.[9] Von hier kam er zunächst nach Neu St. Johann, wo St. Gallen einen Teil der Klosterschule unterhielt. Wie lange er hier blieb, wird nicht gesagt. Am 3. September 1729 war er noch in Luzern auf Besuch gewesen. Hier sollte er abwarten, wie weiter über ihn verfügt werde. Für die Abtwahl in Engelberg notierte Abt Joseph Rudolphi von St. Gallen am 9. Januar 1731 in sein Tagebuch: "Hab den P. Floridum, Professum in Engelberg, zur Election eines neuen Praelaten mit Pferden, Diener und Zehrung dahin abgefertiget."[10] Er muss aber doch einige Zeit in Neu St. Johann geblieben sein. Denn Abt Emanuel Crivelli schrieb in einem Brief nach Sins an P. Magnus Langenstein,[11] P. Floridus sei ganz unerwartet in Engelberg erschienen und habe gehofft, wieder ins Kloster zurückkehren zu können. Er hätte ihm gern entsprochen, wagte es aber nicht. Am 17. Oktober 1736 erlaubte er dem P. Magnus, eine Wallfahrt nach Rigiklösterli zu machen, um sich zu erholen und auch P. Flo­ridus zu besuchen. Am 25. Oktober 1739 schrieb er von Wattwil aus an P. Ildephons Straumeyer auf seine Anfrage hin über die rechtliche Stellung des Frauenklosters gegenüber St. Gallen.

Am 16. Februar 1734 erhielt er vom Abt von St. Gallen die Weisung, als Beichtiger zum Kloster Wattwil zu gehen. Hier führte er, wie eine alte Klosterchronik meldet, ein erbauliches Leben, das ihn bei den Nonnen sehr beliebt machte. Er war zwar nicht gern dorthin gegangen und nur "maximopere renitens", mit grossem Widerwillen. Für den 12. Januar 1737 notierte Abt Joseph von Rudolphi in sein Tagebuch: "Hab durch Herrn Dekan den P. Floridum, Professum Engelbergensem, denen Klosterfrauen in Altstetten zum Beichtvatter vorstellen lassen."[12] Er war also zumindest kurze Zeit auch Spiritual in Altstätten gewesen, blieb aber offenbar in dieser Funktion auch in Wattwil, wo er am 29. November 1743 starb, nachdem er fast zehn Jahre dort gewirkt hatte.[13] Abt Coelestin Gugger von St.Gallen notierte dazu in sein Tagebuch: "Heute Abend kam ein Bote vom Kloster S. Maria mit Briefen, dass der dortige Beichtiger, P. Floridus Cap. [Capitularis] Engelbergensis, heute um 10 Uhr mit Todt abgangen, an einem heftigen Grimmen, so ihn erst vorgestern nach gehaltener Mess angegriffen. Requiescat in pace."[14]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Luzernerwappen- und Adelsbriefe, in: AHS 38, 1924, S. 64f.
  3. Messmer­, Hoppe, Luzerner Patriziat, S. 316 und 391.
  4. StiArEbg Korr. Rinderli, 19. Februar 1725.
  5. StiArEbg Rechnungsbuch 1717, 20. Juni 1725.
  6. StiArEbg Rechnungsbuch 1717, 25. September 1723.
  7. Heer, Aus der Ver­gangenheit, S. 275.
  8. Straumeyer, Consuetudines, StiArEbg cod. 202, S. 117.
  9. Acta capitularia I (Aug. 1729 – Okt. 1737), StiArEbg cod. 190, S. 1. Eintrag aus dem Tagebuch von Abt Joseph Rudolphi von St. Gallen am 10. September 1729: "Nachdem das Kloster Engelberg völlig abgebronnen, ist mir P. Floridus Hartmann vom Herrn Praelaten recommendiert worden, den ich auch hier angenommen ad tempus." In: Stiftsarchiv St. Gallen, Bd. 272B, Tagebuch von Abt Joseph von Rudolphi (Hinweis von Karl Schmuki, St. Gallen).
  10. Stiftsarchiv St. Gallen, Bd. 272B, Tagebuch von Abt Joseph von Rudolphi (Hinweis von Karl Schmuki, St. Gallen).
  11. Brief vom 8. November 1734, StiArEbg Abteiakten Emanuel Crivelli.
  12. Stiftsarchiv St. Gallen, Bd. 272B, Tagebuch von Abt Joseph von Rudolphi (Hinweis von Karl Schmuki, St. Gallen).
  13. Straumeyer, Ius quasi-episcopale abbati exempti monasterii Angelomontani, StiArEbg cod. 231, S. 412, Mitteilung von Sr. Gertrud Haecki aus Engelberg über die Notiz der alten Chronik im Frauenkloster Wattwil, St. Gallen 1955.
  14. Stiftsarchiv St. Gallen, Bd. 274, Tagebuch von Abt Cölestin Gugger von Staudach (Hinweis von Karl Schmuki, St. Gallen).

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 125.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.